Alte Probleme, neue Gefahren, aber auch verblüffende Eingeständnisse

by markusgaertner on 17/08/2012 · 1 comment

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Eine Woche war ich nicht in meinem Blog-Newsroom. Und obwohl die Welt sehr in Bewegung ist, habe ich nichts verpasst. Im Gegenteil: Es fällt schwer, den bekannten Problemen neue Aspekte abzugewinnen.

Reuters berichtet, dass die Citigroup, Abbott Laboratories und AT&T zu 26 großen US-Firmen gehören, die 2011 mehr an ihre CEOs auszahlten, als sie an das Finanzamt überwiesen.

Wir wissen, was das heißt: Die Misshandlung von Publikumsfirmen als Geldautomaten für das Management – zum Schaden von Aktionären, Kunden, der Firmen-Philosophie und der Staatskasse – geht ungebremst weiter.

Jene, die hinter den Verwerfungen im Finanzsystem lediglich ein Bilanzproblem – oder mangelnde Aufsicht der Regulierer – vermuten, haben nicht die ganze Tragweite unserer Krise ausgelotet: Es ist ein Kulturproblem, nicht weniger.

Währenddessen warnt die New York Times im “DealBook” vor der nächsten Blase: Junk Bonds. Da Geldmarktfonds nichts zahlen, die Anleiherenditen im Keller sind und die Aktienmärkte zu unruhig, wandert immer mehr Anlagekapital in die Schuldpapiere von Firmen mit mäßiger bis miserabler Kreditwürdigkeit.

Das Problem, so die NYT: Die Geldschwemme in dieses Segment hinein ließ die Renditen einiger Papiere von 10% auf 4-5% fallen. Wenig Yield für viel Risiko. Ein verrückter Deal, der den vielen Eingriffen der Notenbanken in die Märkte zu verdanken ist.

Und während sich Antonis Samaras auf das Treffen mit Angela Merkel in der kommenden Woche warmläuft, wiederholt die Bundeskanzlerin bei ihrem Besuch in Kanada am Mittwoch und Donnerstag, sie sei bereit alles zu tun, um den Euro zu retten.

Man kann nur hoffen, dass das Samaras nicht in den falschen Hals bekommt und erwartet, dass damit auch mehr Flexibilität im Umgang mit der griechischen Regierung gemeint ist.

Derweil begehren wieder einmal Ökonomen auf, diesmal in Großbritannien. Eine Gruppe von Wirtschaftskundigen, die vor zwei Jahren die jetzige Regierung im Wahlkampf zur aktuellen Wirtschaftspolitik ermunterten, verlangt jetzt von George Osborne eine scharfe Kehrtwende. Er soll die Sparpolitik aufgeben und dafür mit Investitionen in die Infrastruktur die Konjunktur anschieben.

Das lässt Osborne wie einen nicht lernfähigen Idioten dastehen, dem die schlimmen Nebenwirkungen der Sparpolitik egal sind, während Angela Merkel in Ottawa die kanadischen Spartugenden als gutes Beispiel für Europa in den Himmel lobt.

Unterdessen hören wir aus dem Lager jener, die nach Meinung der Börsianer die Welt retten sollen, dass sie ihre eigenen Möglichkeiten bei weitem nicht so hoch einschätzen, wie der Chor derer, die noch eine Runde QE fordern. Jeffrey Lacker, der Präsident der Richmond-Fed, warnte am Donnerstag, die Möglichkeiten der US-Notenbank in dieser Phase der wirtschaftlichen Erholung (welcher eigentlich ?) würden überschätzt. – Nur eine kleine Klarstellung: WIR haben das in diesem Blog nie getan.

Lackers klare Worte: “There are a lot of people overestimating the extent to which monetary policy is capable of having any sustained effect on growth or labor markets.”

Aha, hmmm. Immerhin: Lacker gehört dem Offenmarktausschuss als stimmberechtigtes Mitglied an. Das erklärt wenigstens zu einem Teil das aktuelle Zögern der US-Geldhüter. Und es lässt ein wenig daran zweifeln, dass die Fed vor dem Jahresende wieder eine neue Geldschwemme startet.

Also, das ist folglich die Lage: Präsident und Kongress in Washington finden keinen Kompromiss zum Sparen, sie wollen sich vor der Wahl am 6. November nicht beim Einlenken erwischen lassen. Stattdessen sollen die Währungshüter es richten.

Die aber beurteilen ihre eigenen Möglichkeiten eher zurückhaltend, sonst hätten sie ja bereits gehandelt. Es sei denn, sie erwarten noch schlimmeres Ungemach für die Weltkonjunktur, insbesondere die amerikanische Wirtschaft, und halten deshalb ihr letztes Pulver trocken.

Dass zumindest in der US-Administration durchaus mit einer neuen Krise gerechnet wird, sehen wir an der zunehmenden Bewaffnung der Behörden. Vor ein paar Monaten war es das Heimatschutz-Ministerium, das – obwohl es keinen Verteidigungsauftrag nach außen hat – 760 Millionen Munition kaufte, mehr als zwei Kugeln für jeden Amerikaner. Jetzt legt sich die Sozialbehörde “US Social Security Administration” 174.000 Kugeln zu. Die Ausschreibung für den Auftrag läuft.

Die Munition soll nach Angaben von Experten ideal zur persönlichen Verteidigung geeignet sein. Aber vor wem ? Einbrechern in die Sozialkasse ? 174.000 Stück ? Oder einfach nur für Schießübungen frustrierter Beamter am Wochenende ?

So wenig wissen wir: Ein großer Teil der Munition soll in ein Büro der Behörde in Baltimore eingelagert werden. In diesem Büro wird gegen Sozialbetrug ermittelt.

Jetzt schwant uns etwas: Auch Uncle Sam kommt ja aus seinem Schuldenloch nur mit kräftigen Einsparungen heraus, wenn nicht alle Verbindlichkeiten über Schuldenerlass oder Inflationierung aufgelöst werden sollen. Auf der Liste der Greueltaten stehen mit Sicherheit auch Einschnitte bei sozialen Leistungen. Und: eine schärfere Verfolgung derer, die das Sozialsystem ausnutzen, oder künftig von dessen Wohltaten ausgeschlossen werden sollen.

Darauf bereit sich die Regierung gezielt vor. Und gesteht dabei die Möglichkeit von Unruhen, zumindest größeren Protesten, ein.

Mit der schönen heilen Welt derer, die uns einen DOW bei 15.000 prognostizieren und im kommenden Jahr 3% BIP-Wachstum erwarten, hat das nichts zu tun.

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Raus aus Deutschland August 17, 2012 at 04:51

Aus dem Chaos heraus wird eine neue Ordnung geboren!

Zumindest in Deutschland werden das die meisten “Weicheier” nicht realisieren, was dies wirklich heisst.

Gut für die welche vorgesorgt haben.
Für mich hat sich zuviel Habgier und Geiz bei den Menschen angesammelt.

Das wird alles wieder ins rechte Lot gerückt werden.
Ich bin da unbesorgt!

Gute Zeiten für geistig offene und flexible Menschen.

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