Mit Druckern und Knackis in die Zukunft – Lesenswertes an diesem Wochenende

by markusgaertner on 21/04/2012 · 17 comments

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Ich stelle hier ein paar der interessantesten Berichte rein, die ich in den vergangenen Stunden gesehen habe. Sie befassen sich alle mit Wirtschaft, Zukunft, Arbeit und Finanzen.

Viel Spaß beim Lesen. Die Liste soll verbraucherfreundlich sein, also nicht zu lang werden. Daher kommt hier nur eine kurze Blütenlese.

1 Der ECONOMIST hat seine neugierige Nase in die Fabrik der Zukunft gesteckt. Es riecht gut dort, stellt Autor Paul Markillie fest. Nach den Webstühlen und dem Fließband steht jetzt die dritte Revolution an, sagt er: Digitale Produktion mit Druckern, in kleinen Stückzahlen, hoch flexibel und billig. Dafür wird die entsprechende Software sorgen. Die neue Ära dürfte viele der bereits verloren geglaubten westlichen Jobs zurückbringen, lautet die Spekulation.

Hier ein zentraler Satz aus dem Stück des ECONOMIST: „The consequences of all these changes, this report will argue, amount to a third industrial revolution. The first began in Britain in the late 18th century with the mechanisation of the textile industry. In the following decades the use of machines to make things, instead of crafting them by hand, spread around the world. The second industrial revolution began in America in the early 20th century with the assembly line, which ushered in the era of mass production.“

2 TomDispatch.com, das sich selbst als Gegenstück zu den Mainstream-Medien bezeichnet, berichtet vom Aufbau einer neuen Subwirtschaft in den USA. Man könnte diesen Komplex als Knacki AG bezeichnen. Etwa eine Million Insassen arbeiten zu einer Bezahlung – gegen die der offizielle Mindestlohn wie ein Ingenieurs-Gehalt wirkt- in einer rasch expandierenden Gefängnis-Industrie: Sie bauen Möbel, arbeiten in Call Centern, oder schuften in Schlachthäusern. Die Autoren Steve Fraser und Joshua Freeman schildern das eingangs ihres Stückes so:

Another growth industry in our Age of Incarceration is prison labor, putting inmates to work making everything from uniforms to furniture for a few cents an hour. As historians and TomDispatch regulars Steve Fraser and Joshua Freeman explain, prison labor has a long and sordid history that should make us anxious indeed for our own degraded economic moment. Leasing prisoners to companies at wages from hell is a „Yankee invention“ dating back almost 200 years that was modern then and, frighteningly enough, couldn’t be more modern today.

Auf der Angebotsseite scheint es kaum Nachschubprobleme zu geben, ganz im Gegensatz zur regulären Wirtschaft, in der geeignete Arbeitskräfte ja angeblich kaum zu finden sind:

On the supply side, the U.S. holds captive 25% of all the prisoners on the planet: 2.3 million people. It has the highest incarceration rate in the world as well, a figure that began skyrocketing in 1980 as Ronald Reagan became president. As for the demand for labor, since the 1970s American industrial corporations have found it increasingly unprofitable to invest in domestic production. Instead, they have sought out the hundreds of millions of people abroad who are willing to, or can be pressed into, working for far less than American workers.

3 Matt Taibbi, einer der führenden investigativen Reporter Amerikas, schlägt im Rolling Stone wieder zu. Er sieht die großen Wall Street-Banken nach der aktuellen Bilanzrunde in einer Abwärtsspirale, die weitere Abstufungen von Moody´s mit sich bringen wird. Taibbis Kritik an den Geldhäusern: Sie weisen nicht das volle Risiko in ihren Forderungen aus und spielen die Risiken aus juristischen Auseiandersetzungen – aktuell oder drohend – herunter.

O-Ton Taibbi: „Considering that we now know that the Fed gave out something like $16 trillion in secret emergency loans to big banks on top of the bailouts we actually knew about, you might ask yourself: How are these guys in financial trouble? How can they not be making mountains of money, risk-free? But they are in financial trouble.“

4 Jesse Eisinger befasst sich in ProPublica damit, wie Regulierer und Banken in den USA die Gesetze für sich zurecht biegen. Es geht um die sogenannte Volcker Rule, jene Bestimmung aus dem Dodd-Frank-Reformgesetz, die es den Geldhäusern untersagt, Eigenhandel mit Geld zu betreiben, das Steuerzahler garantieren. Mit Hilfe der Regulierer, so Eisinger, wurde diese Bestimmung so weit aufgeweicht, dass große Banken solchen Eigenhandel weiter betreiben können, solange es darum geht, die Aktivität der Bank insgesamt mit Termingeschäften und anderen Hedgingpositionen abzusichern.

Man kann sich den Rest denken. Diese Auslegung ist sehr weit dehnbar und wird auch in vollem Umfang so genutzt. Hier ein Zitat aus dem Eisinger-Artikel:

„Regulators decided that banks could say that they were hedging for an overall portfolio. And the banks could argue that a hedge was legitimate if it merely had a „reasonable correlation“ with the security or position being hedged. It was as if the regulators had not only questioned the basis for the rules of being kosher, but had also served up a cheeseburger — with bacon on top — all very nonkosher.“


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