US-Bilanzsaison gestartet: Alcoa meldet Verlust – Analysten dennoch zufrieden

by markusgaertner on 10/07/2012 · 13 comments

IKONE_BÖRSE

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In der Nacht auf den heutigen Dienstag haben wir zwei bezeichnende Wirtschafts-Nachrichten aus Asien gehört: Chinas Importzuwächse sind im Juni kräftig eingebrochen und liegen deutlich unter den Erwartungen. Außerdem meldet Japan für seine Maschinenbauer ein Minus der Auftragseingänge im Mai von fast 15%.

Das bestätigt, was wir hier seit Monaten schreiben, die Vollbremsung in Asien verdichtet sich als Eindruck zunehmend.Das werden wir auch bestätigt sehen, wenn der IWF bis Anfang kommender Woche seine Prognose für das weltweite BIP-Wachstum nach unten korrigiert. Und Wen Jiabaos Eingeständnis, dass die Konjunktur im Reich der Mitte unter erheblichem Druck bleibt, sagt auch vieles.

An der Wall Street hört man so etwas aufmerksam. Denn die Kapitalmärkte in New York bleiben einstweilen im doppelten Würgegriff: Von schwachen Gewinnerwartungen an die gestern eröffnete Bilanzrunde. Und von Ängsten, die erneut eskalierende Renditen für Spanien-Anleihen schüren. Die sind für 10jährige Anleihen zu Beginn der Woche wieder über 7% hinausgeschossen. Die Weltkonjunktur gehört schon seit Monaten zu den Sorgenkindern.

Aus diesem Grund starten die wichtigen Aktienindizes gestern in New York mit Minuszeichen in die neue Woche. Der Dow Jones Index gibt 0,3% ab, auf 12.736 Punkte. Der S&P 500 verliert 0,2% auf 1.352 Zähler. Der Nasdaq 100 rutscht nach -0,2% leicht auf 2.931 ab. Dass sich an der Richtung heute viel ändert, ist nach drei Minustagen bei den Aktien in New York nicht zu erwarten. Denn die Zitterpartie mit steigenden Anleihe-Zinsen in Spanien wird wieder ernster.

“Das macht uns große Sorge”, sagt Jeff Savage, ein Portfoliomanager bei der Wells Fargo Private Bank in Portland, Oregon: “7% Zinsen auf die Anleihen kann Spanien nicht durchhalten, wenn einer unserer besten Handelspartner durch so schwierige Zeiten geht, kann das kaum spurlos an den Gewinnen der US-Firmen vorbeigehen.”

Alcoa, der größte amerikanische Aluminiumschmelzer, konnte mit einem Quartalsverlust von zwei Millionen Dollar für April bis Juni auch nicht gerade überzeugen. Nur die Tatsache, dass die Latte der Analysten vorher sehr tief gelegt worden war, hat eine positive Überraschung erlaubt. – Mehr dazu in meinem Vorbericht bei GEVESTOR für den Handelstag in New York am heutigen Dienstag …

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{ 12 comments… read them below or add one }

Nina July 10, 2012 at 06:42

Ron Hera: Wie ist Ihre Sicht auf China?

John Embry: Auf kurze Sicht bin ich mit Blick auf China nicht optimistisch gestimmt. Die Chinesische Volksbank hat ihre Mindestreserveanforderungen für Banken um 150 Basispunkte gesenkt, um eine zusätzliche Kreditvergabe von 1,2 Billionen Yuan (190 Milliarden $) zu stimulieren, weil sie nicht wollen, dass das Wachstum von derzeit ca. 8% auf 7% sinkt.

Meiner Ansicht nach haben sie 20 Jahre im Fahrwasser des verschwenderischen Westens bewegt; die chinesische Wirtschaft weist derzeit die größten Ungleichgewichte auf.
Ein überdimensional großer Teil der chinesischen Wirtschaftsaktivität wird durch Exporte und alle möglichen Investitionsausgaben in den Bereichen Produktion, Immobilien, Infrastruktur, etc. generiert. Mit der Abkühlung der Weltwirtschaft zeigten sich in vielen Sektoren massive Überkapazitäten.

Ron Hera: Kann sich China zu einer Wirtschaft entwickeln, die durch Binnenverbrauch gestützt wird?

John Embry: Die Annahme, China könnte sich einfach in eine verbrauchergestützte Wirtschaft verwandeln, ist absurd. Genau diese Verbraucher sind ja meist in jenen Sektoren angestellt, in denen es diese massiven Überkapazitäten gibt. Falls die Welt in eine neue globale Rezession schlittert, was nicht gänzlich unmöglich ist, dann ist es mir schleierhaft, wie China unbeschadet bleiben sollte; in diesem Fall gäbe es dann auf der ganzen Welt keinen Wachstumsmotor mehr.

Ron Hera: China bleibt also auch mit einer wachsenden Mittelklasse vom Export abhängig?

John Embry: Es ist so: China ist zum größten Produzenten der Welt aufgestiegen, doch die Konsumfähigkeit der beiden größten Kunden Chinas – sprich Europa und USA – ist eingeschränkt. China wird also nicht in der Lage sein, Jahr für Jahr mehr zu verkaufen. Der HSBC-Einkaufsmanagerindex hat rezessive Niveaus erreicht.
http://www.goldseiten.de/artikel/142826–John-Embry-ueber-Gold-Silber-Waehrungen-Rohstoffe-Teil-2.html?seite=2

Die Umrisse werden immer klarer.

