Globaler Konjunktur-Schlamassel – Speck-Louis wirft das Milliarden-Handtuch, und macht die arme Angela Merkel verantwortlich

by markusgaertner on 02/08/2012 · 31 comments

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Da haben wir den Salat. Louis Bacon, der bekannte Gründer des Hedgefonds Moore Capital, gibt zwei Mrd. Dollar Anlagekapital an seine Kundschaft zurück. Ihm sind die Investment-Ideen ausgegangen.

Das gegenwärtige Umfeld an den Finanzmärkten sei – vor allem von politischen Einflüssen – so verzerrt, dass wie nie in den vergangenen 80 Jahren die Kräfte des Marktes (welche denn, die Banken ?) ausgehebelt würden.

Also weiß Herr Bacon nicht mehr, wo er all das viele Geld (DANKE, Herr Bernanke) investieren soll. Da in der Branche oft mit 3% Provision gearbeitet wird, lässt sich der Hedgefonds-Manager jährlich 60 Mio. Dollar Gebühren durch die Lappen gehen. Da muss ja ganz schön Ebbe herrschen, in diesem hochgedrehten Anlegerhirn, dass der sowas aufgibt.

Es ist ein richtiger Jammer. Moore Global Investments hatte seit 1989 im Schnitt jährlich 18,8% Rendite erzielt. Im Vergleich zu Sparkassen-Menschen wie uns ist das wie Condor gegen Cessna. Da gehen dieser Welt ganz schöne Prozentpunkte verloren. – Und wer hat die Schuld an dem spektakulären Ausstieg? Natürlich Angela Merkel.

Seltsam: Es gibt Regionen auf der Welt, da macht man Phänomene wie den „Föhn“ für alles verantwortlich. Dann gibt es Gegenden, da schieben sie alles auf La Nina, oder auf die Sandstürme aus der Gobi – sehr beliebt in Peking. Aber in diesen Tagen, da sind scheinbar alle Gallensteine auf dieser Welt aus kleinen Bildchen von Angela Merkel gemacht. Also kann es auch in diesem Falle nur die Kanzlerin sein, die alles verbockt hat.

Dabei hat man für den Rendite-Schmied Louis Bacon fast so etwas wie Sympathie, wenn man sich in der zweiten Hälfte dieser Woche die Schlagzeilen im Blätterwald anschaut. Der Mann hat Recht – wir sind praktisch umzingelt von unappetitlichen Konjunktur-Entwicklungen, die auch von Politiker-Hand deformiert worden sind.

Allerorten düstere Vorhersagen, Endzeitprognosen, miserable Konjunkturzahlen, zögernde Notenbanker und Politiker, die lieber Teppiche schmuggeln und den Banken zuarbeiten, als sich von der Symptom-Verwaltung abzuwenden und sich mehr auf Problemlösungen zu konzentrieren.

Aus der Eurozone hören wir am Mittwoch, dass die Industrieproduktion – basierend auf dem jüngsten Markit-Index – im Juli so schnell gefallen ist wie seit mehr als drei Jahren nicht mehr.

Und trotz des schwachen Euro fallen die Auftragseingänge bei der Exportwirtschaft weiter. Das verheißt auch für die kommenden Monate schwache Zahlen. Am schlimmsten ist: Den schärfsten Rückgang sehen wir bei den Export-Orders im Wirtschafts-Musterland Deutschland.

Das ist etwa so, wie wenn beim Mannschafts-Zeitfahren der Tempomacher von einem Herzschlag niedergestreckt wird. Was machen die deutschen Export-Olympiasieger eigentlich, wenn erst die Chinesen in den kommenden Monaten ihre kollabierende Konjunktur kräftig ankurbeln, dabei die Subventionen für ihre staatseigenen Firmen erhöhen und den Renminbi wieder etwas mehr nach unten schleusen ? Dann wird uns alle eine galaktische Deflationskeule treffen. Die EZB und Ben Bernanke werden jaulen. Aber nicht vor Begeisterung.

Mehr noch.

Das Institute for Supply Management berichtet für den Juli in den USA einen Rückgang der Industrieproduktion, zum zweiten Mal hintereinander. Neue Aufträge konnten erstaunlicherweise leicht zulegen, aber der Beschäftigungs-Index fällt auf den tiefsten Stand in zweieinhalb Jahren.

Der Index für die Fabrikauslastung stieg leicht an – von 49,7 auf 49,8 – bleibt aber unter der kritischen Marke von 50 Zählern, an der sich Expansion und Rezession scheiden. Der Subindex für die Exporte fällt weiter, von 47,5 auf 46,5. Das Barometer hat seit Februar satte 13 Zähler eingebüßt. Das würde in einer Grafik aussehen wie Snowboard-Fahren an der Eiger Nordwand.

Währenddessen legt uns die Societe Generale dar, wieso über Asien dunkle Wolken aufziehen. Das hätten wir uns auch selbst denken können, wenn die Inder einem Zehntel der Menschheit den Strom abdrehen, die Reformen auf dem Subkontinent zum Stehen kommen und die Industrieproduktion im Juli scharf abbremst.

Auch die Briten schlagen sich respektabel im Rennen um den schroffsten Rückgang beim Einkaufsmanager-Index. Der PMI für Großbritannien fällt im Juli zum dritten Mal hintereinander, diesmal auf 45,4. Jetzt wird auch wieder stärker nach der Bank of England gerufen.

Notenbanker hätten wir alle werden sollen: Eine gesunde Mischung aus heimlichem Regierungschef, Dirigent, Reichs-Propagandaminister und Banknoten-Handwerker.

Und das bei phantastischen Karrierechancen: „Kommen sie zu uns: Wir bieten eine kurze Lehre, dazu schwimmen im Geld, drucken dass die Bolzen krachen, heimlich regieren, nach außen ahnungslos tun, im Parlament bestaunt werden, in der ungebildeten Öffentlichkeit wie ein Magier angesehen, und über gekonnte Leitzins-Manipulationen den Großbanken eine system-rettende geldpolitische oral-Befriedigung verpassen. Was für ein geiler Job.

Haben wir noch etwas vergessen ? Ach ja, Zero Hedge. Es wäre wohl nicht standesgemäß, den Katastrophen-Bolzen unter den US-Blogs auszulassen.

Von dort kommt das jüngste Kriegsgeschrei, mal nicht Iran gegen den Westen, Hau-drauf-Pentagonisten gegen Syrien, oder Dronen gegen bärtige Pakistani. Zero Hedge sieht die Mutter aller Schlachten zwischen dem Kanzleramt in Berlin und der Bundesbank einserseits sowie Herrn Draghi andererseits heraufziehen. Hat Zero Hedge im ganzen Schlachten-Getümmel nicht noch die FDP vergessen, und die auf dem Kreuzzug befindlichen Streit-Ökonomen ?

Jedenfalls sagt uns Zero Hedge vorher, dass der Goldman-Apparatschik an der Spitze der EZB – der sich in der Tonnen-Ideologie der Notenmänner mit 1.300 Milliarden LTRO-Einsatz schon mehr als kampfbereit erwiesen hat – heute gegen den Willen von Berlin die Schleusen aufreißen wird: Erst eine Billion, dann 2, dann 4, dann 8 etc. Die Njet-Fraktion in Berlin würde im entfesselten Liquiditäts-Meer der Goldman-Mafia absaufen, sprich selbst aus der Eurozone ausscheren müssen.

Oje, jetzt müssen wir schon wieder alle Szenarien für das Grande Finale über den Haufen werfen … Aber dafür gibt es im Rettungsboot plötzlich wieder Perspektiven ….

Jetzt hab´ ich doch noch etwas vergessen: Der Iran will einen Affen in den Weltraum schießen. Ich wusste immer, dass die in Teheran eigentlich ganz clever sind: Die Mullahs retten die intelligentere Version der Zweibeiner.

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