Die Geier kreisen über dem europäischen “Wrack”

by markusgaertner on 26/04/2012 · 59 comments

2012-04-25_2122

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Die Bilder sind drastisch, die Sprache derb, die Wetten grausam: Amerikanische Investment-Legenden geben auf Europa keinen Pfifferling mehr.

Barton Biggs vergleicht Europa mit einem “Schiffswrack” und wettet gegen deutsche wie französische Indizes. George Soros sagt der Eurozone eine Implosion wie in der Sowjetunion vorher. Und Hedgefonds-Legende John Paulson, der mit seiner Spekulation gegen den US-Immobilienmarkt reich wurde, wettet jetzt im großen Stil gegen europäische Staatsanleihen.

Man muss die Worte dieser Männer mit Vorsicht genießen, denn sie befördern mit ihren kernigen Statements ihre eigene Sache. Doch sie alle haben ja auch einen Grund, solche Wetten einzugehen.

Der 56jährige Paulson, der ein Portfolio mit ungefähr 24 Mrd. Dollar verwaltet, ist einer der am genauesten beobachteten Geldmanager in der 2.000 Mrd. Dollar umfassenden Hedgefonds-Industrie. Im vergangenen Jahr lag er mit seiner Einschätzung über die Erholung der US-Konjunktur daneben. Jetzt versucht er, wieder Boden gut zu machen. Eine Implosion in Europa käme ihm gerade recht.

Biggs sieht die US-Konjunktur lediglich in einem “soft patch”,vermutet also eine kleine Flaute in der laufenden Erholung. Seiner Ansicht nach kann die US-Wirtschaft dem Schock eines Zerfalls der Eurozone widerstehen. Er vertraut auf positive Indikatoren wie die steigenden Umsätze im US-Einzelhandel (+0,8% im März) und nachlassende Ausleihungen der immer noch hoch verschuldeten US-Verbraucher.

Ich habe den Eindruck, dass Biggs die eigene Konjunktur viel zu rosig sieht. Der schwere Einbruch der Aufträge für langlebige Güter von über 4% im März, der gestern gemeldet wurde, passt überhaupt nicht in sein Szenario. Diese Zahl kündet von äußerst verhaltenen Investitionen im laufenden Quartal durch diejenigen Firmen, die in diesen Tagen für das erste Quartale Jubelgewinne melden. Biggs ist “relativ überzeugt, dass die USA keinen Double Dip erleben”, also ein erneutes Abtauchen in die Rezession – wie es Großbritannien gerade erlebt. Die jüngste Korrektur an der Wall Street hält er für “nicht gerechtfertigt”.

Soros sieht eine breite soziale, ökonomische und soziale Krise in Europa, die sehr wohl zu einer Auflösung der Eurozone führen kann. Das ist sicher die am wenigsten gewagte Prognose, weil man die Anfänge dieser Auflösung schon ganz gut sehen kann. Die Spaltung in den “deutschen” Block der strikten Fiskalpolitik und in das Lager der Länder, die nicht nur Bondvandalen abwehren, sondern auch eine Revolte ihrer Wähler vermeiden müssen, und deshalb die drakonischen Ausgabenkürzungen zurück schrauben wollen.

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Grinario April 26, 2012 at 06:41

Der Vegleich Soros mit der in den 90er-Jahren selig verschiedenen UdSSR ist doch daneben. Die Sowjetunion hatte sich 70 Jahre lang in Grund und Boden gewirtschaftet, die hatte fertig, deshalb brach alles auseinander, auch die Währung.
In Europa ist der Euro der Grund für die Wirtschaftskrise. Die Krise wird verlängert dadurch, dass EU-Bonzen und EU-Ideologen karmpfhaft an dieser Währung festhalten wollen. EU-Europa würde aber den Zusammenbruch der Währungsunion überleben.

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walter April 26, 2012 at 21:07

Die EUdSSR ist wirtschaftlich auch ziemlich am Sand. Der Westblock wird den Ostblock eben nicht allzu lange überleben. Besser war im Westen im grunde nur die Propaganda und deshalb glauben die meisten immer noch an den starken, goldenen Westen mit seinen harten Währungen und der überlegenen Wirtschaftskraft. Aber das Bild täuscht. Hinter der Fassade ist alles morsch. Alle westlichen Staaten stecken bis über beide Ohren in Schulden, weil sie jahrzehntelang Geld, das sie nicht besaßen, ausgegeben haben. Während des kalten Krieges wollte man sich positiv vom rückständigen, armen Osten abheben und der Aufwand für den kalten Krieg war sehr hoch – nicht nur für die Rüstung, sondern vorallem für die Propaganda (die BBC hat z.b. weltweit Radio und Fernsehen aufgezeichnet und in 80 verschiedenen Sprachen übersetzt, …. – ein bißchen viel Aufwand für das kleine Inselchen Britannia).

Wenn man berücksichtigt wie sehr die USA und ihre europäischen Vasallen zusammenhängen, dann spielt es keine große Rolle wer zuerst über den Jordan geht. In jedem Fall zieht derjenigen den anderen mit hinunter.

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Grinario April 27, 2012 at 05:18

Es ist aber schon noch was da an wirtschaftlicher Substanz im “Westen”, sonst würden die Chinesen ja nicht auf Fischfang nach Europa, vor allem Deutschland, gehen, um sich interessante Firmen einzukaufen.
Die Verschuldung ist ohne Zweifel das Problem, aber es geht m.E. auch darum, wie man versucht, das Problem zu lösen. Zur Zeit sehe ich nur, dass man das Verschuldungsproblem durch Verschuldung lösen will, das wird nicht klappen. Um Einstein zu zitieren: Es ist eine Definition von Wahnsinn, dauernd das gleiche zu machen, aber andere Ergebnisse zu erwarten. Zur Zeit wird versucht, die Staaten in Europa, die sich noch weiter Aufschulden können, anzuzapfen, um die Staaten weiter mit Geld zu versorgen, die das eben nicht mehr können. Das Ergebnis wird sein, dass der Bondmarkt irgendwann für alle den Rollladen runter lässt.

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Till April 27, 2012 at 06:30

Wirtschaftliche Substanz ist sowas von Eightees ;) .

Heutzutage kauft man alles in China, baut eine riesige Marketingmaschine außenrum und wird der weltgrößte “Konzern”. So schafft man Werte.

Dazu alles auf Hire and Fire, Loyalität von Beschäftigten ist Nebensache und der Laden läuft… und alles garniert mit ein “paar” Derivaten.

Hier eine schöne Grafik aus der Financial Times:
http://www.ftd.de/finanzen/derivate/:milliardenschwerer-derivatemarkt-ein-grafiker-neun-banken-und-228-720-mrd-dollar/70027707.html

PS: Nur Schulden in Europa? Dann muß man wohl mal nach dem Geld suchen – irgendwann muß man die 1% mal erleichtern, bevor der Laden im 30er-Jahre Stil auseinanderfliegt.

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Grinario April 27, 2012 at 06:55

Interessanter Link. Und beängstigend.

walter April 27, 2012 at 07:20

Wir sind doch schon längst über den Point of no return hinaus. D.h. auseinanderfliegen wird der Laden in jedem Fall.

Torsten April 27, 2012 at 17:02

Gehört denen nun die Welt 3xmal?

Stefan L. Eichner April 26, 2012 at 07:33

Totgesagte leben länger – wirklich fundiert scheint mir die Prognose der Hedegfonds-Größen nicht zu sein, auch wenn ich die Lage in Europa nicht schön reden will.

Man muss ja auch sehen, dass Paulson, Soros & Konsorten die Märkte und vor allem die Ökonomie nicht besser verstehen als andere Experten, die, wie wir gesehen haben, die Krise nicht kommen sahen und als sie da war, auch nicht erklären konnten – ansonsten hätten sie (auch ohne Insiderwissen und krumme Touren) die Lizenz zum Gelddrucken. Soros hat ja gerade deswegen das Institut for New Economic Thinking (INET) ins Leben gerufen. Das mag der Grund sein, warum er mit seinen Prognosen vorsichtiger ist als seine Kollegen.

Wenn man dann noch sieht, wie sich die Londoner Citi mit Regierungsunterstützung um das Geschäft mit dem Aufbau des Renminbi zur Weltwährung reißt und wie zeilstrebig und druckvoll China den Dollar aus dem Geschäft zu drängen begonnen (u. a. über bilaterale Abkommen zum Handel in Landeswährung mit Japan und den BRIC-Staaten) hat, dann kann ich den Optimismus der US-Finanzgrößen in Bezug auf die US-Wirtschaft erst recht nicht nachvollziehen. Das klingt für mich eher nach dem sprichwörtlichen Klappern im Walde. Krisengerede kann und will sich in den USA vor der US-Wahl niemand leisten und so wird halt eine große Show abgezogen – und alle machen mit! Das unterscheidet die Amerikaner grundlegend von den Europäern, die sich gegenseitig nach unten ziehen und die Lage mithin schlechter reden als sie (relativ betrachtet) wirklich ist. Die noch anstehenden Wahlen in Europa könnten im Ergebnis auch zu einer Korrektur des bisher in der Bilanz desaströsen Krisenkurses führen. Ob dann alles besser wird, wage ich zu bezweifeln, aber schlechter werden kann es ja kaum noch.

Es ist m. E. also keineswegs ausgemacht, ob die Wetten von Paulson et al. gegen den Euro und Europa aufgehen. Genauso gut möglich ist, dass sich hier der eine oder andere massiv verspekuliert und am Ende selbst derjenige ist, der untergeht. Von mir bekäme Paulson bei dieser Sache jedenfalls kein Geld anvertraut. Warten wir es ab.

Grüße
SLE

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markusgaertner April 26, 2012 at 15:30

DANKE … und Viele Grüße

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walter April 26, 2012 at 21:35

Natürlich verfolgen Soros, Paulson und co damit neben den eigenen Zielen noch die der US Politik und lenken im Sinne der USA den Blick auf die bankrotten, europäischen Staaten um vielleicht doch wieder ein klein wenig Dollar Safehaven Stimmung zu erzeugen. So wie Warren Buffet gerade am Höhepunkt der Krise besonders viele Interviews gab und Durchhalteparolen verbreitete und das nicht nur im eigenen Interesse. Auch vor dem sogenannten arabischen Frühling hatte man in den USA gehofft, daß wieder alle Welt in der Krise in den Dollar flüchtet. Dem war aber nicht so wie man dann enttäuscht feststellen mußte.
Wenn es dann allerdings in Europa licherloh brennt, dann stützt auch die FED europäische Banken – wohlwissend, daß die USA und die EUdSSR siamesische Zwillinge mit nur einem Herzen sind.

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et April 26, 2012 at 22:49

…was für ein Herz? Die Zwillinge haben nur eine gemeinsame Kasse…

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walter April 27, 2012 at 07:18

Das Herz ist nur ein Muskel und die Zwillinge haben keine gemeinsame Kasse, sondern nur gemeinsame Schulden.

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Ratlos April 27, 2012 at 06:38

Herr Eichner ich lese Ihre Artikel immer mit großer Aufmerksamkeit. Der jetztige macht mich allerdings “ratlos”. Warum: Ihre “weder-noch”-Argumentation reiht sich in den Chor der “es kommt wie es kommt”-Sager ein. Für mich, gibt es zwei Entscheidungsparameter: Kultur und Struktur. Der Euro ist für unterschiedliche Kulturen, die für mich einen sehr hohen Stellenwert haben, nicht geschaffen. Im Gegenteil – aktuell wird versucht, kulturelle Unterschiede einzuebenen. Das kann nur ins Chaos führen und schafft alles andere als Frieden. Darüber sollten wir vielmehr schreiben. Der zweite Parameter, kurz erläutert an Spanien. Es mag sein, dass vor der Krise die Staatsfinanzen gesund waren. Doch die Dominanz der Bauindustrie führte zwangsläufig in die Krise, denn irgendwann ist die Küste eben verbaut. Das Geschrei nach Wachstum kann doch nur heißen: weiter bauen und bauen und bauen. Denn bis neue Industrien aufgebaut sind, vergehen eben 10 – 15 Jahre. Das würde das Land nicht aushalten, allerdings einen neuen Bauboom auch nicht. Wir sollten es wissen, das “blühende Landschaften” nicht von einem auf den anderen Tag entstehen.
Ich freue mich auf Ihre weiteren Artikel .

Beste Grüße

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Stefan L. Eichner April 27, 2012 at 14:13

@ Ratlos

es ist völlig richtig, dass der europäische Integrationsprozess schon seit Dekaden darauf setzt, Unterschiede einzuebnen (Stichwort: Harmonisierung) und zwar aus rein ökonomischen Erwägungen heraus: nur große, einheitliche bzw. homogene Märkte sind ein reicher “Weidegrund” für Großunternehmen (National Champions). Die EU hat ebenfalls seit Dekaden auf die Entstehung von Großunternehmen und -banken gesetzt, weil man – Ökonomen und Politiker – das im Hinblick auf die Ziel volkswirtschaftliche Effizienz, Wachstum und Beschäftigung für am besten hielt. Wenn man gewohnt ist, die Wirtschaft im Sinne der Wachstumstheorie/-ideolgie zu betrachten, dann ist das konsequent. Denn nur sehr große Unternehmen (und Banken) können auf sehr großen, homogenen Märkten Skalenerträg/Größenvorteile erzielen und so im harten Preis- und Kostenwettbewerb bestehen.

