Draghis Banken-Bombe

by markusgaertner on 29/02/2012 · 31 comments

2012-02-28_1823

Share

Hier kommt eine kleine Illustrierung die zeigt, wie die EZB unter Mario Draghi sich nicht nur zum indirekten fiskalischen Erfüllungsgehilfen der hoch verschuldeten Eurostaaten macht, sondern auch die Kapitalstruktur der Banken zerstören hilft.

Die EZB darf nicht direkt am Primärmarkt Bonds kaufen.

Umweglösung: Sie verleiht Dreijahreskredite (LTRO) zu 1% an die Geschäftsbanken, die mit dem Geld zu einem guten Teil Anleihen von Wackelländern kaufen, die sie sonst nicht gekauft hätten.

Wir haben das hier im Blog vor wenigen Tagen mit Grafiken für die spanischen Kreditinstitute anhand von Zahlen der nationalen Notenbank dargestellt.

Das ermöglicht den Staaten eine noch höhere Verschuldung, die sie gerne eingehen, weil sie wegen der Intervention der EZB weniger Zinsen zahlen, als sie an einem freien Markt ohne Intervention gezahlt hätten.

Die höhere Verschuldung erhöht das Ausfallrisiko auf seiten der Staaten.

Für die Banken bedeutet dieses Karussell: Sie legen sich noch mehr Staatsanleihen in die Keller und nehmen doppelt steigendes Risiko inkauf: Mehr Volumina, mehr Risiko je Anleihe.

Die EZB sichert sich bevorzugte Zugriffsrechte für den Fall einer Pleite. Das heißt: Je mehr die Geschäftsbanken Gebrauch von den LTRO-Kreditaktionen machen, desto kleiner wird der prozentuale Anteil dessen, was sie sich im Falle einer Staatspleite sichern können.

Die EZB erreicht ihr Ziel, die Staaten weiter mit Geld zu versorgen. Die Banken reparieren ihre Bilanzen mit der Zinsdifferenz zwischen dem, was sie Herrn Draghi zahlen (1%) und dem, was sie für die zusätzlichen Anleihen bekommen (4-6%).

Die Staaten geraten tiefer in die Schuldenspirale. Die Banken hängen davon ab, dass die EZB weiter ihre Wackelanleihen als Sicherheit akzeptiert, was aber nicht beliebig lange funktioniert, wie man jetzt am Beispiel Griechenland sieht.

Die Herabstufung der Hellenen auf “teilweisen Zahlungsausfall” am Montag hat die EZB veranlasst, keine Griechenanleihen mehr als Sicherheit zu akzeptieren.

Fazit: Wir nähern uns auch bei diesem abenteuerlichen Kartenhaus-Schema schnell der theoretischen Grenze, sowohl was die mögliche Fortsetzung, als auch was das tragbare Risiko angeht.

Share

{ 25 comments… read them below or add one }

Grinario February 29, 2012 at 06:04

“Die EZB erreicht ihr Ziel, die Staaten weiter mit Geld zu versorgen. Die Banken reparieren ihre Bilanzen mit der Zinsdifferenz zwischen dem, was sie Herrn Draghi zahlen (1%) und dem, was sie für die zusätzlichen Anleihen bekommen (4-6%).”

Die Zinsdifferenz ist im Grunde bail-out durch die Steuerzahler, die wissen davon aber noch gar nichts. Wurden die Volksvertreter gefragt? Natürlich nicht. Wie hieß es immer im Gemeinschaftskundeunterricht: Das Haushaltsrecht ist das vornehmste Recht des Bundestages. Na, ja.

Reply

Nina February 29, 2012 at 07:55

Das Grusel-Endgame hat begonnen.

Ab jetzt ist Kondition gefragt.

