Angela Merkel als Ufo-Pilotin – US-Supermärkte im Sotheby-Fieber

by markusgaertner on 08/09/2012 · 10 comments

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Vielleicht kann sich Angela Merkel demnächst der Gewerkschaft Ufo anschließen. Die Flugbegleiterinnen der Lufthansa würden sich über prominente Unterstützung freuen. Unter der Würde der Kanzlerin wäre eine Kabinen-Karriere seit diesem Donnerstag nicht mehr unbedingt.

Denn sie wurde von Mario Draghi gerade radikal degradiert: Von der mächtigsten Frau der Welt (Forbes 2012) zur simplen Co-Pilotin, wie  Cicero-Chefredakteur Christoph Schwennicke in einem Gastbeitrag für den Spiegel völlig zurecht feststellt.

Die Druckwelle von Marios Bazooka hat also nicht nur die Aktien weltweit noch mehr in die Höhe katapultiert. Das „friendly fire“ aus Frankfurt wird für die Kanzlerin mit Blick auf die nahende Wahl in Deutschland auch zur peinlichen Offenbarung.

Vor dem Draghi-Coup agierte die Kanzlerin wenigstens noch an den Fäden der Goldman-Mafia. Jetzt taugt sie im Drehbuch des Eurokrisen-Managements nur noch für die Augsburger Puppenkiste.

Dieser schlimme Abstieg kommt ausgerechnet zu einer Zeit, in der erste Beweise für die möglichen Früchte des Modells Merkel auftauchen. Es ist ja schicke Mehrheitsmeinung geworden, dass Austerität strikter Art, wie sie Griechenland von den Gläubigern verordnet wurde, direkt in den ökonomischen Abgrund führt.

In Athen und im Rest des Hellenen-Landes scheinen an jeder Ecke dafür auch genügend Beweise zu liegen. Doch in Großbritannien, das sich drakonische Sparmaßnahmen durch seine Koalitionsregierung selbst verordnet hat, kommt nun etwas Licht in den Tunnel. Das relativiert die Befunde in Griechenland.

Für mich sieht das ehrlich gesagt etwas überraschend und verfüht aus, was da aus Großbritannien zu hören ist. Aber laut dem National Institute of Economic and Social Research (NIESR) legte der Industrie-Ausstoß im Juli mit 3,2% im Monatsvergleich so stark zu wie seit 25 Jahren nicht mehr.

Hat sich Popeye in London durch die Immigration geschlichen und einen Schwarzmarkt für Spinat aufgemacht ? Oder geht es mit rechten Dingen zu ? Das BIP hat in den drei Monaten bis August um 0,2% zugelegt, berichtet das Office for National Statistics. Das sind nicht gerade chinesische BIP -Zahlen. Aber nach schmerzlichem Schwund und Minuszeichen sieht das auch nicht mehr aus.

Wenn man den Energiesektor und den Bergbau dazu nimmt, kommt laut dem Telegraph für den Juli ein Plus von 2,9% heraus, nach -2,4% im Juni. Das ist eine recht breite Basis, wenn man bereit ist, das Ergebnis nur eines Monats als Beweis für eine Wende zu akzeptieren. Howard Archer, der Chefökonom für Europa bei IHS Global Insight, bezeichnet diesen Rebound jedenfalls schonmal als „signifikanten Anstieg.“

Doch Zweifel bleiben. Selbst bei Investmentbanken. Dort räumen Analysten zwar ein, dass die EZB jetzt reichlich Munition für ihre frisch präsentierte Mission aufgefahren hat. Doch die Furcht existiert, dass die EZB am Ende eine Rezession nicht verhindern kann, oder gar verschärfen wird.

In den USA steht dies nach Auffassung vieler im kommenden Jahr an, wenn es Republikanern und Demokraten nicht gelingt, gemeinsam durch einen Sparpakt – der Defizite eindämmt und trotzdem Investitionen fördert – das berüchtigte „fiskalische Kliff“ noch rechtzeitig zu umschiffen.

Rund 50 Mio. Amerikaner konnten sich in den vergangenen 12 Monaten zu irgendeinem – oder mehreren – Zeitpunkten nicht die benötigten Lebensmittel kaufen, haben wir in dieser Woche gelesen. Knapp 47 Mio. Landsleute gelten nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Washington derzeit als Besucher diverser Suppenküchen.

Wie schlimm es für weite Teile der Bevölkerung im „reichsten Land der Erde“ aussieht, daran erinnert uns heute ein Bericht im Business Insider. Die Supermärkte im Land führen „Nahrungs-Auktionen“ ein, in denen Kunden für Lebensmittel am Ablaufdatum bieten können. Gefrorenes Huhn für einen Dollar pro Pfund, oder 12 große Yoghurt-Packungen für 2,50 Dollar, sind Beispiele, die genannt werden.

Für das BI-Blog wirft dies die Frage auf, wie weit die 320 Mio. Amerikaner zu gehen bereit sind, um auf ihre Einkäufe für Lebensmittel zu sparen. Für mich wirft das die Frage auf, wieviel noch fehlt, bis – wie bereits in Spanien geschehen – Gewerkschaften (oder Mitglieder anderer Organisationen) Supermärkte stürmen und in der Manier von Robin Hood die Regale leer räumen, um Nachschub für die Armen im Land zu besorgen.

Anders herum gesagt: Jetzt, wo die die Notenbanken mit offiziellem Segen dauerhaft die Zinsen manipulieren – und der Markt für billige Refinanzierungen der Regierungen nur offen gehalten wird, wenn Ausgaben und Löhne weiter gedrückt werden – ist die Dampfwalze über der Mittelklasse endgültig aufgefahren – und die Machtergreifung der Geldhüter praktisch abgeschlossen.

Währenddessen ziehen sich diejenigen, die ihnen den Weg geebnet haben – zum Beispiel Timothy Geithner (zum Beispiel durch Duldung der LIBOR-Manipulation, oder Drehtüren-Politik in der Obama-Administration) – in die Arme ihrer Auftraggeber zurück. Der US-Finanzminister soll bereits einen Vertrag mit Goldman Sachs unterschrieben haben.

Wir erinnern uns: Am 11. August hat das US-Justizministerium nach einem Jahr Ermittlungen von einer Klage gegen Goldman Sachs abgesehen. In einem brisanten Bericht des „Permanent Subcommittee on Investigations“ im US-Senat war im April 2011 auf 635 Seiten im Detail aufgezeigt worden, wie die USA in die Finanzkrise gerieten.

Hier ein Auszug von der Webseite des Untersuchungs-Ausschusses, der vieles sagt:

Today’s report presents new facts, new findings and recommendations, with more than 700 new documents totaling over 5,800 pages. It recounts how Washington Mutual aggressively issued and sold high-risk mortgages to Wall Street, Fannie Mae, and Freddie Mac, even as its executives predicted a housing bubble that would burst, and offers new detail about how its regulator deferred to the bank’s management. New documents show how Goldman used net short positions to benefit from the downturn in the mortgage market, and designed, marketed, and sold CDOs in ways that created conflicts of interest with the firm’s clients and at times led to the bank’s profiting from the same products that caused substantial losses for its clients.

Draghi ist ein ehemaliger „Goldman.“ Und er hat von Angela Merkel das Ruder übernommen.

Sparer in Deutschland retten sich derweil in Immobilien. Italiener, die noch über Erspartes verfügen, schieben es nach Deutschland oder in die Schweiz. Reiche Chinesen bringen es nach Sydney, Vancouver, New York oder London, bevor der fünften Führungsgeneration die Zügel entgleiten. Und der verratene Mittelstand Obamas ersteigert Lebensmittel am Verfallsdatum.

Guten Appetit allerseits. – Das Grande Finale lässt vielleicht doch nicht mehr so lange auf sich warten.

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