Bedrohter Friede, oder befriedete Gefahr ? Ein paar letzte Schachzüge vor dem Matt

by markusgaertner on 07/08/2012 · 9 comments

2012-04-25_2122

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Wie soll man die folgenden Nachrichten auf einen Nenner bringen ? Die Standard Chartered Bank – ein Institut mit Sitz in Großbritannien (ja,ja, schon wieder) – wird von New Yorker Behörden verdächtigt, unter Umgehung der bestehenden US-Sanktionen sieben Jahre lang in einem Gesamtvolumen von 250 Mrd. Dollar Geldgeschäfte mit iranischen Banken getätigt zu haben. Die Bank bestreitet das, aber ihr droht der Entzug der Lizenz in New York, wie Bloomberg berichtet.

Gleichzeitig sagt Ben Bernanke bei einer Research-Konferenz, dass trotz der Erholung, die einige Wirtschafts-Indikatoren signalisieren (hat der nicht vorige Woche etwas ganz anderes gesagt ?), viele Amerikaner und private Haushalte mit schwierigen ökonomischen Rahmenbedingungen zu kämpfen haben. Huuuu, kommt das Gewissen zurück ? Oder wird hier gegen schwere Anschuldigungen vorgebaut, die kommen, wenn QE3 startet ?

Und schließlich: Der Ölkonzern Royal Dutch Shell kündigt an, Liquiditätsreserven im Umfang von 15 Mrd. Dollar aus Europa abzuziehen. Das Geld soll aus Gründen der Anlagesicherheit lieber in US-Staatsanleihen investiert werden. Liebe Shell-Fondsmanager, da könnt Ihr schonmal gleich den nächsten Geld-Umzug vorbereiten, denn bis Jahresende werden sich die Bond-Geier auch über die USA hermachen.

Das ist der Grund, warum wir seit Monaten beim kleinsten positiven Anlass immense Kurssprünge am New Yorker Aktienmarkt sehen: Es hat sich im Anleihe-Universum der Wall Street so viel Kapital gesammelt – selbst wenn man die Fed-Käufe abzieht – dass wegen der daraus resultierenden Minizinsen bei jeder Gelegenheit Geld in den Aktienmarkt wechselt.

Und dann haben wir noch das: Die 10 profitabelsten US-Unternehmen – darunter Exxon Mobil, Microsoft, Apple und JP Morgan – zahlen bei einer Gewinnsteuer für Firmen von 35% lediglich einen effektiven Satz von 9%. Obama und sein Gegenkandidat Mitt Romney streiten sich mit viel Gedöns im Wahlkampf über eine Kürzung dieser Steuer, obgleich die meisten Wall Street-Firmen ohnehin viel weniger an das Finanzamt abführen. Werden Gewinne von “Uncle Sam” bedroht, bleiben sie im Ausland.

Es geht letztlich immer um die Macht großer Firmen. Sie spielen ganze Staaten mit den Gewinnen aus, die sie nach Belieben parken oder verschieben, ohne je eine dieser furchteinflößenden Aufforderungen des Finanzamtes zu bekommen, die einige von uns kennen. Sie können Regierungen mit der Verlegung ihrer Zentrale drohen, um bessere Steuersätze und glimpflichere Behandlung zu bekommen.

Sie bringen Heerscharen von Abgeordneten unter ihre Kontrolle, durch Wahlkampfspenden und durch den Einsatz von Lobbyisten. Allein die Öl- und Gasindustrie schickt laut der Webseite opensecrets andauernd 791 Lobbisten durch die Korridore des US-Parlaments. Das sind zwei bis drei Besuche je Abgeordnetem, jeden Tag. Und das ist nur eine Industrie.

Verursachen solche Firmen eine Katastrophe, die tage- oder wochenlang in Fernsehbildern um die Welt geht, quasseln, drohen und verhandeln Heerscharen von Firmenanwälten den überforderten Staatsanwälten der jeweiligen Jurisdiktion die Haare vom Kopf. Vergleiche, statt Strafen. Darauf läuft fast jeder entdeckte Betrugsfall hinaus. Ausnahme: Bernie Madoff. Der hat den Fehler begangen, die 1% zu bescheißen. Er hat sich an den falschen Opfern vergriffen. Das hat ihn schwer gekostet.

