Griechen-Checkliste: Sklaventum, oder eher Vertreibung ?

by markusgaertner on 24/02/2012 · 17 comments

2012-02-23_1314

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Die Gläubiger der EU haben den Griechen eine Checkliste mit Reformaufgaben überreicht, die es in sich hat. Satte 51 Seiten ist das “Memorandum of Understanding on Specific Economic Policy Conditionality” lang.

Es ist ein Grusel-Kabinett an Auflagen, die von der Schlankheitskur des Verwaltungsapparates über eine gepfefferte Steuerreform bis hin zu einer Straffung des Regierungsapparates reichen. Die Details sind so erstaunlich präzise ausgearbeitet, dass man sich fragt, warum nicht drinsteht, wie Herr Papademos seine Bleistifte auf den Tisch legt – wenn er ab April überhaupt noch einen hat.

Griechenland gibt mit dieser Terrorakte eines Verwaltungsdiktats seine Souveränität weitgehend aus der Hand. Die Griechen werden in den kommenden Wochen staunend vor ihren TV-Bildschirmen sitzen und sich fragen, wie um alles in der Welt ihre politische Führung sich ein solches Monsterwerk aufzwingen ließ.

Die Hausaufgaben in diesem dicken Schinken sind so gewaltig, dass allein einzelne Teile in mittelgroßen Städten Deutschlands, selbst den gut geführten, ein oder mehrere Bürgermeister verschlingen würden, bevor sie überhaupt Gestalt annehmen.

Nachfolgend bringe ich Auszüge aus dem Werk. Diese stammen lediglich aus den ersten 14 von 51 Seiten. Wer sie sich anschaut, kommt um den Eindruck kaum herum, den ich auch hatte: Das ist eine auf Scheitern angelegte Gewaltkur für ein nicht nur finanziell, sondern auch in der Verwaltung krankes Land, das einen solchen Kraftakt niemals erledigen kann.

Dass seine Regierung darauf einging, zeigt die Not der Griechen. Dass ihnen solche Reformen aufgenötigt werden, zeigt das Misstrauen und die Ungeduld – zurecht – der Geldgeber.

Die Frage ist jetzt in meinen Augen nur noch: Meutern zuerst die Griechen, weil sie im Fernsehen gezeigt bekommen, welche trojanische Preußenreform ihnen da untergejubelt wurde, oder zieht zuerst die Troika die Reißleine, weil sie aufspringt und schreit: WIR WUSSTEN, DASS IHR DAS WIEDER NICHT GEBACKEN KRIEGT.

Nachtragshaushalt:

Überstunden für Ärzte, Beschaffung beim Militär, öffentliche Ausgaben für Medikamente und Rauswurf für viele stellvertretende Bürgermeister …

Vor der Auszahlung der ersten Tranche des zweiten Bailouts, Erledigung bis Juni 2012:

Einführung einer Business-Steuer, Lohnabschläge im öffentlichen Dienst

Militärhaushalt:

Sparen ohne Rücksicht auf die Verteidigungsfähigkeit des Landes

Privatisierung:

Striptease öffentlicher Beteiligungen bis auf Straßen und Schienen

Öffnung der Märkte:

Schleusen auf für Goldman Sachs und &, jeder kann sich bedienen

Umfassende Steuerreform bis Juni 2012

Einkommensteuer, Firmensteuer, Mehrwertsteuer, Immobiliensteuer – Fahrplan muss in nächsten 5 Tagen erstellt werden

Einkommensverwaltung:

1.000 neue Leute bis April, Turboausbildung, Zentralisierung, Schließung ineffektiver Steuerbüros, Rauswurf von unfähigen Beamten (Wäre bei uns seit Adenauer ein Topprojekt)

Neue IT für die nationale Steuerverwaltung:

Datenzentren kaufen, installieren, schulen bis Ende März, Zentralisierung bis Ende 2012 (Man stelle sich vor: Zusammenlegung deutscher Bundesländer, von 16 auf 9 in 90 Tagen)

Ausgabenkontrolle:

Registrate, Aufbau einer Berichtswesens, mittelfristige Planung, und Erarbeiten eines Klenders

Öffentliche Verwaltung:

Arbeitsgruppe beim Premier, Koordinierung zwischen den Ministerien, Aufbau von Strukturen

Personalplanung beim Staat:

auf Quartalsbasis, Einstellungsstopp, keine Tricksereien wie Umsetzung der Leute aus den Staatsfirmen in den Beamtenapparat

Beschaffungsbehörde:

Neues Amt mit Besetzung bis April

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Raus aus Deutschland February 24, 2012 at 05:33

Solche Programme kenne ich hier auch von NGOs welche die Regierung beraten!

Grundsätzlich eine interessante Sache aber NUR, wenn man die Macht hat mit dem “eisernen Besen” zu kehren.
Die alte Verwaltung in Griechenland kann man nicht reformieren sondern diese muss völlig vernichtet werden und auf den Trümmern wird dann neu augebaut.
Dazu ist es unabdingbar, mindestens 90% der Regierungsangestellten zu entlassen und durch frisches unverbrauchtes Blut zu ersetzen.

Sowas geht nur durch Aussenwirkung und nicht von innen weil naturgemäß Widerstände dagegen enorm sind.

Ist eine interessante Taktik um ein Volk “von innen” heraus zu erobern. Sämtliche Schlüsselstellungen werden von qualizierten Goldman-Sachs Angestellten eingenommen.
Qualiizierte Griechen die in den USA leben bekommen dafür ein verlockendes Angebot um in Griechenland zu arbeiten.

Lässt sich das in der kurzen Zeit machen?

Ja!!!

Der Grieche Herr Herakles ist dafür Experte. Er schaffte es in wenigen Tagen aufzuräumen was andere für unmöglich hielten.

Quelle:
http://de.wikipedia.org/wiki/Augias

Warten wir ab denn “Halbgötter” sind auf der Erde inzwischen rar geworden.

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Christian A. Wittke February 24, 2012 at 07:00

Da ist das Verfehlen Programm um gleichzeitig und vorträglich sicherzustellen, daß einer nachträglichen Rechtfertigung außer versagender Griechen nichts im Wege stehen wird.

Ein Witz, das Ganze!

caw

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Grinario February 24, 2012 at 07:31

Zitat: “Griechenland gibt mit dieser Terrorakte eines Verwaltungsdiktats seine Souveränität weitgehend aus der Hand. Die Griechen werden in den kommenden Wochen staunend vor ihren TV-Bildschirmen sitzen und sich fragen, wie um alles in der Welt ihre politische Führung sich ein solches Monsterwerk aufzwingen ließ.”

Falls das Aufgeführte alles umgesetzt würde, wäre Griechenland das erste EU-Protektorat oder Schutzgebiet des 21. Jahrhunderts. Wie Sie geschrieben haben: das ist ein Verwaltungsdiktat durch das Griechenland seine Souveränität aufgeben muss. Wollen wir künftig so in der EU und in der Eurozone weiter leben, mit Diktaten der EU-Kommission? Andererseits kann niemand denn Steuerzahlern der Nordeurozone zumuten, diesen failed state GR in dieser Form weiter zu stützen.

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Ohmann February 24, 2012 at 11:08

Und ich muss im April da hin. Hoffe, die zünden mir die Karre nicht an!

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jo February 24, 2012 at 12:03

Das Kosovo ist das erste EU Protektorat (bisher halt ohne Reisefreiheit). Die Griechen werden daher ein priviliegiertes Protektorat sein, der Zorn sollte nicht gegen die EU, sondern gegen die eigene Führung gerichtet werden. Die haben massiv abgegriffen und sind jetzt Weltbürger mit Wohnsitz in Schweiz, England, USA.
Das dumme Griechenvolk verraten und verkauft von der eigenen Führung. Demokratie ad absudurdum führen damit der Finanzadel einen neue (Kredit)-Leibeigenschaft und Feudalismus einführne können.

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PetMol February 24, 2012 at 12:44

Ein so schönes Land, und ein so unfähiges Staatswesen! Aber: ist das marode “Staatswesen” das Wesentliche an Griechenland?

Natürlich wird diese Liste der Gemeinheiten nicht erfüllt werden können, weder von den geplanten Terminen her, noch vom geplanten Grad an Umsetzung. Das würde schon bei uns nicht klappen, wie im Artikel bereits klargestellt.

Das für die Griechen “Wesentliche” an Griechenland, das griechische Wesen, wird sich da was einfallen lassen, da bin ich sicher!

Für Touristen war und ist Griechenland weiterhin ein “Traum”. Ich trage auch gerne dazu bei, siehe hier: “Samian Dreamscapes”
http://www.youtube.com/watch?v=nBj9wQou0wk

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PetMol February 24, 2012 at 16:03

Neue Auflagen: EU will Griechenland aus dem Euro drängen
http://www.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/02/38751/

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hajo February 24, 2012 at 16:19

Da wird es nur eine echte Aktion geben:
Militärputsch !

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Adept February 24, 2012 at 16:49

Die Methode der Eroberung Griechenlands ist schon beachtenswert:
Zuerst besticht man Politiker, damit sie Schulden machen ohne Ende (Finanzminister Venizelos
war Vorstandsmitglied der National Bank of Greece (zu diesem Zeitpunkt unter der Leitung von Loukas Papadimos)….und dann nimmt man das verführte Volk an die Kandare , sprich: versklavt es.
Auch wenn es weit hergeholt scheint: Kohl hatte, ich denke es war 1998, sämtliche Türkische Schulden aufgekauft- die Türkei war defacto bankrott damals.

Merke : in der Politik geschieht nichts zufällig.
Die Zerstörung Europas von innen wird beschleunigt fortgesetzt.

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Privatcamping Italien February 25, 2012 at 06:32

Italien wird ja bereits offen von Goldman & Sach regiert, GR gehts genauso.
Beide Parlamente stimmen einfach nur noch zu.
Wobei wir lieber nach Italien ausgewandert sind, obwohl GR eine Zeitlang auch auf dem Plan stand. Nur wackelte es damals schon.
Wie In Italien durch extreme und kurzfristige Steuererhöhungen vor allem für die unteren und mittleren Einkommen wird auch aus GR das Letzte herausgepresst – die Gläubiger freuen sich ja über diese Blankoversicherung, zumindest solange sich die anderen EU-Länder zu immer größeren “Rettungsmilliarden” bereiterklären.
Das ist wie eine riesige Zitrone – oben wird gepresst und unten stehen die Anteilseigner und Aktionäre mit offenem Mund.
Dazu gehören alle Inhaber einer LV oder einer Riesterrente – die werden von uns Deutschen, den Italienern, den Griechen usw. zur Zeit verzinst.
Ein irres Spiel mit offenem Ausgnag – Diktatur total oder Zusammenbruch?

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Joker February 25, 2012 at 16:24

Fuer die Leseliste
Deutschland exportiert Steuereintreiber nach Griechenland….

http://www.wiwo.de/politik/europa/aufbauhilfe-160-finanzbeamte-fuer-athen/6245378.html

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DividendenJaeger February 25, 2012 at 20:32

Sorry aber ich kann mich dem allgemeinen Reigen hier nicht anschließen. Griechenland war noch nie in der Lage seine Steuern einzutreiben. Beamte von der Steuerbehörde wurde eher verprügelt und vertrieben. Was hier aufgebaut werden soll, trifft nicht die armen, die eh nix haben sondern jene, die sich von der Allgemeinheit die Infrastruktur liefern lassen aber sich darum drücken, dafür die nötigen Steuern zu zahlen. Die 2000 reichsten Familien Griechenlands haben sich das alles schön zurecht geschnitzt und in dem Saustall muss einfach mal ausgemistet werden. Außerdem ist Griechenland pleite. Die Drachme wieder einzuführen und dann gar keine Hilfszahlungen mehr zu erhalten und keine Reformen anzugehen, wäre eher kontraproduktiv. Die hatte über 1 Jahr zeit was zu unternehmen, aber die fetten blutsaugenden Bonzen haben nur weiterhin die Hilfsgelder in die eigene Tasche geleitet. Das den anderen Europäern dann der Kragen platzt, ist da nur all zu verständlich. Die Griechen müssen lernen auf eigenen Füssen zu stehen. Alle anderen EU Länder haben eine effektive Steuerbehörde, die braucht auch Griechenland und können eigentlich froh sein, dass sie das jetzt von außen aufgedrückt bekommen. Dann wird es nach einer Durststrecke auch wieder aufwärts gehen.
Von mir aus, können die sich aber auch aus dem EU Club verabschieden. Für uns ist das billiger. Dann können die aber selber zusehen, wie sie Ihr Land reformiert bekommen.

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