Der Knockout für Griechenland ?

by markusgaertner on 22/02/2012 · 18 comments

2012-02-21_2317

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Ich lasse mir jetzt regelmäßig die englischsprachigen Berichte von Ekathimerini aus Athen schicken. In der Mittwochausgabe ist gleich ein ziemlicher Schocker dabei.

Die mittelständischen Unternehmen Griechenlands, über deren Ausfallrate es ja abenteuerliche Prognosen gibt, stehen bei Banken, Sozialkasse, Versorgern und dem Finanzamt mit mindestens 193 Mrd. Euro in der Kreide.

Das wären 150% des gerade vereinbarten zweiten Hilfspaketes, wenn die Zahl stimmt. Und davon gehe ich aus.

Sie stammt nicht von irgendeinem Wirtschaftsprofessor, der nach ein paar Ouzo mal schnell seinen Taschenrechner zückte und eine neue Horrornummer für ein Tweet hervor zauberte.

Sie kommt von der National Confederation of Greek Commerce (ESEE). Und die bezeichnet die aufgelaufenen Verbindlichkeiten der kleinen und mittelgroßen Firmen im Hellenenland als “beträchtliche Sorge” für die Banken, als habe Griechenland nicht schon tonnenweise davon.

Fazit des Verbandes: Diese KMU-Schulden setzen “das Kreditsystem und den nationalen Haushalt einer noch größeren Gefahr aus”.

Hat das jemand, der Hintergründe kennt, auf dem Monitor. Haben die Schlaumaier das in Brüssel in ihren optimistischen Worst Case eingearbeitet, der von BIP-Wachstum ab Mitte 2013 ununterbrochen bis Ende des Jahrzehnts ausgeht ?

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Nepumuk February 22, 2012 at 07:26

Guten Morgen Herr Gärtner,

sowas taucht sicherlich in der schönen heilen Welt in Brüssel, Berlin und Paris nicht auf.

die Troika leitet in Griechenland ganze Arbeit um das Land von einem wieder auf den Level eines
drittwelt Staates zu bekommen.

Wir werden natürlich kein Wachstum ab 2013 sehen, aber bis dahin sind ja die Entscheidungsträger von heute längst in Rente.. oder Ehrensold…

Auftragseingang der griechischen Industrie mit -9,4% zum Vorjahresmonat

http://www.querschuesse.de/auftragseingang-griechische-industrie-mit-94-zum-vorjahresmonat/

Nepumuk

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Kai Strittmatter February 22, 2012 at 07:36

guten morgen, markus,
hier noch zwei englischsprachige webseiten zu griechenland, die es sich zu beobachten lohnt:
http://www.athensnews.gr
http://greece.greekreporter.com/
und hier der beste blog zum kranken griechenland, den ich kenne:
http://www.greekdefaultwatch.com/
grüße aus istanbul (eben zurück aus athen)
kai

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markusgaertner February 22, 2012 at 21:41

Hallo Kai, ganz herzlichen DANK, hoffe, Dir geht es gut. Bist Du permanent in Athen ? Falls Du direkt antworten willst, nimm mgaertner@shaw.ca

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Ivan February 22, 2012 at 07:37

Irgentwann wird es den Bürgern reichen und es erfolgt eine Abstimmun mit den Füßen. Am Ende steht so oder so der Bankrott und die Rückkehr zur Drachme.

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Raus aus Deutschland February 22, 2012 at 08:11

Die Griechen werden weiter verarmen. Ein Dritte Welt Land sind sie doch schon lange!
Wer nicht mal ein eigenes Eigentümerkataster auf die Reihe bringt und 193 Milliarden Aussenstände von den eigenen Bürger hat IST Dritte Welt.

Natürlich wird es Aussenstände geben aber die Griechen können den Feind nicht schlagen weil sie nicht realisieren WER den nun der Feind ist. Sie werden ihre eigene Regierung davon jagen aber die entscheidenden Führer werden bleiben.

Dann wird das Volk weiter verarmen und am Schluss wird erneut ein Vertrag geschlossen werden der die Fronschaft des Volkes weiter zumentiert.

Ganz wenige realisieren was wirklich passiert und die schweigen und nutzen diese “unabänderliche Weltströmung” zu ihrem eigenen Vorteil denn änderen läßt es sich nicht.

