Dramatische Seitwärtsbewegungen in einer zum Stehen gekommenen Welt

by markusgaertner on 05/08/2012 · 15 comments

IKONE_KONJUNKTUR

Share

Die New York Times erzählt heute die Geschichte zweier Notenbanken: “Two Central Banks and the Sound of Silence.” Der Bericht beginnt mit einer Frage, die bereits die ganze Geschichte offenbart: Wann ist keine Nachricht eine große Nachricht ? Ganz klar, die Fed hat vorerst gekniffen, die EZB ringt noch mit Berlin und der Bundesbank. Selbst die gute alte NYT wundert sich dabei, dass aus der Kombination von “lausigen Daten” und “beträchtlicher Spekulation” (will heißen “Druck”) kein Aktion der Fed wurde.

Die NYT führt den Portfoliomanager Eric Stein als Kronzeugen an um zu sagen: Die Zentralbanken können nur wirklich Wirkung entfalten, wenn die Regierungen ihre fiskalischen Hausaufgaben machen. Doch den Politikern sind die Hände gebunden: Zu viele Schulden, zu wenig Wachstum, zu viel Widerstand im Wahlvolk gegen noch mehr Grausamkeiten in Form massiver Sparprogramme.

Auf Seeking Alpha wurde sogar festgestellt, die Zentralbanken würden den Markt “verlassen”, was als Schlagzeile so wie der Vorwurf der Fahnenflucht klingt. Aber keine Sorge: Am 31. August fliegt wieder Ben Bernanke in Jackson Hole ein, schaut begeistert auf die Berge der Rockies, und wird etwas sagen, das vor 2000 Jahren das Meer geteilt hätte.

Wie zum Beleg haben wir ja in dieser Woche gesehen, dass die Einkaufsmanager-Indizes dür die Eurozone steil weiter nach unten gehen, und jetzt auch noch – das ist die eigentliche Nachricht – von Deutschland angetrieben werden.

Und während die globale Konjunktur dümpelt – und teilweise einbricht – und die Notenbanken noch kneifen, winden sich Millionen von Menschen im verarmten Westen – dessen Mehrheit ihr Schicksal nur ahnt, aber noch nicht beklagt – durch ihren eigenen, privaten Schuldenberg.

Solche Schicksale lesen wir in US-Publikationen nicht allzu oft. Eine der herzlich seltenen Ausnahmen macht CNN Money, das sechs Amerikaner portraitiert, die sich gegen die eskalierenden Schulden auf ihren Kreditkarten stemmen. Darunter Joan Otto aus York in Pennsylvania. Sie und ihr Mann – beide bei einer Zeitung beschäftigt – haben zusammen 90.000 Dollar Verbindlichkeiten aufgetürmt.

Die Schulden sind teilweise 15 Jahre alt und stammen aus College-Zeiten. Joan nahm Teilzeitjobs an, verkaufte nebenher Makeup und übernahm eine Aufgabe bei den Weight Watchers. Außerdem schrieb sie frei für andere Auftraggeber und baute für Kunden Webseiten auf. Jetzt sind nach einem immensen Kraftakt aus den 90.000 Dollar Schulden erstmal 60.000 geworden.

Ob sie demnächst noch weiterkommen, ist fraglich. Zumindest wenn man dem allgegenwärtigen PIMCO-Chef Mohamed El-Erian lauscht. Der sieht die Welt in einem “ernsten synchronisierten” Abwärtsstrudel. Die jüngsten Einkaufsmanager-Indizes für Europa hält El-Erian schlicht für “Furcht einflößend.” Die Weltwirtschaft erlebt derzeit den schärfsten Abschwung seit dem Ende der Großen Rezession.

El-Erian sagt für die nächsten 12 Monate der globalen Wirtschaft 2,25% BIP-Wachstum vorher, deutlich weniger als der IWF, der seine Prognose vor wenigen Tagen auf 3,5% drosselte. Und deutlich weniger als das BIP-Wachstum von 3,9% im vergangenen Jahr – und jene 5,3% aus 2010.

Share

Previous post:

Next post: