Willkommen im Parlaments-Kasino – Warum Abgeordnete die Geldbranche nicht in die Schranken weisen

by markusgaertner on 14/11/2011

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Wir sprechen hier oft und ausführlich von der Korrumpierung der Politik, vom Schmusekurs zwischen Geldelite und Abgeordneten. Das ist vor allem – aber nicht nur – für unsere Analyse des Krisenmanagements in Europa wichtig. Der Befund ist jedes Mal: Die Finanzwirtschaft hat einen erdrückenden Einfluss über die politischen Entscheidungsprozesse erlangt.
Aber wie sehen diese Verbindungen zwischen Geld und Gesetzgebung eigentlich aus ? Wo sind die Schnittstellen ? Wie muss man sich das alles vorstellen ? - Das vielleicht beste Beispiel haben jetzt Forscher von vier amerikanischen UNIs geliefert, in einem Papier, das die “abnormal hohen” Renditen untersucht, die US-Abgeordnete und ihre Mitarbeiter dank der Insider-Informationen erzielen.
Dies ist die erste Untersuchung überhaupt, die sich mit Insiderhandel durch Mitglieder des Repräsentantenhauses in den USA beschäftigt. Hier der vielsagende Eingangssatz aus der Studie:

We measure abnormal returns for more than16,000 common stock transactions made by approximately 300 House delegates from 1985 to 2001. Consistent with the study of Senatorial trading activity, we find stocks purchased byRepresentatives also earn significant positive abnormal returns. A portfolio that mimics the purchases of House Members beats the market by 55 basispoints per month (approximately 6% annually).

6% besser als der Markt, durch die Bank weg ! Potzblitz, da wird jeder Hedgefonds-Manager kreidebleich. Die verlieren zurzeit nämlich in vielen Fällen ordentlich Geld in diesem Minenfeld, das sich Börse nennt. – Aber gegen die Insider-Infos von Volksrepräsentanten kommt natürlich niemand in der Fondsbranche an.

Da macht sich auch gleich ein Verdacht breit: Wenn die Jungs zwischen den Plenar-sitzungen Indizes und Rendite jagen gehen – und wissen, dass sie stets gewinnen – wer sagt uns da, dass sie nichts von all dem Info-Vorsprung an die Geldbranche weiter verkaufen ?

Die wären doch so bekloppt wie sie eigentlich gar nicht sein können, weil sie ja auch das lukrative Insider-Trading herausgefunden haben ? – Im Klartext: Das viel beklagte Kasino namens Wall Street, in dem einfach keiner der Volksvertreter ernsthaft illegales Treiben bekämpfen will, macht genau deshalb nicht zu: Weil dann den Abgeordneten und ihren Teams ein schönes Zusatzverdienst verloren ginge.

Hat eigentlich mal jemand im Bundestag auf die Monitore der Fraktionsbüros geschaut, was die so einspielen, wenn gerade nicht die jüngsten EFSF-Statistiken oder Pornoseiten auflaufen ?

In den USA ist das laut der Studie so geregelt: Abgeordnete werden, damit sie ihren Wahlkreis in allen Abstimmungen des Parlaments durch Teilnahme vertreten können, nicht bei hren Investitionsmöglichkeiten beschränkt.

Ja, es gibt mögliche Interessenkonflikte, aber die Abgeordneten sollen nicht, um diese auszuschalten, eingeengt werden. Stattdessen, und das soll die Jungs disziplinieren, müssen sie jedes Jahr ihre Trading-Aktivität offenlegen. Von hier kommen die Informationen, die in der Studie verwertet wurden.

Diese “Financial Disclosure Reports”, wie die Abgeordnetenberichte über ihre Börsenaktivität genannt werden, prüft jedoch weder eine Behörde noch eine unabhängige Institution.

Erinnert uns das nicht irgendwie an die Finanzkrise ? Ja, es hat Regulierungen gegeben. Ja, es hat auch Regulierer gegeben. Aber hingeschaut hat keiner. Das wird also auch im Zentrum der Macht genau auf diese Weise praktiziert.

Jetzt kommt ein cooles Teilergebnis: Die ach so wirtschaftsfeindlichen Demokraten, die immer der Wall Street an die Wäsche wollen, wenn man die Republikaner hört, haben den besseren Rendite-Riecher.

Hier ein Zitat von der Auswertung der 16.000 Deals, die sich die Forscher genau angeschaut haben:

The Democratic sample beat the market by 73 basis points per month (nearly 9% annually) versus only 18 basis points per month (approximately 2% annually) for the Republican sample.

Given the almost folkloric belief that Wall Street invariably favors Republicans, the superior performance of trades made by Democratic Representatives may seem surprising. However, it should be noted that Democrats controlled the House for 10 of the 17 years covered by this study.

Furthermore, Democrats were deeply entrenched in the leadership of the House for decades prior to the study. Thus when Republicans finally took control in 1995, they arguably had far less experience at handling the reins of power and may therefore have been unable to immediately enjoy all its perquisites.