Reply

Michael Krause February 29, 2012 at 08:09

Die Krise wurde verursacht durch ein Mißallokation von Mitteln bedingt durch nicht marktgerechte Zinsen und durch politische Einflussnahme (jedem Amerikaner sein Häuschen, Sozialstaat in Europa ohne entsprechende Steuerbasis). Die Banken waren dafür Mittel zum Zweck der Politik und wurden durch Nichtanrechnung von gekauften Bonds auf das Eigenkapital geködert. Dieses Spiel wird sich nicht so schnell ändern, weil sich die Politik nicht ändert. Dass das Spiel aber schnell seinem Ende entgegengeht, glaube ich persönlich nicht. Das Geld ist ja bereits ausgegeben, es kann nur nicht mehr zu tragbaren Zinsen gerollt werden. Hier tritt die EZB/Fed ein und übernimmt das Risiko. Mit neuem Geld ist man in Europa vorsichtiger, wie die Austeritätsforderungen der Frau Merkel zeigen. Ob dieses Bemühen angesichts der sozialen Folgen der Sparauflagen lange aufrecht erhalten bleiben kann, ist allerdings fraglich. Und dann, erst dann, ist Game Over. In den USA dagegen schert man sich um Austerität nicht, man hält sich dankt des Dollars als Weltreservewährung für wenig verletzlich und hat schließlich auch den Status als Weltmacht zu verlieren. Wer zuerst ins Gras beißt, bleibt abzuwarten. Spannende Zeiten.

Reply

Martin February 29, 2012 at 08:19

Die Inflation nimmt fahrt auf.
3,6 Prozent Gehaltserhöhung
6,5 Prozent Tarifforderung
Öl bei 125 $
Die Flucht in Sachwerte läuft.
Hat jemand ein nachvollziehbares Inflationsablaufscenario?
Haben wir schon 2013 zweistellige Tarifforderungen?
Was sind die dabei entstehenden Probleme?

Reply

Adept February 29, 2012 at 09:20

Wenn die Banken die Billion eingesackt haben – und ich denke, sie werden die Gunst der Stunde nützen – dann werden mit dem Geld nicht bloß Staatsanleihen gekauft werden.
Die Masse dieses Geldes strömt dann vermutlich auch nicht in Industriekredite, soviel braucht man da nicht, sondern in die Rohstoffmärkte.

Spekuliert wurde schon immer am Risikolosesten mit einer dicken Geldbörse.

Reply

Joker February 29, 2012 at 09:24

“diesem abenteuerlichen Kartenhaus-Schema schnell der theoretischen Grenze, sowohl was die mögliche Fortsetzung, als auch was das tragbare Risiko angeht.”

Theoretisch geht es noch eine Weile weiter, wie lange? Unvorhersehbar, weil unklar ist, welches Gesetz oder Regel als naechstes gebrochen oder “angepasst” wird.

Die Grenze des tragbaren Risikos – wenn die Regeln nicht geaendert worden waeren – haben wir schon lange ueberschritten, wann?
Irgendwann zwischen Aufgabe von Bretton Woods und heute.

@Martin
Inflationsmuster kann man nicht sinnvoll hervorsagen. Welche Schneeflocke ist letztlich fuer den Lawinenabgang verantwortlich? Schroedingers Katze weiss vielleicht mehr :-)

Reply

Joker February 29, 2012 at 20:23

too little, too late…….

(nachdem die Geldwertstabilitaet hinten rueber gefallen ist….)

Weidmann fordert von Draghi die Rueckkehr der pre-crisis Sicherheitsstandards in Euro System:
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/schuldenkrise-die-bundesbank-fordert-von-der-ezb-bessere-sicherheiten-11667413.html

Reply

Victor February 29, 2012 at 11:59

Ich glaube ihr seht das Alles zu pessimistisch?
An Draghis Geld-Regen,
soll die Welt genesen:
http://www.handelsblatt.com/finanzen/boerse-maerkte/marktberichte/boerse-tokio-maerkte-in-asien-setzen-auf-geldregen-der-ezb/6267372.html

Reply

MCD February 29, 2012 at 14:07

….und es regnete 40 Tage lang.

Reply

Nina February 29, 2012 at 12:02

Ein bemerkenswertes Video zur aktuellen geo-politischen Lage, in dem auch die gegenwärtige transatlantische Finanzpolitik analysiert wird:

http://www.schiller-institut.de/

Must see!!

Reply

die Simpsons February 29, 2012 at 12:18

Bitte nicht diese Büso-Tante; ich bin sofort geflüchtet.

Reply

Nina February 29, 2012 at 13:21

@ die Simpsons
Wir sollten lernen zu respektieren und zu zuhören.
Der Glaube an die eigene geistige Überlegenheit ist ein zermürbender Irrtum.
Das trifft auf uns alle zu.

Die Erhaltung eines hohen energetischen Tonus, wie er im Video analysiert wird, ist wesentlich für die eigene geistige Kreativität und für ein konzentrietes Denken.
Diese feinstoffliche Energie fehlt heute bei vielen Menschen.
Im Video wird erklärt, warum.

Es waren sehr viel junge Menschen zu sehen!!!
Die Jungend beginnt zunehmend lateral zu denken.

Vom nur Schreiben im Blog, werden wir nicht viel verändern, dass wissen auch die Herrn des Geldes.
Wenn man sich nicht auf die entscheidensten Dinge durch persönliche Vorbehalte verständigen kann, dann bleibt vieles hoffnungslos.

Jeder in seiner Straße und jeder in seinem Blog.

Reply

die Simpsons February 29, 2012 at 16:50

Das wir alle ein erbärmlicher Haufen von Egomanen sind, will ich nicht besteiten. Auch die feinstofflichen Energien sind mir durchaus bekannt. Die feinstofflichen Energien spüren die meisten Menschen überhaupt nicht, da sie kein entwickeltes Bewusstsein haben und insofern werden sie von diesen Energien “überwältigt und ferngesteuert”. Man kann aber sehr empfänglich für diese Energien sein und auch entsprechende Transformationsprozesse zulassen bzw. spüren. Aber dazu bedarf es ein entwickeltes Bewusstsein und davor hat die globale Elite Angst denn dann könnte ja ein Erwachen stattfinden.
Und was diese Dame betrifft: Friede sei mit Ihr – Ende.

Reply

Niana February 29, 2012 at 17:11

Ich lass da nächste Mal die „Blümchen“ einlaufen, nur da wird der Text etwas anders sein. :-)

Marco March 1, 2012 at 16:51

“Vom nur Schreiben im Blog, werden wir nicht viel verändern, dass wissen auch die Herrn des Geldes.”
Genau so ist es.
Daher ist es umso wichtiger, dass sich möglichst viele Gruppierungen GEMEINSAM an abgestimmten Aktionen beteiligen:

http://www.european-resistance.org/de/ak/resolution

Reply

Andreas Ludwig February 29, 2012 at 13:05

Heute morgen beweihräucherte sich wieder die Agentur für Arbeit. Etwas mehr Arbeitslose durch den strengen Winter. Ach was.Ich glaube und weiss, das wir einen strengen Winter nur 4 Wochen hatten.Zu Weihnachten hätte man im Biergarten sitzen können.
Wir begrüssen aber ca 16.000 neue Mitglieder bei der Agentur “Arbeit macht frei”….
Aus dem Hause Schlecker.Da das Lohn Niveau sehr gut war bei Schlecker überspringen die meisten von denen das ALG 1 und bekommen direkt Harz 4.

Reply

Andreas Ludwig February 29, 2012 at 13:15

Da es in Deutschland Politiker gibt, die sich stark machen für mehr Lohn und die Arbeiter auffordern die Lohnzurückhaltung aufzugeben, bin ich mir aber nicht ganz sicher,ob das wirklich so gewollt und ehrlich ist.Lieber einen hohen Sprit und viele Steuern, als hohen Lohn und viel ALG1 falls ein “fauler Sack” vorbeikommt und um Hilfe betteln muss, weil sein Chef die Puste ausgegangen ist in dieser super laufenden Volkswirtschaft.Vielleicht bekommt der Schlecker ja noch das Bundesverdienstkreuz erster Klasse dafür, das er dem Staat Geld gespart hat. Wundern würde es mich nicht….

Reply

Andreas Ludwig February 29, 2012 at 13:18

@Nina
Was ist das denn für eine Schreckschraube? Buuuhhh ist die gruselich…

Reply

Andreas Ludwig February 29, 2012 at 14:24

@nina
nimm nicht alles so wörtlich…

Man stelle sich vor das unsere Schlecker Sklaven auf Harz4 katapultiert werden und nen Wulff bis an sein Lebensende 200.000 Mücken für 20 Monate Arbeit bekommt. Das hier in old Germany noch keiner mit nem Gewehr nach Berlin gelaufen ist wundert mich schon arg. Wie hat mal ein Freund 2009 zu mir gesagt: Das hier in Deutschland noch keiner einen Banker erschossen hat, oder in einer Bank Amok gelaufen ist, wundert ihn…..

