Mauergefühle – Fahren wir noch darauf zu, oder prallen wir schon ?

by markusgaertner on 03/07/2012 · 22 comments

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Eine wichtige Randbemerkung vorweg: Der Bürgermeister von Anchorage in Alaska, Dan Sullivan, hat am Sonntag ein seltenes Beispiel von Flexibilität in der Politik gegeben. Man findet das sonst nur noch bei kniffligen Spezial-Angelegenheiten, zum Beispiel wenn in Dienst-Jets Teppiche aus Kabul eingeflogen werden. Sullivan weilt bis zum 16. Juli mit seiner Familie auf Hawaii.

Weil die Stadtgesetze in Anchorage von einem frisch gewählten Bürgermeister verlangen, am 1. Juli den Amtseid abzulegen, zog sich Sullivan am Sonntag ein Hula-Hoop-Röckchen über, fand sich bei einem Insel-Notar ein, und ließ per Satellit eine Video-Verbindung ins ferne Anchorage herstellen.

Dort verlas im Rathaus ein Richter den Amtseid, den Sullivan auf der fünf Flugstunden entfernten Insel brav nachsprach, bevor er sich mit einem schallenden “Aloha” verabschiedete.

Tja, so einfallsreich können Politiker sein. Wenn sie wollen. Und so falsche Prioritäten wie Sullivan können sie auch setzen. – Drei Wochen Hawaii-Urlaub, wenn zuhause die Amtseinführung wartet.

Aber halt: Ist das nicht sogar ein Beweis dafür, wie abkömmlich Politiker in einem Zeitalter geworden sind, in dem Banken und andere große Firmen die Geschäfte in Rathäusern, Gouverneurs-Palais und Kanzlerämtern übernehmen ? Jedenfalls: Wenn man das Beispiel Sullivan auf Europa übersetzt, ist das mindestens wie Fußball gucken während eines G20-Gipfels

Zum ernsten Teil dieses Blogeintrags.

Wir stoßen langsam aber sicher an die ehernen Grenzen der wirtschaftlichen Physik. Die viel beschworene Mauer, auf die wir zufahren, wird zum ersten Mal erfahrbar. Es ist, als ob wir bereits die Aura der Ziegelsteine spüren, in die sich unser kollektives Schuldenvehikel demnächst mit enormer Wucht bohren wird.

Der Spielraum in der Schuldenkrise ist selbst für Populisten wie Francois Hollande so eng geworden, das Vertrauen in die Banken so gering, der umgehende Widerstand gegen Beschlüsse von EU-Gipfeln so rapide – und das Risiko einer gefährlichen Fehlentscheidung der US-Notenbank so akut – dass es jetzt verstärkt Offenbarungs-Eide hagelt.

Beispiel eins: Hollandes luftige Versprechen aus dem Wahlkampf werden von einem Milliardenloch im Budget regelrecht verschlungen, so, dass fast nichts davon übrig bleiben kann. Der französische “Cour des Comptes” hat gestern in seinem neuen Jahresbericht zwar enthüllt, dass er für die nächsten Jahre mit der Einhaltung der versprochenen Sparziele in Paris rechnet (von 5,2% des BIP in 2011, auf nur noch 3% in 2013). Doch hierfür, so die honorigen Erbsenzähler, müsse der neue Präsident ein 46 Milliarden Euro umfassendes Sparpaket schnüren.

Autsch ! Das entspricht 2,3% des BIP. Ein Wachstumspakt ? Eher eine Zwangsjacke.

Beispiel zwei: In Großbritannien sind laut führenden Kommentatoren Unehrlichkeit, Gier und kriminelle Machenschaften der führenden Banken dabei, den ganzen Wirtschaftsstandort auszuhöhlen und damit den Wohlstand des Landes zu untergraben. Besorgt wird in großen Zeitungen wie dem Telegraph (Jeremy Warner) bereits gefragt, welche Industrien das Geldgewerbe überhaupt ersetzen könnten.