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HaPennyBacon July 10, 2012 at 08:11

“China wird also nicht in der Lage sein, Jahr für Jahr mehr zu verkaufen. ”
Da aber auch in China der ganze “Aufschwung” über Kredite finanziert wird, ist stetiges Wachstum unabdingbar. Warten die nun auf die Ferengies damit es weiter geht, oder müssen sie sich selber durch rasante Rationalisierung oder/und Lohnsenkungen weiter wettbewerbsfähiger machen, um auch mit Profit nach Indien, Bangladesh oder Afghanistan zu verkaufen?

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Nina July 10, 2012 at 09:03

ThyssenKrupp prüft Kurzarbeit.
Edelstahlproduzent Outokumpu warnt vor Verlust im 2. Quartal.
Salzgitter musste Ende Juni seine Prognose für das Stahlgeschäft kassieren.
ArcelorMittal prüft Stellenstreichungen.

Von da ist es nicht mehr weit bis zur Autoindustrie und Werbebranche.

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Marco July 10, 2012 at 12:48

“ThyssenKrupp prüft Kurzarbeit.”

Ich bin heute daheim, weil ich meine Zeitkonten abbauen muss, da wir sonst ab 01.10. keine Kurzarbeit von der Arbeitsagentur genehmigt bekommen. Wir sind auf dem Weg…

Schöne Grüße

Marco

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Victor July 10, 2012 at 09:28

“oder müssen sie sich selber durch Lohnsenkungen weiter wettbewerbsfähiger machen”
der war gut, dann brennt in China aber mehr als ein Sack Reis :)

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Till July 10, 2012 at 11:41

Wie wäre es denn mal mit einem großen kapitalistischen Experiment.

Der “Große Sprung nach vorn”.

Alle Beschäftigten weltweit unter Abteilungsleiterniveau verzichten 6 Monate auf sämtliches Gehalt. Es müßte dann dabei ja weltweit ein riesiges Wachstum geben, und allen geht es danach besser…

Wenn die Volkswirte die immer sagen Lohnsenkung = Wirtschaftswachstum recht haben…

Oder geht das ganze so aus wie Maos großer Sprung nach vorne?

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vlk July 10, 2012 at 11:47

Der war gut !

Evtl sollte man das denen mal unter die Nase reiben

Und danach machen wir das Experiment anders rum – alle Gehälter über Abteilungsleiter werden auf die unteren 1 % verteilt… Und schauen was passiert

HaPennyBacon July 10, 2012 at 14:11

“Alle Beschäftigten weltweit unter Abteilungsleiterniveau verzichten 6 Monate auf sämtliches Gehalt. Es müßte dann dabei ja weltweit ein riesiges Wachstum geben, und allen geht es danach besser…”

Aha, keiner kann etwas kaufen oder Diensleistungen nutzen.
Der große Sprung ist somit eher mit einem kollektiven Kopfschuss zu vergleichen.
Schade das Enthauptungen in Deutschland so sehr außer Mode gekommen sind. So ca. 90% unserer Volkswirtschaftslehrer- und Expertenelite hätte sich sicher eine solche verdient. Aber die kommen halt mit dem “Wessen Wein ich trinke, dessen Lied ich singe” Stil bequem und relativ anstrengunglos zu reichlich Wohlstand.
Bloss keine Lohnerhöhungen damit man den Aufschwung nicht gefährdet.
Um Himmelswillen nur keine Lohnerhöhungen, wir machen grad ne Krise.
Mindestlöhne sind Teufelswerk sagen leider nicht nur die christlichen und liberalen, sondern auch die grünen und sozialdemokratischen Reichsverweser.
Noch läuft es rund in Deutschland aber wehe die Exporte brechen weg. Dann braucht es wie beim letzten Mal nur 6 Wochen um die Hälfte der Leiharbeiter(diesmal ne halbe Million) auf die Straße zu setzen. Leute mit Zeitverträgen folgen dann recht rasch und schwupps haben wir über 1 Millionen echte Arbeitslose mehr.
….und mit jeder neuen Krise wird der Spass teurer.

Andreas Ludwig July 10, 2012 at 14:58

@ Nina Von da ist es nicht mehr weit bis zur Autoindustrie und Werbebranche.

BMW will doch 6000 Zeitarbeiter wieder einstellen, die sie 2009/10 “entsorgt” haben in die Zeitarbeit. Machen darum einen riesen Medienwirbel mit den Gewerkschaften. ” Wir können die problemlos einstellen. Selbst wenn eine Krise kommt, reicht es bis 2017 mit den angehäuften Gewinnen”
Na denn…In der Werbebranche sind wir gar nicht raus gekommen aus der Krise. Warum eigentlich bei den Zahlen?

Gruss

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Nina July 11, 2012 at 13:41

Japan: politisch-wirtschaftlich explosives Gemisch!
http://www.wirtschaftsfacts.de/?p=21377#more-21377

Die Krisen-Säure zermürbt die noch vorhandene Substanz.

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Marco July 11, 2012 at 16:31

Abzocke ohne Ende. Die Zeche zahlen immer die Kleinen. Hat das denn NIE ein Ende?

http://www.ftd.de/politik/europa/:bankenkrise-spaniens-kleine-leute-sind-die-grossen-verlierer/70062145.html

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Tom July 11, 2012 at 17:01

Das wir erst dann ein Ende haben, wenn das System am Ende angekommen ist, geht es doch vornehmlich um Umverteilung und Macht.
http://www.ef-magazin.de/2012/07/11/3601-verschwoerungstheorien-nazi-esos-von-brzeziski-bis-wilson

Gruss
Tom

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