Donnerstag ist Draghis Tag – Euro gerettet, Konvergenz umgekehrt ?

by markusgaertner on 06/09/2012 · 20 comments

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Die New York Times bringt in ihrer Onlineausgabe die Kernaussage der gestern veröffentlichten neuen Weltrangliste des Weltwirtschaftsforums sehr gut auf den Punkt.

Während alle anderen graben und nach Gründen suchen, warum die USA diesmal vom 5. auf den 7. Rang abrutschen – der vierte Abstieg in Folge – und warum die BRICs-Länder China und Indien ebenfalls Positionen verlieren, richtet die NYT ihr Augenmerk im Medaillenspiegel der wettbewerbsstärksten Nationen auf die Spaltung und Zersplitterung Europas.

In der Liste der 144 Länder nimmt das Eurozonen-Mitglied Finnland den dritten Platz ein, während Griechenland auf dem 96. Rang endet. Die Eurozone dehnt sich fast über die komplette Weltrangliste aus.

Was heißt das ? – Es heißt, dass hohe Wettbewerbsfähigkeit in Europa auf den Norden und Westen beschränkt bleibt, wie die NYT richtig liest. Während das keinerlei Nachrichtenwert hat, sondern lediglich eine Bestätigung des Bekannten ist, fällt die Schlussfolgerung umso brisanter aus.

Der Konvergenz-Prozess der Eurozonen-Länder und -volkswirtschaften, den die Architekten des Euro im Sinn hatten – und den Angela Merkel jetzt neu anfachen will – hat den Rückwärtsgang eingelegt. – Jetzt können wir hier alle trefflich streiten, warum das so ist, ob es auf den Euro direkt zurückfällt, oder auf die miserable Krisenpolitik der vergangenen drei Jahre. Sicher trifft beides in gewissem Umfang zu.

Doch es bleibt dabei: Es wächst nicht zusammen, was zusammen geführt werden soll, sondern fällt auseinander.

Welche Wucht diese Entwicklung bereits erreicht hat, das illustriert die NYT heute in einer schönen Geschichte am Beispiel des spanischen Managers Julio Vildosola. Dieser hat gerade nach sechs Jahren bei einem internationalen Unternehmen in Barcelona seine Koffer gepackt und ist mit seiner ganzen Familie in die Nähe von Cambridge nach Großbritannien umgezogen.

Vor einer Woche ist er ins Flugzeug gestiegen. Seine Ersparnisse hat er komplett von den spanischen Banken abgezogen. Spanier – und Ausländer – haben das im Juli im Umfang von 75 Mrd. Euro getan. Inklusive Portfoliokapital aus verkauften spanischen Anleihen und Aktien, das dem Land den Rücken kehrt.

Das entspricht 7% des Bruttoinlandsprodukts. Diese Kapitalflucht hat in den vergangenen drei Monaten laut einem Research-Papier von Nomura 50% des BIP erreicht. Sollte sich dieser Vorgang im August noch beschleunigt haben, was wir in den kommenden Tagen lernen werden, zieht der Bailout für das ganze Land ebenfalls um: Von der Gerüchteküche mitten auf die Monitore von Bloomberg, Merkel und Draghi (Autsch, was für eine Kombo).

Fakt ist: Das Geld fließt jetzt schneller aus Spanien ab, als es die EU nachpumpen kann, denn zuletzt wurden ja bis zu 100 Mrd. Euro frisches Kapital für das Bankensystem zugesagt.

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