Der Berkeley-Professor und ehemalige Arbeitsminister Robert Reich beklagt sich in der Huffington Post, dass sein Land in einen Double Dip steuert und niemand den Leuten darüber reinen Wein einschenkt. Das Konsumentenvertrauen sei bereits tiefer abgetaucht als während der Großen Rezession, führt er zum Beleg an.
Da ich die Lage ähnlich einschätze, habe ich mal wieder die Grafik-Seiten der Fed in St. Louis aufgesucht und das Kurven-Orakel bemüht. Hier die Ergebnisse, ohne ausführliche Kommentierung, jeder kann sich seinen eigenen Reim auf den Verlauf dieser einkommensbezogenen Charts machen.




{ 7 comments… read them below or add one }
Hallo Herr Gärtner,
auch ich rechne mit einem Double Dip, aber ich erwarte, dass er sich von der anderen Seite her aufbauen wird, weil die Amis ihre Realitätsverleugnung wohl noch Monate, wenn nicht Jahre durchhalten könnten, falls nicht von außen eine starke Erschütterung kommt.
Das angeschlagenste Land ist derzeit Japan, und vergessen wir nicht, es war bis vor kurzem noch die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt, hat also weit mehr Durchschlagskraft auf die Weltwirtschaft als alle PIIGS zusammen.
Selbst wenn es hoffentlich noch gelingt, den Super-GAU abzuwenden, steht das Land vor einer gigantischen Belastung, und es ist darauf denkbar schlecht vorbereitet.
Hunderte von Quadratkilometern werden nur Sperrzone werden. Ein gewaltiger Wiederaufbau steht an. Die Exportindustrie ist angeschlagen. Und vermutlich muss die gesamte Energieversorgung auf eine neue Basis gestellt werden.
Dies trifft einen Staat, der heute schon mit dem Vierfachen seiner Jahreseinnahmen überschuldet ist und dessen größter und einziger Energieversorger erstens bankrott und zweitens auch moralisch am Ende ist.
Trotz seiner hohen Schulden wird dem japanischen Staat vermutlich keine andere Wahl bleiben als zusätzliche Schulden aufzunehmen, um wenigstens einen Mindestbeitrag zum Wiederaufbau und zur Teilentschädigung der Opfer zu leisten. Dieses Geld wird aber nicht mehr zu den bisherigen Minimalzinsen bei den eigenen Bürgern zu leihen sein – im Gegenteil: Viele Bürger werden gezwungen sein, ihre Ersparnisse ganz oder teilweise aufzulösen, um Wiederaufbau und/oder Umsiedelung zu finanzieren.
Möglicherweise wird der japanische Staat angesichts dieser objektiven Notsituation seinen Bürgern schon bald an ihre Ersparnisse gehen und sie um einen Solidarbeitrag (“Lastenausgleich”) in Höhe von, sagen wir, 20 Prozent ihrer Einlagen “bitten” – eine Bitte, der sich die Bürger kaum entziehen werden können.
Doch selbst wenn die Politik diesen Weg scheut, wird Japan nicht pleite gehen. Denn mit Sicherheit werden die Chinesen bereit stehen, ihrem Nachbarn zu vergleichsweise günstigen Konditionen aus der Patsche zu helfen – und so ihre Devisenreserven zu diversifizieren. (Und die Japaner werden dieses Angebot zur “Vertiefung der Völkerfreundschaft” kaum ablehnen.)
Das Geld, das sie Japan geben, werden die Chinesen wohl zum großen Teil aus den USA abziehen, um so ihre Co-Abhängigkeit von dem amerikanischen Konsum-Junkies und ihrem immer hohler werdenden Dollar zu reduzieren.
Dann müssten die Amis entweder sparen, was gänzlich unamerikanisch wäre, oder höhere Zinsen bezahlen, um internationales Kapital anzuziehen. Falls nicht sogar die Situation eintritt, dass sich nicht mehr genügend Deppen finden, die bereit sind, richtiges Geld gegen kaum einlösbare Zahlungsversprechen zu tauschen.
Vermutlich wird es am Ende eine Kombination aller drei Varianten sein – doch so oder so sollte es als Auslöser einer strammen Rezession reichen.
… das ist sehr interessant und einleuchtend, was Sie schreiben. DANKE für die ausführliche Reaktion ! Einzig das freundschaftliche Kapital-Angebot der Chinesen kann ich mir nicht vorstellen, das kann Peking der eigenen Bevölkerung nicht “verkaufen”, die Japaner sind aus historischen Gründen (Besatzungszeit, Nanjing) zu unbeliebt. Natürlich bedeutet “Ihr” Szenario auch einen stärkeren Auftrieb für die Zinsen, das dürfte sogar die gravierendste Konsequenz sein – und im schlimmsten Fall der Auslöser für einen erheblichen Rutsch am US-Bondmarkt …. Viele Grüße, Markus Gärtner
Hallo Herr Gärtner,
die historischen Altlasten sind in der Tat eine hohe Hürde, das ist mir bewusst. Doch ich halte es nicht nur für möglich, sondern für wahrscheinlich, dass die Chinesen sie aus wohlverstandenem Eigeninteresse überwinden; ein passendes Strategem bei Sun Tsu wird sich schon finden. Wäre es nicht ein Triumph für die chinesische Seele, die Japaner abhängig von China zu sehen? Hilary Clinton hat es ausgesprochen: “It is hard to talk tough to your banker!”
Beste Grüße von einem anderen Ex-Karlsruher
Winfried Berner
… das ist ja witzig, aus welchem Teil von Karlsruhe stammen sie denn ? … Herzlich, Markus Gärtner
Südweststadt – erste Wohnadresse war die Klauprechtstraße (Verlängerung Bahnhofsstraße, kurz vor der Brauerstraße).
Südendschule – Bismarckgymnasium – und dann hat der Numerus Clausus entschieden, dass ich nach Regensburg möchte …
Und Sie?
Beste Grüße
W.B.
.. ich habe die 5. Klasse im Helmholtz-Gymnasium zugebracht, bin als kleiner Junge in Knielingen aufgewachsen, in der Nähe der Raffinerie. Dann ist meine Familie nach Ettlingen umgezogen. Ich habe an dem Gymnasium, an dem Christian Klar Schulsprecher war, eine Schülerzeitung herausgegeben, den “Pennäler”. So kam ich zum Journalismus. Und dessen Niedergang in der traditionellen Form hat mich in die Blogger-Sphäre getrieben, wofür ich inzwischen sehr dankbar bin …
… so kreuzen sich die Wege …
Weiterhin alles Gute in Kanada. Ich hab’s nur bis in den Vorderen Bayerischen Wald gebracht und fühle mich dort so wohl, dass ich da wohl für den Rest meiner Tage bleiben werde.
{ 3 trackbacks }