US-Jobzahlen ändern die Endgame-Perspektive – Heugabeln statt Bondvandalen

by markusgaertner on 08/04/2012 · 7 comments

IKONE_AMERIKA

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An den Jobzahlen für März in den USA gibt es nichts zu beschönigen. Wenn sie nicht so wichtig wären, hätte ich mir diesen Eintrag erspart. Aber der förmliche Kollaps von durchschnittlich 246.000 neuen Stellen in den drei Vormonaten auf nur noch 120.000, das haut dem Osterhasen die Eier weg.

Selbst die deutlich höheren Zahlen zu Jahresbeginn waren noch weit entfernt von jenen Werten, die man sonst in dieser Phase einer Erholung in den USA sieht. Aber 120.000: Das war sogar deutlich weniger als in der vorsichtigsten Prognose, wie selbst Bloomberg richtig feststellt.

Die Relevanz dieser Zahl ? Ganz einfach: Jetzt gibt es drei konjunkturelle Hoffnungsträger, die deutliche Zeichen einer Ermüdung zeigen und damit lange Schatten auf die Weltwirtschaft werfen: Chinas Führung schraubt die BIP-Erwartungen auf 7,5% nach unten. In Deutschland enttäuscht eine ganze Serie von Daten bis hin zur Industrieproduktion.

Und jetzt die USA, die von den Berufsoptimisten unter den Analyse-Strategen schon zum Überflieger des Jahres 2012 gekürt worden waren, zum Nachfolger Chinas als einzig verbliebene Lokomotive der globalen Konjunktur.

Ein kurzer Blick hinter das Zahlenwerk, das wir am Karfreitag von der US-Administration bekamen, offenbart die wahre Schwäche der Entwicklung am US-Jobmarkt. Unter den einzelnen Segmenten, für die eine Job-Bilanz ausgewiesen wird, fällt eindeutig der Einzelhandel heraus, der zum zweiten Mal in Folge Stellen strich, diesmal 33.800.

Das ist genau jenes Segment in der US-Wirtschaft, dem gerne Turbo-Eigenschaften zugewiesen werden. Der private Konsum trägt 70% zum BIP bei. Doch hier offenbart sich eine eklatante Schwäche, ein Keilriemen, der schlottert und zu reißen droht. Hier haben wir den ersten drastischen Hinweis, wie verheerend sich die hohen Benzinpreise in den USA – und sicher nicht nur dort – auswirken.

Das sind die Folgen der lockeren Geldpolitik, über die niemand gerne spricht, schon gar nicht die Heerscharen bezahlter Stimmungsmacher unter den Bankanalysten, den Interview-Popstars wie Mohamed El-Erian oder die zahlreichen Auftrags-Tweeter, die uns täglich unerbetene Meldungen um die Ohren hauen, wonach die Rally an der Wall Street nicht klein zu kriegen sei.

Wieder erweist sich solches Gerede als Blödsinn, wieder werden jedoch die Geldhüter irgendwo Kapazität freischaufeln, um mehr Liquidität und gute Stimmung unters Börsenvolk zu bringen. Aber die manipulierte Botschaft kann trotz schwerer Lquiditäts-Artillerie von EZB und Fed nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Konsumenten ausgepowert sind.

In den USA wechseln damit die Aussichten von einer Attacke auf den Bondmarkt – wenn Obama bleibt – mehr hin zu einem möglichen Volksaufstand, wenn die Republikaner wieder ins Weiße Haus einziehen. Dann gehen die Steuern für die Bush-Klientel weiter runter, Ausgaben von Medicaid bis Mietzuschüssen und Arbeitslosenhilfe werden dagegen gestutzt.

Für die USA ist das kurzfristig sogar ein Vorteil, wenn man das einmal so zynisch sagen darf: Beim jetzigen Kurs unter Obama werden ziemlich schnell die Anleihe-Vandalen ihre Geschütze auffahren. Unter den Republikanern wird die Occupy Wall Street-Bewegung künftig statt Klappzelten und Schlafsäcken lieber Molotow-Cocktails und Heugabeln mit auf die Straße nehmen. Das aber lässt sich schwerer organisieren und braucht mehr Zeit als die in Europa gut einstudierten Angriffe auf die Bond-Märkte.

Die beiden Endgame-Alternativen lauten somit: Wertvernichtend aber früher, oder blutig und später. – Im schlimmsten Fall bekommen wir beides.

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