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Gibt die Fed bald weniger Gas, oder nicht ? Hat der Kamikaze-Kurs der japanischen Notenbank Erfolg, oder nicht ? Folgt die EZB den Währungshütern in Tokyo und Washington mit massivem Quantitative Easing, oder nicht ? – Bisher haben sich “nur” die Geldfluten aufgebläht. Jetzt haben solche Fragen Inflation. Die Zweifel wachsen.

Nicht nur, weil der enormen Geldausweitung der Notenbanken keine entsprechende Fiskalpolitik gegenüber steht. Sondern auch, weil der zusätzliche Nutzen jeder weiteren Geldrunde abzunehmen scheint. Was hat die Fed erreicht, außer neuen Spekulationsblasen ? Ein mageres BIP-Wachstum von 0,6% im ersten Quartal und einen Arbeitsmarkt, der sich – sehr wohlwollend gesprochen – zäh erholt.

Doch bis nach China sehen wir, dass Geld-Gymnastik und Zins-Yoga immer weniger bewirken. In China haben die staatlichen Geschäftsbanken in den vergangenen vier Jahren die Kreditmenge von 9 auf 23 Billionen Dollar aufgebläht, vom gefährlich anschwillenden Kreditstrom der Untergrund-Banken ganz zu schweigen. Und was kommt dabei heraus ? Das langsamste BIP-Wachstum seit Beginn des vergangenen Jahrzehnts.

Selbst die Crash-artige Abwertung des YEN zeitigt in Japan wegen der schwachen Absatzmärkte im Rest der Welt zuletzt nicht die erhofften Ausfuhr-Zuwächse. Und in Europa sind 9 von 17 Euroländern in der Rezession. Das 10., Deutschland, hat mit 0,1% BIP-Zuwachs im ersten Quartal das geringste Wachstum erzeugt, das mathematisch möglich ist.

Kein Wunder also, dass bei solch tristen Befunden im Lichte der biblischen Geldfluten sich einige Ernüchterung Bahn bricht. Angereichert wird diese von der Einsicht, dass Aktienkurse und Anleihe-Notierungen Rekordwerte erreicht haben. Die Bernanke-Dusche – höhere Aktien- und Immobilienpreise erhöhen den gefühlten Wohlstand und in der Folge den Konsum – funktioniert auch nicht.

In diesem Umfeld hat es die Wall Street-Propaganda vom Aufschwung im zweiten Halbjahr zunehmend schwer. Kein Wunder also, dass es jetzt zunehmend zu größeren Ausschlägen kommt, wie beim Gold, bei den Wechselkursen – und am Donnerstag auch beim Nikkei.

Minus 7,3% an einem Tag. So eine Stichflamme gibt es nur in einem Einspritz-Motor, in den man Flugbenzin füllt. Der Nikkei-Absturz zeigt uns, was die Notenbanken vor sich haben, wenn sie tatsächlich weniger auf das Gaspedal drücken wollen. Ich zweifle daran weiterhin, aber es ist interessant zu sehen, wie die Markt-Teilnehmer reagieren, noch bevor es soweit ist.

Bernanke hat in dieser Woche das Gegenteil gesagt, er hat gewarnt, welcher Schaden durch frühzeitiges Drosseln angerichtet werden könnte. Drei Dinge werden uns klar: Erstens, die Behauptung mancher, das Schlimmste der Schuldenkrise sei vorüber und eine neue Finanzkrise stehe nicht ins Haus, überzeugt nicht.

Zweitens, weitere Kurs-Crashs können jederzeit passieren. Vielleicht sogar nach oben, wenn zum Beispiel in der kommenden Woche bei einem historischen Rekord an Shorts im Gold an der COMEX einige auf dem falschen Fuß erwischt werden und es einen klassischen Short-Squeeze gibt.

Und drittens, die Notenbanken sind in ihrer Tretmühle gefangen, wie Liam Halligan im Telegraph zurecht schreibt.

Wenn das so ist, müssen wir davon ausgehen, dass sich ein wirtschaftlicher Sturm zusammen braut. Die Frage ist nur, wann er über uns hinweg ziehen wird. Doch es braut sich noch ein zweiter Sturm zusammen. Ein politischer. Und das gleich in dreierlei Sinn.

Barack Obama hat sich in einem Spinnen-Netz hausgemachter politischer Skandale verfangen. Drohnen-Einsätze mit Tötungen von Amerikanern. Spitzelei gegen US-Journalisten. Politisch motivierte Kamapagnen der Steuerbehörde.

Im schlimmsten Fall wird der US-Präsident einen Sommer im Belagerungs-Zustand erleben, in dem seine Großprojekte für die zweite – und letzte – Amtszeit – viele Monate verlieren: Steuer-Reform, Spar-Kompromiss, Anschub am Arbeitsmarkt etc.

Das ist aber nicht alles. Die politische Führung der Eurozone kommt auch nicht weiter. Auf der alles entscheidenden Achse Paris-Berlin gibt es Probleme. Zwischen Hollande und Merkel herrscht große Uneinigkeit über den fundamentalen Kurs aus der Krise: Kollektivierung des Bankensystems, der Schulden und vieler Entscheidungs-Befugnisse ? Oder weiter sparen und unter Schmerzen aus der Krise winden ? In diesem Spannungsfeld bahnt sich kein großer Wurf für einen Weg aus dem Jammertal der Schulden an.

Schließlich China. Seit Mao Zedong hat die Führung in Peking einen fundamentalen Wandel durchgemacht: Vom starken Mann zur gemeinsamen Führung, unter einem starken Staatspräsidenten zwar, aber zunehmend unter dem Banner konsens-orientierter Politik eines professionalisierten Zentral-Komitees, in dem Ingenieure und wirtschaftliche ausgebildete und einsichtige Männer das Zepter gemeinsam in der Hand halten.

Das bedeutet, dass weitreichende Reformen schwerer durchzusetzen sind. Das gilt auch deswegen, weil die Staatswirtschaft nach der gewollten Konsolidierung ab Beginn des vergangenen Jahrzehnts immer mehr Einfluss gewonnen hat. Die Chefs der führenden Staatskonzerne sind im Minister-Rang und haben – ähnlich wie Banker in Washington und New York – immensen Einfluss. Doch die Staatswirtschaft wehrt sich gegen einen Kurswechsel, der privaten Firmen und dem Markt mehr Freiheiten gewähren würde, um weiteres Potential für Wachstum frei zu setzen.

So haben wir zwischen Berlin, Washington, Paris, Brüssel, Tokyo und Peking folgende Situation: Die Notenbanken zwar nicht am Ende ihrer Munition, aber mit rasch sinkendem Zusatz-Nutzen ihrer jüngsten Politik. Gleichzeitig wachsende politische Lähmung in den großen Hauptstädten, bei sinkendem Spielraum in der Fiskalpolitik und nachlassender Dynamik in der Weltwirtschaft.

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“Shitty” Europa – Die Sicht aus einem amerikanischen Rettungsboot

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