US-Dürre heizt die weltweite Inflationsangst wieder kräftiger an

by markusgaertner on 17/08/2012 · 2 comments

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Die USA erleben die schlimmste Dürre seit den 50er Jahren. Tausende Feuerwehrleute kämpfen gegen Dutzende Wald- und Buschbrände, die sich immer stärker ausbreiten. Nach Berichten des Senders CNN gab es am Donnerstag allein in 13 Bundesstaaten westlich des Mississippi mindestens 70 große Feuer.

Die Flammen werden bei heißen Winden immer wieder neu entfacht und fressen sich angesichts extremer Dürre rasch vorwärts – in ohnehin angespannter Lage.

Drohende Ernteausfälle ließen bereits seit Ende Juni die Maispreise um 44 Prozent steigen. Die Notierungen für Sojabohnen schossen 30 Prozent in die Höhe. Schon schlägt die Dürre in den USA selbst auf die deutschen Mühlen durch: Knappe Weltmarktvorräte treiben die Preise für Getreide, aus dem Mehl für Brot und Brötchen wird.

Die Mühlbetriebe in Deutschland sitzen plötzlich auf enormen Mehrkosten. Bekommen das jetzt auch die Kunden zu spüren? Drohen Brotpreiserhöhungen?

Schon allein die Furcht vor galoppierenden Nahrungspreise könnten vor allem in Asien – wie schon 2011 – die Geldhüter nervös machen. Zögern sie aus Furcht vor mehr Inflation mit der geplanten Lockerung der Geldpolitik, dann wird die Weltwirtschaft vielleicht ganz abgewürgt. Der Internationale Währungsfonds hat erst vor einem Monat seine Prognose für die Entwicklung des Bruttoinlandsprodukts (BIP) in 2012 nach unten korrigiert.

Das könnte er im schlimmsten Fall bald schon wieder tun. Denn der “Empire State Index” der Notenbankzweigstelle in New York plumpste im laufenden Monat unter die Nullinie. Mit Minus 5,9 Zählern signalisiert das Barometer eine schrumpfende Wirtschaft. Die Auftragseingänge sind auf dem niedrigsten Stand in einem Jahr.

Schwache Nachfrage sowie anschwellende Vorratslager geben der US-Industrie wenig Grund zu investieren und neue Jobs auszuschreiben. Mehr als jede zweite Firma im Empire Index gibt an, dass ihre Personalplanung unter der anhaltenden Unsicherheit leidet.

In der Euro-Zone sorgen derweil schwache Peripheriemärkte und sparende Regierungen für eine Fortsetzung der Rezession. Und in China warnt Premier Wen Jiabao, “der Abwärtsdruck in unserer Wirtschaft ist nach wie vor groß, und die Probleme könnten eine Weile anhalten.”

Die Nachfrage ist allerorten so schwach, dass selbst Hobbyhändler und auf zusätzliches Cash angewiesene Steuerzahler auf Ebay über eine Flaute klagen. Mies gelaunte Verbraucher und schwach ausgelastete Kapazitäten in vielen Firmen: In diesem Umfeld hat es Inflation derzeit eigentlich schwer. Die Teuerungsrate verharrte in Deutschland im Juli auf einem 18-Monatstief bei 1,7 Prozent.

In den USA haben sich die Preise im Warenkorb im Juli nicht verändert, verglichen mit dem Vormonat Juni. Auch im Reich der Mitte sank die Inflationsrate im Juli auf 1,8 Prozent. Für Konsumenten und Notenbanker ist das gute Kunde. Die Geldhüter haben jetzt mehr Spielraum, die flauen Konjunkturen in Asien, Europa und Nordamerika stärker anzuschieben.Und sie haben bereits damit begonnen.

Mehr dazu in meinem heutigen Bericht im Manager Magazin

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