Sehr lückenhaft, die sogenannte Erholung in den USA. Und beschwert mit Problemen, die so schnell nicht auf eine wirkliche Erholung hoffen lassen, auch wenn die Große Rezession schon vor zwei Jahren – im Juni 2009 – geendet haben soll. Das Economic Policy Institute, eine Denkfabrik in Washing-ton, veranstaltete heute mit Journalisten in Amerika einen Confe-rence Call, um “10 harte Fakten über Amerikas wirtschaftliche Erholung” unters Volk zu bringen.
Einige Zahlen waren bekannt, andere waren mir nicht geläufig. Hier die wichtigsten im Telegrammstil:
Die Joblücke umfasst jetzt 11 Millionen – 6,9 Mio. Arbeitsplätze sind seit Beginn der Rezession verloren gegangen. Weil die Bevölkerung – vor allem die Zahl der Erwerbsfähigen – wächst, hätten allein 4,1 Mio. Arbeitsplätze geschaffen werden müssen, um den demographischen Effekt abzufangen.
Die Zunahme an Arbeitsplätzen seit der Rezession ist größer als nach dem Dotcom-Bust ab 2001, aber völlig unzureichend: In den 23 Monaten seit dem offiziellen Ende der Großen Rezession kamen 550.000 Jobs dazu. In den 23 Monaten nach dem Ende der Rezession von 2001 waren zusätzlich 773.000 Jobs verschwunden. Doch diesmal ist das Loch viel tiefer. Drei Jahre und 5 Monate nach dem Beginn der Großen Rezession sind wir immer noch 5% unter dem Beschäftigungs-Niveau vor Ausbruch der Großen Rezession. Das ist mehr als in jeder Rezession seit dem Zweiten Weltkrieg.
Jobs im Staatsdienst sind ein riesiges Hindernis für die Erholung: Aus dem Staatsdienst werden jeden Monat 25.000 Leute entlassen. Seit dem offiziellen Ende der Großen Rezession sind unter dem Strich 430.000 Jobs im öffentlichen Dienst verschwunden. Der private Sektor hat unter dem Strich in dieser Zeit 980.000 Stellen addiert. Das heißt, 40% der zusätzlichen Arbeitsplätze in der Privatwirtschaft sind rechnerisch durch den Staatsdienst wieder verloren gegangen.
Der Großteil der sichtbaren Verbesserung am Arbeitsmarkt geht auf eine Verlangsamung der Entlassungen zurück, nicht auf neue Jobs. Der Umfang der neueinstellungen ist noch immer bei einem Viertel des Niveaus von 2007.
Die Arbeitslosenrate ist von 10,1% im Oktober 2009 auf 9,1% in diesem Mai gefallen (zuletzt nahm sie ja wieder leicht zu). Doch eine niedrigere Arbeitslosigkeit ist nur dann eine gute Nachricht, wenn der Prozentsatz der Erwerbsfähigen, die eine Beschäftigung haben, zunimmt. Aber das ist nicht der Fall.
Die “Unterbeschäftigung” hat sich in den vergangenen 23 Monaten kaum verbessert: Die zahl der Amerikaner, die eine Vollzeitstelle suchen, aber mit Teilzeitarbeit Vorlieb nehmen müssen, stieg von 4,3 Mio. im ersten Halbjahr 2007 auf 9 Mio. bis im Frühjahr 2009. Sie blieb bei diesem Wert bis Ende 2010 und hat sich seitdem kaum verbessert.
Der Prozentsatz Arbeitsloser, die seit mindestens 6 Monaten keine Beschäftigung haben, stieg von 17,6% im ersten Halbjahr 2007 auf 29,3% bis zum offiziellen Ende der Großen Rezession im Juni 2009. Im Frühjahr 2010 erreichte dieser Prozentsatz den Allzeitrekord von 45,6%. Seit dem pendelt er um die 45%.
Die anhaltend hohe Arbeitslosigkeit begrenzt die Lohnzuwächse. Die Löhne sind nominal in den vergangenen 12 Monaten um 1,8% gestiegen. Das liegt deutlich unter den 2,6% zum Ende der Rezession. Es ist auch die Hälfte der Zuwächse in den Monaten vor der Rezession.


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OFF Topic
diese Meldung die gerade durch das Internet geistert, und in seriösen US-Medien steht ist, ist schon mehr als nur eine merkwürdige Nachricht:
In der Dow Jones Newswire steht, dass ein Texaner angeblich Aktien von Firmen wie Microsoft, Exxon, City National Bank und anderer, im Wert von 8 Billionen (!!!) Dollar besitzt!
Recent Trillion-Dollar Filings Suggest Weakness In SEC System
http://www.nasdaq.com/aspx/company-news-story.aspx?storyid=201106161456dowjonesdjonline000644
Dow Jones Newswire; leider Registrierung notwendig (die ich nicht habe)
http://www.dowjonesnews.com/newdjn/logon.aspx?AL=N
Kann da einer was mit anfangen?
OFF Topic
diese Meldung die gerade durch das Internet geistert, und in seriösen US-Medien steht, ist schon mehr als nur eine merkwürdige Nachricht:
In der Dow Jones Newswire steht, dass ein Texaner angeblich Aktien von Firmen wie Microsoft, Exxon, City National Bank und anderer, im Wert von 8 Billionen (!!!) Dollar besitzt!
Recent Trillion-Dollar Filings Suggest Weakness In SEC System
http://www.nasdaq.com/aspx/company-news-story.aspx?storyid=201106161456dowjonesdjonline000644
Dow Jones Newswire; leider Registrierung notwendig (die ich nicht habe)
http://www.dowjonesnews.com/newdjn/logon.aspx?AL=N
Kann da einer was mit anfangen?
Danke wieder mal fuer’s “sleuthing”. Entspricht meinen Erwartungen, die nicht denen der US- und China- und “wir haben das Schlimmste hinter uns”-Gesundbetern entsprechen.
DANKE für Ihren Besuch hier … ich hoffe, es war der ein oder andere Trüffel für Sie dabei … Viele Grüße
Wenn ich das richtig verstehe beziehen sich die harten Fakten auf das offizielle Zahlenwerk. Das offizielle Zahlenwerk auch Statistik genannt ist ein hedonisches Meisterwerk.
Ich zitiere aus aus dem Crash Course, Kapitel 16 unscharfe Zahlen, von Chris Martenson:
Aber die absonderlichste dieser Anpassungen ist jene, die unter dem Begriff „Hedonik“ läuft – ein Name griechischen Ursprungs, der soviel wie „des Vergnügens wegen“ bedeutet.
Diese Anpassung soll die Qualitätsverbesserungen erfassen, namentlich jene, die die zu einem höheren Genuss oder Nutzen eines Produkts führen. Diese Methode des Frisierens wurde furchtbar überstrapaziert.
Hier ein Beispiel: Tim LaFleur ist innerhalb des BLS ein Konsumgüterspezialist für Fernseher, deren Anteil am CPI er berechnet. Ich vermute, er arbeitet an einem Ort, der so aussieht.
2004 hat er festgestellt, dass ein 27 Zoll Fernseher für $329.99 verkauft wird – und damit zum gleichen Preis, wie im Jahr davor. Allerdings hatte er inzwischen eine hochwertigere Anzeige.
Nachdem Herr LaFleur diese subjektiv empfundene Verbesserung der Bildqualität einer geldwertmäßigen Schätzung unterzogen hatte, setzte er den Preis des Fernsehers einfach um $135 tiefer an und folgerte daraus wiederum, dass die Bildschirmverbesserung einer Preissenkung von 29% entspricht.
Der im CPI berücksichtigte Preis war also nicht der Ladenpreis von $329.99, den man bezahlt, sondern nur noch $195. Bingo! Beim BLS kosten Fernseher weniger und darum sinkt die Inflation. Im Laden kosten sie nach wie vor $329.99.
„Hedonik“ ist eine Einbahnstrasse.
Wenn ich dieses Jahr ein neues Telefon kaufe, das nun ein paar neue Knöpfe hat, dann wird das BLS sagen, der Preis sei gesunken. Aber, wenn es nur 8 Monate hält statt 30 Jahre, wie mein altes Telefon, wird keine Anpassung für diesen Verlust vorgenommen. Kurz: „Hedonik“ beruht auf der unwahrscheinlichen Annahme, dass neue Eigenschaften immer vorteilhaft sind und einer Preissenkung entsprechen.
Mit den Jahren hat das BLS diese „hedonischen“ Anpassungen ausgeweitet. Es wendet diese Methode nun überall an: bei DVDs, Autos, Waschmaschinen, Haartrocknern, Kühlschränken und sogar bei Schulbüchern. Die Hedonik wird mittlerweile auf 46% der Dinge angewendet, die in die Berechnung des CPI eingehen.
Quelle: http://www.chrismartenson.com/crashcourse/deutsch/kapitel-16-unscharfe-zahlen
Und was in dem oben genannten Beispiel für die Inflationsrate gilt, gilt auch für alle anderen Bereiche. Ich fürchte die Lücken sind sooo groß, die können nicht mehr geschlossen werden.
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