An den Börsen wird es ungemütlich – “Hätten wir doch bloß noch Wochenende”

by markusgaertner on 23/07/2012 · 0 comments

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Die Angst um Spanien und die anhaltende Unsicherheit über den nächsten Schritt der Fed verursachen einen Fehlstart in die Woche. Weiteres Ungemach droht.

“Ich wäre froh, wenn wir noch Wochenende hätten”. Kein Zitat illustriert besser als das von Lawrence Creatura den missratenen Wochenstart bei den Aktien und Rohstoffen an der Wall Street. Creatura ist Portfoliomanager beim Fondsanbieter Federated Investors.

“Spanien, Spanien, Spanien”, hörte man gestern auf dem Parkett in New York die Händler sagen. Der Anstieg der Rendite für 10jährige Staatsanleihen in Europas viertgrößter Volkswirtschaft beunruhigt die Wall Street sehr. Dass die Marktbehörden in Spanien und Italien die Woche auch mit einem Verbot für Short-Trader begannen – also Börsianer, die auf sinkende Aktienkurse setzen – hat die Nervosität noch gesteigert.

Wall Street – Bleibt im Würgegriff Europas

Und dabei wird es wohl auch heute und morgen bleiben. “Die Angst über die Vorgänge in Europa wird noch ein bis zwei Tage den Aktienmarkt in New York dominieren, dann wenden sich Anleger und Investoren wieder mehr der Konjunktur in den USA zu”, schätzt Jim Vogel, ein Zinsstratege beim Vermögensberater FTN Financial. – Ob er da nicht etwas zu optimistisch ist ?

Denn die schlechten Nachrichten aus Europa sind nach kurzer Pause nicht nur zurück auf dem Parkett der Wall Street. Sie nehmen auch an Rasanz zu. Vor einer Woche tüteten die EU-Finanzminister die Finanzhilfe für Spaniens Banken ein. Doch jetzt – Tage später – steht ein Rettungspaket für das ganze Land bevor. Das nennt man Eskalation.

Denn heute reisen in Athen die Gläubiger Griechenlands an, um die Fortschritte im Reformprozess zu analysieren. Die Erwartungen sind, dass es Griechenland wieder einmal nicht geschafft hat, Zusagen einzuhalten. Diesmal aus dem zweiten Rettungspaket, das im März ausgehandelt worden war.

Eurozone – Bremsspuren in US-Bilanzen werden länger

Das bedeutet aber, dass sich in der zweiten Wochenhälfte ein Euro-Ausstieg für Griechenland klarer abzeichnen wird. Und das sind in New York keineswegs “olle Kamellen”, sondern ein unverminderter Schocker. Denn immer deutlicher wird, dass die Bremsspuren des Dramas in der Eurozone für die börsennotierten US-Firmen ständig größer werden.

“Die Nachrichten aus Europa drücken sich immer mehr in den Quartalsbilanzen aus”, sagt auch Quincy Krosby, Marktstratege bei Prudential Financial. Recht hat er: Zwar erreichen die meisten US-Firmen in der drei Wochen alten Bilanzrunde für das zweite Quartal die Gewinn-Prognosen der Analysten. Doch nur 45% von ihnen konnten die Erwartungen für die Umsätze erfüllen. Das ist der geringste Prozentsatz seit dem ersten Quartal 2009.

GRAFIK: So sah der scharfe Rebound der Rohstoffe in den vergangenen Wochen aus – bis zum vorigen Donnerstag. Ist das nun vorbei ? Am Montag sank der Rohstoff-Subindex im S&P 500, der GSCI, um 3,3%, die Öl-Notierungen brachen fast 4% ein, Kupfer verlor über 2%.

Kein Wunder also, das neben den arg gebeutelten Rohstoffwerten gestern im Dow Jones Index vor allem Industrie-Aktien von Firmen mit viel Europa-Geschäft litten: Kraft Foods, (-2,4%) und McDonald´s (-2,9%) führten in diesem Segment die Verliererliste im DOW an. Mit Microsoft (-2,8%), Cisco Systems (-1,8%) und Hewlett-Packard (-1,6%) kamen aber auch die großen Tech-Titel unter die Räder.

Wie stark die Konjunktursorgen sind, sah man gestern am Ölpreis. Die Rohöl-Notierungen in Nordamerika brachen fast 4% ein. Die Frage ist damit, ob sich die deutliche Erholung, die wir seit einem Monat an den Rohstoff-Märkten sehen, zu Ende ist (siehe heutige GRAFIK).

Mehr dazu in meinem Vorbericht für die Wall Street am DIENSTAG bei G E V E S T O R

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