Griechenland – 50% ist nicht die Hälfte

by markusgaertner on 27/10/2011 · 42 comments

IKONE_EUROPA

Share

Der Forderungsverzicht von 50% auf die Staatsanleihen Griechenlands, ausgehandelt mit den Banken in der Nacht auf Donnerstag, bedeutet nicht die Halbierung der Schulden des Landes.

Das ist völlige Augenwischerei. Wenn man Kredite von der Troika und Anleihen bei der EZB herausrechnet – und dann berücksichtigt, dass griechische Banken keine Forderungen erlassen können, weil sie selbst pleite sind – dann reduziert sich die Schuld des Landes lediglich um 17%.

Selbst wenn man unterstellt, dass alle griechischen Banken in vollem Umfang an dem “Haircut” teilnehmen könnten, würde sich die Gesamtschuld nur um 29% verringern. Mit griechischen Banken sinkt die Schuld um 100 Mrd., wenn die Griechenbanken nicht mitmachen, sinkt sie nur um 60 Mrd.

Das entlässt Griechenland nicht aus der Schuldenfalle und bedeutet daher auch keine Entwarnung im europäischen Schuldenkrimi. Ich habe diese Berechnung in einem Chart festgehalten.

Hier noch

1  Das Gipfel-Statement

2  Das IWF-Statement von Christine Lagarde

Share

{ 31 comments… read them below or add one }

Winfried October 27, 2011 at 05:59

Danke für die wertvolle Information.

Also mal wieder ein bisschen Taschenspielerei. Aber es wird den Aktienmarkt wohl erst einmal in Schwung bringen. Mal sehen, wie lange es vorhält. Ich tippe: bis 14:30 h.

Reply

Ert October 27, 2011 at 06:54

@Winfried

Die Vorbörse reagiert schon… DAX über 6200 Punkte – die haben alle noch nicht Gärtners Blog gelesen.

Da das Pulver letztendlich schon sinnlos verschossen wurde, die Billion nicht reicht, nichts weiter in Aussicht ist und alles sowieso ein Kasperspiel ist, sollten die Kurse doch hoffentlich bald wieder sinken. Zeit Short zu gehen?

Es ist ein großes Kasperletheater.

Reply

Winfried October 27, 2011 at 09:43

Hi Ert,

ich werde mir tatsächlich eine kleine Short-Spekulation gönnen. Aber wohl erst am Abend, weil ich schätze, die Amis werden auch erstmal begeistert über das “Wunder von Brüssel” sein und den europäischen Börsen damit noch einen Schubs geben.

Spannend ist die Frage, wann genau die Bewunderung in Verwunderung und dann in Skepsis, Zweifel, Erschrecken, Entsetzen, Panik umschlagen wird. Auch wenn manches vorhersehbar ist, das Timing ist es meistens nicht.

Reply

Bernd October 27, 2011 at 12:12

Warum sollten die Moneyjunkies an den Börsen aufhören die Ausplünderung der Deutschen zu feiern! Nur weil um 14:30 in den USA gemeldet wird dass erneut 400000 Amis ins Elend gestürzt wurden. Das interessiert doch die Geier an den Börsen nicht mehr, denn die haben Blut geleckt, Milliarden Euro werden vom deutschen Steuerzahler risikolos in ihre Tasche fließen, und dies jahrzehntelang!!!

Reply

Torsten October 27, 2011 at 07:58

Hallo,

Markus, danke für die Info. Im TV erzählen die überall von 50%. Auf NTV freuen die sich wie ein Schnitzel.
Ist denn so eine Falschinfo kein Verbrechen? Betrug? Oder was weiss ich?

viele Grüße

Torsten

Reply

Ert October 27, 2011 at 11:32

Das perfide ist ja, das es keine Falschinfo ist… es wird nur ein anderer Teil der Warheit nicht gesagt bzw. laut ausgesprochen – wie immer.

Informationsunterschlagung ist keine Lüge. Das wissentliche und absichtiche Verzerren von Fakten auch nicht .

Maximal kann man von vorsätzlicher Täuschung sprechen – die ist aber in jedem Fall von den Akteuren gewollt.

Reply

Lentz October 27, 2011 at 08:22

Diese ca. 350 Mrd. – in Wirklichkeit dürften es noch mehr sein – betrifft doch nur den staatlichen Anteil. Der griechische Bürger hat sich ebenfalls mit ca. 100 Mrd. verschuldet. Auch diese müssten m. E. irgendwie kalkuliert werden, da sie ebenfalls uneinbringlich sein werden.