Es gibt aber noch eine weitere, ganz simple Erklärung dafür, warum die EU Unterschiede, mithin auch kulturelle, einebnet: Der einheitliche europäische Binnenmarkt wurde nach dem Vorbild der USA geformt.

Ich bin sehr dafür, dies zu ändern, würde hierbei aber ganz sicher nicht bei der Währung anfangen. Sie sagen, meine Zeilen wirken auf sie wie “es kommt, wie es kommt”. Ich kann das erklären. Gegenwärtig wird die ganze Debatte über die Euro-/Schuldenkrise sehr, sehr eindimensional geführt: Euro-Zone auflösen vs. Euro-Zone erhalten. Es wird nicht berücksichtigt, dass die beiden Wege nicht einmal annähernd in einer Art schlichter Kosten-Nutzen-Rechnung bewertet werden können. Es wird auch nicht nach Alternativen bzw. einem gangbaren dritten oder vierten Weg gefragt/geforscht, weil es auch um Ideologien geht. Es wird nicht berücksichtigt, dass die Wirtschaftswissenschaften seit 2007/2008 selbst in eine massive Krise gestürzt sind, weil sie die fundamentalen Schwächen herrschender Theorien und Modelle aufdeckte. Das ist ein nach wie vor ungelöstes Problem oder sagen wir besser, hier ist ein großes Erklärungs-Vakuum entstanden. In der aktuellen Debatte – insbesondere auch in Deutschland – wird aber so getan, als existierte es nicht und es wird mit einer Vehemenz gestritten, als hätten die volkswirtschaftlichen Lehren unverändert hohe Orientierungskraft für die Praxis. Und schließlich wird in der Debatte oft so getan, als ginge es um die Lösung eines rein ökonomischen Problems. Das stimmt aber nicht. Es ist ebenso auch ein politisches Problem.

Wenn ich hier einen dritten Weg zur Debatte stellen würde, würden vermutlich die meisten – aus den zuvor genannten Gründen – versuchen, mich in das eine oder in das andere Lager einzusortieren und der dritte Weg erwiese sich sehr schnell als nicht diskussionsfähig. Game over.

Ich versuche es dennoch immer wieder – insbesondere mit einem Ansatz, der jenseits von “Wachstum” liegt und bei dem “ökonomische Entwicklung” im Zentrum steht und zuletzt mit der von Klaus Kastner in einem Gastbeitrag wunderbar aufbereiteten Idee, (im Falle Griechenlands) statt auf einen Euro-Ausstieg auf Schutzzölle zu setzen.

Viele Grüße und vielen Dank
SLE

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Joker April 27, 2012 at 14:19

Darf ich mich kurz einmischen?

Niemand, auch nicht die besten Volkswirte mit vollem Datenzugang koenn(t)en verhersagen, wann was zusammenbricht. Das ganze System ist soo interdependent, und welche Schwachstelle letztlich der “zuendende” Ausloeser sein wird – who knows? Selbst wenn nicht ueberall permanent an den Stellsschrauben gedreht wuerde… Wir werden aber alle im Westen zusammen mit den Konsequenzen umgehen muessen, einschliesslich Russland, Asien und Suedamerika.

Und wenn die ganze Luft aus dem System weicht (oder das Vertrauen in FIAT Assets schwindet), werden sich die relativen Preise massiv verschieben, von Wasser zu Wohnen, von Gesundheit bis Sicherheit – wie sehr vertrauen wir der Bundeswehr, die Russen an der Neisse zurueckzuschlagen, sollten die zu einem “unfreundlichen” Besuch vorbeischauen?

Und weil das Vorteile und Nachteile (fuer die meisten von uns – im wesentlichen grosse Nachteile) bringen wird, werden sich die Eliten so lange gegen diese relativen Preisaenderungen wehren – darum geht es, wenn der Tod des Euros, die Entwertung des Yens und des Dollars “verschleppt” werden. Und ich moechte auch nicht dabei sein, wenn weltweit – insbesondere im Westen verkuendet werden muss, dass so ziemlich alle Versprechen – Erhalt des gegenwaertigen Lebensstandard, mit Aussicht auf immer mehr fuer fast alle, nicht haltbar sind.

Und viel wird davon abhaengen, ob Isolation und Protektionismus zum Zuge kommen, ob es zu “handgreiflichen” Konflikten zum den Zugang zu Oel und anderen Ressourcen kommt.

Darf ich noch weiter?

Worauf es wirklich ankommen wird, ist inwieweit wir demokratische Srukturen erhalten koennen, Diktaturen verhinderen, und die anstehende Umverteilung (unten und oben, Asien und Europa) so halbwegsgerecht wie moeglich hinkriegen. Sollten wir es schaffen – obwohl ich mit dem gegenwaertigen politischen Personal an allen Fronten da Schwierigkeiten sehe – hat Deutschland eine faire Chance. Wir haben eine gute Infrastrukture, ausgebildete Leute – Sorgen macht mir die Bundeswehr…..

Bereit sein ist alles!

Have Fun and a good weekend!

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Joker April 27, 2012 at 17:34

Mal eine ganz andere Perspektive: Nicht unbedingt meine, nichtsdestoweniger beachtenswert:

Warum die Weltbevoelkerung um 5 Milliarden sinken muss…….

http://www.guardian.co.uk/environment/2012/apr/26/world-population-resources-paul-ehrlich

Letzlich geht es um die Anzahl der Menschen, die die Erde “ertragen” kann, und um den dann darstellbaren Lebensstandard (=Ressourcenverbrauch).

Nachdenklich….

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MagnaBavaria April 26, 2012 at 07:52

Die Hütte schein lichterloh zu brennen.
Banken”stützung” bald über ESM (?):
http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/0,1518,829843,00.html

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die Simpsons April 26, 2012 at 08:09

Die Gelder der Steuerzahler wandern dann direkt zu den Banken. Haben doch die Iren und die Spanier schon gefordert. Und Draghi will Euro ohne Spardiktat retten.
Da gibt es nichts zu retten. Ökonomen und Banker versuchen nur das Spiel zu verlängern und nie vergessen, diese Zunft sind Systemwächter und dienen ausschließlich dem System, auch wenn sie es selber nicht einmal wahrnehmen. Man kann sie auch als den verlängerten Arm der Zombies betrachten.

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Nepumuk April 26, 2012 at 08:04

Guten Morgen,

ich muß mal wieder provokant in die Runde fragen. Was kann für Paulson schief gehen?

Wir haben seit mehreren Jahren die gleiche Ausgangslage, die die Situation unter der Oberfläche immer weiter befreuert.
Ich rede hier von den allgemein bekannten divergierenden Leistung und Wettbewerbsfähigkeiten die ja das Gundproblem des Euros darstellen.
Dieses wurd nicht mal Thematisiert geschweige denn Lösungen erdacht.

Dann haben wir dank der Bankenrettungen seit 2009 explodierende Staatsschulden, welche auf das ursprüngliche Problem wie ein Brandbeschleuniger wirkten und sich schon bald in Form der Griechenlandkrise manifestierte.

Und entgegen aller Logik wurden Schritte unternommen die die Probleme der unter den explodierenden Staatsschulden leidenden Länder nicht beseitigten, sondern potenzierten.

Somit haben die Entscheidungsträger vom Beginn an immer genau das Gegenteil von dem in die Wege geleitet was sinnvoll gewesen währe.

Was mich wieder zu meiner eingangs gestellten Frage zurück kommen lässt.

Was soll für Paulson schief gehen ??

Nepumuk

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Anno April 26, 2012 at 14:14

Mahlzeit,

ich glaube je eher, dass unser Grundproblem nichts mit “divergierenden Leistungen” zu tun hat, sondern in der Divergenz zwischen vorhanden, realen Werten und der sich jährlich systembedingt exponentiell ausweitenden Geldmenge besteht.
Schließlich muss die Geldmenge aufgrund des Zwangs, Zinsen zu generieren, exponentiell wachsen. No way out ;-) .

Da aber seit etwa 1980 (geschätzt) die Geldmenge den Realwerten immer schneller davonläuft, musste – damit das Spiel weitergeht – eine Scheinparität generiert werden werden. Hier liegt die eigentliche Ursache für die diversen Bubbles (z.B. Dot-Com, Immobilien). Weil das aber nicht ausreichte, mussten zudem die Finanzmärkte “liberalisiert” werden, was die Schaffung neuer “Finanzinstrumente” ermöglichte, in die die überschüssige Geldmenge gepumpt wurde, da belastbare Realwerte als Sicherheit längst überzeichnet waren.

Dummerweise haben wir einen Punkt erreicht, an dem – zumindest den Banken – klar geworden ist, dass die belastbaren Sicherheiten längst mehrfach überzeichnet sind und sie – so ist nun mal die Regel – ohne belastbare Sicherheiten keinen Kredit mehr ausreichen können. Also leiht man sich auch gegenseitig nichts mehr.

Blöd ist eben, dass der Geldmengenzuwachs auf dem Papier als Kreditvolumen gleichwohl real an den Mann gebracht werden muss, schließlich muss ein Schuldner für die erwarteten Zinsen gefunden werden. Deswegen sehen wir schon seit Jahren – immer weiter zunehmend – dass uns die Kredite hintergeschleppt werden, notfalls auch für angebliche 0% Zinsen. Nur wer völlig tumb ist glaubt, dass die Zinsen in diesem Falle nicht bereits in den Kaufpreis eingerechnet worden seien – völlig egal, ob es sich um den Fachbildfernseher oder das Auto handelt.

Es fanden sich aber ab 2008 keine belastbaren Schuldner mehr. Deswegen mussten die Staaten als Schuldner in die Bresche springen – damit das System weiterläuft. Weltweit.

Das ist das ganze Geheimnis… ;-)

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Ert April 26, 2012 at 16:16

Sehr schön erklärt – und Basel II hat das ganze Problem verstärkt, wobei Basel III, so richtig es sein mag, dann innnerhalb unseres Systemes weitere Problem produzieren wird.

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die Simpsons April 26, 2012 at 16:51

Was soll denn das für eine Erklärung sein? Die verzweifelte Suche nach Nachschuldnern, da sonst das System zusammenbricht. Das System ist hochgradig kriminell und ihre Steigbügelhalter, die Ökonomen versuchen dieses gequirlten Quark noch durch mathematische Taschenspielertricks hoffähig zu machen, d.h diese Zunft kann sich in den Medien breitmachen und das Volk für dumm verkaufen.
Die globale Elite oder die wenigen Familien, die fast alles besitzen, sind so gierig, dass sie alles aussagen werden. Einer nach dem anderen wird enteignet und verarmt. Dieses Spiel findet direkt vor unserer Haustür statt. Nur mal die Augen auf machen.

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Anno April 26, 2012 at 19:33

@ die Simpsons:

Mir dünkt, man sollte die Sache weniger emotional sehen, wenn man die Fakten nicht aus den Augen verlieren will.

Wo ist dein Problem mit der Erklärung? Die begrenzte Kapazität an Nachschuldnern steht nun mal einer systembedingt zwangsweise exponentiell wachsenden Geldmenge diametral gegenüber. Das ist und bleibt das Kernproblem. Unendliches Wachstum ist bei endlichen Resourcen nicht möglich. Punkt.

Du irrst auch, wenn du meinst, das System sei hochgradig kriminell. Kriminell ist definitionsgemäß “rechtswidrig”.
Das System hat das Recht aber längst okkupiert und legalisiert je nach Bedarf die für notwendig erachteten Maßnahmen. Kriminell sind inzwischen wir, wenn wir uns den legalisierten Maßnahmen widersetzen.
Du bist potentieller Terrorist, ich bin potentieller Terrorist – das Recht steht uns nicht mehr zur Seite.

Das wird sich erst dann ändern, wenn sich eine breite Masse zusammenfindet, die so stark ist, dass sie GEMEINSAM das Recht zurückerobern kann. So lange wir uns weiter darin ergehen, unser Individualdasein absolut in den Vordergrund zu stellen, werden sie uns auch einzeln abfertigen. Und genau hier liegt unsere große Schwäche.

An unserem Beispiel: Statt dass wir unsere Gemeinsamkeiten erkennen, fährst du mir sinnlos an die Karre. Das ist genau die Gesinnung, die sie brauchen, um uns weiter durch den Fleischwolf drehen zu können.

Zwar mag der eine oder andere den bald jedermann ins Haus stehenden, ersten Zwangsmaßnahmen/-Vollstreckungen widerstehen und die Vollstrecker zum Teufel schicken – danach hast du aber das SEK auf der Matte stehen, dem du alleine nur mit schwerster Ausrüstung etwas entgegensetzen kannst. Am Ende läuft die Nummer wie damals bei den Davidianern in Waco ab. So läuft es nicht zu unseren Gunsten, Rambo ist reine Fiktion.

Anders sieht die Sache aus, wenn uns die Angelegenheiten unserer Nachbarn wieder etwas angehen und Maßnahmen der vollstreckenden Gewalt gegen einen Einzelnen sofort 25 oder 50 Nachbarn und Freunde auf den Plan rufen, die einen entsprechenden Tumult veranstalten. Davon sind wir Deutsche mit der bei 99,9% immer noch vorherrschenden Ego-Fixierung meilenweit entfernt. Und dafür werden wir einen furchtbaren Preis bezahlen.

Suche die Schuld nicht bei den anderen, sondern kehre vor deiner eigenen Türe. Du hast es in der Hand, durch konsequenten Konsumverzicht dem System den Nährboden (Umsatz) zu entziehen, dich mit deinen Mitmenschen zu solidarisieren, Waren und Dienstleistungen zu tauschen, ohne das gesetzliche Zahlungsmittel zu verwenden (dann fällt auch die Steuer aus) und dich so weit wie möglich autark zu machen.

So lange du noch tausend Gründe findest, warum du das nicht machen kannst, stehen wir auf verlorenem Posten.
;-)

für meine kinder April 26, 2012 at 20:22

@die simpsons:
Gegen dieses Spiel muss doch irgendwas auzurichten sein von den 99% gegenüber den 1 %.
Es kann doch nicht sein, dass wir alle 0 Chance haben.
Ich gehe mal davon aus, dass wir alle hier zu den 99% gehören, wenn auch besser informiert.
Wie war das mit dem 100sten Affen?
Ist natürlich schwierig, wenn von den 99% so gut wie keiner zuhört.
Aber es müssen doch irgendwelche guten, einfache Lebensmodelle noch möglich und entwickelbar sein! Ich suche gerade meinen Alterabsicherungsplan, gerne einfach, aber gut, wenig Abhängigkeit und möglichst wenig Sklave und bin mehr als ratlos.
Hier oder doch weg, und wenn dannwohin?
Ideen?

die Simpsons April 27, 2012 at 07:14

@Anno:

Wachstum gibt es in der Natur. Ein Apfelbaum wächst bis er seine natürliche Höhe erreicht. Das nennt man natürliches und nachhaltiges Wachstum. Davon kann die Ökonomie sehr viel lernen. Denn unsere sogenannte Ökonomie ist gegen die Natürlichkeit des Lebens ausgerichtet. Das einzige was die Natur mit der Ökonomie gemeinsam hat sind Krebszellen.
Du vergisst in Deiner Argumentation die Natur des Menschen. Und die basiert auf Egoismus. Leider wurde man auch so konditioniert. Ich muss nur die Augen auf machen Jeder versucht sein Hab und Gut zu retten. Die einen mit Gold, die anderen mit Immobilien, der Rest mit Papiergeld. Im Klartext: Jeder gegen Jeden. Die Begleiterscheinungen oder Nebenwirkungen sind Emotionale Kälte und wenig oder kein Mitgefühl.
Gibte es irgendwo einen Plan B, der Chancen hätte in die Tat umgesetzt zu werden? Die (zynische) Antwort gibt Standard + Poors: Spanien wird herabgestuft weil Risiken im Wirtschaftswachstum und im Haushalt auszumachen sind erklären die Bonitätswächter. Dazu fällt mir Volker Pispers ein “Berufsgruppen, die die Welt nicht braucht”.
Das unserein kriminell sein soll, weil wir uns legalisierten Maßnahmen entgegenstellen – das soll ein schlechter Witz sein. Diese legalisierten Maßnahmen entsprechen vielleicht Rechtsnormen, aber sie sind und bleiben kriminell. Nur mal als kleines Beispiel: Im Rahmen des Finanzmarktstabilisierungsgesetzes wurden Banken, die hoffnungslos überschuldet waren wie “Du weist schon wer”, durch kriminelle Energie seitens verantwortlicher Personen dieser Banken, gerettet. Das Insolvenzrecht wurde geändert, die Bilanzierungsrichtlinien wurden geändert bzw. verwässert usw. Man kann sich auf legalisierte Maßnahmen berufen, man kann aber auch der Realität is Auge sehen. Und dieser Vorgang ist schon einige Zeit her.
Berthold Brecht::Wenn Unrecht zu Recht wird, wird Widerstand zur Pflicht. Die Frage ist nur wann ist der Zeitpunkt gekommen?

Nepumuk April 27, 2012 at 06:47

Vielen Dank für diese Sichtweise.

Allerdings glaube ich das sich das von mir dargestelle Problem und der von ihnen Beschriebene Fehler im System sich überlagern.

Die sich expondentiel aufsummierenden Schulden/Guthaben sind das grundsätzliche Problem eines jeden Geldsystems welches Zinsen zulässt. Ich meine mich zu erinnern das Herr Müller mal sagte, daß die durchschnittliche Lebensdauer eines solchen bei ca 80 – 100 Jahren liegt.

Somit würde dieses Problem anstehen, auch wenn wir keine Europa hausgemachte Einheitswährung hätten, würde also in absehbarer Zeit ein “Reset” nötig sein.

Nur dazu haben wir halt die Eurokrise noch obenauf.

Nepumuk

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vlk April 26, 2012 at 08:31

Und bei realistischer Betrachtung : Sind die USA wirklich jemals aus der Rezession rausgekommen ?
Wie sieht es aus wenn man die ganze Kosmetik aussen vor läßt ?

Daher kann die USA kein DoubleDip erleiden … sie stecken noch voll im DIP drin …

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walter April 26, 2012 at 21:39

Dasselbe gilt für die Europäische Union der SchuldenStaaten und Republiken.

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Victor April 26, 2012 at 09:57

Wem gehört das Gold der Zentralbank?
http://www.handelsblatt.com/politik/konjunktur/nachrichten/stimmt-es-dass-wem-gehoert-das-gold-der-zentralbank/6556838.html

“Heiliger Sankt Florian / Verschon’ mein Haus / Zünd’ andre an!”

