Sie sagen hü und machen hott. Vertreter der Obama-Administration und ihre ökonomischen Gallions-figuren wie Paul Krugman schimpfen die Europäer, sie würden ihre Konjunktur kaputtsparen. Doch ein Blick durch das Land in Amerika genügt um zu sehen: Auch hier wird schon gespart, was das Zeug hält. Bislang nur auf der Ebene von Städten, Bezirken und Staaten, weil dort die Gesetze scharfe Sparmaß-nahmen verlangen, wenn die Budgets aus dem Ruder laufen.
Auf Bundesebene sind erste Anzeichen zu erkennen. Selbst wenn führende Investment- und Analysten-Persönlichkeiten wie PIMCO-CIO Bill Gross (immer im Fernsehen, wenn die Anleihen neuen Schub brauchen) im Bloomberg TV (Donnerstag) predigen: “Es gibt die Chance, eine Schuldenkrise mit neuen Schulden zu lösen”.
Doch daran wachsen inzwischen selbst in Washington Zweifel. Und das, obwohl die 10jährigen Staats-anleihen unter 3% notieren, die Bondmärkte den USA trotz griechisch anmutender Verhältnisse bereit-willig und ohne Zögern genügend Kapital zur Verfügung stellen. Auf die zweijährigen Scheine werden derzeit sogar die niedrigsten Zinsen seit 1975 gezahlt. Amerika profitiert ganz klar davon, dass das Schuldenproblem in Europa Kapital nach Nordamerika umleitet. Aber wie lange noch ?
Die Anschub-Prediger haben daher kein so leichtes Spiel mehr wie es noch vor vier Wochen zum G20-Gipfel in Toronto schien. Denn die Uhr tickt. So berichtet der US-Starblogger Mike Shedlock auf seiner Webseite Mish´s Economic Trend Analysis von den ersten Städten im schwer von der Rezession ge-plagten Michigan, wo Geschäftsleute Gold, Silber und Kupfer als Zahlungsmittel an der Kasse akzep-tieren, weil sie den Glauben an den Dollar verloren haben. Shedlock erwähnt Kreise und Bezirke in Michigan, Alabama und South Dakota, wo Straßen nicht mehr geteert, sondern mit Schotter bestreut werden, um Geld zu sparen.
So wurden vor ein paar Tagen die Hilfen für Langzeitarbeitslose erst nach langem Gezerre verlängert. Fast 2 Mill. Arbeitslose mussten bibbern, ob sie noch bis Ende November weiterhin ihre regelmäßigen Schecks vom Staat bekommen, weil Republikaner und einige Demokraten im Kongress die Zahlungen nicht verlängern wollten, um das Defizit zu begrenzen.
Doch die Ära der Austerität ist längst über Amerika hereingebrochen, auch wenn in Washington bislang nur Vorgefechte geführt werden, wie der trotzige Hinweis der Sprecherin des Repräsentantenhauses, Nancy Pelosi, sie werde keine Kürzungen beim Sozialetat akzeptieren.
Die Online-Ausgabe des Wirtschafts-Magazins Barron´s berichtete am Donnerstag über den ausge-brochenen Titanenkampf in den USA zwischen jenen, die mit neuen Ausgaben den Karren aus dem ökonomischen Dreck fahren wollen und denen, die das Sparen predigen, bevor der Malstrom der Schulden alles verschlingt. Das Blatt registriert eine “zunehmende Bewegung in Richtung Sparsamkeit”, vor allem auf lokaler Ebene in den Staaten.
Die folgende GRAFIK zeigt das Ausmaß der Sparmaßnahmen in Städten und Bezirken in den USA.
Von dort kamen zur Wochenmitte denn auch die dicksten Schlagzeilen aus dem Lager der Sparsamen: Kaliforniens Gouverneur Arnold Schwarzenegger verordnet 150.000 Staatsdienern ab August drei Tage unbezahlten Urlaub pro Monat, was lokalen Zeitungsberichten einer Gehaltskürzung von 14% gleich-kommt. Zur Wochenmitte hatte der Gouvernator den ökonomischen Notstand ausgerufen und das Zahlen von Mindesgehältern für die Beamten angekündigt, solange der neue Haushalt nicht verabschiedet ist.
Laut dem Center on Budget and Policy Priorities sehen sich 46 Bundesstaaten in den USA im neuen Fiskaljahr (seit 1. Juli) mit einem Defizit konfrontiert. Der addierte Fehlbetrag beläuft sich auf 89 Mrd. Dollar, hat die National League of Cities ausgerechnet. Diese sagt bis 2012 die Streichung von einer halben Million Arbeitsplätzen im öffentlichen Dienst der Staaten vorher.
Die jüngste Bestandsaufnahme des ganzen Schuldendramas und der harschen Sparmaßnahmen, die landauf, landab in den USA begonnen haben, illustriert der jüngste Bericht der United States Conference of Mayors. Der Bürgermeister-Verband stellt fest, dass die schmerzhaftesten Begleiterscheinungen der Verschuldung ind en USA jetzt bis Ende 2012 spürbar werden. Das Papier mit dem Titel “Local Govern-ments Cutting Jobs And Services” listet seitenweise Beispiele von drakonischen Sparmaßnahmen im Hinterland der USA auf.
Die Zinslast auf Amerikas öffentliche Schulden (orange Fläche in der folgenden GRAFIK) nimmt rasant zu.
Darunter die Stadt Fresno in Kalifornien, die seit 2008 satte 16% ihrer Stellen gestrichen hat. Darunter auch Flint in Michigan (hier wurde Michael Moore groß), das unter anderem 23 von 88 Feuerwehrleuten rauswarf, sodass laut der Zeitung “The Fiscal Times” bei manchen Bränden Löschwagen zuerst von benachbarten Feuerwehrstationen angefordert werden müssen, bevor es ans Löschen geht. Darunter aber auch Beispiele aus dem (nicht mehr so) reichen Dallas, wo 500 städtische Bedienstete ihren Hut nehmen müssen, Müllabfuhr reduziert, Bibliotheken geschlossen und Swimming Pools dicht gemacht werden.



{ 1 comment… read it below or add one }
Mein Heimatort hat ca. 5.000 Einwohner und gut 50 Feuerwehrleute. Flint hat über 100.000 Einwohner und (bisher) 88 Feuerwehrmänner. Davon fällt jetzt nochmal 1/4 weg. Das ist schon eine große Leistung der Friedman-Anhänger…
{ 2 trackbacks }