by markusgaertner on 18/05/2012
Jetzt hat der zweite regionale Fed-Präsident in den USA gefordert, die größten Banken in kleinere Einheiten aufzubrechen, um das Systemrisiko in den Griff zu bekommen. James Bullard von der St. Louis-Fed ging bei einer Rede vor einem lokalen Rotarier-Club nach einer Zwischenfrage auf die jüngsten Trading-Verluste bei JP Morgan ein und sagte, sie unterstrichen wie schwierig es sei, so große Banken zu regulieren, und welche Gefahren von ihnen ausgingen.
Zitat Bullard: “This is why you want these companies to have plenty of capital, I would back my colleague (Dallas Fed-Präsident) Richard Fisher in saying that we should split up the largest banks.”
Hier geht es zu dem Redetext auf der Webseite der St. Louis Fed.
Der Kommentar von Bullard entspricht dem, was Richard Fisher bereits zu Protokoll gegeben hat. Fisher verlangt, die fünf größten US-Banken in kleinere Teile zu zerlegen. Nach Bekanntwerden der fehlgeschlagenen Wette bei JP Morgan hatte Fisher gesagt, er sei besorgt, dass die größten Geschäftsbanken kein ausreichendes Risikomanagement hätten.
Fisher schlägt seit Jahren in diesem Sinne Alarm. Die fünf führenden Banken der USA kontrollieren 52% des Eigenkapitals der Branche. Im Jahr 1970 waren das noch 17% gewesen. Die sechs führenden Geldhäuser verfügen über Eigenkapital, das 62% des BIP der USA entspricht. Im Klartext: Sie sind nicht nur “too big to fail”, sondern auch zu groß, um gerettet werden zu können.
Die größte im Lande ist Jamie Dimon´s JP Morgan Chase mit 2.100 Mrd. Dollar und 239.000 Beschäftigten. Bullard sagte zu Reportern im Anschluss an seiner Rede, dass seine Forderung auch JP Morgan einschließe. Zitat: “We do not need these companies to be as big as they are.”
by markusgaertner on 17/05/2012
Im DealBook der NY Times können wir heute lesen, dass die Milliarde zusätzlicher Verluste, die Jamie Dimon für die nächsten Wochen auf die fehlgeschlagene Wette seines Hauses in Aussicht gestellt hat, nach nur vier Handelstagen eingetreten ist. Jetzt also schon drei Milliarden. Kein Wunder, wenn der ganze Markt gegen JP Morgan wettet, könnte man sagen.
Müssen wir Mitleid mit der Bank haben ?
Prinzipiell nicht, würde ich antworten. Aber erst recht nicht, wenn man den Effekt durchrechnet, mit dem sich Market Watch heute beschäftigt. Demnach könnte JP Morgan das Derivate-Desaster sogar in einen Gewinn ummünzen. – Und das geht so.
Die Bank hat bekanntlich nicht nur einen riesigen Appetit für raffinierte Wetten auf Zins-Derivate. Sie hat auch enormen Hunger auf Aktienrückkäufe. Im März kündigte das Geldhaus nicht nur eine Erhöhung der Dividende an, sondern auch ein Rückkaufprogramm für eigene Aktien im Umfang von 15 Mrd. Dollar. Davon sollen 12 Mrd. schon im laufenden Jahr getätigt werden.
Seitdem das Wall Street Journal Anfang April erstmals von dem verlustreichen Deal berichtete, ist der Aktienkurs von JPM knapp 12 Dollar gefallen. Rund 60 Millionen seiner Aktien wird JP Morgan laut dem Analysten Marty Mosby beim Brokerhaus Guggenheim Securities im laufenden Quartal am Markt kaufen. Das wären 720 Millionen Dollar, die JPM wegen des spektakulären Derivate-Geschäfts auf den Aktienkauf spart.
Nur in diesem Quartal, wohlgemerkt, weil in den kommenden Quartalen weitere Aktienrückkäufe kommen, die jeweils auch billiger als erwartet sein werden. Die 60 Millionen Aktien, die im laufenden Quartal zurückgekauft werden, kosten beim heutigen Aktienkurs von knapp 35 Dollar 2,1 Milliarden Dollar. Das ist nur ein Sechstel des Rückkaufprogramms für das ganze Jahr.
Laut Mosby – der noch von zwei Milliarden Verlust ausging – sieht die Arithmetik hinter dem Deal so aus: Die bislang überwiegend auf dem Papier verlorenen zwei Milliarden Dollar – die die Bank durch Einsparungen, zum Beispiel bei Boni – binnen ein oder zwei Quartalen wieder hereinholen wird – werden durch Gewinne mit gegenläufigen Deals auf eine Milliarde Nettoverlust verringert. Mit diesem Verlust können die Steuern auf Gewinne anderswo verringert werden, was den Gesamtverlust aktuell auf etwa 650 Millionen Dollar nach Steuern reduziert.
Geht der Aktienkurs auf das alte Niveau zurück, hat JP Morgan an dem schiefgelaufenen Deal am Ende verdient. Da die Bank dank des spektakulären Buchverlustes auf den Derivate-Deal einen schönen Hebel hat, um Boni und andere Ausgaben zu streichen, verwandelt sich das Derivategeschäft in einen satten Gewinn. Laut Mosby kann sich der Verlust von zwei Milliarden Dollar aus dem Derivate-Deal bis Mai 2013 in einen vom Betrag her größeren Gewinn verwandelt haben.
Da lässt sich auch die zusätzliche Milliarde, die das DealBook gerade aufdeckt, locker zusätzlich verkraften.