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Andreas Ludwig April 26, 2012 at 10:58

@ Victor
Da bleibt nur eins…einbrechen in den Bunker und nachschauen.Wer macht mit? Ich wette keiner. Weil wir schon wissen da ist nix drin.Dat is doch klar…Schon längst verbraten.Wahrscheinlich hat es nur den Tresor gewechselt.Oder ist in kleinen Happen überall verstreut.Bei den Ausgaben der letzten Jahre wäre es ein Wunder der 8ten Strasse wenn es noch da wäre.Da wir aber alle nicht an Märchen glauben, zuckt nicht mal der kleine Zeh, wenn einer kommen würde und sich vor die Presse stellt und sagt: Alles weg!!!
Nicht mal ein müdes Lächeln würde es uns entlocken.Klar würden sich einige empören.Schein wahren.
Es muss so kommen Leute. Ich bleibe dabei…bis in die finstersten Katakomben muss es runter mit allem…Nur dann kann etwas neues entstehen.Gruss

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Andreas Ludwig April 26, 2012 at 11:01

Ich bin mal Provokant:
Vielleicht sitzen ja die Chinesen schon auf unser Gold. Wahrscheinlich haben wir damit unsere Schulden bezahlt in den letzten Jahren-)))

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Andreas Ludwig April 26, 2012 at 11:14

Es ist keine 3 Tage her, da habe ich hier geschrieben, das Europa abgeschrieben ist und die Chinesen kaufen was das Zeug hält.Ich sollte fürs Manager Magazin schreiben.Keine 3 Tage später kommt das Manager Magazin um die Ecke und knallt den Artikel rein. Der Ausverkauf beginnt meine Damen und Herren.
Was sagte Simpsons zu meinem Kommentar Optimisten und Pessimisten?
Markus schreibt die Geier kreisen schon. Ich sage, die sind schon gelandet des öfteren…
http://www.manager-magazin.de/finanzen/artikel/0,2828,829796,00.html

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die Simpsons April 26, 2012 at 11:30

Der Gabentisch ist gedeckt und für die Chinesen ist Deutschland Alice im Wunderland. Und was den Faktor Arbeit angeht können wir durchaus mit China konkurrieren:
http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-behoerde-sagt-hessischen-sklavenmarkt-ab-900811.php
http://web.de/magazine/finanzen/wirtschaft/15250808-schlecker-klagenden-mitarbeitern-500-euro-abfindung.html#.A1000107
Wir Deutschen sind halt zu pessimistisch – Ironie aus!

Reply

die Simpsons April 26, 2012 at 13:19

Der Gabentisch ist gedeckt und für die Chinesen ist Deutschland Alice im Wunderland. Und was den Faktor Arbeit angeht können wir durchaus mit China konkurrieren:
http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-behoerde-sagt-hessischen-sklavenmarkt-ab-900811.php
http://web.de/magazine/finanzen/wirtschaft/15250808-schlecker-klagenden-mitarbeitern-500-euro-abfindung.html#.A1000107
Wir Deutschen sind halt zu pessimistisch – Ironie aus!

Reply

die Simpsons April 26, 2012 at 13:20

Der Gabentisch ist gedeckt und für die Chinesen ist Deutschland Alice im Wunderland. Und was den Faktor Arbeit angeht können wir durchaus mit China konkurrieren:
http://www.gegen-hartz.de/nachrichtenueberhartziv/hartz-iv-behoerde-sagt-hessischen-sklavenmarkt-ab-900811.php
Wir Deutschen sind halt zu pessimistisch – Ironie aus!

Reply

markusgaertner April 26, 2012 at 15:32

… vielleicht liest “das” Manager Magazin hier genüsslich die großenteils sachliche und informative Diskussion fleißig mit … Viele Grüße

Reply

King Balance April 26, 2012 at 11:33

EZB und die EU-Hühner-Gruppe der Euro-Länder arbeiten auf höchster Ebene an einer Initiative, um Pleite-Banken direkten Zugriff auf Geld aus dem Euro-Rettungsfonds ESM zu ermöglichen. Dies wäre zwar ein Bruch des Vertrages, doch das kümmert in Brüssel doch keinen. http://www.welt.de/wirtschaft/article106228481/Euro-Laender-pruefen-Direkt-Hilfen-fuer-klamme-Banken.html

Sei wachsam – Sie machen dich arm
“Der Minister nimmt flüsternd den Bischof beim Arm: – Halt Du sie dumm, ich halt sie arm.”
http://duckhome.de/tb/archives/10046-Sei-wachsam-Sie-machen-dich-arm.html

Atrocity Prevention Board – Gräuelverhinderungsrat
Die Welt befindet sich im Chaos, Kriege brechen allerorten aus, Blut fließt in den Straßen von Städten im Mittleren Osten und Afrika, aber das ist kein Grund zur Sorge – wir haben jetzt einen „Atrocity Prevention Board“ („Gräuelverhinderungsrat“)! Na, fühlen Sie sich jetzt nicht viel besser? http://kingbalance.blogspot.de/2012/04/die-regimewechselmaschine.html

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Joker April 26, 2012 at 11:53
Joker April 26, 2012 at 12:05
Bernd April 26, 2012 at 12:05

“Die jüngste Korrektur an der Wall Street hält er für “nicht gerechtfertigt”.”

S&P 500 Insider verkaufen Aktien im Rekordtempo. Anscheinend teilen die US-Insider nicht den Optimismus bezüglich US-Konjunktur, den Biggs öffentlich vorgibt zu haben.

Insiders are selling. Should you?
The level of insider selling among S&P 500 (SPX) companies is the highest in nearly 10 years. That is not good.
http://money.cnn.com/2012/04/24/markets/thebuzz/index.htm?iid=Lead

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Ert April 26, 2012 at 16:48

Ggf. auch mal hanz interessant – Ich war letztens auf einer Veranstaltung einer kleineren Banken (aus dem eher seriösen Bankbereich). Mein Eindruck:

1. Der Vortragende einer angeschlossenen größeren Bank im Verbund war sehr kompetent und sehr gut auf die Fragen vorbereitet. Er hat auch ESFS, ESM, Eurozonenprobematik, etc. pp. erwähnt – teilweise sicher schon zu viel für das Publikum.
2. Auf Target2 angesprochen meinte er: Wird nur zu einem Problem wenn ein Land Austritt – und noch mehr, wenn die Eurozone nicht fortgeführt wird. Er sah deswegen den Austritt einiger Staaten aus der Eurozone als die schlechtere Lösung, weil dann……
3. Auf Deutschland und den Handelsbilanzüberschuss angesprochen (solange wir Plus haben muss irgendwer Minus haben) und wie sich die anderen Euroländer überhaupt mal da rausziehen sollen…. antwortete er – es gäbe ja nicht nur Europa und hat unserer Exportlandmodel nicht in Frage gestellt. Sehr schwache Antwort vor dem Publikum – obwohl er Sie exakt verstanden hatte.

Der Rest:
a) Die durchschnittlichen Bankangestellten und Berater waren bez. ESM und Target2 nicht informiert und mit der Thematik wie Sie z.B. hier diskutiert wird absolut überfordert.
b) Einer der Bankberater hatte nicht mal die Giralgeldschöpfung verstanden (hatte nur mit einem zufällig darüber geredet) und meinte durch die Produktion von Sachen, die ja nur mit einem Preis bemessen sind, würden quasi “die Zahlungsmittel geschaffen” um die Zinssumme zurückzuzahlen – die ja bei der Kreditvergabe an das Publikum nicht geschaffen wird. Viel Stirnrunzeln – langsame Fortschritte, aber letztendlich doch Tilt.
c) Eine Beraterin meinte mit Gold hätte man historisch gesehen nichts verdienen können – Hüstel. Insbesondere da Sie vorher vortrug, das jede Anlageform Ihre Zeit hat und man mit einer wertsichernden Anlagestrategie deswegen diversifiziert sein müsse.

Für den Anwesendenkreis (ARD – Alt, Reich und ;-) war das ganze, abgesehen von ein paar Sachen und der verkaufs-show, “noch halbwegs” o.k. Ich war da eher zufällig und auch nicht geladen – nicht Alt & Reich genug. Klar war aber die Tendenz Produkte zu verkaufen und nicht die Leute dazu zu animieren direkt Aktien, Immons und EM zu halten. Hingegen wurden klar den (offenen) Immofonds, Aktienfonds und Zertifikaten der Vorrang eingeräumt – wegen Diversifizierung und weil eben von erfahrenen Leuten gemanagt.

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Marco April 26, 2012 at 20:17

@Anno (reply war bei deinem Text leider nicht möglich)

“Davon sind wir Deutsche mit der bei 99,9% immer noch vorherrschenden Ego-Fixierung meilenweit entfernt.”

Da stimme ich absolut zu, wie deinen anderen Aussagen im Text auch.

Ich finde es absolut erschreckend, wie wenig sich die meisten Menschen auch 3 1/2 Jahre nach Lehman noch mit der ganzen Geldthematik (Giralgeldschöpfung, Zinszeszins-System, steigenden Schulden überall auf dem Planeten, Umverteilungen a`la ESM, usw.) auskennen. Die meisten interessiert das ganze Null die Bohne.

Wenn ich Bekannten so Links empfehle wie z. B.

http://www.steuerboykott.org/

dann wollen die mich am liebsten in die nächste Klappsmühle einliefern lassen.

2012 soll ja das Jahr des Bewusstseinswandels sein. Noch habe ich davon aber leider nicht allzuviel mitbekommen.
Alles läuft noch nach dem alten System von Brot und Spiele. Solange Bayern gewinnt und die Fußball-EM auch schon in greifbarer Nähe ist, sind die Prioritäten klar verteilt ;-(

Trotz alledem schöne Grüße

Marco

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für meine kinder April 26, 2012 at 20:35

@marco
genau so ist es, keine Sau interessierts und man selbst wird abgestempelt als Aussätziger.
Nur kein Stress und auf keinen Fall die Anstrengung des Gehirns fordern. Immer schön die eingefahrenen Bahnen bedienen.

Aber welche Alternativen gibt es noch?

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alma5 April 26, 2012 at 21:09

//Alles läuft noch nach dem alten System von Brot und Spiele. Solange Bayern gewinnt und die Fußball-EM auch schon in greifbarer Nähe ist, sind die Prioritäten klar verteilt ;-( //

Dieses Konzept greift in Spanien oder Griechenland nicht mehr, weil die Not dort zu groß geworden ist. Ähnlich sieht es in weiten Teilen der USA aus: Wo es kein Einkommen gibt, da bleibt auch panem et circensis aus. Dies weiß die Elite, deswegen schuf sie dort Gesetze wie das Patriot Act, das National Defensive Authorization Act 2012 oder die Executive Order National Defense Resources Preparedness.

Uns geht es halt wie der berühmte Frosch im Wasserglas auf der Herdplatte: Die Temperatur wird langsam erhöht, und er merkt es nicht, bis er bei lebendigem Leib gesotten ist. Doch am Horizont lassen Libyen, Syrien und Iran erkennen, daß es bis zum Sturm nicht mehr lange dauern wird. Und dann wird’s heißen: Wohl dem, der sich darauf adäquat vorbereitet hat.

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MCD April 27, 2012 at 13:18

>>>Wohl dem, der sich darauf adäquat vorbereitet hat.
_______________________

Hoffentlich nicht in der Mitte Europas!

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Marco April 27, 2012 at 17:54

“Uns geht es halt wie der berühmte Frosch im Wasserglas auf der Herdplatte”.
Genau. In Deutschland läuft die ganze Problematik aktuell – noch – auf der “theoretischen Schien”, da es in den letzten 3 Jahren hier noch keine DIREKTEN negativen Auswirkungen der Krise auf die meisten Bürger gegeben hat:

Steuererhöhungen in größerem Ausmaß: Nein
Drastische Lohnkürzungen z. B. im öffentlichen Dienst (Reallohnverluste durch Tariferhöhungen unter der Inflationsrate sind hier nicht gemeint): Nein
Größere Einschnitte im sozialen Netz: Nein
Massiv steigende Arbeitslosenzahlen: Nein

Stattdessen gab`s Abwrackprämien für neue Autos und großzügige Kurzarbeitsregelungen. Viele Menschen machen Überstunden und jede Menge Firmen zahlen aktuell hohe Gewinnbeteiligungen an ihre Mitarbeiter aus.

Und wie sehen die Belastungen aus? Target 2 – wer kennt das? ESM – was ist das? Das sind doch alles “nur” Bürgschaften, oder? Also alles im grünen Bereich. Alles andere ist Schwarzmalerei. So sehen es viele.

Die Temperatur im Wasserglas steigt, aber der Frosch merkt es noch so gut wie gar nicht. Noch nicht. Sobald der ESM in Kraft ist und innerhalb kürzester Zeit MILLIARDEN an Spanien bzw. spanische Banken fließen werden, muss auch die Deutsche Regierung sehen, wo sie diese Milliarden herbekommt…

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dank April 27, 2012 at 00:34
markusgaertner April 27, 2012 at 00:36

… ja, wir sind alle sprach- und fassungslos …. Viele Grüße

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dank April 27, 2012 at 00:38

Dachte es gab ein Abmachung, dass vor den Wahlen?!
Ein komisches Spiel, dass die da treiben…
Ist in USA grad was elendig am Anbrennen?

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MagnaBavaria April 27, 2012 at 04:55

Spanien wird wohl bald fertig haben und muss “gerettet” werden.
S&P hat den Daumen gesenkt:
http://www.querschuesse.de/sp-stuft-spaniens-bonitat-herab/

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die Simpsons April 27, 2012 at 09:55

Und sie werden “gerettet”. Und die Orwellsche Zukunft nimmt auch immer mehr Konturen an, was ich für weitaus bedrohlicher halte:
http://www.crash-news.com/2012/04/27/datenspeicherung-fliegen-wird-nun-auch-in-der-eu-voellig-transparent/

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vlk April 27, 2012 at 19:11

Ja ich erinner mich noch an die Zeit : tolle Artikel und keine Leserresonanz.
Hier ist ein exquisiter Blog entstanden.

daher Daumen hoch und viel Spaß bei der Fleißaufgabe zum Kanadischen Häusermarkt ;)

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Steffen April 27, 2012 at 20:53

Wenn man sieht, mit welch irrwitzigem Tempo die europäische Notenbank (EZB) derzeit frisches Geld in Billionenhöhe aus dem Nichts erschafft, kann man erahnen dass unser Euro-Schneeballsystem schon SEHR bald seinen Zenit erreicht haben wird!

Mein Rat: Die Rücklagen auflösen und in nachhaltige Sachwerte investieren – am besten in solche, über die der Staat keinerlei Kenntnisse und daher steuerliche Verfügungsmöglichkeiten hat Ein Gang zum lokalen Edelmetall-Händler.

DIE DEMOKRATTIE IST DIE VERWALTUNG DER ARBEITSLOSEN DURCH DIE ARBEITSSCHEUEN – der Grossschreiber bei http://hartgeld.at/Zitate.html

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Steffen April 27, 2012 at 21:38

Ich hab noch einen:

1 Dollar 1913 = 80,52 heutige Dollar – 1 Goldmark 1913 = 14,44 Euro

Wenn man denkt, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ‘ne Ratte her! Spanien geht es nicht gut, das Land ist hoch verschuldet, der König bricht sich bei der Elefantenjagd die Hüfte und die Arbeitslosigkeit beträgt unglaubliche 25%. Und dann kommt noch das Ratting. Wobei, ein “t” wird gleich eingespart. Die Rating-Agentur Standard & Poor’s hat Spanien von A auf BBB+ herabgestuft, damit gehört es zur gleichen Riege wie Italien.

Was macht Spanien falsch? Wenig, wenn man den Experten glaubt. Die Fehler wurden in der Vergangenheit begangen, als der Euro die niedrigen Zinsen und damit die billigen Kredite gebracht hatte. Der große Bauboom war jedoch schon vor dem Euro ausgebrochen, in den 90ern. Schon damals wurde an allen Ecken und Enden gebaut. Der Euro hat nur die zweite Stufe gezündet, viele Privatleute zu Bauherren befördert. Spanien hat in dieser Zeit einen Rausch erlebt, bis 2008, und erlebt jetzt den Kater danach. Was also soll jetzt passieren? Erst mal ein Schuldenschnitt, bei dem die Geldgeber fast alles verlieren. Das kennen wir aus Griechenland. Und dann? Dann geht es noch weiter in den Abgrund, denn ein Schuldenschnitt bringt keinen einzigen Arbeitsplatz. Auch das sehen wir in Griechenland.

Tja, und dann? Ach, da gibt es wunderbare Möglichkeiten: Den Staatsbankrott erklären, aus dem Euro austreten, alle Ausländer rauswerfen, den König stürzen, eine Revolution anfangen… In Spanien lebt die am besten ausgebildete Generation aller Zeiten, Unmengen von Akademikern. Von den jungen Leuten sind die Hälfte arbeitslos, 50%. Menschen, die niemals einen auskömmlichen Arbeitsplatz gehabt haben, die trotz ihrer grandiosen Berufsabschlüsse ihren Eltern auf der Tasche liegen müssen. Junge kreative Leute, die sehr viel Zeit haben um nachzudenken. Das akademische Proletariat ist das gefährlichste Potential, das sich in einem Staat anhäufen kann. Die Bühne ist bereit, die Pulverfässer sind aufgestapelt. Jetzt fehlt nur noch der zündende Funke!

Europa hat sich zu einer neuen Willkommenskultur für Einwanderer durchgerungen: Um die “Blue Card” zu bekommen, muß nur noch ein Jahresverdienst von 44.800 Euro nachgewiesen werden. Wenn es sich um Mangelberufe handelt, für die händeringend Leute gesucht werden, reicht sogar ein Jahresgehalt von nur 34.944 Euro. Genial, nicht wahr? Die tun was, die in Brüssel! Allerdings erklärt das nicht, warum ausgerechnet jene Leute, die besonders gesucht werden, weniger Geld bekommen dürfen. Außerdem fehlt eine wichtige Ergänzung: Diejenigen, die weniger als 34.944 Euro verdienen, ja, die nur den Europäern auf der Tasche liegen, die dürfen bleiben? Warum eigentlich? Es gibt genug arbeitslose Akademiker IN der EU, ob in Griechenland oder in Spanien – wozu also noch Arbeiter von außerhalb hereinholen?

Es war mal wieder “Girls Day”, der inzwischen “Girls and Boys Day” heißt, weil ja niemand diskriminiert werden soll. Da dürfen sich junge Damen ansehen, wie Männer in freier Wildbahn ihren Beruf ausüben. Was die Jungs zu sehen bekommen, wurde nicht berichtet, vielleicht Kindergärtnerinnen und Arzthelferinnen. Jedenfalls sehen die jungen Damen, wie Männer an großen Maschinen schwitzen und schmutzig werden. Und am Ende studieren die nicht mehr ganz so jungen Damen Romanistik, Anglistik oder Kleintiermedizin. Dafür weinen dann wieder Familien- und sonstige Ministerinnen, daß die nunmehr ausgewachsenen Damen weniger bezahlt bekommen als Ingenieure und Metzgermeister.

http://www.michaelwinkler.de/Kommentar.html

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markusgaertner April 26, 2012 at 20:42

… das ist wirklich gut auf den Punkt gebracht. In diesem Sinne bin ich froh, dass die Besucherzahlen im BLOG zunehmen und dass wir ganz überwiegend ziemlich respektvoll hier miteinander umgehen … Viele Grüße

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