Zeitenwende oder eher Wendezeiten ?

by markusgaertner on 31/05/2012 · 12 comments

2012-05-30_2323

Share

Wir haben Wendezeiten. Nicht nur, weil Josef Ackermann endlich weg ist und die Ära grenzenloser Profite zu Ende geht. Nicht nur, weil der Einbruch der Facebook-Aktie dazu führt, dass Mark Zuckerberg aus der Liste der 40 reichsten Milliardäre geplumpst ist. By the way: Er kann damit sicher gut leben, selbst wenn ihm in den Flitterwochen mit seiner neuen Gattin der Geldautomat am Urlaubsort nichts ausspucken wollte.

Wir haben Wendezeiten, nicht nur, weil die Rendite der 10jährigen US-Anleihe ein historisches Tief bei 1,61% erreicht hat, weil der Rest der Börsenwelt sich in die Hosen macht und in BUNDS und US-Treasuries flieht. Und nicht nur, weil wir in Zeitlupe eine Depression auf uns zurollen sehen.

Wir haben auch Wendezeiten, weil im einst reichen Amerika jeder zweite private Haushalt staatliche Transferleistungen bezieht und jeder dritte junge Amerikaner, der einen Haushalt führt, Finanzhilfe der Regierung, Gutscheine für Suppenküchen oder Beihilfe zum Wohnen bekommt. – Es kann so nicht weitergehen, deshalb haben wir Wendezeiten.

Quelle der Grafik: Die Wall of Worry

Wir haben auch Wendezeiten, weil die „Wall of Worry“ bei Lloyd´s schon 31 Blöcke groß geworden ist (siehe Grafik). Und wir haben Wendezeiten, weil CNN Money seine Leser beschwört, „die Märkte brauchen eine Blutinfusion.“ Wir haben Wendezeiten, weil der „Angst & Gier-Index“ zwischen „extremer Gier“ (100 auf der Skala) und „extremer Angst“ (Null) bereits auf 13 gefallen ist.

Wir haben auch Wendezeiten, weil der Westen sich – vor allem viele Amerikaner – so voll gefressen hat (und dabei bequem und gleichgültig geworden ist), dass New Yorks Bürgermeister aus Kinos, Restaurants und anderen Orten freizeitlichen Verzehrs zuckerhaltige Drinks in großen Packungen und Flaschen verbannen will.

Wir beobachten aber auch deshalb Wendezeiten, weil Analysten – und Journalisten – bereits rätseln, warum in der Eurozone der übernächste Domino vor dem nächsten Domino fallen wird. Wir sehen auch Wendezeiten, weil Facebook nur Tage nachdem es als das nächste Apple gefeiert worden war (vor dem IPO) so viele Put- und Short-Orders auf sich zieht, wie sonst nur Griechenland.

Und wie wäre es damit ?: Wir erwarten Wendezeiten, wenn IWF-Chefin Christine Lagarde, die für 467.940 Dollar Jahresgehalt Plus 83.760 Dollar Spesen keine Steuern zahlt von den Griechen fordert, sie sollten gefälligst IHRE Steuern entrichten. Einen geeigneteren Ratgeber kann es für die Hellenen wahrlich nicht geben.

Wir haben auch Wendezeiten, wenn Spaniens Ex-Premier Felipe Gonzalez den „totalen Notfall“ ausruft. Dasselbe gilt für die Feststellung, dass die Öl-Notierungen einen Bärenmarkt erreicht haben, während Autofahrer fast auf der ganzen Welt an den Tankstellen noch immer stöhnen, weil ihnen Zapfsäulen wie die moderne Version von Zombies vorkommen.

Ich könnte noch ewig so weitermachen. Aber ich denke, die Botschaft ist angekommen …

Share

{ 12 comments… read them below or add one }

Leave a Comment

*

Previous post:

Next post: