Informanten auf dem Vormarsch – Traumberuf “Whistleblower”?

by markusgaertner on 09/07/2012 · 8 comments

2012-03-12_1912

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Sie helfen bei der Aufdeckung des Libor-Skandals. Sie haben milliardenschweren Betrug gegen Tausende von Hypothekenkunden bei Zwangsversteigerungen in den USA entlarvt. Sie verraten, wie Airlines am Gate unter Verstoß gegen Bestimmungen der Luftfahrtbehörden schummeln, damit die Jets länger in der Luft bleiben und Geld verdienen.

Und sie sind eine wichtige Informationsquelle für den vielleicht größten Skandal, in den Barack Obama nach fast vier Jahren Amtszeit verwickelt ist: Waffenverkäufe nach Mexiko, um anhand der beobachteten Lieferwege die gefährlichen Drogenkartelle besser aufzuspüren.

“Whistleblower” – zu Deutsch Informanten – haben vier Jahre nach der Finanzkrise Hochkonjunktur: Dank finanziell und personell überforderten Marktaufsehern, dank grassierender Korruption sowie dank steigender Prämien für ihre Informationen und einem verbessertem Schutz vor Repressalien der Arbeitgeber, deren Machenschaften sie aufdecken. Immer mehr “Pfeifenmänner” – und -frauen – trauen sich, Behörden, Abgeordnete und Gerichte zu informieren, wenn private Firmen oder staatliche Stellen Gesetze brechen und gegen das Interesse der Gesellschaft handeln.

Das gilt zunehmend auch für die Wall Street. Die Finanzmarktreform von 2010 – das Dodd-Frank-Gesetz – hat dazu geführt, dass die Börsenaufseher bei der Securities and Exchange Commission (SEC) jetzt Geld für Informanten ausloben. Wenn Ermittlungen gegen Börsenbetrüger zu Gerichtsstrafen mit mehr als einer Million Dollar Strafe führen, winken 10 bis 30 Prozent Belohnung in bar. Erstmals dürfen Insider Vorwürfe über ihren Anwalt auch anonym erheben. Eine Benachteiligung der Informanten am Arbeitsplatz ist per Gesetz verboten.

Im flauen amerikanischen Jobmarkt, wo die Arbeitslosenrate seit 40 Monaten über 8 Prozent verharrt, sind die Whistleblower – was die Beschäftigung angeht – ein neuer Traumberuf. Das jüngste Beispiel ist die 63jährige Anwältin Lynn Szymoniak aus Florida. Szymoniak ist eine von sechs Amerikanern, deren Insiderkenntnisse und Enthüllungen dazu führten, dass US-Staatsanwälte im April einen 25 Milliarden Dollar teuren außergerichtlichen Vergleich gegen die fünf größten Hypothekenbanken des Landes durchsetzen konnten: Die Bank of America , Wells Fargo , JP Morgan , die Citigroup und Ally Financial.

Die Geldhäuser hatten in ungezählten Fällen gefälschte Dokumente eingesetzt, um Forderungen auf Hypotheken zahlungsschwacher Hausbesitzer geltend zu machen und bei staatlichen Hypothekenversicherern einzutreiben. Szymoniak war vor vier Jahren selbst das Opfer einer Zwangsversteigerung geworden. Als sie sich in die umfangreichen Dokumente einarbeitete, offenbarte sich ein Sumpf.

Bei dessen Trockenlegung wollte sie als Spezialistin für Wirtschaftskriminalität unbedingt helfen. Vor wenigen Tagen hat sie als Prämie für ihren Beitrag zu dem milliardenschweren Vergleich vom April 18 Millionen Dollar bekommen. Das ist so viel wie Angelina Jolie auf Rang vier der bestverdienenden Hollywood-Divas jährlich einstreicht.

Weltweit machen Whistleblower dieser Tage Schlagzeilen. Mit Masaharu Hamada hat vor wenigen Tagen erstmals ein Informant eine Klage vor dem obersten Gericht von Japan gewonnen. Hamada hatte als Verkäufer bei Olympus Beschwerden von Lieferanten weiter gereicht, was den Managern bei dem Hersteller von Kameras und medizinischer Ausrüstung nicht gefiel. Hamada wurde intern versetzt und bekam Aufgaben, die nicht seiner Qualifikation entsprachen. 2008 verklagte er seinen Arbeitgeber.

Der fünf Jahre währende Rechtsstreit hätte ihn finanziell und seelisch fast ruiniert. In Japan wurde erst 2006 ein Gesetz zum Schutz von Informanten erlassen. Um rechtlich gegen den Arbeitgeber vorzugehen, konnte Hamada nicht kündigen, denn das Gesetz, das Informanten schützt, gilt nur für Angestellte. Hamada bekam Anfang Juli rund 28.000 Dollar für die Benachteiligungen, die ihm am Arbeitsplatz zuteil wurden.

Mehr dazu in meinem Bericht im Manager Magazin

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HaPennyBacon July 9, 2012 at 08:39

Nichts zum Thema aber schonmal zum Aufwärmen:
http://www.heise.de/tp/artikel/37/37230/1.html
Britischer Volkswirt gewinnt Preis für besten Euro-Ausstiegs-Plan

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die Simpsons July 9, 2012 at 10:11

Es könnten durchaus neue Berufe entstehen, nur ein wenig anders oder kreativer wie sich das die Politiker und Eliten vorstellen. In der Assekuranz z.B. läuten die Totenglöcklein. Ein großer weltweiter Versicherungsmakler plant Personalreduzierungen bzw. ist dabei.Die nachfolgenden Zahlen gelten für Deutschland.
50% Minus Schadenabteilung
60% Minus Vertragsabteilung
10% Minus Allgemeine Verwaltung

Die Zahlen kann man als Bankrotterklärung interpretieren. Die Massenentlassungen versucht man in der Branche fast schon verzweifelt zu verhindern. Wird aber nicht gelingen oder man redet mit Mutti, solange sie noch im Geschäft ist.
Wie armselig diese Branche sich mittlerweile outet, erkennt man daran, dass seit Mitte Juni Gesellschaften für das Jahresendgeschäft “trommeln”. Der Fokus liegt dabei auf Unisex, betriebliche Krankenversicherung und Pflege in allen erdenklichen Absicherungsmöglichkeiten. Man greift nach den letzten Vertriebsstrohhalmen. Nachhaltiges Geschäft sieht anders aus.
Kurze Erläuterung zum Unisex: die tarifgeschlechliche Kalkulation in der Kranken- und Lebensversicherung ist ab dem 21.12.2012 nicht mehr möglich. Ab diesem Zeitpunkt dürfen nur noch Unisextarife verkauft werden, versicherungstechnisch gibt es ab diesem Zeitpunkt keine Männer und Frauen mehr – nur noch Unisex.
Das heisst Männer werden teurer und Frauen nicht zwingend günstiger. Genaues weis man noch nicht, da man sich noch in der Kalkulationsphase befindet.

Und jetzt kommen wir zu einem neuen kreativen Berufsbild in der Assekuranz. Gehen wir davon aus, dass der ESM mit juristischen Finessen durchgewunken wird und in absehbarer Zeit seine Arbeit aufnimmt. Banken und im Schlepptau die Versicherungen können dann ungeniert auf Steuergelder zugreifen; bildlich gesehen direkt von meinem Konto abbuchen und mein Widerspruchsrecht habe ich im Rahmen des ESM nicht mehr. Der Rechtsstaat ist durch die Oligarchie ersetzt.
Wen Banken und Versicherungen sich bei mir ungeniert und gesetzlos bereichern warum soll ich so blöd sein und das nicht umkehren.
Der Kreativitätsinspektor für Banken und Versicherungen steht Ihnen hilfreich zur Seite. Mit ein wenig Phantasie und Kooperation sind die Beteiligten zufrieden zu stellen.

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Nina July 9, 2012 at 18:09

Raus aus dem Euro! – Rein in den Knast?
http://info.kopp-verlag.de/hintergruende/deutschland/christian-wolf/raus-aus-dem-euro-rein-in-den-knast-.html

Die wirkliche Erkenntnis der Welt beginnt nicht mit Vergnügen, sondern mit Schmerz, genauer gesagt mit Überwindung.
Liebe kann ohne Moral leben.
Moral ohne Liebe nicht.

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die Simpsons July 9, 2012 at 18:37

Geniessen wir die letzten Stunden/Tage der Demokratie bevor die Märkte (zu deutsch die Vermögenden) wieder jubeln und der DAX nach oben geht. Die Jubelorgie der Märkte heisst das Ermächtigungsgesetz, im Orwellschen Neusprech ESM genannt, willkommen. Die Demokratie weicht der Diktatur/Finanzoligarchie. Und so agieren die Demokraten:
http://www.welt.de/politik/deutschland/article108208802/Politiker-machen-Stimmung-gegen-Verfassungsrichter.html

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Joker July 9, 2012 at 19:04

Sehr schoen auf Querschuesse;

http://www.querschuesse.de/bundestagsprasident-norbert-lammert-und-die-%E2%80%9Esinn%E2%80%9C-krise-der-europaischen-krisenpolitik/

fuer die neue Leseliste!

Uebrigens, die FAZ ist heute gut drauf – nachschauen dringend empfohlen – die wachen langsam auf!

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Bernd July 9, 2012 at 19:24

Whistleblower sind auch nötig um die ganzen Psychopaten in der Finanzindustrie zu stoppen.

Studie: Jeder zehnte Wall Street-Mitarbeiter ist ein Psychopath
http://www.gegenfrage.com/wall-street-psychopath/

Das habe ich hier im Blog ja schon vor ein paar Tagen vermutet, endlich erhalte ich die Bestätigung. 10% Psychopaten an der Wall-Street, sicher ebensoviele in der City, da wundert es nicht dass die soviel Mist bauen, und so skrupellos vorgehen.

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Nina July 9, 2012 at 19:36

Frankreich macht vor, was in Deutschland gefordert wird
http://www.heise.de/tp/artikel/37/37232/1.html

Gleichzeitig sollte mehr Eigenverantwortung, so wie das bei unseren Vorfahren war, eingefordert werden.

Der DGB, wer ist das?

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Guido Strack July 12, 2012 at 18:39

In Deutschland und der EU ist Whistleblower leider kein Traumberuf!

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