Reply

Andreas Ludwig February 29, 2012 at 14:59

Jeder der in der Wirtschaft irgendein Rädchen dreht muss seine Qualifikation bis in die Analen nachweisen. Nur in der Politik nicht. Aber als Vorstand auch nicht. Beispiel Mehdorn…da geht man aus dem Flugzeugbau zum Energieriesen,vom Energieriesen zur Bahn, oder man baut mal zwischendurch Druckmaschinen,geht dann nach Air Berlin, weil man ja Kenntnisse darüber hat, wie die denn doch so zum fliegen gebracht werden. So geht es hin und her.Bei manchen blieb nur verbrannte Erde zurück. Nun ja…..was soll ich sagen? Ab einer gewissen Position ist es wohl völlig egal was man mal gemacht hat.Mir wäre es lieber gewesen, wir hätten einen armen Schlucker unter der Brücke weg gezogen und zum Präsidenten gemacht.Mit einem Bad und ein bischen Shampoo wäre das wohl gegangen. Einen schicken Anzug an von nem Bi-sexuellen Modeschöpfer und ein bischen verbales Training und schwupps hätte er das gekonnt für 1 1/2 Jahre…Das hier kein Aufschrei durch die Republik geht ist mir völlig unverständlich.

Reply

Andreas Ludwig February 29, 2012 at 15:11

200.000 x 25 Jahre= satte 5Mio….könnte natürlich sein das er die nur bekommt, weil der Rollstuhlfahrer jetzt schon weiss, das wir in 2 Jahren kein Euro mehr haben und der Wulff geschissen hat….

Reply

Andreas Ludwig February 29, 2012 at 15:32

Daran konnte auch Schlagersänger Costa Cordalis (Maischberger: “Er erinnert uns daran, was wir an Griechenland geliebt haben, bevor die Krise begann”) wenig ändern, der dem Großteil der Diskussion leicht verwirrt dreinblickend folgte und hin und wieder ein persönliches Statement zur Situation seiner Familie in Griechenland abgab. “Der sah in der Runde auch schon sehr mitgenommen aus…sie hätte vielleicht Heino und Bushido einladen sollen”

Und auch Wirtschaftsprofessor Rudolf Hickel (“Zerschlagt die Banken, entmachtet die Finanzmärkte”) und Hedgefonds-Manager Karsten Schröder (“Wir haben an der Griechenland-Krise nichts verdient”) hatten mehr damit zu tun, sich gegenseitig zu demontieren, als die Diskussion voranzutreiben oder einen Hinweis auf das zukünftige Vorgehen in der Causa Griechenland zu geben. “Das kommt davon, wenn man solche Leute wie den Schröder in die Sendung bittet”
Erst ARD-Börsenexpertin Anja Kohl brachte es ganz am Ende – eher unfreiwillig – auf den Punkt. “Wir alle haben den Überblick verloren”, sagte sie und bezog sich dabei eigentlich auf die nicht mehr überschaubaren und auch greifbaren Geldsummen mit denen in Diskussionen dieser Art ständig jongliert wird. ” Liebe Anja Kohl….ja…du hast den Überblick verloren…rede bitte nicht in der Mehrzahl…Wir alle können die Zahlen für die der Staat bürgt seit 2009 zusammenrechne, weil wir nichts vergessen und es kommt nach dem = Zeichen auf dem Taschenrechner die Summe= Scheisse raus”

Reply

King Balance February 29, 2012 at 16:12

Man achte mal auf den Preis von Gold:

Gold
High 1.790,8 $
Low 1.719,9 $
Last 1.738,0 $

Und die Geldmenge nimmt stetig zu. IRRE!!!!

Reply

Nina February 29, 2012 at 18:28

Aus dem Schweizer Tagesanzeiger, wo über ein vertiefendes Interview geopolitische Zusammenhänge im Nahen Osten sehr sachlich dargestellt werden – entgegen der Mainstreamberichterstattung

«Die Mehrheit der Syrer steht offenbar hinter Assad
http://www.tagesanzeiger.ch/ausland/naher-osten-und-afrika/Die-Mehrheit-der-Syrer-steht-offenbar-hinter-Assad/story/17458606#kommentar

Die Nahost-Bombe gefärdert den Weltfrieden – die Drahgi-Bombe das Vermögen und den Wohlstand.

Reply

Clemens February 29, 2012 at 22:12

hallo markus, hallo kommentatoren,

ist zwar total off topic aber trotzdem evtl. informativ…

http://www.nytimes.com/interactive/2012/02/12/us/entitlement-map.html?src=tp

und ein citi forex trader hat doch eine seele bzw. ist gewillt in anderer menschen seele zu blicken…

http://www.businessinsider.com/check-out-the-stunning-pictures-from-the-citigroup-trader-who-photographs-prostitutes-2012-2#want-to-see-more-of-his-work-9

Reply

Leave a Comment

*

{ 6 trackbacks }

Previous post:

Next post: