
Man muss kein Genie sein um zu erkennen, warum die USA nicht wieder auf die Füße kommen werden. Die Erklä-rung liefert der neue Bericht des amerikanischen Employee Benefit Research Institute, kurz EBRI.
Das Papier mit dem Titel “Retirement Readiness Rating” rechnet vor, dass fast die Hälfte aller “frühen” Baby Boomer – geboren zwischen 1948 und 1954 – nach dem Renten-eintritt mit hoher Wahrscheinlichkeit nicht genügend Geld haben werden, um ihre Grundversorgung und die nicht versicherten Krankenkosten abzudecken.
Die “at risk”-Rate in dieser Altersgruppe ist genauer gesagt 47,2% groß. Bei den später geborenen Baby Boomern sinkt diese Risikorate dann leicht auf 43,7%. Die Baby Boomer wurden zwischen 1946 und 1964 geboren. Das bedeutet, dass der erste Jahrgang jetzt 64 wird. Deren Renteneintritt ist folglich kein Phänomen der fernen Zukunft, sondern brandaktuelle Realität.

Beide Zahlen sind brisanter politischer Sprengstoff. Aus folgendem Grund: 70% der US-Wirtschaft sind privater Konsum. Konsumenten entscheiden über Boom oder Jammertal. Doch jetzt kommt es: Laut dem EBRI müssen die unteren Einkommensgruppen der Baby Boomer – egal wann sie geboren sind – 25% mehr im Jahr sparen, um wenigstens die Wahrscheinlichkeit der Geldnot unter 50% zu drücken. Und selbst dann würde das nur in drei von vier Fällen gelingen.
Das ist nichts andere
s als eine Sparbombe gegen die Konjunkturhoffnungen derer, die auf die US-Konsumenten setzen.
Beides geht ganz klar nicht: Mehr sparen um die Rente zu sichern, und gleichzeitig mehr konsumieren, um die Konjunktur wieder anzuschieben und neue Jobs zu schaffen, damit der riesige Kahn ohne An-schub der Regierung wieder alleine fahren kann.
Damit eines klar ist: Die Baby Boomer in den USA sind keine kleine Gruppe, deren zunehmende Abwesenheit in den Malls man mit irgendwelchen Tricks ausgleichen könnte. Es gibt 78 Millionen Baby Boomer, das ist ziemlich genau jeder vierte der jetzt 309 Millionen Amerikaner. Und wenn die auch nur 10% mehr sparen, geschweige denn 25%, dann beginnt in den schönen Malls zwischen Los Angeles, Boston und Seattle das Retail-Sauriersterben – aber ganz bestimmt kein neuer Aufschwung.
Ich habe den Bericht in meiner Rubrik “Studien” abgelegt, dort kann man ihn nachlesen. Für mich ist das die Nachricht dieser Woche, was die USA angeht.
Die beiden vielsagenden Tabellen bzw. Grafiken in diesem Blogeintrag stammen aus dem 36 Seiten langen Papier.
Hier noch zum besseren Verständnis die Aufteilung der Baby Boomer in verschiedene Altersgruppen, wie sie das EBRI für die Studie vorgenommen hat:
Generation Xers (born between 1965–1974, now ages 36–45).

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