Europas Schwarzes Loch: M² = (AM²)

by markusgaertner on 03/02/2012 · 31 comments

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Wenige Wochen nach dem massiven Dreijahreskredit von Mario Draghis EZB über 489 Mrd. Euro an 523 europäische Banken sehen wir erste Hinweise auf die bereits vermutete Wirkungskette. Dass die Renditen einiger Wackelländer nach unten in Bewegung gekommen sind – mit der Ausnahme Portugals – ist ja schon länger sichtbar.

Doch jetzt ist auch gut erkennbar, wie sich diese Art der Monetisierung des entfesselten Mario (M²) ihren Weg durch das Geld-Universum bahnt.

Dem spanischen Bankenanalysten Inigo Vega bei der CA Cheuvreux verdanken wir den Hinweis, der aus der ersten Grafik hier in diesem Blogeintrag gut ersichtlich ist, die rasante Zunahme von Käufen europäischer Staatsanleihen durch spanische Geschäftsbanken – die sich zuvor von solchen Papieren getrennt hatten, wie die negativen Balken vor dem letzten zeigen.

Der letzte Balken, der abhebt wie eine Pariot-Rakete, zeigt eine Zunahme von 27 Mrd. Euro allein im Dezember an. Das belegen die EZB-Zahlen. Dass Spaniens Banken vor allem ihrer eigenen Regierung beim Schuldenmachen helfen, liegt nahe und entspricht dem Muster in anderen Ländern.

Die jüngsten Zahlenreihen aus dem Finanzministerium in Madrid vom Freitag zeigen: Es waren genau 24 Mrd. Euro, für die Spaniens Geldhäuser im Dezember zusätzliche Anleihen ihrer Regierung erwarben.

Wie sich dies auf das Gesamtportfolio der spanischen Kreditinstitute auswirkt, zeigt die zweite Grafik in diesem Blogeintrag.

Ich hatte das hier schon in der vorigen Woche beschrieben, was wir hier sehen: Die EZB subventioniert die Refinanzierung der Geschäftsbanken und motiviert diese zum Kauf von Staatsanleihen, weil die Zinsmarge dazwischen bei der Reparatur der Bilanzen hilft.

Für die Geschäftsbanken hat das ganze auch den Vorteil, dass sie die Anleihen in ihrem Portfolio jederzeit als Sicherheit an die EZB loswerden können. Die EZB hat die Annahmekriterien entsprechend gelockert.

Sie erweist sich hier als derjeinge Player, der die Schuldenländer motiviert, ihre Verschuldung weiter voran zu treiben, weil er die Geschäftsbanken in die Lage versetzt, auf profitable Weise den fiskalischen Erfüllungsgehilfen zu spielen.

Dabei wird das Schuldenrad immer weiter gedreht, die Schuldenlast erhöht, die Qualität der Schuldtitel verwässert. Das stört zunächst keinen Beteiligten. Denn die Banken profitieren und die Schuldenaufnahme für die Eurolandstaaten verbilligt sich vorübergehend.

Die EZB schiebt das Problem weiter in die Zukunft. Berlin kann dieser Umweg-Monetisierung schluckend zustimmen. Die Renditen werden gesenkt, die Schulden kurzfristig tragbarer, die Märkte beruhigt. Die Sparer fragt sowieso keiner mehr.

Sie kommen erst später ins Spiel, wenn das Rad so groß geworden ist – und die Qualität der verbliebenen Schuldpapiere so lausig- dass keiner mehr an die Fortsetzung der Draghi-Spirale glaubt.

Frau Merkel (AM²) wird bis dahin nicht mehr Bundeskanzlerin sein. Das schwarze Loch, das Mario Draghi erzeugt, wird sich jedoch nicht aufgelöst haben, sondern sich andauernd vergrößern.

Die Chance, mit künftigem Wachstum den Schuldenberg wieder abzutragen, wird mit jeder Woche geringer. Sie besteht auf absehbare Zeit sowieso nicht,  weil die Schuldenlast schneller wächst als das BIP.

Wenn die Zinsen dereinst wieder steigen – vielleicht irgendwann nach 2035 – wird sich die ganze Abwärtsdynamik drastisch beschleunigen.

Die EZB wird sich dann als der größte Forderungsfriedhof der Welt erweisen. Um sie zu rekapitalisieren – oder abzuschaffen – müssen die Steuerzahler Europas in die Pflicht genommen werden.

Die Rechnung kommt immer. Ob die Vernunft zurückkehrt, ist derzeit noch nicht erkennbar.

Ich muss in diesen Wochen oft an Gespräche mit meinem 85jährigen Schwiegervater zurückdenken. Wir haben viel darüber geredet, wie die Deutschen im Ersten Weltkrieg, im Zweiten Weltkrieg – und in der Hyperinflation dazwischen – drei Mal alles verloren, wenn sie Bares oder Anleihen besaßen.

Außer Sachwerten halfen im Nachhinein gegen die Zerstörung des Vermögens eigentlich nur Aktien von Firmen, die nicht untergingen. Auch da hat man verloren, aber nicht alles. Solche Papiere werde ich mir in den kommenden Monaten ins Depot legen, wenn die nächsten Rückschläge kommen.

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