Wahlkampf in Deutschland, zittern in USA, ungewohnte Flaute in Asien

by markusgaertner on 04/09/2012 · 18 comments

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Apple ist inzwischen nicht nur die teuerste Firma der Welt, sondern mit 624 Mrd. Dollar Kapitalisierung auch mehr wert als alle börsennotierten Firmen in Portugal, Irland, Griechenland und Spanien zusammen. Das gilt auch im Vergleich zum MSCI China Index. Apple übertrumpft sie alle. – Doch das spricht nicht für Apple, sondern gegen Europa.

Gestern hat Moody´s seinen Kreditausblick für die Eurozone auf negativ herabgestuft. – Der O-Ton Moody´s:The negative outlook on the EU’s long-term ratings reflects the negative outlook on the Aaa ratings of the member states with large contributions to the EU budget: Germany, France, the UK and the Netherlands, which together account for around 45 percent of the EU’s budget revenue.

Und während die Schuldenmisere unter den rhetorischen Nebelbomben der Notenbanker Bernanke und Draghi ungebremst (im Gegenteil) weiter schwelt, beginnt Bundeskanzlerin Merkel ihren Wahlkampf für 2013. In Abensberg stellte sich die eiserne Sparkanzlerin, deren Haushaltspolitik ein wichtiges Werkzeug in der Anleihepolitik der Banken ist, auf die Seite der Wähler, deren Ersparnisse sie seit Monaten zu unterminieren hilft.

Die Herausforderung für Politiker sei es jetzt, so Merkel, die Unterstützung der Wähler dafür zu gewinnen, dass die Schuldenberge auf ein Maß reduziert würden, die die Finanzmärkte aus dem Blickfeld der Spekulanten rücken würde. Die Märkte hätten in den letzten Jahren nicht den Menschen gedient. – Kein Wunder auch, wenn alles getan wird, um bis hin zu allen Krisengipfeln das Tun der Politik allein an der Stabilität der banken auszurichten.

Währenddessen warnte Wolfgang Schäuble vor falschen Erwartungen an die Europäische zentralbank. Im Klartext: Die krise wird so schnell nicht gelöst werden. Und die Schäubles Chefin übernimmt für die Wahl, die vor dem Grande Finale dazwischen kommt, schon einmal die Deutungshoheit: Die Märkte waren es, die Politiker sind nur die Getriebenen, dem Volk wurde Unrecht getan.

Dennoch „brauchen wir Europa, aber eines, das stark in der Welt ist.“

Trotz der Beschwörungen der Kanzlerin gleitet Deutschland immer weiter in den Sog der Krise ab. Den bekommt auch Asien immer stärker zu spüren. Ganz Asien steht nun unter dem Eindruck der schwachen Nachfrage aus den Krisenregionen in Europa.

Chinas Einkaufsmanager-Index ist ja seit dem Wochenende det bekannteste – aber nicht der einzige – Beweis. Das Verarbeitende Gewerbe in der Volksrepublik steht jetzt so schwach da wie seit dem Höhepunkt der Krise nicht mehr.

Auch die industrielle Tätigkeit in Südkorea schrumpft. Und in Taiwan beschleunigt sich der Abschwung. Japan hat den Schwung, den es durch die Aufräum- und Wiederaufbauarbeiten nach dem Erdbeben erwartet hatte, nie erreicht. Indiens Industrie wächst gerade noch. In Südostasien kann die größte Volkswirtschaft – Indonesien – positiv überraschen.

Und in den USA fiebert – und zittert – man den Jobzahlen entgegen, die am Freitag für den August gemeldet werden. Gegenüber dem Zuwachs von 163.000 Arbeitsplätzen im Juli hoffen die Analysten diesmal für den August nur noch auf 120.000. Das ist nicht einmal halb so viel wie das Land bräuchte, um sichtbar die Arbeitslosigkeit abzubauen.

Doch die Zahl könnte über die Präsidentenwahl am 6. November mit entscheiden. Sie wird ganz sicher den nächsten Schritt der US-Währungshüter beeinflussen. Der Offenmarkt-Ausschuss der Fed tagt kommende Woche am 12. und 13.

Viele hoffen, dass Bennie Boy dann wieder ein Einsehen mit den Märkten haben wird. – Die Sparer können den Tag aus ihrem Leben streichen.

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