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2014-07-28_0810Finanzinvestoren haben sich hierzulande als Firmenaufkäufer keinen guten Namen gemacht. Sechs Jahre nach der Finanzkrise drängen sie wieder auf den Markt  und treffen in ihren Bietergefechten auf  eine erstarkte Konkurrenz (Bild: Richard Taylor, Flickr CC).

Finanzinvestoren kaufen sich wieder stärker in deutsche Firmen ein. 58 Transaktionen verzeichnen die Wirtschaftsprüfer und Berater von Ernst & Young (EY) im ersten Halbjahr. Das ist der höchste Wert seit dem Jahr 2008. Der EY-Experte Alexander Kron sieht darin einen Beleg für die “anhaltende Attraktivität des Standorts Deutschland für Investoren.”

Zwei Fälle spielen sogar in der Milliardenliga: Der größte Deal war der Erwerb der Wärmetauscher-Sparte des Düsseldorfer MDax-Unternehmens Gea. Diese ging für 1,3 Milliarden Euro an den Finanzinvestor Triton; Gea will den Erlös in andere Geschäftsbereiche investieren. Der Verpackungshersteller Mauser war dem Finanzinvestor Clayton, Dubilier & Rice immerhin 1,2 Milliarden wert.

Der größte Teil der bekannten Deals aber fand hierzulande nicht in der Schwergewichtsklasse statt. Daher sank der Gesamtwert der Transaktionen im Vergleich zum Vorjahr um 40 Prozent. Mit 58 Deals im ersten Halbjahr 2014 zeichnet sich zudem ab, dass wie in den Vorjahren eine Transaktionszahl von nur leicht über 100 für das Gesamtjahr zustande kommen wird. Im Klartext: Ein nachhaltiger, kräftiger Aufschwung ist das keinesfalls. Im Gegenteil: Vor der Finanzkrise blätterten Finanzinvestoren Jahr für Jahr rund 30 Milliarden Euro für mehr als 150 Firmen hin.

Die Gründe für die aktuelle Beruhigung liegen auf der Hand. Die Banken halten sich bei der Fremdfinanzierung wegen strengerer Kapitalmarktvorschriften zurück. Sechs Jahre nach der Finanzkrise bleibt das Angebot an geeigneten Zielfirmen außerdem begrenzt. Viele deutsche Mittelständler denken zudem gar nicht an einen Verkauf an Finanzinvestoren.

Sie haben in den Jahren seit der Krise ordentliche Finanzpolster angelegt und benötigen kein frisches Geld, um zu wachsen. Zudem gehen bei vielen Verhandlungen über mögliche Deals die Preisvorstelllungen weit auseinander: Die Investoren sind wegen der unsicheren Perspektiven knausrig geworden. Auch daran sind zuletzt einige Deals gescheitert.

Aber es gibt noch einen anderen Grund dafür, dass sich die Zahl der Private Equity Deals in Grenzen hält: Es ist die wachsende Konkurrenz durch strategische Investoren, internationale Firmen, die sich dank gut gefüllter Kassen in deutsche Unternehmen einkaufen, weil sie hierzulande expandieren, Technologie erwerben oder Distributionsnetze und Management-Know-how akquirieren wollen. Schon im Jahr 2012 ging bei vier von fünf Firmendeals in Deutschland der Zuschlag an einen strategischen Investor.

Die Bundesrepublik erlebt somit derzeit eine wachsende Bieterschlacht zwischen Finanzinvestoren und strategisch orientierten Firmen mit Expansionshunger um ihre besten Firmen-Assets. Daran können nicht einmal die wachsenden Spannungen mit Russland etwas ändern.

Das beste Beispiel dafür ist der bislang größte Unternehmensdeal 2014: Der Essener Versorger RWE verkaufte seine Öl- und Gasfördertochter RWE Dea an den russischen Oligarchen Mikhail Fridman. Dessen Investmentgesellschaft Letter One zahlte für die Ertragsperle des schwächelnden deutschen Energiekonzerns satte 5,1 Milliarden Euro. Der Deal wurde Anfang des Monats von den Beamten der Europäischen Union genehmigt.

Es sind vor allem Firmen aus den Ländern der BRICS-Gruppe um Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika, die immer öfter strategische Investitionen in Deutschland tätigen. So suchen sich chinesische Firmen für ihre beginnende globale Expansion neben den USA vor allem Deutschland als Ziel ihrer Direktinvestitionen aus.

Sie wollen Marken, Technologie und erfahrenes Management einkaufen. Das ist kein Wunder, erklärt der Rechtsanwalt Nikolaus Reinhuber bei Baker & McKenzie in Frankfurt, “wenn man schaut, wo es Technologie zu holen gibt, ist das vor allem Europa, wegen der heimlichen Champions.”

Einer Studie des Strategieberaters Hermann Simon zufolge stammen 1307 von weltweit 2734 dieser Hidden Champions aus Deutschland. Das sind Firmen, die zu den drei führenden ihrer Industrie auf der Welt gehören oder als Nummer eins auf dem Kontinent gelten und bei geringem Bekanntheitsgrad in der Öffentlichkeit weniger als fünf Milliarden Dollar Umsatz machen.

Der ganze Artikel steht heute im “aktionaersforum”

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