Beispiel drei: Das Insel-Märchen von der US-Konjunktur, die ein Beben in Europa ohne größere Blessuren wegstecken kann, ist als solches entlarvt. Nur vier Handelstage vor Beginn der nächsten Bilanzrunde an der Wall Street (Alcoa, am 9. Juli) meldet der Spezialist für Konjunkturdaten – Markit – dass der Einkaufsmanager-Index für das Verarbeitende Gewerbe der USA im Juni mit 52,5 Zählern das geringste Wachstum in 18 Monaten signalisiert.

Zudem lernen wir heute, dass die Zuversicht der Mittelständler in den USA im zweiten Quartal mit nur noch 92,8 Zählern einen regelrechten Absturz von 105,1 Punkten im ersten Quartal verzeichnet. Die Zahl stammt von Vistage International, einem Netzwer von kleinen und mittleren Unternehmen. Demnach erwarten nur noch 19% aller Unternehmer im US-Mittelstand für das zweite Halbjahr eine Erholung der Konjunktur. Im ersten Quartal waren das noch 30% gewesen.

Im Klartext: Die ökonomische US-Festung wird nun von der brandenden globalen Konjunktur-See sichtbar geschliffen. End of story für die Ritter der Yankee-Runde, die das Reich des ökonomischen Bösen tapfer und wie in Hollywood üblich – mit einem glatten Sieg – zurück schlagen wollten.

Beispiel vier: Noch bevor der letzte Analyst verstanden hatte, wie wenig detailliert und mit welcher Verzögerung bei der Einführung versehen das Gipfel-Dokument der EU vom Freitag aussah, drohte schon am Montag die mühsam ausgehandelte Rettungs-Strategie für Europas Wackelländer zur Makulatur zu werden. Finnlands Regierung unterstrich in einem Bericht an das Parlament in Helsinki, dass sie ihr Veto gegen Staatsanleihekäufe durch den Europäischen Rettungsfonds ESM einlegen will. Und in Berlin formiert sich sich innerhalb der Koalition Widerstand gegen “die Ausplünderung Deutschlands“, weil jetzt auch Hilfe für Zypern geprüft wird.

Ein reiches Land wie Deutschland kann viel verkraften und sollte mehr Opferbereitschaft zeigen, wie Helmut Schmidt findet, doch solche Appelle können nicht verhindern, dass im Wahlvolk – und jetzt selbst bei Parlamentariern – Schluckbeschwerden auftreten.

Beispiel fünf: Europa, vor allem Großbritannien, ist geschockt über LIBORgate, den Manipulations-Skandal rund um den wichtigen Referenz-Zinssatz zwischen Banken. US-Zeitungen halten sich in diesem billionenschweren Betrugs-Schocker auffallend zurück, wahrscheinlich weil eine europäische Bank (Barclays) die erste ist, die in diesem globalen Geldmafia-Raubzug genannt und mit einem teuren Vergleich “bestraft” wird.

Für mich ist ganz klar: Wenn jetzt kein Topbanker in den Knast wandert, dann hat unser gesamtes System jegliche Legitimität und Glaubwürdigkeit restlos verspielt. Aber es wird ja noch viel besser. Bevor der LIBORgate-Skandal sich voll und ganz über die Finanzspalten der Zeitungen dieser Welt ausbreiten kann, geht die zweite Atombombe krimineller Machenschaften im Banken-Universum hoch: Bloomberg berichtet heute Nacht europäischer Zeit, dass laut gerade frei gegebenen Dokumenten eines Bundesgerichtes in Manhattan Morgan Stanley im Jahr 2006 die Ratingagenturen Standard & Poor´s und Moody´s erfolgreich unter Druck gesetzt haben soll, um  für Schuldtitel, die mit Subprime-Hypotheken besichert waren, bessere Noten zu bekommen.

Demnach unterließen es Manager bei den Kreditwächtern, Investoren der Derivate über die Risiken der verbrieften Wertpapiere des Londoner Hedgefonds Cheyne Capital Management aufzuklären, weil sie nicht das lukrative Gebührengeschäft mit Morgan Stanley verlieren wollten. Der Prozess, um den es hier geht, soll laut Bloomberg einer der größten sein, die sich als Folge der Finanzkrise ergeben haben. Die entsprechende Klage wurde von der Abu Dhabi Commercial Bank in den Vereinigten Arabischen Emiraten eingereicht.

