USA – Der GAU kommt aus dem Hinterland

by markusgaertner on 28/06/2012 · 38 comments

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Mit Stockton in Kalifornien hat das finanzielle Fallbeil die bisher größte US-Stadt getroffen. Der Immobilieninfarkt und überzogene Rentenzahlungen haben die 300.000-Einwohner-Stadt ruiniert. Die Flucht in das Pleiterecht ist da und eine entbehrungsreiche Zukunft steht bevor.

Die Gespräche mit den Gläubigern sind gescheitert, der Stadtrat von Stockton hat mit sechs zu eins Stimmen für die Flucht unter Amerikas Pleiteparagraphen Chapter 9 votiert. Mit 300.000 Einwohnern ist es die größte Stadt in der Geschichte der USA, die finanziell das Handtuch wirft. Jetzt greift ein Nothaushalt mit drastischen Einsparungen, der sogar Zuschüsse für die medizinische Versorgung der pensionierten Stadtbeamten streicht, um ein Etatdefizit von 26 Millionen Dollar zu schließen.

“Es zerreißt mir das Herz, wenn ich an die Folgen denke, aber ich sehe keine andere Möglichkeit mehr”, sagt die Bürgermeisterin Ann Johnston in der Stadt 135 Kilometer östlich von San Francisco fast schluchzend. Stockton ist seinen Gläubigern schon seit Februar etwa zwei Millionen Dollar auf seine Anleihen schuldig. Der Antrag für Chapter 9 ist jetzt nur noch Formsache.

Die Stadt wurde ein Opfer von unkontrollierter Verschwendung, großzügigen Pensionen und Zulagen für die Stadtbeamten sowie weitreichenden Zugeständnissen an öffentliche Gewerkschaften. Hinzu kam ein scharfer Rückgang bei den städtischen Einkünften, weil der ehemals aufgeschäumte Wohnungsmarkt kollabierte und das Immobiliensteueraufkommen dezimierte. Kaliforniens Tech- und Immobilienboom hatte die einst landwirtschaftlich geprägte Stadt im “Central Valley” zu einer Schlafsiedlung für Topverdiener mit Büros im Silicon Valley und der San Francsico Bay gemacht. Vorbei.

Das US-Magazin “Forbes” kürte Stockton jüngst zur “elendsten Stadt der USA”. Die jährlich vergebene Schmähung sicherte sich Stockton nun zum zweiten Mal in den vergangenen drei Jahren.

Mehr dazu in meinem heutigen Bericht im Manager Magazin

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