Wildwasserfahrten mit George Soros im Facebook-Canyon – Schwimmwesten verboten

by markusgaertner on 15/08/2012 · 2 comments

2012-08-14_1739

Share

George Soros, Steve Cohen von SAC Capital Advisors und John Thaler’s JAT Capital Management haben jetzt für das zweite Quartal den Kauf von Facebook-Aktien ausgewiesen. Kümmert das einen ? Am Dienstag anscheinend nicht. Denn während die Meldung von diesen Käufen durch ausgewachsene Investment-Legenden über den Ticker lief, sank – verzeihung: Purzelte -die Facebook-Aktie weitere 5,7%, auf jetzt 20,38 Dollar.

Die Aktie des IPOs des Jahrzehnts – das sich als Wasserfolter ersten Ranges erwies – versinkt langsam in steter Traurigkeit. Und das, während Groupon am Dienstag sogar um 26,6% einbrach. Seit dem 52-Wochenhoch beträgt das Minus jetzt satte 82,2%.

Und alle reden ständig von einer Rally an der Wall Street. Realität, Kapitalmärkte und Propaganda entwickeln sich immer weiter aueinander. So weit, dass sich der THE BIG PICTURE-Blog gestern sogar über die Liebesaffäre der Börsianer mit dem Sadomasochismus lustig machte.

Putting aside the November Presidential election which I think will single handedly determine the direction of the stock market in the last two months of the year, we all seem to be waiting for what central bankers in Europe and the US will do. In the US, every single economic data point triggers a QE or not to QE debate and we’re all watching Spain to see when they’ll ask for help. In terms of what most excites market participants, that being central bank action, the market seems to love sadomasochism.

Allerdings kamen die Kurstreiber, Rally-Jongleure und Berufs-Optimisten gestern nicht mehr so richtig weiter, die Aktien in New York sahen richtungslos aus. Wie gewonnen, so zerronnen. Die US-Aktien konnten am Dienstag ihre Gewinne aus der ersten Hälfte der Börsensitzung nicht halten.

Zunächst überraschten die Konjunkturdaten aus dem Einzelhandel positiv. Mit Plus 0,8% stiegen die Verkaufserlöse der Händler und Shopping-Malls im Juli stärker als erwartet. Nach einem Minus von 0,7% im Juni weckt das neue Hoffnung, dass die ohnehin schwache Erholung in den USA doch nicht zum Stillstand kommt.

Erstmals seit vier Monaten geben die US-Verbraucher wieder mehr Geld im Handel aus als im Vormonat. Das war genau die Nachricht, die Börsianer im Sommerloch hören wollten. Hinzu kamen Zahlen aus Frankreich und Deutschland, die zwar niemanden begeistern können. Aber sie fallen nicht so schlecht aus, wie erwartet.

Frankreich entgeht im zweiten Quartal einer Rezession. Und das deutsche Bruttoinlandsprodukt konnte von April bis Juni mit Plus 0,3% immerhin zulegen. Die gute Nachricht daran: Aus Sicht des New Yorker Aktienmarktes droht keine schnelle Auflösung der Eurozone, wenn der Kern noch so hält.

Die schlechte Nachricht: Der Gegenwind wird aber stärker. – Das ist es wohl auch, was in der zweiten Hälfte der Börsensitzung an der Wall Street die Kursgewinne wieder zerbröseln ließ. – Am Ende notierte der Dow Jones Index wenig schmeichelhaft mit nur 0,02% im Plus. Der S&P 500 hat mit -0,01% ein minimales negatives Vorzeichen. Die Nasdaq schließt 0,2% leichter. Das ist wie wenn Usain Bolt über die Ziellinie stolpert.

Was heißt das für Anleger und Investoren in New York ?

Es bedeutet, dass keine umgehende Gefahr lauert und sich auf Sicht von Tagen oder Wochen vielleicht noch ein paar Prozentpünktchen mehr aus dem Markt heraus quetschen lassen. Aber je länger es dauert, bis die Notenbanken in Washington – und die EZB in Frankfurt – ihren markigen Ankündigungen Taten folgen lassen, desto nervöser dürfte der Aktienmarkt werden. Der Sommer könnte ungemütlich zu Ende gehen.

Gestern war das noch nicht der Fall. Aus dem Anleihemarkt in New York verabschiedete sich Kapital in Richtung risikofreudigerer Anlagesegmente, wie Rohstoffe. Das Resultat: Die Rendite der 10jährigen US-Anleihen stieg um sechs Basispunkte auf 1,73%. Währenddessen kletterte der GSCI, der Subindex im S&P für Rohstoffwerte, um 0,3%. Die Öl-Notierungen stiegen um 0,8%.

Das ist keine Rally, aber eine erkennbare Verschiebung, die eine gewisse – wahrscheinlich aber nur vorübergehende – Entspannung am Aktienmarkt signalisiert. Dass sich das ganz schnell ändern kann, wissen wir alle.

Mehr dazu in meinem heutigen Vorbericht für die Wall Street auf Gevestor.de

Share

{ 2 comments… read them below or add one }

Tom August 15, 2012 at 04:34

“Erstmals seit vier Monaten geben die US-Verbraucher wieder mehr Geld im Handel aus als im Vormonat. Das war genau die Nachricht, die Börsianer im Sommerloch hören wollten. ”

Oh, welch Wunder! Ende Juli geht die ” Back to School”-Saison los, wo mehr an Klamotten und Schulbedarf eingekauft wird und von daher die Umsätze steigen im Vergleich zu den eher “normalen” Monaten April- Juni. Die Zockertruppen freuen sich also über etwas, was Im Grunde jeder Verkäufer hier vohersagen könnte. Würden die Herren im Maßanzug mal die Mühe auf sich nehmen, und mal den Monat Juli mit den Letzten sechs Jahren vergleichen, würden sie sicherlich leicht merken, wohin die Reise tatsächlich geht. Naja, eine Weile wird es denen sicher gelingen, sich die Welt schön zu reden.

Gruß
Tom

Reply

HaPennyBacon August 15, 2012 at 12:49

Das mit der Kaufempfehlung für die Facebook-Aktie ist der absolute Witz finde ich. Schon am morgigen Donnerstag bestehen gute Chancen das dieses Papier noch viel weiter in den Keller geht. Die Herren Soros, Cohen und Thaler glauben wohl echt das die ganze Welt nur aus Idioten besteht die ihnen jeden Scheiss glauben.
http://www.heise.de/newsticker/meldung/Angst-vor-Kursabsturz-bei-Facebook-Insider-duerfen-aussteigen-1667940.html

Reply

Leave a Comment

*

Previous post:

Next post: