Die neue Woche: US-BIP für das 2. Quartal, neue Eruptionen in der Eurozone, mehr enttäuschende Quartalsbilanzen

by markusgaertner on 23/07/2012 · 16 comments

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Kurse sind sture Phänomene. Die Umsätze im US-Einzelhandel fallen seit drei Monaten. Notenbankchef Ben Bernanke enttäuscht, weil er mit der Bazooka zögert. Die wöchentlichen Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe schießen wieder nach oben. In der laufenden Bilanzrunde mehren sich Gewinnberichte, die die Hoffnungen nicht erfüllen.

Und dann Europa: Am Wochenende hörten wir, dass der Internationale Währungsfonds vielleicht aus der Griechenland-Hilfe aussteigt. Der Euro bleibt ohnehin im Sinkflug. Die Renditen für spanische und italienische Schuldpapiere sind wieder bersorgniserregend hoch. Die Gläubiger Griechenlands werden am Dienstag in Athen erwartet. Und Wirtschaftsminister Rösler hält es für möglich, dass Griechenland nicht die Auflagen aus dem Rettungspaket vom März erfüllt. Das wäre das Ende. Diese Woche.

Auf die Wall Street rollt eine Lawine zu

Da darf man die Frage stellen, warum sich US-Aktien seit Wochen gegen diesen Malstrom schlechter Nachrichten relativ gut halten. Der S&P 500 konnte in der vergangenen Woche 0,4% zulegen. Seit Jahresbeginn liegt das Barometer nun 8,4% im Plus. – Hier die möglichen Erklärungen. Sie werden uns helfen, besser durch die kommenden Wochen zu navigieren.

Skepsis – Warum hält sich die Wall Street so stramm ?

Erstens: Der Aktienmarkt war nach der jüngsten Korrektur überverkauft. Jetzt läuft eine Gegenbewegung. Sie wird verstärkt, weil einige Investoren wegen der Eurozone, China und der US-Konjunktur auf sinkende Kurse gesetzt hatten. Aber dann kam die Hoffnung auf Hilfe der US-Notenbank ins Spiel. Das erzeugte Auftrieb für die Kurse – und erwischte Investoren mit Short-Positionen auf dem falschen Fuß.

Zweitens: Massive Kapitalzuflüsse in die USA helfen. Das ist Geld, das frustrierte Anleger in Europa oder Asien in einen vermeintlich „sicheren Hafen“ bringen wollen. Dieses Gütesiegel gilt zwar für die USA auch nicht mehr uneingeschränkt. Doch das herein strömende Kapital hebt viele Boote, wie man in New York sagt.

Bernanke-Put: Fulminanter Flop, oder neue Rally ?

Drittens: Der sogenannte Bernanke-Put. Das ist die Wette, dass die US-Notenbank am Ende als Retter auftreten und die Kurse stützen wird. Wenn die Ankündigung kommt, und eine Rally auslöst, will man dabei sein.

Viertens: Schwan-Müdigkeit. Die sogenannten Schwarzen Schwäne, negative Großereignisse, die die Aktien aus der Bahn werfen könnten – wie Europa, oder ein China-Kollaps – verunsichern Börsianer schon länger. Viele Anleger und Investoren können die Warnungen vor noch größerem Ungemach nicht mehr hören. Sie sehen ihr schlecht verzinstes Bargeld, werden ungeduldig, und kaufen Aktien in New York (siehe Bernanke-Put). Zudem enttäuschen auch nicht alle Gewinnberichte über das zweite Quartal.

Fünftens: Manche Beobachter sagen den USA eine industrielle Wiederauferstehung vorher. Der Schieferöl-Boom – und das viele unkonventionell geförderte Erdgas – überfluten die USA mit billiger Energie. Seit der Finanzkrise sind zudem die Löhne in wichtigen Industrien stark gesunken. Volkswagen beschäftigt in Tennessee Arbeiter, die vorher bei General Motors in Detroit drei Mal so viel verdienten.

US-Konjunktur: Adrenalin aus neuem Power-Cocktail ?

Billige Energie, sinkende Löhne und dauerhaft niedrige Zinsen haben für die Industrie in den USA ein starkes Cocktail von Wettbewerbsvorteilen zubereitet. Das könnte eine neue Wachstumsphase einläuten.

Ob dieses Adrenalin wirklich so schnell wirkt, wie viele Anleger und Investoren mit Blick auf die Wall Street hoffen, das werden wir erstmals am Freitag dieser Woche sehen.

Dann meldet die US-Regierung die erste Schätzung für das Bruttoinlandsprodukt im zweiten Quartal. Zahlreiche Investmentbanken hatten in den vergangenen Wochen die Prognosen auf bis zu1% nach unten korrigiert. Das wäre fast halb so wenig Wachstum wie im ersten Quartal.

Mehr dazu im heutigen Bericht bei GEVESTOR

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