Hier der entscheidende Absatz aus der Zusammenfassung, der eigentlich alles sagt:

When we regress the calendar-time portfolio returns of the entire sample of stocks on the Fama-French three-factor model (augmented by momentum), we find that stocks purchased by Members of the U.S. House of Representatives earn statistically significant positive abnormal returns. The returns outperform the market by 55 basis points per month (over 6% annually). As additional evidence of information advantage, the trade-weighted portfolio of purchased stocks significantly outperforms the equal-weighted portfolio indicating that Representatives invested much larger amounts in those stocks that performed best.

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{ 11 comments… read them below or add one }

RFSchneider November 14, 2011 at 7:35 am

Europa verliert gerade den 3. Weltkrieg und darf sich nichtmal bewußt sein, daß es im Krieg ist. Jede Nachricht der letzten Monate kündete von gewonnen Schlachten der anderen Seite. Und die europäischen Eliten sind entweder Idioten oder Verräter – es gibt keine dritte Möglichkeit. Das was oben im Beitrag beschrieben ist, ist die Anglo-interne Korruption; es wäre interessant, wer in Euroland die selben Profite durch Insiderdeals macht.

Die “versehentliche” Herabstufung Frankreichs war bewaffnete Aufklärung in Divisionsstärke.

Manche Leute wundern sich, warum es Spanien bisher nicht wirklich getroffen hat. Das ist doch garnicht mehr nötig! Die Kräfte, die hier am Werk sind, sehen Euroland als Ringfestung: Im äußeren dritten Ring Schwachmatiker wie Griechenland. Man greift sie an, verursacht Chaos, zwingt den Festungskomplex sein Augenmerk auf die vorgelagerten Forts des dritten Ringes zu richten. Tritt der gewünschte Effekt ein, ist eine Bresche in den dritten Ring geschlagen, kommt der zweite Ring an die Reihe – hier findet man Italien. Dann selbes Muster wie vorher beim dritten RIng. Aber das Ziel ist immer der Kern: Frankreich, da die Kräfe am Werk sich sicher sind, über Frankreich Deutschland zu erreichen.

Das ist wie 1913/14, als dem Engländer Preussen zu stark wurde. Im Jahr 2011 ist der Engländer zum Generalsturm auf die deutsche Wirtschaft angetreten. Und ich habs schon vor Monaten gesagt – vor 100 Jahren wären wir schon längst im Krieg.

Ich muß mir mal die historische Vorgehensweise der East Indian Company ansehen, da ich den starken EIndruck habe, daß wir hier das selbe Ops-Muster sehen.

Fazit ist jedenfalls, daß Kontinentaleuropa einer 100-jährigen Schuldknechtschaft entgegengeht. Ich möchte Champagnerverkäufer in London sein!!!

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McFly November 14, 2011 at 8:48 am

Hmm? Plan B könnte ja auch so etwas sein…

Der olle Bismarck lebt – (in den Köpfen…& leicht modifiziert…)

http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCckversicherungsvertrag

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pajeu November 14, 2011 at 12:52 pm

meinst du nordstream und dass gazprom kraftwerksbau in deutschland betreiben will?
das waere so ein rueckversicherungsvertrag.

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pajeu November 14, 2011 at 1:12 pm

meinst du nord-stream? und gazprom-kraftwerke in deutschland?

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McFly November 14, 2011 at 1:37 pm

Ja, das mag dazugehören. Die Amerikaner sind verärgert! Auch hier lese ich in manchen Beiträgen, an Deutschland würde “es” letztendlich hängen bleiben, was zu leisten ist.
Viele scheinen das so zu sehen…
Können wir das?

Da kommt man ins grübeln.

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Hardy November 14, 2011 at 11:24 am

@RFSchneider

“Im Jahr 2010 generierte UK ein Defizit nur aus dem Handel mit Nahrungsmitteln in Höhe von -17,024 Mrd. GBP, darunter beim Fleisch ein Defizit von -3,601 Mrd. GBP, selbst mit Milchprodukten und Eiern kann man die eigene Bevölkerung nicht versorgen – hier betrug das Defizit 2010 -1,391 Mrd. GBP und bei Getreide und Futtermitteln betrug das Defizit -1,383 Mrd. GBP. ” http://www.querschuesse.de/blasenokonomie-uk-glanzt/

Also runde 20 Milliarden Euro Nahrungsmitteldefizite bei 60 Millionen Einwohnern. Das ist etwa 1€ pro Nase und Tag. Bei Energie siehts nicht anders aus – die muss jetzt auch importiert werden. Es ist einfach die Frage, wie lange es sich die Leute gefallen lassen, dass Banken gerettet werden und gleicheztitig Abgaben und Steuern für die Bevölkerung stark steigen, wegen der hohen Staatsschulden, wissenschon. Und die nächste Bankenkrise kommt, das wird England am schärfsten treffen – sonst haben die ja nicht mehr viel.

England ist auf meiner Liste immer noch auf erster Position, was gewalttätige Prosteste betrifft. Warten wir einach noch ein wenig ab.

