Die negativen Konjunktur-Nachrichten addieren sich zur Wochenmitte zu einem “perfekten Sturm”. In der Eurozone schrumpfte im gerade abgelaufenen Monat August erstmals in zwei Jahren die gewerbliche Produktion. Im deutschen Ein-zelhandel gingen im Juli die Umsätze gegenüber dem Vorjahr um 1,6% zurück. In China verharrte der Einkaufsmanager-Index für die Industrie im Juli nach einem Mini-Zuwachs auf 50,9 Punkte nahe der Grenzlinie zwischen Expansion und Kontraktion.
Der Wert bleibt ganz nahe bei dem 29-Monats-tief, das er im Juli markiert hatte. Und in den USA ging der gewerbliche ISM-Index des Institute for Supply Manage-ment um 0,3 Prozentpunkte auf 50,6 Zähler zurück. Neuaufträge und Produktion fielen unter die kritische 50-Punkte-Linie, Exporte konnten sich knapp darüber halten.
Alles in allem bietet sich das Bild einer globalen Wirtschaft, die am Kliff hängt und sich an einem Grasbüschel festhält, das bald ausreißen könnte.
In jedem der genannten Länder steckt eine brisante Information in den gemeldeten Zahlen. In Europa ist es der Verlust der Zugmaschine Deutschland. Laut Markit wies der gewerbliche Bereich in Deutschland das geringste Tempo in fast zwei Jahren auf. Die Auftragseingänge gingen scharf zurück. Der PMI-Index für die Bundesrepublik fiel zum vierten Mal in Folge, auf jetzt 50,9 für den August. Das ist der schwächste Wert seit September 2009.
In China sagen uns die jüngsten Zahlen, dass die Notenbank jetzt nicht weiter entschieden gegen die hartnäckige Inflation vorgehen kann. Denn weitere Zinsanhebungen könnten in dieser prekären Situation die Wirtschaft abwürgen. Und in den USA macht die Konjunktur immer mehr den Eindruck, dass sie Anschub braucht. Doch fiskalisch und geldpolitisch sind die Möglichkeiten ausgereizt.
Die Fed wird gegen Ende des Jahres -vielleicht sogar schon am 21. September, je nach den Arbeits-marktzahlen – QE3 einleiten, wohl wissen, dass es nicht eine Frage der Liquidität ist, ob die Konjunktur wieder angekurbelt werden kann, sondern der Nachfrage, die von ausgezehrten Verbrauchern, einem schwachen Arbeitsmarkt und dem implodierten Immobilienmarkt ausgebremst wird.
Die Gleichung lautet jetzt so: E (Europa) + A (Amerika) + C (China) = J (Japan) +X (X = kleiner als erhofft) Kein Wunder, dass Banken wie Goldman Sachs beginnen, ihrer VIP-Klientel in langen Berichten reinen Wein einzuschenken und vertraulich darüber zu informieren, wie düster die wahre Lage inzwischen aussieht.




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“Kein Wunder, dass Banken wie Goldman Sachs beginnen, ihrer VIP-Klientel in langen Berichten reinen Wein einzuschenken und vertraulich darüber zu informieren, wie düster die wahre Lage inzwischen aussieht.”
Könnten Sie da noch etwas detaillierter werden? Was schreiben die? Was raten diese Kerle?
Ich selbst habe nur das gefunden:
http://www.sueddeutsche.de/wirtschaft/analyse-von-goldman-sachs-investmentriese-befuerchtet-zweite-weltwirtschaftskrise-1.1137756
.. ic habe ja einen Link gesetzt, damit man das nachlesen kann … zu finden, wenn man im letzten Absatz auf “langen Berichten” (blau markiert) klickt ….
Hui, dieser Cocktail hats in sich! Man mixe noch ein wenig Staatsverschuldung hinein, würze das Ganze mit einer Prise Massenverelendung und zum Schluss garniere man den Trink noch mit einem Rettungsschirmchen. Doch Vorsicht: Keine Zigarette anzünden, wenn der Drink vor einem steht. Das Gesöff konnte explodieren!
Gruss
Tom
Ich würde als Überschrift nicht schreiben “prepared to stop”
sondern
“Are you Ready for Crash Landing”?
Was tun?
Ganz einfach, auf den Absturz wetten!
Die einen machen das indem sie Gold und Silber kaufen
andere wie ich kaufen hier in Kambodscha Ackerland.
Dann ruhig hinsetzen, entspannen und zusehen wie alles zusammen bricht.
So ca. im Jahr 2020 werden wir dann wieder einen Aufschwung sehen.
Freundliche Grüße
David
Was genau ist Ihre Strategie für den Zusammenbruch? Ackerland in einem Entwicklungsland oder gar Dritte-Welt-Land und dann noch möglichst abgeschieden in der Wildnis? Was macht Kambodscha so sicher in einer vollständig kollabierenden Weltwirtschaft?
Dazu möchte ich die Lektüre des folgenden Erfahrungsberichts aus Argentinien empfehlen, der sehr aufschlussreiche Hinweise gibt. http://krisen-info-netzwerk.com/argentinien.php
Und dazu ist nur anzumerken, dass Argentinien wohl durchaus mit Kambodscha vergleichbar ist. Aus Wikipedia zur Region um Phnom Penh: “Mehr als 350.000 Menschen arbeiten hier, die schlechten Arbeitsbedingungen sorgen allerdings für sozialen Sprengstoff”.
Der entspannte Blick auf das große Theaterspiel der nächsten 10 Jahre ist nach meiner Meinung eine Illusion, auch wenn man sehr gut vorgesorgt hat.
Guten Tag Herr Gaertner,
ich moechte mal meine Vorstellung zur Diskussion stellen zur Frage: Warum ist eine kreditfinanzierte Wirtschaft so lange so erfolgreich und wann muss sie zusammenbrechen?
Die Vorraussetzung fuer unser System des kreditfinanzierten booms der letzten Jahrzehnte ist die Regelung, dass Banken fuer jeden Euro Einlage das 10fache (oder mehr) an Krediten ausgeben koennen. Wenn also eine deutsche Firma durch den Export sagen wir eines Autos mit einem Preis von 100 Eur einen Gewinn nach Steuern von nur 10 Euro erzielt, und diesen auf die Bank legt, wird die Bank in die Lage versetzt 100 Euro als Kredit auszugeben, womit erneut ein Auto gekauft werden kann und noch eins und so fort.
Das geht lange sehr, sehr gut. Der Bereich, an dem es kritisch wird, ist der Zeitpunkt, an dem die Bank keine solventen Schuldner mehr findet, an die sie das Geld verleihen kann, weil die Zinslast zu gross ist. An diesem Punkt, der vielleicht 2008 schon erreicht war, geschieht etwas eigentuemliches: Der Prozess wickelt sich rueckwarts ab: Die Bank findet keine Schuldner mehr und sitzt auf Geld rum. Die Firmen finden keine Kaeufer mehr und entlassen Leute, die ihre Zinsen nicht mehr bezahlen koennen und ihre Sachen verkaufen muessen. Die Bankguthaben sinken und fuer jeden Euro abgezahlte Schuld bleiben 9 Euro ausstehende und notleidende Kredite uebrig. Die Bank hat nicht mehr 10% Eigenkapital vorraetig, sondern nur noch 1% oder nix mehr.
In diesem Moment werden solvente Eigenkapitalgeber u n d solvente Schuldner gesucht. Die findet man in der Zukunft. Staaten springen ein und leihen sich, wie Sie beschrieben haben, bei den Banken Geld, dass sie noch nicht haben, aber als zukuenftige Zahlungsversprechen eintragen, und verschulden sich bei denselben Banken, die nun wieder 10mal mehr Geld zu verteilen haben, um Konjunkturpakete anzuschieben, damit Firmen Gewinne machen, die sie bei den banken einlegen, die das 10fache dessen wieder verleihen koennen usw.
Hieraus erklaert sich mmn die ralley aus den letzten 2 Jahren.
Inzwischen werden aber auch die Staaten knapp, welche mit zukuenftigen Zahlungsversprechen und gegenwaertigen Konjunkturmassnahmen einspringen koennen. GGfs koennte man sich mal ansehen, welche Staaten noch mit unter 100% BIP Verschuldung uebrig sind, das Kapital bis 100% ausrechnen und dann mit dem Zeitfaktor verrechnen, der sich aus den Stuetzungen seit 2008 bis heute ermessen laesst. Das waere dann der Zeitpunkt, wann Schluss ist mit dem System, das waere wenn alles verspielt ist.
Da es vor dem Schluss noch Verteilungskaempfe fuer die Zeit danach geben wird, bleibt die Frage, welches Vermoegen bleibt wie lange was wert oder zu was vermoegend?
jetzt noch eine persoenliche Geschichte: Als ich mich entschlossen hatte in einer sehr grossen deutschen Stadt letzte Woche in der groessten deutschen Bank in ihrer groessten Filiale nur 20k in bar abzuheben, musste der Betrag fuer den naechsten Tag bestellt werden und kam dann auch nicht in der gewuenschten Stueckelung. Das fand ich sehr verwunderlich.
fuer die lange, moeglicherweise irrige gedankenfolge bitte ich um verstaendnis. ich bin kein wirtschaftler.
freundlich gruesst
pajeu
pajeu,
sehr gute Erfassung, das ist in meinen Augen genau so wie es sich verhält.
Vielleich tnoch eine Ergänzung, welche Faktoren kommen noch ins Spiel ?
- Die zukünfigte Besteuerungsfähigkeit
- innenpolitische soziale Friede , inweiweit trägt die Bevölkerung die Mischung aus Einsparunge u. Steuererhöhung noch mit
- die Inflationserwartung der Marktteilnehmer u. Bevölkerung, die bis zu einem Teil ein Segen sind (Crack-Up-Boom) , aber schnell ins Gefährliche kippen können (Anleihencrash, Bankrun).
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