Chindia – Vom Fixstern zum erbärmlichen Rückspiegel-Phänomen ?

by markusgaertner on 12/06/2012 · 10 comments

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Man stelle sich Lindsay Lohan als Elefant vor: Vom Glänzenden Star zum traurigen Überbleibsel seiner selbst. So ergeht es derzeit Indien, wenn man die Schlagzeilen verfolgt. Auch China taumelt. Der Elefant und der Drache – die beiden Wappentiere der größten Schwellenländer dieser Erde – haben plötzlich so eine Art Rheuma-Anfall.

Ich will hier bewusst keinen Eintrag a la “das-hab-ich-Euch-schon-1835-gesagt” schreiben. Denn jeder liegt mal falsch. Das wäre auch mir sofort leicht nachzuweisen.

Doch die Zeichen für eine schroffe Bauchlandung in China und Indien nehmen weiter zu. Das wurde hier seit Monaten thematisiert, gelegentlich unter einigem Hohn und Spott der China-Besserwisser.

Doch von den Umsätzen des Einzelhandels über die Industrieproduktion bis hin zu den Anlage-Investitionen für Fabriken, Straßen und Kraftwerke fielen die jüngsten China-Zahlen, die wir am Wochenende hörten, so schlecht wie schon im April aus. Und da waren sie bereits Besorgnis erregend.

Am Wochenende hörten wir auch, dass Chinas Exporte mit etwas mehr als 15% im Mai ermutigend aussahen. Doch wir wissen, dass dies mit einem erneut sinkenden Renminbi und dem wachsenden Zorn der Handelspartner erkauft wird. Die Frage der vorsichtigen Ökonomen ist also auch in diesem Punkt: Wie haltbar ist diese Entwicklung ?

Bitte anklicken zum Vergrößern …

Der Asien-Ökonom Andy Xie in Shanghai, einstmals ein Morgan Stanley-Star in Hong Kong, hört sich mit seiner China-Analyse zunehmend besorgt an. In seinem neuen Beitrag auf Caixin Online – “Das Ende der Rosstäuscherei” – mahnt er strikte Reformen in der Volksrepublik an, wenn sich das Schwellenland nicht auf dauerhaft niedrige Wachstumsraten einstellen will.

Zitat Xie: China’s economic management overly relies on juicing up confidence and encouraging speculation on the expectation of a brighter future. The demand from the confidence game leads to excessive demand for debt to finance holdings of speculative assets like land and commodities. – Quasi ein Potemkin-Dorf, das sich gleich auch selbst noch mitbetrügt.

Wie groß die Blase ist, die bei diesem Täuschungsmanöver entstand, erklärt Xie so:

Properties under construction, sold vacant properties and the inventories of commodities like steel and non-ferrous metals may exceed 100% of gross domestic product at current market value. The rising inventories have exaggerated the country’s economic growth in the past five years.

Und das ist “nur” China. Indiens Konjunktur scheint es noch wuchtiger zu treffen, wie hier vor einigen Tagen beschrieben.

Indiens BIP-Wachstum fiel in den ersten drei Monaten des Jahres auf 5,3%. Das ist der niedrigste Wert seit neun Jahren. Die Industrieproduktion schrumpfte im März um 3,5%. Im April wuchs der Ausstoß von Fabriken, Versorgern und Minengesellschaften zum Vorjahr lediglich um 0,1%. Die Fragmentierung der Parteienlandschaft, ein stockender Reformprozess, hohe Defizite, eine schwindsüchtige Währung, schwache Investitionen und die wachsende Frustration ausländischer Direktinvestoren verheißen eine unsanfte Bremsung.

Im Klartext: Der “Elephant” ist dabei, als Zugtier auszufallen und für einige Zeit in den Rückspiegel verbannt zu werden.

Die Zweifel an der Konjunkturstärke und den Wirtschaftsreformen auf dem Subkontinent gehen inzwischen so weit, dass Indien als erstem Land der BRICS der Rückfall auf Ramschniveau droht. “Wird Indien der erste BRICS-Engel, der fällt ?”, fragt Standard & Poor´s am Montag in einem Bericht, in dem die Kreditwächter warnen, Indien könne seinen Status als beliebtes Zielland für ausländische Direktinvestitionen einbüßen.

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Name June 12, 2012 at 02:50

Es schreibt sich “Elefant”, nicht “Elephant”.

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markusgaertner June 12, 2012 at 05:36

… das kommt davon, wenn man 15 Jahre im englischsprachigen Ausland lebt und nur von “elephants” liest und hört und nicht mehr die Rechtschreibprüfung einschaltet, weil die Zeit knapp ist … DANKE – und viele Grüße

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Andreas Ludwig June 12, 2012 at 06:53

Es schreibt sich delfin und nicht delphin. Egal wie man Tiere schreibt. Sie gehören alle nicht zu der Gattung Klugscheisser :-)

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Raus aus Deutschland June 12, 2012 at 10:05

Damit es vollständig ist, hier eine Definition des Besserwissers welcher zur Gattung der Klugsch. gehört:

http://www.klugscheisser.de/info/besserwisser.html

Ja, die “deutsche” Gründlichkeit!

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markusgaertner June 12, 2012 at 16:34

… ist schon OK, der Hinweis war ja sachlich richtig und damit berechtigt, auch wenn ihn sich mancher von uns verkniffen hätte …. Viele Grüße

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Hans June 18, 2012 at 08:51

Die Neue Deutsche Rechtschreibung ist nicht zu befolgen. Die wissen schon selbst nicht mehr was sie wollen. Es gab so irgendwie 5 Nachreformen..

Hans

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Tom June 12, 2012 at 17:05

Gibt es hier jemanden, den diese Entwicklung wirklich überrascht? Mich nicht. Das einzig erstaunliche ist doch, dass es immer so lange dauert, bis die jeweiligen nationalen “Eliten” die Realität nicht mehr unter der Decke halten können.
Seit Monaten wurde hier dieses Thema derart kommentiert, dass es unweigerlich so kommen muss, wenn Länder wie China und Indien es versäumen, die eigenen Binnenmärkte zu erschliessen (was mit einer Kaufkraftverstärkung = höhere Löhne einhergehen müsste, was schliesslich zwangsläufig den Export beeinträchtigt durch die höheren Lohnkosten. Die Abnehmer-Länder gehen allmählich in die Knie was den Konsum angeht. So ist es eben, wenn Handelsbilanzen derartige Gefälle aufweisen. Und so ganz nebenbei: Den offiziellen Zahlen aus China glauben zu schenken kommt dem Glaube an den Realitätsgehalt der Lebensgeschichte von Harry Potter gleich. Mittlerweile sollte ein jeder wissen, dass sich China sein “Wirtschaftswachstum” zu einem grossen Teil mit der Errichtung von Geisterstädten “erkauft” hat.

Gruss
Tom

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Seemann June 13, 2012 at 13:51

Ich glaube, hier wird vorschnell jubiliert von denjenigen, die sich vor der Konkurrenz aus Asien fürchten. Zumindest China hat Amerika gelinde gesagt Wirtschaftlich an den Eiern gepackt, und beide Länder haben eine Ressource, die sie so entschlossen wie Rücksichtslos in die Waagschale werfen: Manpower. Da it es auch gar nicht so wichtig, wenn bei vielen die Qualifikation nicht so gut ist, Hautpsache die Elite bleibt fähig, alles zu steuern.

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Tom June 13, 2012 at 15:46

Die Elite steuert hier in den USA gar nix! Wenn die steuern würden, würden die nicht die Produktion für Dinge und Marken, die ausschliesslich für den US-Markt interessant sind, ins Ausland verlagern und sich anschlessend wundern, warum die Leute daheim nicht mehr in der Lage sind, diese Waren zu kaufen, nachdem durch solche Aktionen 5,5 Mio Jobs verloren gegangen sind.
China mag die USA an den Eiern gepackt haben, aber offensichtlich haben die Chinesen die eigenen Balls gleich mit erwischt. Wenn der Ami diesen “Made in China”- Schrott nicht mehr kaufen kann, dann fangen die chinesischen Eier eben auch an, zu schmerzen! Und soweit sind wir mittlerweile hier….

Gruss
Tom

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