Nur Tage für die Rettung ? Schleusen der Notenbanken knarren schon

by markusgaertner on 15/06/2012 · 2 comments

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Es „bleiben vielleicht nur noch Tage für eine umfassende politische Antwort“, erklärt PIMCO-Chef Bill Gross am Freitag Nachmittag im TV-Sender CNBC mit Blick auf die Wahl in Griechenland und die sich ausbreitende Rezession in der Eurozone. Ganz klar: An der Finanzmärkten herrscht Großalarm.

Seit dem Donnerstag kursiert ein Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, wonach Offizielle der G20 bestätigt haben, dass sich die führenden Notenbanken auf eine gemeinsame Intervention vorbereiten, wenn nach der Wahl in Griechenland die Wogen an den Finanzmärkten hochschlagen.

Zeichen für diese Bereitschaft gibt es seit Tagen. Die Bank of England schleust zusammen mit der britischen Regierung umgerechnet 155 Mrd. Dollar in das Bankensystem auf der Insel. Verschiedene Top-Leute bei der Fed in den USA signalisieren seit Tagen, dass sie sich auf eine neue Runde aggressiver Geldpolitik vorbereiten. Darunter Ben Bernankes Stellvertreterin Janet Yellen, die „Spielraum für weitere Maßnahmen“ sieht. Und in Europa hat am Freitag EZB-Präsident Mario Draghi zu Protokoll gegeben, dass er bereit sei, Liquidität anzubieten, „wo es notwendig ist.“

In den USA macht derweil die Fed ihre Entscheidung über eine weitere ultra-lockere Geldrunde (QE3) vom Konjunkturausblick abhängig. Ben Bernanke sagte vor einer Woche im Kongress, die „zentrale Frage“, mit der sich die Notenbank bei ihrem nächsten Treffen am kommenden Dienstag und Mittwoch auseinander setzen müsse, sei, ob das BIP-Wachstum schnell genug sei, um „materiellen Fortschritt“ am Arbeitsmarkt zu erzielen.

Doch am Jobmarkt in den USA gibt es serienweise schlechte Nachrichten. Die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe stieg in der vergangenen Woche wieder an. Seit drei Monaten werden fortlaufend weniger neue Arbeitsplätze in der US-Wirtschaft geschaffen. Die Umsätze im Einzelhandel gehen seit zwei Monaten in Folge zurück. Dasselbe gilt für die Auftragseingänge der Industrie. Am Immobilienmarkt nehmen die Zwangsversteigerungen wieder zu und drücken auf die ohnehin am Boden liegenden Preise.


Das Vermögen der privaten US-Haushalte hat schwer unter dem Kollaps am Immobilienmarkt gelitten. Die Häuserpreise sind in den vergangenen drei Jahren um 40% gefallen. Der BIP-Zuwachs fiel mit nur noch 1,9% im ersten Quartal enttäuschend aus.  Am Mittwoch beklagte sich Finanzminister Timothy Geithner, die Dümpelkonjunktur könne mit nur 2% Wachstum nicht genügend neue Jobs schaffen. Doch für Barack Obama nähert sich der Wahltag im November.

Der Rückschlag für die ohnehin schwache „Erholung“, die diesen Namen angesichts der Steroide aus der Fed – und der vielen Suppenküchen-Besucher – nicht verdient, bedroht Obamas Wiederwahl. Heute wurde von der University of Michigan ein scharfer Rückgang der Konsumlaune in den USA berichtet. Das Barometer fiel von 79,3 auf 74,1 Zähler. Das ist der schwächste Wert in diesem Jahr. Und es ist der erste monatliche Rückgang seit dem August 2011.

Mehr noch: Einige Wall Street-Banken drosseln seit Tagen ihre Prognosen für das BIP-Wachstum der USA im laufenden Quartal. Die Hoffnung auf sich selbst tragendes Wachstum schwindet. Goldman Sachs hat seine Prognose für das Wirtschaftswachstum der USA im laufenden Quartal in dieser Woche von 1,8% auf 1,6% gesenkt. Morgan Stanley nahm ebenfalls die Vorhersage etwas zurück, von 2,0% auf 1,8%. Die Credit Suisse senkte über die US-Konjunktur im zweiten Quartal ebenfalls die Daumen – sie drosselte ihre BIP-Prognose von 2,5% auf 2,2%.

In der Eurozone trübt sich das Konjunkturbild derweil weiter ein. Die Industrieproduktion fiel im April laut Eurostat um 0,8%. Und im ersten Quartal nahm die Zahl der verfügbaren Jobs erneut ab. Gegenüber dem vierten Quartal 2011 fiel die Beschäftigung um 0,2%. Das war das dritte Quartal in Folge mit einem Rückgang. Laut Eurostat plumpste die Beschäftigung in Griechenland um 8,7%, in Spanien um 3,7%. Nur in Frankreich und Deutschland nahm sie leicht zu. Ein weiterer Beleg für die wachsende wirtschaftliche Teilung des Kontinents. – Und im April fielen die Importe – wie wir heute erfuhren – gegenüber dem Vorjahr 0,1%. Saisonbereinigt gingen die Einfuhren gegenüber dem März sogar um 3% zurück.

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