US-Notenbank: Quassel-Buden & Wall Street-Kurse

by markusgaertner on 12/04/2012 · 1 comment

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Kleider machen Leute, und Worte machen Kurse. Das ist nicht neu. Aber auffallend ist es, wie oft US-Geldhüter in den vergangenen Wochen mit Statements Kurse machen. Das Timing ist dabei nicht immer einleuchtend. Außer wenn Häuptling Bernanke auftritt. Die Reaktionen der Aktienkurse sind jedoch stets wie absehbar.

Beispiel eins: 7. März 2012 -  Ben Bernanke tritt im Finanzausschuss des Repräsentantenhaus auf. Er spielt die Chancen auf eine dritte Runde QE herunter. Der S&P 500 geht auf Tauchstation, wie unsere Grafik hier zeigt.

Beispiel zwei: 27. März 2012 -  Bernanke sagt, die Arbeitslosenrate bleibe zu hoch, eine Erholung in den USA sei keineswegs gewiss. “Wir müssen vorbereitet sein, entsprechend zu handeln, wenn die Konjunktur sich verändert.” Das wird dem Maestro als Bereitschaft zu weiteren geldfördernden Kampagnen ausgelegt. Die Kurse steigen.

Beispiel drei: 3. April 2012 -  Die Fed veröffentlicht das Protokoll der jüngsten Sitzung des Offenmnarkt-Ausschusses.Wichtigster Punkt: Weitere geldpolitische Anschub-Maßnahmen wird es nur geben, wenn die Inflation unter 2% sinkt, oder wenn die Erholung kollabiert und die USA erneut in eine Rezession abgleiten. Und was macht die enttäuschte Wall Street: Der S&P 500 sinkt.

Beispiel vier: 12. April -  Der Präsident der Fed von New York, Geithner-Nachfolger William Dudley, sieht noch keinen Anlass die Erholung als selbsttragend zu betrachten. Die Fed müsse weitere Daten sammeln, vor allem um zu sehen, ob der schwache Arbeitsmarktbericht vom Karfreitag mehr dem Wetter zu verdanken ist und ein Alarmsignal darstellt. Dudley, schreibt Reuters nach dem Auftritt des regionalen aber einflussreichen Fed-Chefs, habe die Tür für weitere Geldkampagnen offen gelassen.

Juhu, sagten am Donnerstag die Börsianer, und jubelten den S&P 500 um 1,4% nach oben. Hier fällt der Zusammenhang mit dem schwachen Arbeitsmarktbericht am Karfreitag, der miserabel hohen Zahl von Erstanträgen auf Arbeitslosenhilfe – wie heute gemeldet – und den wieder aufflammenden Rendite-Kapriolen in Europa auf.

Eine koordinierte Kampagne steckt hinter diesen Äußerungen nicht. Es ist ganz und gar keine Kampagne in eine Richtung. Hier wird rhetorisches Fine-Tuning von einer Fed versucht, der langsam die Munition ausgeht, die hektisch wirkt und in sich zerstritten ist, die obendrein zunehmend unter politischen Druck gerät.

Vielleicht ist den Geldhütern nach der starken Rally seit dem Oktober die Luft an der Wall Street auch einfach zu dünn geworden. Sie kennen die prekäre Lage der Weltwirtschaft und das enorme Rückschlagspotenzial für die US-Konjunktur sowie die daraus erwachsende Crash-Gefahr, wenn die Kurse einfach weiter steigen.

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