Armes Amerika – SOS aus San Antonio: Sind die Konsumenten völlig abgeschrieben ?

by markusgaertner on 23/07/2012 · 7 comments

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Ein Gastbeitrag von unserem geschätzten Leser und informativen Diskutierer Tom Schiller. – DANKE Tom für den neuerlichen Beitrag. Tom Schiller betreibt ein Modegeschäft in der Ingram Park Mall in San Antonio. Vor einem Jahr hatte er hier an dieser Stelle aus dem Alltag der US-Mall berichtet. Der Beitrag schlug damals ziemliche Wellen.

Von Tom Schiller

Hurra, wir leben noch! – Vor etwas mehr als einem Jahr habe ich an dieser Stelle über den Alltag im amerikanischen Einzelhandel berichten dürfen. Dies war beileibe kein Bericht über die schöne heile Welt. Was ist seither passiert, wie hat sich das Szenario entwickelt? Was gibt es Neues?

Nun, uns persönlich geht es besser. Wir haben es geschafft, den Trend für uns umzukehren und Umsatzzuwächse zu generieren, von denen andere nur träumen können, im Schnitt um die 12%. Wie wir das geschafft haben, ist eine andere Story. Dazu nur so viel: Es floss und fliesst reichlich Schweiss. Freizeit bleibt ein sehr kostbares Gut! Oberflächlich betrachtet stellt sich die Mall noch genauso dar, wie in meinem Bericht vom 07. Juni 2011.

Dennoch stellen wir einige bemerkenswerte Änderungen fest.

Im letzten Jahr haben zahlreiche Mieter Mietreduzierungen durchgesetzt, so auch wir. Das Management versucht nun gegen zu steuern. Wochenende für Wochenende werden Verkaufsflächen in den Gängen an „fliegende Händler“ vermietet, die jede Menge Krimskrams verkaufen, den man ansonsten nur auf Flohmärkten findet. Natürlich kommen deswegen nicht mehr Kunden mit mehr Kohle in der Tasche in die Mall. Das Geld wird nur zwischen mehr Händlern aufgeteilt.

Die Krone sind jedoch mobile Autowäscher, die ihre Dienste auf dem Parkplatz anbieten. Mit rollenden Wasser-Containern und sämtlichen Chemikalien ausgerüstet stehen die Jungs und Mädels bei 40°C den ganzen Tag in der prallen Sonne und sprechen jeden Neuankömmling an. $ 20 -$ 30 werden fällig, je nach Fahrzeug-Grösse. Auf diese Weise hat das Mall-Management dafür gesorgt, dass zwar die Umsätze steigen, aber dieses Geld reduziert das Shopping-Budget natürlich schon vor dem Betreten der Mall.

Die gravierendste Veränderung gibt es allerdings in einem Bereich, der die Einkaufstour nicht tangiert hatte: „TEST AMERICA“ befragt im Auftrag verschiedener Firmen Kunden. Das geht vom Anschauen einer TV-Sendung über das Ausfüllen von Fragebögen bis hin zum Testen von Haarwaschmitteln und Verkosten von neuen Fertigerichten. Der Kunde wird dafür bezahlt. Das reicht von $ 5 bis zu $ 100.

Die Angestellten des Test-Büros stehen in der Mall im Bereich des Eingangs, den wir immer benutzen und fragen die Leute, ob sie so einen Survey machen möchten. Seit fast 2 Wochen haben wir da niemanden gesehen, lediglich der Büroleiter saß immer an seinem Schreibtisch. Gestern kam er zu uns in den Laden, da hab ich ihn gefragt, was los ist. Guess what! Seit mehreren Wochen hat die Firma keinerlei Aufträge mehr erhalten. Und die hatten grosse Namen dabei, darunter Nissan, oder auch Black & Decker.

Alle Angestellten wurden erstmal entlassen, nur der Büroleiter sitzt rum (damit der Mietvertrag erfüllt wird und das Büro offen ist, da sichtbar, weil die eine Glasfront haben wie ein Laden). Wie es weitergeht, weiss er nicht. – Haben die die US-Kundschaft schon völlig abgeschrieben? Es scheint fast so, denn eine solche Situation hat es noch nie gegeben.

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