“Wo ist das Ende im Gelände?” – Die schrecklichste Wette von allen

by markusgaertner on 14/06/2012 · 24 comments

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Die Renditen der Wackelländer in Europa steigen weiter. Der US-Arbeitsmarkt schächelt zunehmend: In der vergangenen Woche kletterten die Erstanträge für Arbeitslosenhilfe um 6000 auf 386000. Die Wahl in Griechenland am kommenden Sonntag verunsichert. Der wachsende politische Streit in der EU verunsichert. Das Zögern und “Blocken” der Regierung in Berlin verunsichert. – Aber der Offenmarkt-Ausschuss der Fed tagt kommende Woche am 19. Juni.

Das ist der Grund, warum die Wall Street heute alle Sorgen einfach ausblendet und der DOW sich mit +112 Punkten zwei Stunden nach Handelsbeginn nach oben auf und davon macht. Anleger und Investoren feiern die steigende Aussicht auf – ACTION.

Doch was zeichnet sich wirklich ab ? Noch länger noch niedrigere Zinsen ? Wollen wir das wirklich ? Noch mehr Anreize für die Regierungen, sich zu verschulden ? Noch weniger Chancen für private Sparer, ihr Geld zu verteidigen ? Noch geringere Motivation für die Banken, Geld an Mittelständler auszuleihen und stattdessen im Risiko mehr Rendite zu suchen ? Einen Blick in den Abgrund dieser Logik haben wir gestern mit der Anhörung von JP Morgan-CEO Jamie Dimon im Bankenausschuss des US-Senats bekommen.

Gerade habe ich in Bloomberg-TV den Bekannten Bankenanalysten Richard Bove gesehen. Er schilderte die Folgen dauerhaft rekordniedriger Zinsen. Die US-Banken haben im Verhältnis zu ihren Aktiva derzeit so viel Kapital wie seit 1938 nicht mehr. Sie sitzen auf mehr Liquidität als in den vergangenen 30 Jahren.

Das heißt ganz klar: Geld ist da. Aber es setzt eine schreckliche Magie in Gang.

Es spült die Preise für Nahrung, Energie, Metalle und andere industrielle Zutaten in die Höhe. Es verteuert unser Leben, es nimmt Anreize zum Sparen und leitet die Ersparnisse privater Haushalte verstärkt in harte Assets, siehe den Immobilienboom in Deutschland. Es motiviert die Regierungen, sich noch mehr zu verschulden, was in den Banken noch mehr Schrottanleihen auftürmt, weniger Kredite in die Wirtschaft schleust und zu aufgeblähten Depots bei den Notenbanken führt.

Im Klartext: Das viele Geld kommt nur begrenzt in der Wirtschaft an, verleitet zu höheren Risiken beim Investieren und es treibt unsere Kosten für die Lebenshaltung in die Höhe. Wer mir jetzt kommt und auf die aktuell “sinkenden Inflationsraten” verweist, dem werde ich meine jährlichen Kostenaufstellungen für Benzin seit 2005 schicken.

Hier eine Leserzuschrift von heute morgen:

Herr Gott Sack wo geht denn das ganze Geld hin? Es muss doch irgendeiner mit seinem Arsch da drauf sitzen. Bei den Banken kann es doch nicht sein. Die sind doch alle pleite … sagen sie … und das Rad dreht sich immer schneller. Ich schau schon jeden Tag auf mein Konto ob es noch da ist. Und nicht in Spanien. Würde mich auch nicht mehr wundern. Wir haben in den 80gern mit Zahlen hantiert, die sind ja gegen jetzt Portokasse. Ich habe so den Eindruck, die schieben das Geld im Kreise rum. Machen ja GmbHs die zusammengehören ja auch nicht anders um ihre Insolvenz zu verschleiern. An alle Mathematiker: Wo ist dann irgendwann rein rechnerisch Ende im Gelände? Wie lange kann man den Exitus so herauszögern in Tage, Monate und Jahre?

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