Es macht mich völlig sprachlos, welch abgrundtiefer, widerlicher Morast krimineller Machenschaften sich hier auftut. Es wird tonnenweise Belege und Zeugenaussagen geben, es werden ganze Landstriche abgeholzt werden müssen, um die Zeitungsseiten für die Berichterstattung darüber zu produzieren. Wir werden uns in der Blogger-Sphäre die Finger an den Tasten abwetzen, um das alles zu beschreiben.

Und wir ahnen, was dabei herauskommt. Wann wandert der erste Topbanker in den Knast. Wann wird der erste Nadelstreifenanzug für solche Machenschaften persönlich in die Haftung genommen, damit aus seinen Boni-Konten Wiedergutmachung geleistet werden kann ? Wann erleben wir das erste Machtwort von Regierungschefs in Europa und den USA, die diesem mafiosen Treiben besser Einhalt gebieten wollen ? Wann werden Boni gesetzlich verboten, solange so etwas aufgedeckt wird und solange Firmen Verluste schreiben oder Menschen entlassen ?

Wann werden unsere Regierungen Deckungsversprechen für Girokonten an jene Banken streichen, die mit den Einlagen ihrer Kunden (Steuerzahler) spekulieren ? Wann wird endlich eine Strafsteuer eingeführt, die Spekulation mit Nahrung und Energie belastet, oder – am besten – ganz verbietet ? Wann werden Haftungsversicherungen für Vorstände verboten ? Wann werden in Europa und den USA zusätzliche Staatsbanken gegründet, die nicht spekulieren dürfen, aber – um die vielen Gebühren für gierige Geschäftsbanken, und deren kriminelle Geschäfte, darunter die Manipulation von Zinsen zu sparen – Steuereinnahmen der Bürger als Einlagen halten und mehr Kredite an den Mittelstand vergeben ?

Hier wird der Bloomberg-Bericht zu einer richtigen Räuber-Klamotte: Morgan Stanley successfully pressured New York-based S&P to raise its rating on some of the Cheyne securities, according to the plaintiffs. After Lapo Guadagnuolo, an S&P employee, told Morgan Stanley that some of the securities would get BBB ratings instead of the desired A grade, a banker e-mailed his boss and said the ratings were “very inappropriate.” S&P then agreed to give the higher rating.  Morgan Stanley earned fees totaling as much as $30 million when the Cheyne notes were issued, according to the documents.

Beispiel sechs: Die Algo-Computer zerstören Marktmechanismen und Börsen, sie sabotieren die effiziente Allokation von Kapital, indem sie einer verschwindend kleinen Minderheit von elektronisch gestützten Super-Tradern einen uneinholbaren Formel 1-Vorteil gewähren. Dieser erlaubt es ihnen, alle anderen am Markt über den (Computer)Tisch zu ziehen.

Dazu gibt es im Internet einen interessanten Podcast des Algo-Experten Joe Saluzzi. Das High Frequency Trading (HFT) wie die totale Eskalation in der Trading-Branche genannt wird, hat praktisch den kompletten Wertpapierhandel durchsetzt. Der Marktanteil der Supersonic-Parasiten am Handelsvolumen der Börsen hat 50-70% erreicht. Nur 2% der Händler repräsentieren an manchen Börsen bis zu 80% des Umschlags. Hier werden Millisekunden gegen minutenlange Telefon-Warteschleifen beim Berater der örtlichen Sparkasse gehebelt. Selbst mit Online-Konten und Realtime-Daten besteht hier keine Chance mehr, einen Vorteil gegen die Überschall-Trader zu erlangen.

Das ist Concorde-Kasino gegen Vespa-investieren, algo-Blitzkrieg statt effiziente Preisbildung. Pervertierte Kapitalmärkte, für ganz irdische, unbändige Gier. Mit fairer Preisbildung und Mechanismen eines freien Marktes hat das so wenig zu tun wie Kannibalismus mit humanitärer Gesinnung. Hier geht es zu dem Podcast:


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{ 19 comments… read them below or add one }

Tom July 3, 2012 at 01:58

Dem Hollande laufen seine Bürger davon, zumindest die Reichen:
http://www.welt.de/politik/ausland/article107675001/Reiche-Franzosen-fluechten-aus-Angst-vor-Hollande.html
Der Rest wird sicherlich fürchterlich sauer werden, wenn er merkt, dass die grosse Giesskanne kein Wasser ausspucken wird. Aber was solls, mit Merkozy oder Sarkozel hat er ja zwei Sündenöcke vom feinsten!

Irgendetwas stimmt nicht an Deinem 2. Beispiel, Markus ! Sicherlich nur wieder so ein Propagandatrick von Dir :-D ! Anders kann es nicht sein, denn die grundehrliche, objektive und propagandafreie Springerpresse hält uns GB mitsamt der Londoner City als leuchtenden Stern am trüben Euro-Himmel vor, von dem es zu lernen gilt:
http://www.welt.de/debatte/kommentare/article107664011/Grossbritannien-ist-das-neue-Vorbild-fuer-Europa.html
Sollen wir nun alle lernen, gierig zu sein und zu bescheissen, oder war der Artikel nur an die Adresse der Euro-kontinentalen Eliten gerichtet? Hm, nur ich dummer kleiner Bürger kann mich nicht entscheiden. Soll ich nun lachen, heulen oder kotzen?

Zu guter letzt noch eine Erwähnung der Mutti Merkel. Die wundert sich neuerdings sogar öffentlich, wie doof ihr Volk doch eigentlich ist: http://www.facebook.com/l.php?u=http%3A%2F%2Fwww.stern.de%2Fpolitik%2Fdeutschland%2Fmerkel-ueber-deutsche-sorglosigkeit-verwundert-1849746.html&h=WAQGKyM8Z
Man müsste meinen, es wäre unvorsichtig von ihr, sowas rauszuposaunen! Hehe, nein, keineswegs! Ich hab diesen Link heute im Facebook gepostet, mit ner entsprechenden Bemerkung dazu! Ratet mal, wieviele “Freunde” diesen Link zur Kenntnis genommen haben! :-D

Gruss
Tom

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markusgaertner July 3, 2012 at 03:39

80 Millionen ? (Oder wieviele Bundesbürger gibt es ?) ….

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Tom July 3, 2012 at 03:57

:-D :-D
Willst Du “Optimist des Jahrhunderts” werden?

Gruss
Tom

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markusgaertner July 3, 2012 at 17:52

bin ich das nicht schon gut erkennbar ?

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HaPennyBacon July 3, 2012 at 04:38

Die City of London erinnert mich an diesen Spruch:
“Give a man a gun and he can rob a bank… give a man a bank and he can rob the world.”
Mehr muss man dazu auch eigentlich nicht sagen.

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Grinario July 3, 2012 at 05:10

“Und in Berlin formiert sich sich innerhalb der Koalition Widerstand gegen “die Ausplünderung Deutschlands“, weil jetzt auch Hilfe für Zypern geprüft wird.

Bei solchen Meldungen frage ich mich, wie ernst sie noch zu nehmen sind oder ob das nicht auch zur Show gehört, sozusagen als Regieanweisung: ab und zu muss einer der Abgeordneten der Koalition auch mal was Kritisches sagen.
Was haben die denn in Berlin gedacht, als sie mit großer Mehrheit diesen ganzen Rettungspaketen, -schirmen, -fonds zugestimmt haben? Dass jetzt alles gut wird? Dass jetzt alle sich am Riemen reißen und keiner mehr wegen neuer Knete anklopft? Nach diesem Katastrophenwochenende gehts doch erst richtig los.

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Christian A. Wittke July 3, 2012 at 05:47

Good Night and then Moin nach dem Pacific Ocean!

Zu Ihrem Beispiel fünf und Liborgate: LIBOR steht für “London interbank offered rate“, ein Zinssatz, der täglich durch die British Bankers’ Association bestimmt wird und mit denen kurzfristige Kredite zwischen den Banken verzinst werden. Armes, schönes, altes London wo es doch der Tory Lieblingskind, die City, gerichtet hat; aber CIBOR gab es schon und witzigerweise sitzen in dessen Bestimmungsgremien wieder dieselben Banksters, wenngleich diesmal in Copenhagen.

Apropos Gangster: in dem den LIBOR fixenden Gremium sitzen Vertreter vieler Banken: deswegen auch British Bankers‘ Association: Die geben sich selbst und täglich einen Fix; das ist viel mehr als niedliche Ziegenböcke zu Gärtnern (…solche mit Rosen und im Garten!) zu machen! Wenn die sich dann, natürlich ganz unverhofft, selbst bedienen dann ist das perverse, parasitäre Inzucht und wenn ich solch‘ Vertreter dieser Zunft seit Jahren zur Unterscheidung mit dem Begriff Banksters bezeichne ist das noch viel zu harmlos!

Ich verweise wieder auf James K. Galbraith , der schon 2008/09 sinngemäß sagte:


I
Solange die alten Banker dran sind, ändert sich nichts!


II
Es gab Systemfehler; aber das schließt kriminelles Tun nicht aus.


III
Eine insolvente Bank hat kein Interesse am eigentlichen Bankgeschäft, sie pervertiert ihre Zielsetzungen!

Gewissermaßen zur Krönung des Ganzen Schlamassels, einer Währung, die keine ist und ein Europa, das keiner will, sollen wir jetzt die Notgründung der USE, der United States of Europe, mittragen und mitgestalten, so wie es der eigentlich von mir sehr geschätzte Herr Schmidt, Ihr Beispiel vier, uns vorgeben möchte; das geschieht nicht nur im Moment kollabierender Märkte bzw. ganzer Wirtschaften, einer nicht funktionierenden sogenannten Einheitswährung und auf Basis all-über-all gebrochener Verträge sondern dieser Notnagel wird auch begleitet von hoch kriminellen Machenschaften, wobei der LIBOR uns wie die oberste Spitze der Spitze des Eisberges erscheinen werden wird.

Was soll das werden?
Eine Zwangs- oder Scheinehe zur Wahrung der Banksters’ Ehre?
Wohl doch eher eine Todgeburt beim Prall gegen die Mauer!

caw

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Nina July 3, 2012 at 06:22

Der wichtige ISM Einkaufsmanger (USA) – Index fiel im Juni unerwartet von 53,3 auf 49.7
Ab 50 Punkten kann mit einem Wachstum der Wirtschaft gerechnet werden. :-(
Der Change geht voll in die Pampers.

AK Schmidt übt massiven Druck auf das Bundesverfassungsgericht zu ESM aus.
Ungehäuerlichkeit.

Sie bewegen sich im Panik-Modus.
Wenn der Politiker (AK Schmidt), den Ökonomen (Sinn) belehren will. :-)
Mit Gabriel und Co. weiß nun jeder nochmals, was uns zuerwarten hat.

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TSTM July 3, 2012 at 10:26

Hallo Nina,

der aktive Kauder ist da nicht besser, und AK S. hat uns ja in seiner Amtszeit mit aller Gewalt die atomaren Mittelstreckenraketen nach Westzone gebracht, für`n Sozi nicht schlecht. Jetzt setzt er sich für Finanzfusionsbomben mit globalem Vernichtungspotential ein, ist nur konsequent.

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Distiller July 3, 2012 at 08:42

Nice. Und wann werden die Banken verstaatlicht (sind ja durch ihre Rolle in der Geldschöpfung ohnehin nicht als private entities anzusehen)? Oder sind wir schon über den point-of-no-return hinaus? Was dann? Revolution?

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markusgaertner July 3, 2012 at 17:51

… deren Verstaatlichung fordere ich hier schon lange, bekomme immer Prügel, fühle mich aber jeden Tag mehr bestätigt. Die Rechnung ist inzwischen enorm hoch, falls das passiert, aber besser als ein Fass ohne Boden, durch das immer höhere Beträge ins Universum geblasen werden. Die Banken sind jetzt der gordische Knoten. Wer hat das Schwert zum Durchschlagen ? … Viele Grüße

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Tarik July 3, 2012 at 10:09

Herr Gärtner, sie haben sich in einen Wahn geschrieben – und zwar völlig zu Recht. Anders kann man nicht mehr darauf hinweisen, dass die Welt aus den Fugen gerät.
Zitat: “Das ist Concorde-Kasino gegen Vespa-investieren, algo-Blitzkrieg statt effiziente Preisbildung. Pervertierte Kapitalmärkte, für ganz irdische, unbändige Gier. Mit fairer Preisbildung und Mechanismen eines freien Marktes hat das so wenig zu tun wie Kannibalismus mit humanitärer Gesinnung.”
HERRLICH!!

