US-Wachstum – Waaas, 2,8% ?

by markusgaertner on 27/01/2012

Die US-Wirtschaft soll im Schlussquartal um 2,8% gewachsen sein, hören wir heute vom Handelsministerium in Washington. Das ist eine erste Schätzung, versteht sich. Wir haben in den Vorquartalen gesehen, dass hier des öfteren kräftig nach-gebessert werden muss.

Angeblich sind wieder viele Volkswirte und andere wohl informierte Beobachter “überrascht”. In diesem Blog wurde aber seit Wochen darauf hingewiesen, dass enttäuschende Umsätze im Einzelhandel im Dezember sowie die Schwäche auf den Absatzmärkten der US-Exportwirtschaft in Übersee – vor allem in Europa – eine Enttäuschung wahrscheinlich macht.

Ich wette darauf, dass es bei dieser 2,8 nicht bleibt. Ein kurzer Blick hinter die heutige Zahl offenbart das schwache Fundament der US-Konjunktur, das Zweifel weckt.

Skeptisch ist mit Blick nach vorn zum Beispiel der Präsident der New York Fed, Bill Dudley. Er erwartet weniger konjunkturellen Schwung im ersten Halbjahr 2012, unter anderem weil der Lieferketten-Infarkt in der globalen Autobranche nach dem verheerenden Erdbeben in Japan im März Nachfrage aufstaute, die sich Ende des Jahres entlud und die US-Konjunktur stärker aussehen ließ, als sie wirklich ist. – Ein wichtiger Hinweis, wie ich finde.

Auch das Economic Cycle Research Institute bleibt bei seiner Rezessionsprognose für die USA, wie der Business Insider in einem ausführlichen Bericht beschreibt.

Der Großteil des BIP-Wachstums in den USA Ende 2011 ergibt sich aus aufgeblähten Vorratslagern der Industrie. Diese hat einen Großteil der zusätzlichen Fertigung nicht verkauft, sondern in ihren Lagerhallen geparkt, bis wieder mehr Bestellungen eintreffen. Das ist unverkaufte Ware, wird aber in der Statistik mitgezählt.

Dieser Effekt hat laut den Zahlen aus dem Handelsministerium einen Umfang von 56 Mrd. Dollar, was 1,94 Prozentpunkte der gemeldeten 2,8% Zuwachs ausmacht.

Rechnet man nur die Ware, die tatsächlich verkauft wurde und zu klingelnden Kassen führte, dann bleibt ein BIP-Zuwachs von 0,8%. Das ist ein Viertel dessen, was im Vorquartal – dem dritten in 2011 – mit 3,2% gemeldet worden war.

Positive Beiträge zur Wachstumszahl kamen trotz der Flaute im vorweihnachtlichen Geschäft vom privaten Konsum (+2,0%) und von Investitionen am privaten Wohnungsmarkt (+10,9%).

Eine negative Wirkung hatten der Rückgang öffentlicher Ausgaben auf Bundesebene (-7,3%), Investitionen in gewerbliche Immobilien wie Büros und Hotels (+1,7% nach +15,7% im Vorquartal), eine Beschleunigung der Importe auf +4,4% sowie größere Rückgänge bei den Ausgaben bundesstaatlicher und städtischer Regierungen in den USA (-2,6%). Mehr dazu bietet eine ausführliche Analyse auf www.briefing.com.

In den vergangenen Tagen hatte es einige Prognosen gegeben, die von mehr als 3,0% BIP-Wachstum für das Schlussquartal 2011 ausgegangen waren. Der wichtigste Grund hierfür war eine unerwartet kräftige Zunahme der Bestellungen für langfristige Konsumgüter um 3,0% im Dezember.

Doch diese Zahl wurde durch massive Bestellungen großer Airlines bei Boeing verfäscht. Schaut man sich die Auftragseingänge für solche Güter ohne Einrechnung von Verkehrsflugzeugen und Militärausrüstung an (siehe Grafik), sinkt die Kurve dieser Bestellungen deutlich. Ein weiteres Schwächezeichen, das die “negative Überraschung” heute bei den BIP-Zahlen für die USA besser erklären hilft.

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georg January 27, 2012 at 7:10 pm

zahlen daten fakten, hört sich doch gut an oder ?
je mehr je schlechter denke ich , das ganze ist mittlerweile zu einer desinformationsindustrie degeneriert. Stört aber keinen und ist sogar gewollt und ganz angenehm, wie im alten rom .
gruss georg

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die Simpsons January 27, 2012 at 8:55 pm

2,8% Wachstum musikalisch betrachtet: Waitin For The End von Linkin Park und/oder Ha! Ha! Said the Clown von Manfred Mann.

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MCD January 28, 2012 at 2:22 am

Wurde sogar von 3.0% auf 2.8% revidiert. Wenn das nichts heisst! Aber wenn man die sozialen Raender nicht (mehr) beruecksichtigt, dann wird’s schon stimmen. Welcome to the Club.

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Anton January 29, 2012 at 5:25 am

Aalso, ich persönlich würde nicht mehr voraussetzen, dass in diesem System “verkaufte Ware” zwingend zu klingelnden Kassen führt.

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