2014-08-31_2112

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2014-08-31_2112Zwischen dem Silicon Valley und der Bankenmetropole New York wächst die Rivalität. Das Tech-Mekka im Westen der USA jagt den Finanzinstituten im Osten so viele gute Talente ab, dass diese drastisch ihre Gehälter für Einsteiger anheben müssen (Bild: Kevin Krejci, Flickr CC).

Die Bank of America plant, die Einstiegsgehälter 2015 um mindestens 20 Prozent aufzustocken. Goldman Sachs, JP Morgan und die Citigroup sollen ähnliche Pläne hegen. “Die Banken stehen im Wettbewerb mit Techfirmen, die für die junge Generation ein bisschen mehr sexy sind als der Finanzbereich”, sagt der New Yorker Headhunter Paul Sorbera. Doch die Jagd nach Talenten ist nur ein Reibungspunkt zwischen dem techfreundlichen Westen und dem finanzbesessenen Osten der Vereinigten Staaten.

Google, Facebook und Cisco machen sich zunehmend von den Investmentbanken der Wall Street unabhängig, wenn es darum geht, Milliardendeals einzufädeln und umzusetzen. Übernahmen ohne die Einschaltung von M&A-Profis der Banken nehmen rasant zu. Im laufenden Jahr verdeutlicht dies der Blick auf die Zahlen des Datenanbieters Dealogic: Bei Deals für mehr als 100 Millionen Dollar wurde in 69 Prozent der Fälle keine Bank konsultiert.

Das ist mehr als eine Verdoppelung gegenüber den 27 Prozent, die vor zehn Jahren gemessen wurden. Als Apple in diesem Jahr für drei Milliarden Dollar Beats Electronics übernahm, ein Spezialist für höherwertige Kopfhörer und Lautsprecher, rief der iPhone-Konzern keine M&A-Experten bei den Banken an.

Dasselbe gilt für die Übernahme von Waze, eine der weltweit führenden Verkehrs- und Navigations-Apps, für eine Milliarde Dollar durch Google. In immer mehr Fällen gehen die Investmentbanker leer aus, darunter auch bei der Übernahme der Foto-App Instagram durch Facebook, oder dem Blog-Portal Tumblr durch Yahoo.

Der wichtigste Grund dafür sind nicht einmal die hohen Bankgebühren. Die umgeht der IT-Sektor bei großen Deals neuerdings damit, dass er Inhouse-Teams mit Finanzspezialisten aufbaut. Diese schreiben erheblich kleinere Rechnungen als die Investmentbanken. Abgesehen davon türmen die Techriesen immense Bargeldbestende auf. Über die Finanzierung müssen sie sich also keine Sorgen machen, wenn sie auf Einkaufstour gehen.

Der Börsengang von Facebook im Jahr 2012 zum Beispiel, diente nicht in erster Linie dem Einsammeln von dringend benötigtem Kapital. Es erlaubte vielmehr einigen Aktionären, sich mit goldenen Fallschirmen zu verabschieden.

Der wichtigste Grund für die immer häufigere Umgehung der Dealmaker in der Finanzbranche hat mit dem Wesen der Techindustrie zu tun. Dort geht man bei Übernahmen mehr esoterisch vor, als nach harten Bilanzkriterien wie Cashflow und Gewinnen. Denn oft sind die jungen Zielfirmen sowieso noch nicht profitabel und haben keine etablierte Bilanzhistorie. „Banker können zwei Dinge sehr gut”, sagt der M&A-Experte Richard Climan dem Wall Street Journal, „Bilanzen ausleuchten und verhandeln.” Doch bei sehr jungen Techfirmen sei das nicht sonderlich hilfreich.

Techfirmen drängen die Investmentbanken bei ihren großen Deals vor allem deshalb an den Rand, weil ihre Spitzenmanager oft nicht glauben, dass Banker wirklich verstehen, wonach sie suchen. Als Facebook 19 Milliarden Dollar für die Übernahme von WhatsApp hinblätterte, verglichen entgeisterte Börsianer und Analysten den stattlichen Kaufpreis mit den wenigen Ingenieuren und dem mickrigen Umsatz, den das Unternehmen machte.

Der Kaufpreis erschien einigen schlicht astronomisch, selbst heute noch. Doch in Wahrheit ging es Facebook um etwas, das Investmentbanker schwer messen können: Es ist der Kauf von zusätzlicher Zeit, die Menschen mit der Benutzung ihrer Mobilgeräte zubringen. Für ein Unternehmen, das der dominierende Player im Mobilzeitalter werden will, war der Deal eminent wichtig. Den Nutzen für Facebook können Investmentbanker indes erst in einigen Jahren messen.

Es geht in der schnelllebigen Branche schlicht mehr darum, wie ein Zukauf langfristig in das bestehende Unternehmen passt, und ob er einen wichtigen Baustein für erwartete Entwicklungen und die bestehende Vision darstellt. Das kann man in den relativ überschaubaren Zirkeln des Silicon Valley besser einschätzen, als es eine Armee von Bilanzprüfern und Gewinnanalysten vermag. Facebook zum Beispiel verdutzte selbst Experten, als es die Übernahme des Virtual Reality-Spezialisten Oculus VR bekanntgab.

Die simple Erklärung dahinter: Facebook-Aufsichtsrat Marc Andreessen sitzt auch im Kontrollgremium von Oculus. Sein Insiderwissen kann kein Banker bieten. Große IT-Firmen wie Google beschäftigen eigens Experten, die sich ständig mit dem Managment abstimmen, für welche Produkte ein Übernahmebedarf besteht. IT-Firmengründer und Pioniere sitzen im Silicon Valley zudem oft in mehreren Aufsichtsräten und kennen sich gegenseitig bestens. Hier werden Einsichten und Informationen getauscht, die Banker nicht zu bieten haben.

Der ganze Beitrag steht im aktionaersforum

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{ 4 comments }

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