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TSTM July 3, 2012 at 10:31

zu “die Ausplünderung Deutschlands“:

Ist doch nur ein Werbegag, ich glaube die brauchen 2,4 Mrd. €, also einen Fingerhut voll aus dem EU-Tümpel.
Da hat mal wieder jemand die Profilierungssucht gepackt, nicht mehr.

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dank July 3, 2012 at 12:20

Werden die meisten eh gesehen haben. Gestern abend in ARD – schön zusammengefasst und hochoffiziell, im Kern korrekt: “Der große Euro-Schwindel”

http://mediathek.daserste.de/sendung-verpasst/11016600_der-grosse-euro-schwindel/11016614_der-grosse-euro-schwindel-wenn-jeder-jeden?datum=20120702

Aber bitte Vorsicht – das war bis vor ca. 3-4 Jahren noch eine sehr böse VT über Finanz und Politik. ;-)

Und im Stile der ín der Sendung gezeigten Vorgänge geht es munter weiter mit ESM, FP, Euobon(d)s,… bis FINE. Finance-Industry-Nature-End.

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Hans Kolpak July 4, 2012 at 10:22

Banken und Staaten, das sind zwei Gruppen von Drogensüchtigen, die miteinander Geschäfte machen. Das funktioniert genauso gut wie mit Religionen und Staaten. Und alle spielen guter Bube und böser Bube. Wenn ich mein Eintrittsgeld nicht überweise, spüre ich die Staatsgewalt. Nicht einmal ein “Schurkenstaat” kommt gegen diese Spiele an. So what?

Hans Kolpak
Deutsche ZivilGesellschaft

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Hans July 5, 2012 at 21:05

“Boni”? Die sind doch nicht die Ursache der Problem noch das Verwerflichste, was hier geschieht. Sie sind besonders nicht die Ursache der Geldschöpfung und des FED-Bank-Staat-Finanzierungssystems, bei dem die Banken leistungslos Gewinne abschöpfen. Bei einer angenommenen (mit) 10% (hohen) Kernkapitalquote einem Staats-Bond mit (moderaten) 3 % Jahresverzinsung beträgt der Gewinn 30%. IM JAHR! Wen interessieren denn die Boni?
Bei einem Jahreszins von 6% und einer Kernkapitalquote von 5% beträgt der reale Gewinn 120% im Jahr. IM JAHR!
Und dann werden die Banken durch den Steuerzahler, der diese Gewinne bezahlt, auch noch gerettet. GERETTET.

Das ist eine Unglaublichkeit, gegen die die LIBOR-Zockungen kleine Fischchen sind.

Dieses System muß man jedes mal ansprechen, wenn man Einkaufen geht, wenn man Umsatzsteuer zahlt, wenn man hohe Energiepreise zahlt, wenn man seine Sozialabgaben und Einkommenssteuern zahlt. Denn das Geld verschwindet im Wesentlichen genau dort.

Aber das ist in Wirklichkeit noch erträglich. Was uneträglich ist, ist die Frechcheit mit der man angelogen wird, mit der unsere Politiker diesem System dienen, wie dieses System den Politikern dient.

Aber auf die Manager zu schimpfen, ist einfach, auch wenn es natürlich zutreffend ist, auf die Banken selbst zu schimpfen auch. Aber wer spricht denn aus, an wen die Gewinne der Banken als Dividende ausgeschüttet werden? Wer sind die Gesellschafter? Wer hat soviel Macht, ein solches System am Leben zu erhalten, dessen Anlage von Anfang an ein Spiel auf Zeit war, weil das Prinzip des Zinseszinses nunmal endlich ist?

