Gescholten und bewundert – Deutschlands Nachbarn studieren die Blaupause des Erfolgs

by markusgaertner on 06/03/2012 · 19 comments

IKONE_EUROPA

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Bisweilen kann man sich nicht des Eindrucks erwehren, dass kräftiges Teutonen-Bashing zum neuen weltweiten Sport geworden ist.

Meist scheinen dabei auch noch die Klischées der eisenharten Kanzlerin durch, die auf mich aber stets nur getrieben wirkt. Vor allem in Spanien und Griechenland scheint die Abneigung gegen ein “deutsches Spardiktat” exponentiell zu wachsen.

Verstärkt wird im internationalen Blätterwald nun redaktioneller Raum darauf verwendet, die Bewunderung für das deutsche Modell in den Nachbarländern zu beschreiben.

Die deutsche Wirtschaft ist zu einer Blaupause für die schlappen Nachbarn geworden, ein Rezept das man immer intensiver studiert. Irgend etwas muss ja daran sein, wenn eine große Volkswirtschaft so hartnäckig in einem Meer schwacher Nachbarn prosperiert.

Frankreichs Präsident Nicolas Sarkozy rät den Franzosen inzwischen sogar, sie sollten mehr wie die Deutschen werden. Für den Fall seiner Wiederwahl schlägt Sarkozy ein Referendum vor, in dem über flexiblere Arbeitsmärkte abgestimmt werden soll, auch eine Lehre nach deutschem Vorbild sowie mehr Teilzeitarbeit.

Auch in Großbritannien wird angesichts fallender Lebensstandards und einer äußerst schmerzhaften Sparpolitik nach einem neuen Wirtschaftsmodell gesucht. Kaum eine Woche vergehe, so meldet die BBC, ohne dass Politiker oder Think Tanks auf das Beispiel Deutschland verweisen.

Voller Bewunderung beschreibt beispielsweise der Radioreporter Matthew Taylor nach seinem jüngsten Deutschlandbesuch, dass im Unterschied zu den USA und Großbritannien die Einkommensschere nicht so weit auseinanderklaffe:

So, I went back to Germany for the first time since a school trip 40 years ago. What struck me most were the shared values across business and society that underpin German thinking. Take the question – so sensitive in Britain – of bosses’ pay. While in financial services the pay gap can be huge, as in the UK, elsewhere in business it is different.


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{ 18 comments… read them below or add one }

Raus aus Deutschland March 6, 2012 at 07:32

Der Deutsche Mittelstand ist durch die Qualität des Mittelstandes gewachsen.

Dieser hat seinen Ursprung in den Zünften bzw. Handwerk welches qualifizierte Arbeiter hervor gebracht hat. Daher die weltweit bekannte deutsche Qualität.

Dieser Mittelstand wird in Deutschland in diesem Moment vernichtet!
Multinationale Firmen übernehmen das Geschäft. Es macht “keinen Spass” mehr in Deutschland
als Mittelständler zu arbeiten. Politiker hofieren lieber das Finanzkapital.

Warten wir einfach ab das Deutschland und Europa gegen die Wand knallen!

JEDER zieht für sich daraus seine Konsequenz!
Der Eine Kanada, der andere Kamodscha.

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Nina March 6, 2012 at 08:16

Das Gegenkonzept zu Deutschland:
http://iknews.de/2012/03/06/china-im-wirtschaftlichen-wandel/

Auch Russland wird in den nächsten sechs Jahren sehr viel zum globalen Wirtschaftswachstum beitragen.
Putin wird aber erstrangig seine eigenen Konzerne und seine Binnenkaufkraft stärken.

Das Konzept der sogenennten Industrienationen ist nicht mehr tragfähig.
Die Infrastruktur in Deutschland ist einer latenten Erosion ausgesetzt.

Bei bestehenden Infrastrukurprojekten vermisst man jegliche Dynamik (z.B. Autobahn- und Brückenbau).

Die EU-Paranoia lässt alle Visionen versotten.
Die Überschuldung die Handlungsfähigkeit.

Die größte Gruppendynamik ist bei Harz und Teilzeit auszumachen.

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Karl Napp March 6, 2012 at 08:17

@rausausdeutschland

Zünfte oder besser Handwerkerbünde ga es auch in anderen Ländern wie bsw. UK.
Die Darstellung des Leidens des Mittelstandes kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen. Der Mittelstand wurde und wird zum Teil immer noch massiv subventioniert in Deutschland. Ein Beispiel hierfür ist die Erbschaftssteuer bei Betriebsvermögen. Der Mittelstand schickt seine Kinder auf kostenlose Schulen, massiv subventionierte Universitäten, das Ehegattensplitting fördert weiterhin das Gesellschaftsmodell der katholischen Sozialisten. Weitere steuerlich Förderungen des Mittelstandes spare ich mir an dieser Stelle (bsw. wurde in der letzten Krise Eigenheimbesitzern sogar die Ratenzahlungen für Häuser gezahlt, weil durch das Kurzarbeitergeld Zwangsversteigerungen befürchtet wurden). Ganz grobe steuerliche Fehlsteuerungen wie die Eigenheimzulage sind -und das ist richtig- abgeschafft worden. In der Schweiz wird dagegen sogar eine Besteuerung der fiktiven Mieterträge in selbstgenutzten Immobilien diskutiert.
Das Jammern des Mittelstandes kann ich ehrlich gesagt nicht nachvollziehen.

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wolfswurt March 6, 2012 at 08:32

Zur Besteuerung fiktiver Mieterträge:

Die Abgabe des Zehnten an die Kirche ist ja dagegen eine Wohltat gewesen, waren doch 10 Gänse vorhanden von denen man 1 abgab.

Die Ideen der Obrigkeit lassen auf eine akute Erkrankung des Großhirns schließen.

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Blogleser March 6, 2012 at 09:02

Wenn vom Zehnten gesprochen wird, so wird er oft mit der heutigen Einkommenssteuer vergleichen, die weiter über 10 Prozent liegt. Allerdings besteuerte der sog. Zehnte den Umsatz und nicht den Gewinn. Eine Steuer auf 10 % des Umsatzes (z.B. des gesamten Getreideertrags eines Bauern) ist nicht gerade wenig.

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Karl Napp March 6, 2012 at 08:57

@wolfswurt
wenn Du den Zehnten noch entrichten möchtest, musst Du Mormone werden, die entrichten ihn noch heute. Von der Zahlung der Steuer an den staats bist Du dadurch natürlich nicht befreit.

Die Besteuerung von Mieterträgen ist ein gutes Beispiel wie willkürlich und von politischen Interesse getrieben die Steuergesetzgebung ist. Ich baue ein Haus für 250.000 € und vermiete es für 1.000 € im Monat fremd. Den Ertrag muss ich selbstverständlich versteuern. Nun vermiete ich es nicht und ziehe selber ein. Meine vorher gezahlte Miete in Höhe von 1.000 € spare ich nun in voller Höhe. Im Fall 1) habe ich nun im schlimmsten Fall 490€/Monat die ich konsumieren kann, im Fall 2) 1.000 € die ich zusätzlich verkonsumieren kann. Das soll mir einmal jemand erklären. Die Erklärung lautet, wir wollen den Mittelstand über Schaffung von Wohneigentum fördern und fördern dadurch auch die mittelständische Bauindustrie und die mittelständischen Kinder, denn bei der Vererbung fällt in der Regel auch keine Erbschaftssteuer an.

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Johannes March 6, 2012 at 11:18

Kurze Frage: was ist die Alternative zum Mittelstand?

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Karl Napp March 6, 2012 at 13:09

Sind wir nicht alle Mittelstand? Sogar Herr Würth rechnet sich, trotz Privatjet, dazu. Dann gibt es keine Alternative.

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Johannes March 6, 2012 at 17:10

Nein, wir sind sicher nicht “alle Mittelstand”.

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Adept March 6, 2012 at 19:22

Mittelstand ist alles, das keine Shareholder = Aktionäre = fremdbestimmt ist.

Der Chef im Ring muß man sein,und ohne Kreditsorgen, sonst kommt die Firma irgendwann unter den Hammer und die Bank verkauft die Firma , z.B. über die Börse.

Die Qualität z.B. des Bieres der Mittelständischen Brauerein in Oberfranken toppt die Bier-Ag’s locker um Längen. Die Qualität ist das Geheimnis und wird erzielt durch Rückführung von möglichst viel vom Gewinn in die Förderung des Betriebes ohne Kreditaufnahme etc
Aktionäre fressen entweder Qualität oder zwingen zur Kreditaufnahme.
Außerdem vererben Mittelständler lebenslang alle zehn Jahre, damit das Finanzamt nicht bloß Knochen übrigläßt sondern selber die Knochen bekommt.

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Hieraaetus fasciatus March 6, 2012 at 09:28

Wenn mir solche Primitiv-Propaganda untergeschoben wird, die der Kommentator “Karl Napp” wahrscheinlich sogar selbst glaubt, nachdem er sie dem SED-Parteipogramm entnommen hat, daß eine Nichtsteuer eine Subvention sei, ist es mir kaum noch möglich, sachlich zu bleiben.

Diese Art zu denken ist ein Paradebeispiel dafür, wie weit man sich von der Realität entfernen kann.

Eine Steuer ist eine staatliche Zwangsbelastung. Keine Steuer zu erheben ist also was? keine Zwangsbelastung. Das ist alles. Eine Subvention oder Förderung ist es, wenn man Geld in den Hintern geschoben bekommt.

Hier liegt wahrscheinlich ein Fall der kognitiven Dissonanz vor, wonach Sozialleistungen keine Förderungen und Subventionen sind, Nichterhebung von Steuern aber schon, nicht wahr?

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Nina March 6, 2012 at 09:42

In zehn Jahren beginnt die Altersarmut in Deutschland:
http://www.eilpost.org/norbert-walter-in-10-jahren-beginnt-die-altersarmut/

Vor einigen Wochen hat Walter noch anders geschrieben und gesprochen. So habe ich das in Erinnerung. “Finanzielle Unterstützung für Griechenland, Kein Austritt aus der Euro-Zone”.

Es existiert kein langfristiges Konzept. Walter trägt auch nichts vor.
Alles nur Zustandsbeschreibungen.
Fast die gesamten deutschen Wirtschafttheoretiker kann man einsparen.
Sie sind Gefangene ihrer jahrelang angezüchteten Ideologie.

Sie ähneln alle einem vergreisendem Finanz-Politbüro.

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markusgaertner March 6, 2012 at 16:56

Hallo Nina, gnadenlos wie immer. Aber es ist leider so, mir fehlt auch der Blick nach vorne. – Und die Einmischung derer, die noch etwas verändern können. Beste Grüße, Markus

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Game over March 6, 2012 at 21:09

Die Masse derer, die noch etwas verändern könnte, hat zwar Angst, wird aber nicht aktiv. Die restliche Masse hat überhaupt keine Ahnung, was hier gespielt wird.
Ich spreche die Menschen öfter mal auf das Thema an. 95% schimpfen über EU und Euro, die Bevormundung und die Gängelung. Die meisten haben allerdings so wenig A….. . in der Hose, dass sie nicht mal bei Abgeordnetencheck mitmachen!

In dem Moment, in dem man seinen Namen unter etwas setzen soll, wird gekniffen.
Diejenigen, welche vom System profitieren, merken gar nicht, dass sie sich letztendlich selbst schaden. Denn die Fallhöhe dieses Systems steigt täglich.

Dann gibt es noch ganz viele Realitätsverweigerer. Dass man ihnen bereits jetzt per Inflation das Geld abnimmt, merken sie noch nicht. Das ist die Sorte, welche sogar böse wird, falls man ihre “heile” Welt zerstört.

Mein Mann und ich denken auch immer öfter an’s Auswandern. Solange meine alte, kranke Mutti noch lebt, können wir das leider nicht.
Hat jemand Tips, wo man am besten hinziehen sollte???

Auch uns fehlt der Blick nach vorne. Täglich wird die Bevölkerung immer weiter bevormundet. Ein Großteil findet das sogar noch gut. Ob Rauch- oder Glühbirnenverbote, Gurkenkrümmungen oder Karamellbonbonverordnung. Das Monster schafft sich immer mehr Platz. Demnächst sollen, wie ich irgendwo gelesen habe, sogar Staubsauger nicht mehr als 500 Watt haben dürfen. Meine Güte, diese EU widert uns richtig an!!!

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Benedikt March 6, 2012 at 11:05

Deutschland hat seine Industrielle Basis einigermaßen gehalten, währen die anderen ihre Basis an Asien und Osteuropa verloren haben. Industrie wieder anzusiedeln dauert sehr lange und ist mühsam. Einfacher ist es da auf Deutschland zu schauen, und die Beine hoch zu legen.

Deutschland ist so gut durch die Kriese gekommen, da DE genau die richtigen Produkte für den BRIC Anlagen Investitionsboom hatte. Dieser Boom ist dummerweise vorbei. Die Murksel DDR Propagandamaschine unterdrückt alle schlechten Voraussagen. Den Abschwung in der Realwirtschaft kann die Propagandamaschine nicht abwenden. Nur die Folgen werden dadurch verschlimmert. Ohne Vorbereitung wird es eher früher als später steil bergab gehen. Da werden sich alle verarscht vorkommen.

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Nina March 6, 2012 at 11:54

Deutschland sitzt total in der Falle.
Bleiben wir in der Euro-Zone, verarmen wir.
Treten wir aus, sind wir der das Gespenst Europas, und man wird Gericht über Deutschland abhalten.
Ein wirtschaftlicher und politischer Boykott wäre die Folge.
Gegenwärtig wird nur taktiert und das oft außerhalb der Legalität oder ohne Legitimation des Volkes.

Was wir brauchen, ist eine gesamtdeutsche Diskussion über unsere Zukunft, die aber verhindert wird.

Im weiterem wäre eine Aussenpolitik erforderlich, die die Beziehungen zu den USA, Russland, China etc,. auf ein tragfähiges Fundament setzt, ausgehend von dem gegenwärtigen geo-poitischen und geo-ökonomischen Status Quo und den zu erwatrenden Entwicklungen.

Beides bedeutet aber einen führungsstarken Kanzler und ein Volk, der ihn wählt.

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Nina March 6, 2012 at 14:36

„Eine Tante, ein Schwuler und ein Rollstuhlfahrer!“ – lesenswert!!!!

http://www.ef-magazin.de/2012/03/06/3438-putin-und-die-deutschen-angst-und-neid-auf-gegenseitigkeit

Eine brillant-sarkastische Zusammenfassung deutscher Fixiertheit und russischer Projektionen.
Ein gelungener Aufsatz über die deutsch-russischen Zustände und geistigen Zuständigkeiten.

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die Simpsons March 6, 2012 at 17:23

Heute Abend in der Münchner Runde ab 20.15 BR3: Müssen wir Angst um unser Geld haben, Herr Schäuble? Der Bundesfinanzminister im Gespräch mit Chefredakteur Sigmund Gottlieb.

Das Wahrheitsministerium wird die Rote Pille über das Propagandamedium, hier BR 3, dem Zuschauer verinnerlichen. Wer gute Satire mag ist, könnte hier seinen Spaß haben.

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