Die starken Länder in Europa bekommen Zulauf von jungen Leuten aus den hoffnungslosen Ländern, die Macht wird also weiter konzentriert. Das passiert nicht nur in Europa sondern global.

Man richte sein Augenmerk einmal auf Hong Kong.
Da wird die kommenden Jahre viel passieren!

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Gaby February 22, 2012 at 08:17

Hallo Markus,

dazu muss man ja noch wissen, dass diese Schulden eigentlich zum größten Teil wohl schon auszubuchen wären. Denn die meisten dieser Firmen existieren schon gar nicht mehr. Letztes Jahr allein sind über 130.000 solcher KMU pleite gegangen, werden aber aufgrund der völlig maroden Verwaltungsstruktur hier in GR noch als “vital” geführt.

Mir ist es deshalb auch völlig schleierhaft, wieso Blackrock, die vor kurzem ja die Kreditportfolios der griechischen Banken auf faule Eier durchforstet haben, auf “nur” 15 Milliarden roundabout gekommen ist.

Nochmal: Meiner Ansicht nach ist der größte Teil dieser 200 Milliarden bereits heute abzuschreiben.

Gruß

Gaby

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Joker February 22, 2012 at 10:45

Mehr eine Frage:

Wie hoch sind die Firmenschulden/Staatsschulden – gross – klein, existierend schon tot – gegenueber auslaendischen Unternehmen – ich denke da an Hochtief und die Bauleistungen fuer Olympia……

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Gaby February 22, 2012 at 08:29

Noch ein Nachtrag (vielleicht auch für alle). Wenn Du Dir die englische Kathimerini mitbringen lässt (die man ja unter http://www.ekathimerini.com auch online lesen kann), dann hätte ich vielleicht noch ein paar ebenfalls englischsprachige Lesetipps online für Dich/Euch (Kathimerini ist manchmal sehr langsam und auch nicht immer sehr ausgewogen).

Die griechische Tageszeitung Protothema bringt ausgewählte Artikel recht aktuell auch auf Englisch

http://www.protothema.gr/news-in-english/

Einen schönen Nachrichtenüberblick gibt auch

http://greece.greekreporter.com/

Die werten im Prinzip die ganze griechische Presse aus. Dann kennst Du bestimmt ja auch

http://www.keeptalkinggreece.com/

Als Wirtschaftsblogs aus Griechenland kann ich nur wärmstens empfehlen

http://www.philip-atticus.com/

und

http://yanisvaroufakis.eu/

Viele Grüße

Gaby

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markusgaertner February 22, 2012 at 21:40

Besten DANK für die vielen wertvollen Hinweise, Markus

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Joker February 22, 2012 at 10:43

Schoener kann ich auch nicht beschreiben, warum gilt:

Nach dem Bailout ist gerade vor dem Bankrott:

http://theeconomiccollapseblog.com/archives/8-reasons-why-the-greek-debt-deal-may-not-stop-a-chaotic-greek-debt-default

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Marco February 22, 2012 at 13:52

Wo ich hinschaue, überall das gleiche Bild. Griechenland ist pleite. Griechenland wird Insolvenz anmelden. Es geht allem Anschein nach nicht mehr um das ob, sondern um das wann.
Was hat denn nun das tolle Verhandlungsergebnis vom Montag Morgen überhaupt gebracht?
Ein paar Tage Luft? Luft für was? Für eine “geordnete” Insolvenz? Was soll das sein?
Sind bei einer geordneten Insolvenz die Target 2 Salden etwa nicht futsch? Werden bei einer geordneten Insolvenz die Unmengen an Credit Default Swaps, die in den unregulierten Märkten umherschwirren etwa nicht fällig gestellt (was zur Pleite bzw. “Rekapitalisierung” der Banken durch die sowieso schon überschuldeten Staaten führen würde)?

Ich kapier einfach nicht, was das bringen sollte. Das ganze riesen Rettungspaket hat noch nicht mal dazu geführt, dass die Ratingagenturen mal wenigstens für ein paar Wochen stillhalten: Fitch hat Griechenland schon wieder herabgestuft auf C (Staatsbankrot höchstwahrscheinlich):

http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/anleihen/trotz-schuldenschnitt-fitch-haelt-griechenland-pleite-fuer-sehr-wahrscheinlich/6240062.html

Kann mir das irgendjemand erklären?