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McFly November 14, 2011 at 10:17 am

Ach ja, das Parlements-Kasino war Thema hier -

Viele Menschen glauben ja ‘Geld sei Macht’ Ich sehe es eigentlich anders-rum ‘Macht ist Geld’

Macht fordert: Tribute, Steuern, Abgaben in vielfältiger Form. Ja, und ‘irgendwie’ auch diese 6% -

Ich glaube nicht, das es Insider Handel ist. Macht gewährt ‘Vorteile’…
Ich lass mich gern vom Gegenteil überzeugen.

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philipp johannes November 14, 2011 at 10:22 am

was vielleicht etliche gar nicht so wissen und nach meiner sicht wissen sollten.
unser peer steinbrück ist auch einer der nicht unbedingt koscher ist:
http://blog.abgeordnetenwatch.de/2010/08/17/ein-buch-29-vortrage-und-einige-hunderttausend-euro-die-nebeneinkunfte-des-peer-steinbruck/

@rfschneider
idioten sind unser eliten sicherlich nicht…

____________________

die bevorstehende gründung der freihandelszone der apec staaten zeigt allen alles.
europa ist weg.
heidelberg, neuschwanstein und andere sehenswürdigkeiten wird man an disney verkaufen können.
der rest ist obsolet.

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Andreas Ludwig November 14, 2011 at 12:04 pm

Nachtgedanken

Es gibt Menschen, auch hier im Forum, denen ist das persönliche Schicksal der Menschen die in Europa leben, oder sonst wo, völlig egal.Hauptsache sie sind nicht, oder werden nicht, vom gleichen Schicksal getroffen.Ich möchte keine Namen nennen. Kommt aber öfter aus den Aussagen dieser ganz deutlich rüber.Gerade dann, wenn Mitglieder des Forums von persönlichen Fällen reden und das dann ins lächerliche gezogen wird.Was treibt diese Menschen eigentlich an? Ist es vielleicht doch Angst. Angst vor dem was kommt? Oder ist es Egoismus? Oder ist es Dummheit?Unsicherheit?Schadenfreude? Seht her ihr faules Pack.Ihr seit doch selber Schuld. Ich schaffe es doch auch!!!
Ahja. Ich möchte mal folgenden Vergleich anstellen. Wir befinden uns in einer Show mit 1,5 Millionen hintereinander aufgebauten Dominosteinen.Da gibt es Kreise. Rauf und runter.Rampen.usw.Jetzt kommt irgendein Schwachmat vor Showanfang und berührt mit seinem Fuss einen Stein.Der fällt.Wir könnten diesen Schwachmat auch als Banker bezeichnen.Es setzt sich was in Gang, was wohl kaum aufzuhalten ist.Selbst der Regisseur der Sendung, der daneben stand, versucht noch eine Schneise mit seinem Fuss zu schlagen, um das Furchtbare aufzuhalten.Nur verschlimmert er es noch, weil sein Fuss nur für eine kurzfristige Unterbrechung sorgt, aber seine Sohle schon den nächsten berührt hat.Und damit die nächste Kettenreaktion auslöst.Man könnte den Regisseur auch als Angela Merkel usw betrachten.Fakt ist, das die Show auf der Kippe steht. Monatelange Arbeit umsonst.Jeder von uns ist ein Dominostein.Natürlich ist einer immer am Anfang betroffen. Ob das ein Vorteil ist?Ich glaube kaum.Irgendwie bleiben auch zwischendurch ein paar stehen.Natürlich sehr selten. Fakt ist, für einen der stehengebliebenen ist es aber auch keine wirkliche Chance.Für ihn ist die Show auch gelaufen.Für die Sendung mit allem drum und dran waren 90 Minuten angesetzt.Die läuft schon im rasenden Tempo ab.Bevor einer überhaupt etwas zu Gesicht bekommt.Aber wir können sicher sein….es trifft jeden.Irgendwann.Wer glaubt, das das einen verschont, ist schief gewickelt. Er steht nur ein bischen am Ende.Und bei einer Halbwertzeit von einem verlorenem Jahrzehnt, ist die Chance sehr hoch nicht davon zu kommen. Einige hier sind die, die darüber rätseln, wie sie den Fluss der kippenden Steine aufhalten können.Ich würde sagen, es ist umsonst. Aber Angst ist ein schlechter Begleiter des Lebens. Es geht immer weiter.Irgendwie…Grüsse an alle.Andi

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tobi November 14, 2011 at 2:18 pm

6% mehr Rendite sind umso erstaunlicher, als dass Politiker im allgemeinen aufgrund der Negativauslese der Politik weniger intelligent sind als der typische professionelle Trader.

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ivanhoe November 14, 2011 at 2:48 pm

Wir stehen vor den Trümern einer Welt, in der sich Materialismus und Egoismus immer mehr ausprägen. Das einzige Ideal, das junge Menschen heute noch vor sich sehen, ist Ruhm und Reichtum. Doch beides kann immer nur Wenigen beschert werden. Jedes Zusammenleben basiert auf gegenseitigem Respekt, doch Respekt ist schon lange von Naid verdrängt worden

Nach dem “Arabischen Frühling” kommt ein “Europäischer Winter”!

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