Ja, es ist natürlich richtig, auf die Ungesetzlichkeiten zu schauen und ich will den Mut nicht kleinreden, der dazugehört, sich auf die “andere” Seite zu stellen. Aber diese Gesetzesverstöße sind nicht sonderlich entscheident. Entscheident ist, was gesetzmäßig ist, und doch in einer anständigen Ordnung des Zusammenlebens niemals rechtmäßig sein kann und sein darf. Das sage ich als ausgesprochen realistischer Konservativer. Das christliche Zinsverbot hatte einen Sinn. Und die faktische Abschaffung des Christentums erscheint mir aus Sicht derjenigen, die davon profitieren, als ebenfalls sehr zweckmäßig. Das beide Phänome historisch Hand in Hand gingen, ist wohl mehr als ein Zufall.

Aber es ist. Und es wird getragen und unterstützt von der ganzen Politik in alen westlichen Ländern.

Die paar Steuern, auf die kommt es mir nicht an, auch wenn sie 70% meines Einkommens fressen. Aber auf die unendliche Frechheit, mit der wir wie Vieh dem Zins-Schuld-System zu dienen haben, der zusätzlich zu den Steuern über die Privatschuld in jedem Preis enthalten ist, die extreme Frechheit mit der wir von “unseren eigenen” Politikern verkauft werden, das ist unverzeihlich. Nicht nur die paar kleinkriminellen Bänker gehören bestraft, sondern diejenigen, die das System etablierten und es täglich erhalten.

Und ein Helmut Schmidt (dessen Ziehvater der Bankier Warburg war) zieht nun im hohen Alter seine sozialdemokratische Maske ab, wie es zuvor sein Zögling Steinbrück mit der Forderung nach Eurobonds getan hat. Der Arbeiter soll mit seinen Steuern den Bankiers nicht nur die Zinsen zahlen, sondern auch ihre Fehlspekulationen ersetzen.

Da bleibt mir die Spucke weg. Für mich ist das der Aufwachknall.

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markusgaertner July 6, 2012 at 00:13

Hans im Zorn – Ich kann Sie gut verstehen … Viele Grüße

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Hans July 6, 2012 at 09:57

Daß der Staat über seine Zentralbank die Privatbanken mit billigem Geld exklusiv subventioniert und diese es dann zu einem deutlich höheren Zinssatz an denselben Staat zurückverleihen, ist eine Perversion. Daß die Banken bei diesem Taschenspielertrick nicht willens waren, sich bei diesen exorbitanten Gewinnen mit einer Kernkapitalquote zu versehen, die sie bilanzrechtlich stabilisieren würde, aber die Gewinne pro eingestzem Kernkapital natürlich schmälert, ist die nächste Frechheit. Denn die Folge ist die “Systemrelevanz”, also die Tatsache, daß eine Bank, die im wirklichen Leben Insolvenz anmelden müßte, statt dessen mit weiteren Steuerzahlergeldern am Leben erhalten wird.

Ihr Vorschlag der Bankenverstaatlichung ist sachlich einfach zutreffend.

Ich habe mich in der Vergangenheit für recht informiert gehalten. Daß mir diese simple Funktionsweise nicht bekannt war, zeigt erst, wie wenig wir Menschen in diesem ach-so-demokratischen Staat wirklich in Schule und Studium informiert werden. Aufklärung? Hat sich was!

Ich freue mich, daß ich Ihren Blog gefunden habe! Ich vermute, daß mein Weltbild sich insofern ändert, als ich diese Perfidie eigentlich nicht für möglich gehalten habe. Auf der einen Seite verstärkt dies mein sehr realistisches Menschenbild, zum anderen werde ich darauf achten, daß mein Konservativismus ein schlichtes “Immer-weiter-so-es-hat-schon-alles-seine-Richtigkeit” sein kann. Als historisch Interessierter frage ich mich, wie es zu den Machtverhältnissen kommen konnte, ein solches System zu etablieren. Mit Demokratie kann das im Ansatz nichts zu tun haben, höchstens in einem formalen Sinne.

Mit freundlichen Grüßen zurück nach Übersee!
Hans

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Hans July 6, 2012 at 10:03

“… ein schlichtes “Immer-weiter-so-es-hat-schon-alles-seine-Richtigkeit” NICHT sein kann”, meinte ich.

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