Die Geier kreisen über dem europäischen „Wrack“

by markusgaertner on 26/04/2012 · 59 comments

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Die Bilder sind drastisch, die Sprache derb, die Wetten grausam: Amerikanische Investment-Legenden geben auf Europa keinen Pfifferling mehr.

Barton Biggs vergleicht Europa mit einem „Schiffswrack“ und wettet gegen deutsche wie französische Indizes. George Soros sagt der Eurozone eine Implosion wie in der Sowjetunion vorher. Und Hedgefonds-Legende John Paulson, der mit seiner Spekulation gegen den US-Immobilienmarkt reich wurde, wettet jetzt im großen Stil gegen europäische Staatsanleihen.

Man muss die Worte dieser Männer mit Vorsicht genießen, denn sie befördern mit ihren kernigen Statements ihre eigene Sache. Doch sie alle haben ja auch einen Grund, solche Wetten einzugehen.

Der 56jährige Paulson, der ein Portfolio mit ungefähr 24 Mrd. Dollar verwaltet, ist einer der am genauesten beobachteten Geldmanager in der 2.000 Mrd. Dollar umfassenden Hedgefonds-Industrie. Im vergangenen Jahr lag er mit seiner Einschätzung über die Erholung der US-Konjunktur daneben. Jetzt versucht er, wieder Boden gut zu machen. Eine Implosion in Europa käme ihm gerade recht.

Biggs sieht die US-Konjunktur lediglich in einem „soft patch“,vermutet also eine kleine Flaute in der laufenden Erholung. Seiner Ansicht nach kann die US-Wirtschaft dem Schock eines Zerfalls der Eurozone widerstehen. Er vertraut auf positive Indikatoren wie die steigenden Umsätze im US-Einzelhandel (+0,8% im März) und nachlassende Ausleihungen der immer noch hoch verschuldeten US-Verbraucher.

Ich habe den Eindruck, dass Biggs die eigene Konjunktur viel zu rosig sieht. Der schwere Einbruch der Aufträge für langlebige Güter von über 4% im März, der gestern gemeldet wurde, passt überhaupt nicht in sein Szenario. Diese Zahl kündet von äußerst verhaltenen Investitionen im laufenden Quartal durch diejenigen Firmen, die in diesen Tagen für das erste Quartale Jubelgewinne melden. Biggs ist „relativ überzeugt, dass die USA keinen Double Dip erleben“, also ein erneutes Abtauchen in die Rezession – wie es Großbritannien gerade erlebt. Die jüngste Korrektur an der Wall Street hält er für „nicht gerechtfertigt“.

Soros sieht eine breite soziale, ökonomische und soziale Krise in Europa, die sehr wohl zu einer Auflösung der Eurozone führen kann. Das ist sicher die am wenigsten gewagte Prognose, weil man die Anfänge dieser Auflösung schon ganz gut sehen kann. Die Spaltung in den „deutschen“ Block der strikten Fiskalpolitik und in das Lager der Länder, die nicht nur Bondvandalen abwehren, sondern auch eine Revolte ihrer Wähler vermeiden müssen, und deshalb die drakonischen Ausgabenkürzungen zurück schrauben wollen.

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