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Klaus Kastner February 22, 2012 at 14:29

Griechische Mittelständler haben de fakto schon vor Jahren eine Parallel-Währung zum Euro erfunden: nachdatierte Schecks. Dieses Verfahren ist dem deutschen Wechselsystem nicht ganz unähnlich: der Schuldner sagt “ich zahle heute, aber nicht in Cash sondern per Scheck, welcher Scheck 3 Monate später datiert ist und eingelöst werden kann”. Der Empfänger kann diesen Scheck endossieren und damit seine Rechnungen begleichen.

Wenn am Ende des Tages die Schecks bei Fälligkeit bezahlt werden, ist alles in Ordnung. Kein Mensch weiß jedoch, wie viele Schecks und in welcher Höhe zirkulieren (vor allem Kommunen sollen sich dieser Methode sehr stark bedient haben). De fakto hat man sich hier bereits eine Erwatzwährung geschaffen.

Wenn man die oben erwähnten Forderungen über 193 Mrd. EUR vergleicht mit den insgesamt 247 Mrd. EUR, die die Bank of Greece als Schulden im Bankensystem ausweist, dann muss man in der Tat sehr nachdenklich werden.

PS: den Ekathimerini zu abbonnieren, kann ich nur empfehlen!

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Benedikt February 23, 2012 at 14:26

Hört sich mehr nach Insolvenzverschleppung an, als eine Zweitwährung an. Für eine Zweitwährung müsste man die Schecks tauschen können.

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MCD February 23, 2012 at 00:27

Und was ist eigentlich mit dem griechischen Erdoel? Wird da das griechische Volk ueber den Tisch gezogen?

http://www.politaia.org/politik/europa/griechenlands-schulden-und-die-globale-olmafia-ein-mega-skandal/

Top read.

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King Balance February 23, 2012 at 14:20

“An allem Unfug, der passiert, sind nicht etwa nur die schuld, die ihn tun, sondern auch die, die ihn nicht verhindern.“ (Erich Kästner (1899-1974), dt. Schriftsteller

Mikis Theodorakis – An die Weltöffentlichkeit: die Wahrheit über Griechenland
http://principiis-obsta.blogspot.com/2012/02/die-weltoffentlcihekit-die-wahrheit.html

Bob Chapman: Game Over: Für Griechenland ist der Euro Geschichte, Krise kann Europäern jetzt jederzeit um die Ohren fliegen
http://www.propagandafront.de/1101690/game-over-fur-griechenland-ist-der-euro-geschichte-krise-kann-europaern-jetzt-jederzeit-um-die-ohren-fliegen.html

USA – Veterans for Ron Paul March on Washington
http://kingbalance.blogspot.com/2012/02/veterans-for-ron-paul-march-on.html

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Maria March 3, 2012 at 22:01

Also ich versteh nicht warum die sleebn Leute, die jetzt deiner Meinung nach schon mit den Privacy-Feature Gruppen und Circles zu erstellen, fcberfordert sind in Zukunft in der Lage sein sollten ihre Posts dem richtigen Themenbereich zuzuordnen. Ffcr mich klingt das eher nach einem Usability als nach einem Querology -Problem. Ich kenne auch Leute die in der Bahn nicht in der Lage sind zu bemerken wenn ich mit ihnen nur fcber die Arbeit und nicht ihre letzten Urlaub sprechen mf6chte.. Das ist aber auch schon der dcbergang zum zweiten Punkt, den ich etwas zu platt finde (muss man vielleicht aber auch ffcr die Medien machen). Einen Widerspruch zwischen der gewe4hrten Privatheit und der genommenen kann ich auch nicht sehen. Weder das eine noch das andere funktioniert vollste4ndig, noch ist das jeweils eine alleine wfcnschenswert.Ich mf6chte weder die ganze Zeit vollste4ndig bewusst die Kontrolle darfcber ausfcben mfcssen was, wer, wo z.B. hf6rt, noch mf6chte ich mich immer allen Normen und Konventionen unterwerfen und z.B. jemandem der in der Bahn laut Scheidfe erze4hlt nicht widersprechen weil man das nicht macht ..Ffcr mehr Kontingenz!

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