by markusgaertner on 28/01/2012
Die Bank hat 2008 Barack Obama im Wahlkampf unterstützt, und sie steckt jetzt dem aussichtsreichsten Bewerber der Republikaner um die Gegenkandidatur zu Obama für die Wahl im November viel Geld zu.
Goldman Sachs sichert sich – wie bei einem guten Wertpapiergeschäft – ab. Die Investmentbank hedegt Obama mit Romney. Man weiß ja nie.
Romney, der einen Großteil seines Einkommens von 21 Mio. Dollar im vergangenen Jahr aus Kapitaleinkünften bezog (wir freuen uns für ihn, fragen aber brav, wie das seine künftigen Entscheidungen beeinflussen wird) kaufte 1999 beim Goldman Sachs-IPO 7.000 Anteilscheine der Investmentbank Goldman Sachs, die ihm einen Gewinn von 1,1 Mio. Dollar bescherten.

Ein absolut legitimes Geschäft, das von einem guten Riecher zeugt, aber eine Interessenlage vermuten lässt, die man kennen muss. Die New York Times berichtete vor kurzem, dass “viele der Assets (Wertpapiere) in Romneys Blind Trust von Goldman Sachs verwaltet werden”.
Ein Blind Trust ist ein Pool von Anlagevermögen, das der Verwalter (Goldman Sachs in diesem Fall) frei investieren kann, bei dem der vermögende Kunde (von dem das Geld stammt) aber nicht die Positionen im Fonds kennt, daher wird er blind genannt.
Nachfolgend die Tabelle mit Romneys zehn spendabelsten Wahlkampfhelfern. Die komplette Liste mit den 20 größten Spendern gibt es bei Open Secrets.

Mittlerweile ist Goldman Sachs der größte Wahlkampfspender von Romney, wie mehrere US-Medien unter Bezugnahme auf offen gelegte Dokumente (Publikationspflicht in den USA) berichten.
Goldman Sachs war während und nach der Finanzkrise 2008 der Empfänger von 10 Mrd. Dollar in Bailout-Kapital und Notkrediten.
Währenddessen zeigt sich, dass neun von Romneys 20 größten Wahlkampfspendern große Wall Street-Banken wie Goldman Sachs sind. Laut dem Center for Responsive Politics hat Goldman Sachs dem Republikanischen Politiker bereits 367.200 GDollar für seine Kampagne zukommen lassen.
Eine aktuelle Liste der Top-Spender für die Romney-Kampagne findet sich hier bei Opensecrets.org.
Romney hat das Kritik im anlaufenden Wahlkampf eingetragen, zuletzt auch aus dem eigenen Lager. In der jüngsten LIVE-Debatte der Republikanischen Bewerber auf CNN attackierte Newt Gingrich Romney, dieser habe Gewinne aus einem Fonds erwirtschaftet, in dem Goldman Sachs auch verbriefte Hypotheken jener Art hielt, wie sie die Finanzkrise 2008 auslösten.
by markusgaertner on 27/01/2012
Die US-Wirtschaft soll im Schlussquartal um 2,8% gewachsen sein, hören wir heute vom Handelsministerium in Washington. Das ist eine erste Schätzung, versteht sich. Wir haben in den Vorquartalen gesehen, dass hier des öfteren kräftig nach-gebessert werden muss.
Angeblich sind wieder viele Volkswirte und andere wohl informierte Beobachter “überrascht”. In diesem Blog wurde aber seit Wochen darauf hingewiesen, dass enttäuschende Umsätze im Einzelhandel im Dezember sowie die Schwäche auf den Absatzmärkten der US-Exportwirtschaft in Übersee – vor allem in Europa – eine Enttäuschung wahrscheinlich macht.
Ich wette darauf, dass es bei dieser 2,8 nicht bleibt. Ein kurzer Blick hinter die heutige Zahl offenbart das schwache Fundament der US-Konjunktur, das Zweifel weckt.
Skeptisch ist mit Blick nach vorn zum Beispiel der Präsident der New York Fed, Bill Dudley. Er erwartet weniger konjunkturellen Schwung im ersten Halbjahr 2012, unter anderem weil der Lieferketten-Infarkt in der globalen Autobranche nach dem verheerenden Erdbeben in Japan im März Nachfrage aufstaute, die sich Ende des Jahres entlud und die US-Konjunktur stärker aussehen ließ, als sie wirklich ist. – Ein wichtiger Hinweis, wie ich finde.
Auch das Economic Cycle Research Institute bleibt bei seiner Rezessionsprognose für die USA, wie der Business Insider in einem ausführlichen Bericht beschreibt.

Der Großteil des BIP-Wachstums in den USA Ende 2011 ergibt sich aus aufgeblähten Vorratslagern der Industrie. Diese hat einen Großteil der zusätzlichen Fertigung nicht verkauft, sondern in ihren Lagerhallen geparkt, bis wieder mehr Bestellungen eintreffen. Das ist unverkaufte Ware, wird aber in der Statistik mitgezählt.
Dieser Effekt hat laut den Zahlen aus dem Handelsministerium einen Umfang von 56 Mrd. Dollar, was 1,94 Prozentpunkte der gemeldeten 2,8% Zuwachs ausmacht.
Rechnet man nur die Ware, die tatsächlich verkauft wurde und zu klingelnden Kassen führte, dann bleibt ein BIP-Zuwachs von 0,8%. Das ist ein Viertel dessen, was im Vorquartal – dem dritten in 2011 – mit 3,2% gemeldet worden war.
Positive Beiträge zur Wachstumszahl kamen trotz der Flaute im vorweihnachtlichen Geschäft vom privaten Konsum (+2,0%) und von Investitionen am privaten Wohnungsmarkt (+10,9%).
Eine negative Wirkung hatten der Rückgang öffentlicher Ausgaben auf Bundesebene (-7,3%), Investitionen in gewerbliche Immobilien wie Büros und Hotels (+1,7% nach +15,7% im Vorquartal), eine Beschleunigung der Importe auf +4,4% sowie größere Rückgänge bei den Ausgaben bundesstaatlicher und städtischer Regierungen in den USA (-2,6%). Mehr dazu bietet eine ausführliche Analyse auf www.briefing.com.
In den vergangenen Tagen hatte es einige Prognosen gegeben, die von mehr als 3,0% BIP-Wachstum für das Schlussquartal 2011 ausgegangen waren. Der wichtigste Grund hierfür war eine unerwartet kräftige Zunahme der Bestellungen für langfristige Konsumgüter um 3,0% im Dezember.
Doch diese Zahl wurde durch massive Bestellungen großer Airlines bei Boeing verfäscht. Schaut man sich die Auftragseingänge für solche Güter ohne Einrechnung von Verkehrsflugzeugen und Militärausrüstung an (siehe Grafik), sinkt die Kurve dieser Bestellungen deutlich. Ein weiteres Schwächezeichen, das die “negative Überraschung” heute bei den BIP-Zahlen für die USA besser erklären hilft.