Wenn man aber die Straße finanz-vergewaltigt, oder ganz abstrakt Millionen von Menschen schadet, weil ja “nur” ein paar Zehntelpunkte beim LIBOR geschraubt wurden, mag das ein paar Schlagzeilen verursachen. Dann kommen vollmundige Drohungen aus den unterbesetzten und überforderten Regulierungsbehörden. Und dann – das werden wir in den kommenden Monaten erleben – werden ein paar Köpfe rollen, mehr nicht. Die CEOs, und die Kreditinstitute als juristische Einheiten, werden ungeschoren bleiben.

Eine etwas andere Richtung könnte beim LIBOR-Slandal vielleicht doch noch eingeschlagen werden, wenn man dem DealBook der New York Times Glauben schenkt. Dort wird heute berichtet, dass jetzt die Banken, die ins Visier der Fahnder geraten sind, mindestens 10 große Institute, sich gegenseitig an die Gurgel gehen. Aber was wird das am Ende ändern ? Mehr Erkenntnisse und mehr Beweise, also höhere Strafen ?

Da müsste erst die unselige Verquickung zwischen Industrie, Banken und Parlamenten aufgehoben werden.

Ich habe heute eine eMail von einer Leserin bekommen, die mich auf einen Eintrag im GELBEN FORUM aufmerksam macht. Dort werden Zitate aus dem Buch – “Der bedrohte Friede” – gezeigt, das der Physiker und Philosoph Carl Friedrich von Weizsäcker, der ältere Bruder des ehemaligen Bundespräsidenten, Anfang der 80er Jahre veröffentlichte. Ich fand den Mann schon damals beeindruckend. Die Bewunderung für seine Weitsicht ist jetzt noch viel größer …

1. ..Die Arbeitslosenzahlen werden weltweit ungeahnte Dimensionen erreichen.
2… die Löhne werden auf ein noch nie da gewesenes Minimum sinken.
3…Alle Sozialsysteme werden mit dem Bankrott des Staates zusammenbrechen. Rentenzahlungen zuerst. Auslöser ist eine globale Wirtschaftskrise ungeheurer Dimension, die von Spekulanten ausgelöst wird.
4… ca. 20 Jahre nach dem Untergang des Kommunismus werden in Deutschland wieder Menschen verhungern.
5… Die Gefahr von Bürgerkriegen steigt weltweit dramatisch.

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HaPennyBacon August 7, 2012 at 05:23

Kleine Anmerkung zum Buch “Der bedrohte Friede”. Die Weitsicht, die dort dem Herrn von Weizsäcker unterstellt wird, stimmt schlicht nicht. Ich habe sowohl das erste Buch als auch das zweite Buch gelesen und fand seine Behauptungen, wenn überhaupt, nur ansatzweise dort drin vor. Richtig ist vielmehr, das Herr von Weizsäcker einen eigenen NeoCon Think-Tank gebildet hat, der noch immer sehr aktiv ist.

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Andreas Ludwig August 7, 2012 at 07:11

Das stimmt. Selbst der Verlag konnte die Passagen nicht finden.

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dank August 7, 2012 at 07:18

Right, die Geschichte mit von Weizäcker ist leider ein Fake und durchs Web ne Hoax geworden.

ww w.dasgelbeforum.de.org/forum_entry.php?id=153231
finanzcrash.com/forum/read.php?1,46857,47005#msg-47005
ww w.schauungen.de/forum/index.php?id=13182

Es wundert, dass Barbara das trotz besseren Wissens postete?! Die haben das da mehrfach durchgekaut…

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Zing August 7, 2012 at 07:22

Ich habe jetzt schon öfter von diesem ominösem Buch gehört, allerdings hat kein Mensch, den ich persönlich kenne, dieses Ding je gelesen. Ich hatte bis jetzt auch nicht gerade ein übersteigertes Bedürfniss ein Buch für nahezu 70€ zu kaufen. Haben sie das selbst gelesen, Herr Gärtner? Es gibt da viele wiedersprüchliche Aussagen zu diesen “Vorhersagen” im Netz. Nicht, dass diese 5 Punkte nicht völlig zutreffend wären, aber ob sie wirklich in der Art von Carl Friedrich von Weizsäcker geäussert worden sind halte ich doch zumindest für fragwürdig, wie meine Vorkommentator(in) auch.

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Martin August 7, 2012 at 10:59

http://initiativevernunft.twoday.net/stories/5295853/comments/5653438/comment

Zitat:
“In diesem Text steckt schon eine Menge drin, die die Ausgangsaussagen aus dem Internet enthalten, zwar nicht so explizit aber als implizite oder explizite Möglichkeit.
Es steht zwar nicht drin Massenarbeitslosigkeit, aber durch die Mechanisierung und der Rationalisierung sieht er eine ansteigende Arbeitslosigkeit als unvermeidbar an(und das Ende der 70er) und das steigende Arbeitslosigkeit eine immer größere Gefahr bedeuten für die Funktionsfähigkeit unserer Sozialsysteme ist eine logische Folge dieser Aussage, wobei sie natürlich nur implizit ist. Er deutet die sich zuspitzende Energiekrise an, die letztendlich Wachstumskrisen hervorrufen wird, in denen es unweigerlich zu Rezessionen kommen muss. Die Verrohung und Erkrankung der Massen , der man mit Überwachung und Kontrolle entgegnet und die zunehmende Zerstörung der Umwelt spricht er auch an, schlussendlich sieht er den Weltkrieg als drohende Gefahr (wobei diese Gefahr damals durch den Ost-West-Konflikt permanent über der Welt schwebte).”

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Tom August 7, 2012 at 16:24

Am Ende ist es völlig egal, wer diesen Text verfasst hat. Fakt ist: Die aufgezählten Symptome sind erkennbar und gehen einher, was Leute wie Celente vorhergesagt haben. Traurig nur, dass die Propaganda-Ministerien der “freien” Welt solche Wahrheiten weiter unterm Deckel halten und der doofe Michel das auch noch glaubt!

Gruss
Tom

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die Simpsons August 7, 2012 at 16:45

Das alles steht in den Propheizungen von berühmten Sehern, die dies schon vor hunderten von Jahren “gesehen haben”.Nichts Neues auf dem Planeten.

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Tom August 7, 2012 at 21:38

Jo, nur gelten diese Leute im Mainstream als Spinner… tja, was soll man machen, angesichts der vielen “wissenden” heutzutage…

Gruss
Tom

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khaproperty August 7, 2012 at 16:57

- Banken hatten seit je das Problem, daß dem einen nicht gefiel, as sie mit anderen machten.
So zogen einst in den späten 60ern des vorigen JH die Golfstaaten schlagartig ihre Milliarden-Einlagen aus der Beiruter (Libanon) Intrabank ab, nachdem sie das Gerücht vernahmen, man verwalte dort auch israelische Gelder. War es wohl Zufall, daß dies geschah, just als die durchaus bedeutende Intrabank sich den Privatbankier nebst Bank in Deutschland eingekauft hatte, um in Europa zu expandieren? So mußte die libanesische Bank in Konkurs gehen und die Expansion war gestoppt. Hiesige Institute wird es erfreut haben.
- Bernanke ist seit Ron Pauls Gesetzesinitiative zur Begrenzung seiner Macht ein lame duck. Der hält die Füße still bis zur Wahl und auch danach.
- Alle ziehen Geld aus dem Euro ab – länger bereits, denn man erkennt deutlich, daß er rückabgewickelt werden muß, um Europa retten zu können; meine Predigt seit Jahren.
- Die Libor-Manipulation soll von Schatzamt in GB oder BoE, welche ebendies jüngst dementierte, initiiert worden sein. Das staatliche Interesse daran ist jedenfalls evident. Ein interessanter Fall von Regulierung – in der Tat.
- Und Weizsäcker nebst Konsorten schreiben viel, wenn der Tag lang ist. Doom ist immer mal wieder modern – und fasziniert wahrlich immer eher die Intelligenz. Dummheit folgt eher thumbem Optimismus. Daher geht es ja meist auch nach oben – für gewisse Zeit. Allerdings auch wie aktuell ohne jeglichen sachlichen Grund, um dann um so stärker zu korrigieren, südwärts.
Ganz sicher gibt es angesichts des globalen staatlich initiierten Irrweges hemmungsloser Regulierungs- und Steuerungsmühen von USA über EU bis China etliche Jahre Rezession bis vielleicht, ja wahrscheinlich Depression.
Aber keinesfalls ewig. Japan ist immerhin im zweiten Jahrzehnt, das verloren ist und lebt noch recht komfortabel – allerdings in bisher noch halbwegs heiler ökonomischer globaler Umwelt.

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