China: Der Himmel ist hoch, der Kaiser ist weit …

by markusgaertner on 07/08/2010

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Zu den lehrreichsten Sprüchen, die ich in sechs Jahren China gelernt habe, gehört dieser: Tian Gao Huangdi Yuan – Der Himmel ist hoch, der Kaiser ist weit. Will heißen: Was Peking beschließt, verfügt und anordnet, muss noch lange nicht in dem riesigen Hinterland passieren. In Yunnan, Tibet, Sichuan und vielen

anderen westlichen oder zentral gelegenen Provinzen der Volksrepublik hält man es mit der Ferne: Was Peking nicht sieht oder weiß, macht Peking auch nicht heiß.

Vor diesem Hintergrund muss man die heutige Nachricht über den Banken-Stresstest im Reich der Mitte sehen. Die Bankenaufsicht CBRC hat ihn verordnet. Und sie hat strenge Vorgaben gemacht. Wegen der Überhitzung des Immobiliensektors – die Pekings Machthaber seit dem April mit zunehmendem Ernst und Biss zu zügeln versucht, sollen Preiskorrekturen bis zu 60% durchgespielt werden.

Wow: Das hätte mal einer in Europa oder den USA machen sollen. Im Stresstest der Eurozone – wo mit Griechenland ja bereits ein ganzes Land aufgefangen wurde – hat man lediglich 23% Abschlag auf die Staatsanleihen als schlimmsten Fall angenommen. Und Bonds die bis zur Fälligkeit gehalten werden – die Mehrzahl – wurden gar nicht berücksichtigt.

Gegen diese Warmduscher-Prüfung sieht Pekings strikter Risiko-Test richtig kernig aus. Oder ?

Das stimmt zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten muss man festhalten, dass die politische Führung im Politbüro und im Staatsrat der fernen Hauptstadt in Wahrheit keinen blassen Schimmer hat, wie viele Kredite und Schulden ihre lokalen Regierungen und deren Finanzierungs-Vehikel in den vergangenen Jahres des rasenden Immobilienrausches wirklich bei den Zweigstellen der Staatsbanken aufgenommen haben.

Traditionell stecken die Zweigstellenleiter in der Provinz mit Bürgermeistern, Parteisekretären und anderen Kadern fern von Peking die Köpfe zusammen und mauscheln ihre lokale Extrawurst aus. Der ferne Kaiser hinter der Großen Mauer kriegt davon oft wenig oder gar nichts Genaues mit – Tian Gao Huangdi Yuan.

Das ist ein altes und immer wiederkehrendes Problem in dem Riesenreich, das gerade das siechende Japan als zweitgrößte Volkswirtschaft der Erde abgelöst hat. Wegen dieses Effektes konnten in der südlich von Shanghai gelegenen Provinz Zhejiang ganze Cluster kapitalistischer Standorte unter dem drakonischen Kommunisten Mao fröhliche Urständ feiern. Die Millionärs-Familien im der Stadt Wenzhou haben bis heute einen immensen Anteil an dem Kapital, das nach Shanghai strömt und die neue Finanzmetropole Chinas regelrecht aufbläst.

Dieser Tian Gao-Effekt führt auch dazu, dass Peking, wenn es Kontrolleure in die Provinz schickt um nach dem Rechten zu sehen, oft genug Kontrolleure für die Kontrolleure mitschickt. Damit das weite Land nicht macht was es will – und die Kontrolle in der riesigen Volksrepublik trotzdem einigermaßen funktioniert – werden oft genug drakonische Vorgaben gemacht. Als der Jahr-2000-Virus die Welt in Atem hielt, verordneten Pekings rote Mandarine, dass um Mitternacht auf den 1. Januar jeder CEO der chinesischen Airlines an Bord einer “seiner” Maschinen mitfliegen musste. Damit war sicher gestellt, dass die ihre Hausaufgaben gut machen.

Als vor Jahren eine Serie tödlicher Unfälle bei den Truppenübungen chinesischer Fallschirmspringer unlösbare Rätsel aufgab und die Unfallursache einfach nicht gefunden werden konnte, befahl Peking den Managern des Fallschirm-Herstellers mitzuspringen. Seitdem ist das Problem gelöst.

Tian Gao spielt auch eine Rolle bei dem riesigen Konjunktur-Programm, mit dem Chinas Führung auf die Finanzkrise und ihre Auswirkungen auf die Konjunktur reagiert hat. Vieles von dem vielen Geld wurde ohne Wissen und Kontrolle Pekings ausgegeben. Ein guter Teil davon sehr wahrscheinlich für Speku-lationen am siedend heißen Immobilien-Markt.

Der Tian Gao-Effekt ist einer der Gründe warum sich Ausländer so schwer tun, China zu verstehen. Peking verspricht die Öffnung seiner Märkte: Das Hinterland hintertreibt die Vorgaben so gut es kann. Peking ordnet eine Drosselung der rasant expandierenden Kredite an: In den Weiten der chinesischen Prärie baut man dafür gekonnt Hintertüren. Und so weiter und so fort. Deswegen tut man gut daran, Pekings – meist ernst gemeinten – Versprechen zu glauben, aber dabei den Fernen Kaiser-Effekt im Blick zu behalten.

Hier eine Illustrierung, die ich dazu heute angefertigt habe. Ich weiß, die Mauer verläuft eher in Ost-West-Richtung, aber sie soll hier die örtliche Trennung und Ferne zwischen Peking und dem riesigen Hinterland symbolisieren:

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Beobachter August 7, 2010 at 9:39 pm

Yep, Amerika ist weit.
Aus einem Zitat:
“Gestern bin ich in einer Mall in Beijing an einem Goldgeschäft vorbeigelaufen; ich durfte leider kein Foto machen, aber da lagen in einer besonders schönen Anordnung mindestens 250 Einkilobarren 999,9 Au.”
Falls das kein Fake vom Eichelburg ist, wäre das die Revolution der Währung Number One: der Chinesischen.
Denn dort werden die Zinsen zum Erhalt des kranken Dollars eingespielt.
Aber das Ende scheint mit solchen Extremen vorbereitet zu werden.
Deflation wird im asiatischen Raum als Selbstverständlichkeit angesehen – und auch die Antwort darauf: Werte erhalten.
Deshalb werden zerfallenden Finanzwerten Sachwerte entgegengesetzt, die Chinesen haben ja den Yen vor Augen.
Der permanent steigende Yen kann nur erklärt werden – imho – weil die Chinesen Japan von Innen her aufrollen. Japan wird zur Zeit quasi ‘unsichtbar’ übernommen durch den Exportboom Überschuß der Chinesen.
Da ich den roll-back nicht sehe, gehe ich von einer Übernahme der japanischen Wirtschaft durch die Chinesen aus – in mittelfristiger Zukunft.
Da weht ein scharfer Wind aus Richtung der – wirklichen – Bondshalter.
Die Ausgeber der Anleihen, die FED, muß die Schulden bedienen, da bleibt kein Cent übrig.
Die Schuldenfalle der Amerikaner ist der chinesische Investor: seine Rendite wird ab sofort in (oder durch) Sachwerten akkumuliert.
Das “Austrocknen” des Dollars ist in vollem Gange.

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