Hinzu kommt die Problematik, dass aufgrund der aktuellen Situation Griechenland auch weiter keine Kredite am Markt aufnehmen können wird. Der staatliche Haushalt benötigt aber Zuflüsse von außen, da die Einnahmen zu gering sind.
Grund für beides ist die “von oben” verordnete Depression.

GR hängt somit weiter am Tropf von EU, EZB und IWF. Keine Lösung des Problems.

Reply

alex October 27, 2011 at 08:31

Wie verhält es sich mit den 70Mrd.€ zur Rekapitalisierung der griechischen Banken?
Werden die nicht um 50% geschnitten?. Dann wären es 50% der gehaltenen Forderungen der Banken.
mfg

Reply

lisa October 27, 2011 at 09:04

hi markus,
die Rechnung ist bestechend, aber nicht ganz richtig. denn die griechischen banken haben bereits eine ganze menge ihrer staatsanleihen an die ezb verkauft. dies trifft im übrigen auch auf die staatsanleihen der nicht-griechischen banken zu. dass der haircut nicht so überraschend 50 % beträgt, war bereits im juli 2011 abzusehen. ab da hatten alle europäischen banken genügend zeit, diese papiere an die ezb weiterzugeben.
was tatsächlich geschehen ist, ist die tatsache, dass nunmehr die ezb, und damit alle ihre ” teil -haber ” jetzt halt die ganzen schulden am hals haben. deutschland ist mit rund 25 % an der ezb beteiligt und hat damit auch 25 % mehr schulden. so what. das problem ist , zumindest für einige monate , gelöst. das interessanteste an der sache wird aber das engagegement der chinesen in europa werden. nicht umsonst werden inzwischen die amerikanischen mainstreammedien nervös und werden ihr china bashing jetzt verstärken. denn die usa als volkswirtschaft haben nun noch mehr probleme.
lisa

Reply

Staatsbürge October 27, 2011 at 11:48

Hallo Lisa,

um wieviel wäre denn die Rechnung in Ihren Augen nicht richtig? Könnten Sie die Abweichung in etwa benennen?

Mit bestem Gruß

Reply

markusgaertner October 27, 2011 at 18:00

… da bin ich auch gespannt, das sind meine jüngsten Zahlen, Zero Hedge hat sie auch so verwendet … Beste Grüße

Reply

Benjamin October 27, 2011 at 09:12

Danke für die Klarstellung und die schöne Grafik. Ich halte es da tendenziell wie Torsten, entweder sind die ganzen herkömmlichen Medien von Knalltüten besetzt, die keine Ahnung haben, worüber sie berichten, oder es werden gezielt Falschinformationen gestreut. Okham’s Razor sagt mir Theorie #1 ist wahrscheinlicher.

Reply

markusgaertner October 27, 2011 at 18:08

DANKE für Ihren Kommentar. Es da gibt natürlich Knalltüten, wie in jedem Beruf, aber die Materie ist auch in diesem Fall schwierig: Große Zahlen, wenig Transparenz …. Beste Grüße, Markus

Reply

Bernd Klehn October 27, 2011 at 09:17

Danke für die Rechnung.

Einen Teil versteh ich noch nicht, ein Teil der Staatsanleihen wird doch auch von Privatanlegern gehalten. Also nicht von Geschäftsbanken, IWF, Rettungsschirm und EZB wo sind die denn in der Rechnung. Die kann doch keiner zum freiwilligen Forderungsverzicht zwingen oder? Diese können doch auf 100% Auszahlung bei Fälligkeit bestehen? Wenn Griechenland dem nicht nachkommen kann und der private Gläubiger sich auf keine nDeal einläßt, ist es pleite, oder?

Reply

markusgaertner October 27, 2011 at 18:07

Der Forderungsverzicht betrifft die privaten Gläubiger, der IWF und die EZB stecken in der Zeile meiner Grafi, in der ich “Troika” schreibe … Beste Grüße, Markus

Reply

Bernd Klehn November 1, 2011 at 17:37

Missverständnis.
Mit Privatanleger meine ich Personen wie Sie und ich. Geschäftsbanken fallen selbstverständlich unter dem Forderungsschnitt, aber für wirkliche Privatanleger kann es doch gar kein Verhandlungsmandat geben. Wenn Sie und ich auf 100% Forderungserfüllung bestehen und Griechenland diese nicht bedienen ist der Staat pleite oder?

Gruß

Bernd

Reply

Torsten Kurth October 27, 2011 at 09:21

@Ert: Die Börsen-Freude auf die Nachricht dürfte verbreitet keineswegs in einer falschen Interpretation des Gipfel-Ergebnisses wurzeln, sondern bezieht sich sicherlich zum erheblichen Teil nur auf die Antizipation der Zeicheninterpretion der anderen. Es geht ja beim Kurzzeit-Investment in politische Börsen nicht um die Deutung des Ereignisses selbst, sondern um die Einschätzung der mehrheitlichen Deutung der anderen. Agenturgemeldeter “Gipfel-Erfolg” heißt also zunächst einmal wenige Stunden steigender Kurs, weil das als solches Zeichen konnotiert ist. Mit (volks- und bank)wirtschaftlichen Fakten und Analysen hat das nichts zu tun.

Reply

Klaus Kastner October 27, 2011 at 10:10

Ich kann der ganzen Sache nur einen positiven Punkt abgewinnen (wenn er so stimmt): angeblich werden Banken von den nationalen Bankenaufsichten – unter Weisung der EZB und Notenbanken – angewiesen, ab 30.09.2011 alle ihre Staatsanleihen (nicht nur die griechischen) zu Marktpreisen in den Bilanzen zu bewerten. Das wäre ein extrem wirkungsvolles Instrument, das die Banken rasch zum Verhandlungstisch bringen würde: mark-to-market’s verursachen Verluste in der G+V; diese Verluste reduzieren Eigenkapital; Letzteres fällt unter die Mindestschwelle — und schon müssen die Banken mit Hut in der Hand zu Regierungen pilgern, um ganz höflich um einen Bail-Out anzusuchen. Die Regierungen müssten nicht mehr den Banken nachlaufen und sie betteln, Staatshilfe anzunehmen.

Wenn natürlich der Marktpreis mit nur 95% anstelle von 100% festgelegt wird, dann kann man auch diese Übung vergessen. Würde man ihn eher in Richtung 50% ansetzen, dann würden wir bald einmal aussagekräftige Bankbilanzen haben! (http://klauskastner.blogspot.com/2011/09/beruhigung-der-finanzmarkte.html).

Darüber hinaus steht für mich fest, dass die Griechen später einmal bitterst bereuen werden, einen Schuldenverzicht angenommen zu haben (http://klauskastner.blogspot.com/2011/10/greeks-dont-accept-haircut.html). Die junge Generation wird auf Jahre zu hören bekommen, dass man ihrem Land einmal Geld schenken musste, weil es zuviel davon verprasst hatte. Jedesmal, wenn Griechenland Finanzierungen im Ausland sucht (und Griechenland wird noch auf Jahre hinaus Geld aus dem Ausland brauchen), werden sie mit der Frage konfrontiert werden, warum man ihnen glauben sollte, dass sie diesmal ihre Schulden zurückzahlen werden. Ein ordentliches Rescheduling wäre wesentlich klüger gewesen.

Tja, und last but not least: selbst wenn man Griechenland alle seine Staatsschulden erlassen würde, wäre das Problem Griechenlands nicht gelöst, weil die Auslandsschulden des Privatsektors (224 Mrd. EUR) deutlich höher sind als jene des Staates (179 Mrd. EUR). Erst wenn man Massnamen entwickelt, dass die griechische Wirtschaft weniger Geld im Ausland „verbrennt“ (z. zt. 20-25 Mrd. EUR jährlich an Leistungsbilanzdefizit und mindestens ein ebenso hoher Betrag an Kapitalflucht), erst dann wird man Licht am Ende des Tunnels sehen können (http://klauskastner.blogspot.com/2011/10/eu-we-dont-know-where-we-are-going-but.html). Dazu müsste man die griechische Wirtschaft „drehen“ von einer Drehscheibe für Geld (Kredite aus dem Ausland, um Importe und Kapitalflucht zu bezahlen) in eine wertschöpfende Wirtschaft (http://klauskastner.blogspot.com/2011/09/endspiel-um-griechenland.html).

Reply

Rothschild October 27, 2011 at 10:43

Methode entlarvt ?
Sie ist simpel und funktioniert seit Jahrtausenden immer wieder:
“Wir tun so als ob und melden das Gegenteil von dem was wir tun.”

Reply

Ingo October 27, 2011 at 10:54

Hallo Loide!

Was hier geschrieben wird ist nur zum Teil richtig. Korrekt ist, dass die privaten Gläubiger ca. 200 Mia. € Anteil an der Gesamtverschuldung haben.

Die aktuelle Gesamtverschuldung GRs liegt zur Zeit aber schon bei 380 – 390 Mia €.

Ca. 50% der Privatgläubiger Schulden liegen immer noch im Besitz gr. Banken. Die MÜSSEN auf die Hälfte ihrer Forderungen verzichten. ABER: der gr. Staat muss sie rekapitalisieren. Dazu wird er sich Geld leihen müssen (EFSF)

Das BIP GRs sinkt und damit die Bemessungsgrundlage für die Gesamtverschuldung.
Das jährliche Haushaltsdefizit GRs wächst weiter an, trotz aller Sparbemühungen.

Die Gesamtverschuldung GRs liegt NACH dem Haircut ÜBER der Gesamtverschuldung zu Beginn der Krise in 2009 (Frank Schäffler).

Die Wettbewerbsfähigkeit GRs ist nicht verbessert worden.

GR ist weiterhin in einer tiefen Depression verursacht durch erzwungene Austeritätspolitik, echtem Sparzwang, einer mafiösen Staatsverwaltung und massiver Steuerhinterziehung.

Auch dieser Gipfel hat wieder nur Zeit gekauft. Zumal die Schulden der EU Staaten weiter bestehen bleiben und insgesamt auch weiter zunehmen werden. Schulden mit immer neuen Schulden zu bekämpfen funktioniert nicht mehr. Den Märkten ist das im Prinzip klar, die Politik hat nur eine letztes Täuschungsmanöver ausprobiert und verballert dabei die Reserven für eine nachhaltige Ursachenbekämpfung. Es bleibt nur Galgenhumor:

“Gute Nacht, Angela!”
“Gute Nacht, Deutschland”…

Reply

Henning October 27, 2011 at 10:55

Tja, hätte man sich mal besser informiert.

Auch die griechischen Banken geben 50% auf ihre Verbindlichkeiten ab.
Denn dies ist besser, als ein völliger Cut, der sie bei 0% stehen lassen würde.

Gut gedacht, schlecht gemacht. Sry

Reply

markusgaertner October 27, 2011 at 18:04

… die griechischen Banken bekommen für die 40 Mrd. €, die sie “ihrem” Staat erlassen, von Europas Steuerzahlern 30 Mrd. € als Hilfe, wie inzwischen klar wird. Die 30 Mrd. wird Athen später auch an der Backe haben, weil die Banken im Land das nicht werden zurückzahlen können. Wenn doch, bleibt es bei den 29% Reduktion der Griechenland-Schulden, wenn ich Recht behalte, werden die Staatsschulden um 20% reduziert. Aber die HÄLFTE – illusorisch. Beides – 29% oder 20% – dürfte nicht reichen, um das Land aus der Schuldenfalle heraus zu führen … Viele Grüße, Markus

Reply

flyer October 27, 2011 at 12:22

Lustig ist auch, dass der verzicht der Banken laut ISDA nicht als Zahlungsausfall gewertet wird und somit keine CDS anspringen. Gezwungene freiwilligkeit ist doch was feines ;)

Was sagen eigendlich die Rating-Agenturen dazu?

Reply

schmidt October 27, 2011 at 12:59

Die Target-Kredite für Griechenland sind auch noch nicht berücksichtigt.

Reply

Johannes Tanne October 27, 2011 at 13:17

Vielen Dank Markus, jetzt habe ich das endlich kapiert. Danke Danke Danke.

Reply

EuroTanic October 27, 2011 at 15:08

Um welche Zahlengrössen es hier geht sieht man an Beispielen mit Zahlen unter der sich ein Normalmensch noch etwas vorstellen kann.

Wenn wir jede Woche einen Lottomimllionär hätten, der seinen ganzen Gewinn dem Rettungsschirmanteil von Schäuble/Merkel & Co in Höhe von 200 Milliarden spendiert. Dann haben wir im Jahr (auf 50 Wochen/Jahr abgerundet) 50.000.000 Euro zur Schuldentilgung zur Verfügung. Demnach würde es 4.000 Jahre bei diesem Rückzahlungstempo daunern um die 200 Milliarden abzutragen. WOW.
Aber dabei sind die Schuldzinsen nicht mal eingerechnet. Sollten diese nur 5% betragen, was bei erwarteten 20% Renditen bei den Bankstern sehr niedrig wäre, würden die 50.000.000 der Lottomillionäre nicht mal annähernd für die jährlichen 10.000.000.000 Euro Zinsen reichen und die Schulden würden sich binnen10 Jahre auf 400.000.000.000 verdoppeln. Bei nur 5% Zinsen wohlgemerkt.
Alles kapiert?

Reply

Peter van Dorren October 27, 2011 at 16:44

Sehr interessanter Beitrag. Dieser reale Schulden-Erlass wird nicht reichen. Es ist zu wenig. Außerdem rechne ich damit, dass auch noch andere Länder ins Trudeln kommen. Meines Achtens erlebt Europa in den nächsten Jahren den Crash.

Reply

Ruan March 3, 2012 at 15:44

Hallo Frau Merkel,vielen Dank, da Sie unser Geld wieder ins Ausland sckechin wollen und wir dann Energie teuer einkaufen d rfen.Was hier abl uft ist an Menschenverachtung nicht zu berbieten, diese Politiker haben alle Ihre Eid vergessen und zwar dem deutschen Volke keinen Schaden zuzugf gen und was machen diese?Die F rderung von PV-Anlagen drastisch zu k rzen ist Dumm und Kurzsichtig. Wenn die PV-Branche mit Gewalt kaputt gemacht wird, dann brauchen sich diese Gispk pfe in Berlin nicht wundern, wenn wir wieder mehr Arbeitslose haben.Aber wir Deutschen sind es in den letzten Jahren ja gewohnt, wir d rfen zahlen und m ssen den Mund halten.

Reply

King Balance October 27, 2011 at 19:18

Wie die Stimmung im Volk ist zeigt diese Leserzusendung bei Hartgeld.com: Die Hochverräter entkommen dem Volkszorn nicht!

anbei ein Bildchen vom Hightec „All Terrain Hydraulic Hanging Vehicle Quadro“, Ausführung (ATHHV Q). Es gibt eine noch leistungsfähigere Ausführung TE als Abkürzung für 10er Hanging Machine

Muss mir die Maschine glatt patentieren lassen!

Quelle: http://hartgeld.com/Eliten-Politik.html
Bild url: http://hartgeld.com/filesadmin/images/cartoons/AN-Volkszorn.jpg

„Es gibt keinen Weg, den finalen Kollaps eines Booms durch Kreditexpansion zu vermeiden. Die Frage ist nur ob die Krise früher durch freiwillige Aufgabe der Kreditexpansion kommen soll, oder später zusammen mit einer finalen und totalen Katastrophe des Währungssystems kommen soll“ – Ludwig von Mises

Reply

Klaus Kastner October 28, 2011 at 06:18

Primär sollte man das griechische Schuldenproblem unterteilen in (a) Staatsschulden und (b) Auslandsschulden. Von den Staatsschulden sind 179 Mrd. EUR im Ausland. Da Griechenland über rund 200 Mrd. an inländischen Sparguthaben verfügt, wäre es also theoretisch möglich, dass alle Staatsschulden im Inland wären. Hätte Griechenland alle seine Staatsschulden bei inländischen Anlegern, dann würden EU-Eliten aller Wahrscheinlichkeit nicht bis 4 h früh tagen, um „Griechenland zu helfen“. Stattdessen würde man wahrscheinlich sagen: „Liebe Griechen, das ist Euer Problem. Bitte löst es!“

Die Bank of Greece veröffentlicht hervorragende Statistiken, besser, als ich sie bei anderen EU-Ländern gesehen habe: http://www.bankofgreece.gr/Pages/en/Statistics/externalsector/balance/basic.aspx.

Die Auslandsschulden betragen 409 Mrd. EUR. Das ist der Betrag von ausländischen Spareinlagen, die in Griechenland im Feuer liegen. Würde Griechenland in die Ägäis stürzen, dann wären diese 409 Mrd. EUR futsch.

Diese 409 Mrd. EUR sind aufgeteilt in: 179 Mrd. EUR beim Staat; 208 Mrd. EUR bei Banken; und 22 Mrd. EUR bei Sonstigen.

Würde das Ausland Griechenland ALLE seine Staatsschulden erlassen, würde Griechenland dem Ausland immer noch 230 Mrd. EUR schulden.

Man sieht also, dass das Staatsschuldenproblem aus der Sicht des Auslandes nur ein Teil des Problems ist, noch dazu der kleinere Teil. Den größeren Teil des Problems hat man bisher fast negiert.

Warum man Griechenland Geld gibt, seine Banken zu rekapitalisieren, ist mir nicht verständlich. Griechische Banken halten rund 80 Mrd. EUR der Staatsanleihen. Bei einer 50%-igen Wertberichtigung gehen davon 40 Mrd. EUR verloren. Eigenkapital & Reserven des griechischen Bankensystems sind rund 45 Mrd. EUR; die wären also größtenteils aufgezehrt. Wenn der EFSF dieses Eigenkapital ersetzt, dann gehört ihm das griechische Bankensystem. Genauso gut könnte man den griechischen Sparern abverlangen, dass sie 40 Mrd. EUR ihrer rund 200 Mrd. EUR an Spareinlagen in Bankkapital swappen müssen. Das wäre für die Sparer nicht unattraktiv, weil wertberichtigte griechische Banken einen Wert darstellen müssten. Und das griechische Bankensystem würde Griechen gehören.

Die hohen Auslandsschulden des Privatsektors ergeben sich aus dem horrenden Leistungsbilanzdefizit von Griechenland. Alleine aus diesem Titel heraus wird der griechische Privatsektor auch in Zukunft jährlich 20-25 Mrd. EUR Fresh Money aus dem Ausland benötigen. Dazu kommt noch der Finanzbedarf für Kapitalflucht. Bisher hat die EZB via Target-2 all dies finanziert. Wie lange wird sie das noch tun können?

Mein Punkt ist folgender: Griechenland ist vollkommen anders gelagert als die anderen PIIGS-Länder. Die griechische Wirtschaft (nicht nur der Staat!) war schon vor der Finanzkrise ein Basket Case, nur dass man das nicht wahrhaben wollte. Exporte deckten gerade einmal 40% der Importe (93% in Italien!) und das Leistungsbilanzdefizit war doppelt so hoch wie das horrende Leistungsbilanzdefizit der USA. Anders ausgedrückt: Griechenland braucht Geld aus dem Ausland, um Importe (bzw. seinen Lebensstandard) finanzieren zu können. Oder: es ist eine Drehscheibe für Geld geworden.

Gutmenschen meinen, dass man den Griechen kein weiteres Absinken im Lebensstandard abverlangen kann. In Ordnung. Dann muss man halt den Griechen weiterhin ihren Lebensstandard finanzieren. Selbst können sie ihn nicht finanzieren. Das hat mit Mathematik zu tun und nicht mit Volkswirtschaft.

Das einzige, was Griechenland auf Dauer helfen kann, ist, dass man die Griechen dabei unterstützt, wie sie einen größeren Teil ihres Lebensstandards selbst erarbeiten können. Das wäre sozusagen „EU-Entwicklungshilfe“ für die griechische Wirtschaft und das wäre echte Hilfe für die Griechen. Dabei geht es weniger um Geld (weil die Griechen selbst schon genug Geld haben; vor allem im Ausland), sondern primär um know-how transfer. Die griechische Wirtschaft hat Potential, die Griechen haben jedoch bisher noch nie den geringsten Anlauf gemacht, ihr Potential zu heben (warum hätten sie das auch tun sollen, wenn das Ausland mit Freuden den eigenen Lebensstandard finanziert?).

Reply

markusgaertner October 27, 2011 at 17:59

… ja, sehr gut aufgepasst von Ihnen, da werde ich heute nochmals nachfassen, das war in der Nacht nicht sofort klar: Griechenlands Banken werden sich am Forderungsverzicht beteiligen, und – so wie ich das inzwischen verstehe – 30 Mrd. an Hilfen bekommen, um diesen Schritt abzufedern. Das bedeutet: Der Staat Griechenland wird von den eigenen Banken um 40 Mrd. € entlastet, die kriegen 30 Mrd € Hilfe dafür von Europas Steuerzahlern. Am Ende werden die Griechenbanken aber nicht zurückzahlen können, die 30 Mrd. bleiben dann beim Staat hängen. Netto-Effekt also 10 Mrd. Das verändert meine Kalkulation von der Nacht um 3%, sie gilt also von der Grundaussage her … Beste Grüße aus Vancouver, Markus

Reply

Leave a Comment

*

{ 11 trackbacks }

Previous post:

Next post: