Heikle US-Mission – Geithners Stippvisite auf der Urlaubsinsel von “Frau Nein”

by markusgaertner on 30/07/2012 · 10 comments

2012-07-30_0740

Share

Krisengespräch selbst im Urlaub: US-Finanzminister Geithner fliegt nach Sylt ein, um sich mit Deutschlands Kassenwart Schäuble abzustimmen. Nach dem Moody’s-Warnschuss weicht die bisherige US-Schelte an Kanzlerin Merkel (“Frau Nein”) einem zunehmendem Verständnis.

Doch abgesehen davon hat sich international der Ton in den Medien, bei Analysten und bei Politikern mit Blick auf Angela Merkel und die Rolle der Deutschen in der Schuldenkrise Europas in den vergangenen Tagen sichtbar geändert. Die Ratingwatsche von Moody’s, die vor einer Woche Deutschland auf die Abschussliste für eine mögliche Abstufung setzte, hat vielen verdeutlicht, dass Europas Anker in der Schuldenkrise Risse bekommen hat. Statt der üblichen Schelte, wie zuletzt im “Toronto Star” in Kanada – “es ist wieder Merkel gegen alle anderen” – kommen jetzt verständnisvollere, teils fast sympathische Töne.

“Jede erfolgreiche Lösung in Europa muss von den Deutschen abgesegnet werden”, schreibt der “Philadelphia Inquirer”, und “die Deutschen begleichen für gewöhnlich die Rechnungen, wenn kleinere Länder gerettet werden”. Die neuen Töne in der Betrachtungsweise sind kein exklusiv amerikanisches Phänomen.

Bis hin zum “Business Recorder”, Pakistans führender Finanzzeitung, werden nun die Motive der Deutschen – und der Druck, den die Krise im Euro-Land zunehmend auch auf die größte und stärkste Volkswirtschaft in Europa ausübt – analysiert und gewürdigt. So werden im “Business Recorder” auch detailliert die Bedenken der FDP gegen umfangreiche Anleihekäufe der EZB vermerkt. Und die niederländische Zeitung “De Volkskrant” warnt, “der letzte Anker der Euro-Zone droht auszureißen”.

Auch in der US-Administration scheint man nach der Ratingwatsche gegen die Deutschen etwas vorsichtiger geworden zu sein. Noch im Februar hatte US-Finanzminister Timothy Geithner anlässlich des G20-Gipfels öffentlich gepoltert, der Fortschritt in der Krisenbekämpfung in Europa reiche nicht aus, eine größere Brandmauer gegen die grassierende Schuldenmisere müsse her. Und beim Treffen mit den EU-Finanzministern in Polen im September hatte Geithner so dick aufgetragen, dass sich mehrere Finanzminister – darunter Österreichs Maria Fekter – empörten, sie wollten keine Belehrung von den USA.

Mehr in meinem heutigen Bericht im Manager Magazin

Share

{ 10 comments… read them below or add one }

vlk July 30, 2012 at 15:13

Auch mal wieder medienwirksamer Auftritt der US-Mächte im alten Kontinent.

Man hätte den Termin auch letzte Woche reinquetschen können – aber nein dann ist es ja nicht so publikumswirksam.

Mein Gott wer bremst diese CO2 – Barbaren endlich ?
In Zeiten von Internet sollten Telkos oder Vidkos doch problemlos möglich sein.

Muß da wirklich eine einzige fast leere Boing durch die Welt fliegen um aufzuhalten was nicht mehr aufzuhalten ist ?
Und dann noch Sylt ? Da kann sowas doch eh nicht landen…
Mal abgesehen was der Scheixxxxx den Steuerzahler mal wieder kostet um die “Sicherheit” zu gewährleisten das es ihm nicht so geht wie Hillary Clinton vor kurzem in Israel…..

Mal schauen was noch alles unter dem Deckmantel Olympia geschieht…

Ach ja – der Dow wieder über 13000…. mindestens 50% heiße Lust seit Draghi

Reply

Bernd July 30, 2012 at 16:34

Ach ja – der Dow wieder über 13000…. mindestens 50% heiße Lust seit Draghi”

Die “heiße Luft” nennt man auch “Hoffnung”. Die Börse wird doch nur noch durch die “Hoffnung” darauf angetrieben, dass die deutschen politischen Eliten einknicken, und Deutschland zum plündern freigeben! Wenn jetzt nicht mindestens 1-2 Billionen Euro, für die Deutschland zu garantieren hat, ins System gepumpt werden crashen die Börsen. Diese geldgeilen Spekulanten werden die Welt in eine Katastrophe stürzen. Denn es glaubt ja wohl niemand dass die nach dem Raubzug in Deutschland aufhören werden. Die werden Draghis frische Kohle nehmen und die nächste Blase aufpumpen, und dies wird die letzte sein, denn nach der zur Zeit laufenden Euro-Rettungsrunde wird auch Deutschland am Ende sein mit seiner finanziellen Kraft.

Reply

Till July 31, 2012 at 09:16

Das ist Systemimmanent – die Anlagen müssen Rendite bringen.

Und da ca 50% von allem Vermögen in der Hände weniger ist, muß die Allgemeinheit für diese Rendite aufkommen. Erbschafts /Vermögenssteuern die das übermäßige Wachstum dieser Vermögen bremsen könnten wurden schon vor einiger Zeit für mehr “Wachstum” abgeschafft.

Und da diese Leute schon alles haben, wird das zusätzlich erwirtschaftete Geld wieder angelegt – das muß implodieren, die Frage ist nur wie weit die Normalbevölkerung vorher noch alternativlos ausgesaugt werden kann. Vielleicht enden wir ja im alten Rom, wo es viele Sklaven und “Brot und Spiele” – Normalos gab – sowie ein paar Superreiche. Sklavenaufstände wurden damals übrigens kompromißlos niedergeschlagen(alle Beteiligten getötet). Eine Berufsarmee haben wir ja schon wieder…

Reply

Game over July 30, 2012 at 19:49

http://www.youtube.com/watch?v=Ui0NOk_lSbU

Wer es noch nicht kennt, sollte sich das Video von Prof. Sinn anschauen. Die Zahlen sind schon mehr als beeindruckend.
Besonders die Bankschulden Luxemburgs – 1,9 Billionen pro Einwohner!!! Absolut unfassbar!

Das deutsche Target II liegt auch schon bei 800 Mrd.

Wer will eigentlich noch an diese Kunstwährung glauben??? Der Feldversuch EU ist fehlgeschlagen. Ein suboptimaler Währungsraum darf keine gemeinsame Währung haben. Das bringt nur alle in’s Unglück!

Reply

Pieps August 2, 2012 at 19:52

1,9 Millionen pro Einwohner. Auch ein Prof. Sinn ist nur ein Mensch. Immerhin einer, der auch zugibt, sich in der Vergangenheit auch mal geirrt zu haben…

Reply

MFK July 31, 2012 at 05:41

Die Währung folgt der Wirtschaft, i.e. starke Wirtschaft heißt starke Währung. Was aber hier in den PIIGS versucht wird, ist die Wirtschaft der Währung folgen zu lassen. Das wird schief gehen. Der Staat hat nie dauerhaft Werte und produktive Arbeitsplätze geschaffen. Die verabschiedeten Maßnahmen zur Förderung des Wirtschaftswachstums werden sich erneut als Strohfeuer erweisen. Auch die interne Abwertung der PIIGS durch Lohnverzicht etc. wird durch die jeweilige Bevölkerung nicht mitgetragen. Insofern bleibt nur die dauerhafte Alimentierung der PIIGS durch die starken Nordstaaten. Dieses werden diese Staaten aber nicht leisten können und wollen. Auch ihre politiker wollen wiedergewählt werden.

Reply

Thomas71 July 31, 2012 at 11:02

Hallo,

vielleicht machen wir uns viel zu viele Gedanken um die Politik bzw. deren vermeintliche Lösungsansätze. Was ist, wenn die entscheidenden Punkte von den Banken ausgehen müssten? Mir fällt bei uns im Konzern auf, dass seitens der Finanzbranche Druck auf die Einkommen der Angestellten ausgeübt wird, welcher mir in dieser Form noch nicht untergekommen ist. Ich sehe, dass wir mehr mehr Kredite brauchen, kann aber keine Änderungen bei den Bankenzinsen feststellen.

1. Welche Ziele werden von den Banken angestrebt?

2. Sind bei den Banken Unterschiede zu alten Verhaltensweisen erkennbar?

3. Sind die aktuellen Vorgaben der Banken logisch bzw. harmonieren diese gesamtgesellschaftlich?

4. Stehen Zinssenkungen seitens der Banken für Firmen bzw. dem Privatsektor an?

5. Welche Auflagen werden von Banken mit abhängigen Unternehmen ausgehandelt?

Gruss,

Thomas

Reply

Karin Jürgens July 31, 2012 at 13:14

@ Game over
Prof. Sinn hat die englischen billions gemeint, denn bei 511.840 Einwohnern käme Luxemburg sonst schon in den dreistelligen Billiardenbereich mit seinen Schulden. Das dürfte dann doch etwas hoch sein. Ich denke, es sollte 1,9 Milliarden heißen.

Reply

dalena July 31, 2012 at 15:09

@ Game over- Karin Jürgens.. ne Frage.

Woher weiss man denn wie er auf die Zahlen kommt? Könnte es sein, dass der ESFS, der ja Sitz in Luxemburg hat, da mit eingerechnet ist? Irgendwie finde ich seine Aussage in dem Video dann doch sehr verwirrend. Zumal er ja da so einen langen Balken unten angezeigt hat, als er das Bild verkleinerte (also nicht nur den Ausschnitt zeigte)

Reply

dank July 31, 2012 at 16:41

Dabei geht es um die versteckten Schulden durch zu zahlende Renten etc pp.
Da scheint Luxemburg sehr sehr großzügig zu sein…

ww w.deutsche-mittelstands-nachrichten.de/2012/01/36152/
ww w.tagesspiegel.de/wirtschaft/euro-krise-die-grosse-last-der-geheimen-schulden/6758894.html

Reply

Leave a Comment

*

Previous post:

Next post: