Angela Merkel als Ufo-Pilotin – US-Supermärkte im Sotheby-Fieber

by markusgaertner on 08/09/2012 · 10 comments

2012-07-17_1844

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Vielleicht kann sich Angela Merkel demnächst der Gewerkschaft Ufo anschließen. Die Flugbegleiterinnen der Lufthansa würden sich über prominente Unterstützung freuen. Unter der Würde der Kanzlerin wäre eine Kabinen-Karriere seit diesem Donnerstag nicht mehr unbedingt.

Denn sie wurde von Mario Draghi gerade radikal degradiert: Von der mächtigsten Frau der Welt (Forbes 2012) zur simplen Co-Pilotin, wie  Cicero-Chefredakteur Christoph Schwennicke in einem Gastbeitrag für den Spiegel völlig zurecht feststellt.

Die Druckwelle von Marios Bazooka hat also nicht nur die Aktien weltweit noch mehr in die Höhe katapultiert. Das “friendly fire” aus Frankfurt wird für die Kanzlerin mit Blick auf die nahende Wahl in Deutschland auch zur peinlichen Offenbarung.

Vor dem Draghi-Coup agierte die Kanzlerin wenigstens noch an den Fäden der Goldman-Mafia. Jetzt taugt sie im Drehbuch des Eurokrisen-Managements nur noch für die Augsburger Puppenkiste.

Dieser schlimme Abstieg kommt ausgerechnet zu einer Zeit, in der erste Beweise für die möglichen Früchte des Modells Merkel auftauchen. Es ist ja schicke Mehrheitsmeinung geworden, dass Austerität strikter Art, wie sie Griechenland von den Gläubigern verordnet wurde, direkt in den ökonomischen Abgrund führt.

In Athen und im Rest des Hellenen-Landes scheinen an jeder Ecke dafür auch genügend Beweise zu liegen. Doch in Großbritannien, das sich drakonische Sparmaßnahmen durch seine Koalitionsregierung selbst verordnet hat, kommt nun etwas Licht in den Tunnel. Das relativiert die Befunde in Griechenland.

Für mich sieht das ehrlich gesagt etwas überraschend und verfüht aus, was da aus Großbritannien zu hören ist. Aber laut dem National Institute of Economic and Social Research (NIESR) legte der Industrie-Ausstoß im Juli mit 3,2% im Monatsvergleich so stark zu wie seit 25 Jahren nicht mehr.

Hat sich Popeye in London durch die Immigration geschlichen und einen Schwarzmarkt für Spinat aufgemacht ? Oder geht es mit rechten Dingen zu ? Das BIP hat in den drei Monaten bis August um 0,2% zugelegt, berichtet das Office for National Statistics. Das sind nicht gerade chinesische BIP -Zahlen. Aber nach schmerzlichem Schwund und Minuszeichen sieht das auch nicht mehr aus.

Wenn man den Energiesektor und den Bergbau dazu nimmt, kommt laut dem Telegraph für den Juli ein Plus von 2,9% heraus, nach -2,4% im Juni. Das ist eine recht breite Basis, wenn man bereit ist, das Ergebnis nur eines Monats als Beweis für eine Wende zu akzeptieren. Howard Archer, der Chefökonom für Europa bei IHS Global Insight, bezeichnet diesen Rebound jedenfalls schonmal als “signifikanten Anstieg.”

Doch Zweifel bleiben. Selbst bei Investmentbanken. Dort räumen Analysten zwar ein, dass die EZB jetzt reichlich Munition für ihre frisch präsentierte Mission aufgefahren hat. Doch die Furcht existiert, dass die EZB am Ende eine Rezession nicht verhindern kann, oder gar verschärfen wird.

In den USA steht dies nach Auffassung vieler im kommenden Jahr an, wenn es Republikanern und Demokraten nicht gelingt, gemeinsam durch einen Sparpakt – der Defizite eindämmt und trotzdem Investitionen fördert – das berüchtigte “fiskalische Kliff” noch rechtzeitig zu umschiffen.

Rund 50 Mio. Amerikaner konnten sich in den vergangenen 12 Monaten zu irgendeinem – oder mehreren – Zeitpunkten nicht die benötigten Lebensmittel kaufen, haben wir in dieser Woche gelesen. Knapp 47 Mio. Landsleute gelten nach Angaben des Landwirtschaftsministeriums in Washington derzeit als Besucher diverser Suppenküchen.

Wie schlimm es für weite Teile der Bevölkerung im “reichsten Land der Erde” aussieht, daran erinnert uns heute ein Bericht im Business Insider. Die Supermärkte im Land führen “Nahrungs-Auktionen” ein, in denen Kunden für Lebensmittel am Ablaufdatum bieten können. Gefrorenes Huhn für einen Dollar pro Pfund, oder 12 große Yoghurt-Packungen für 2,50 Dollar, sind Beispiele, die genannt werden.

Für das BI-Blog wirft dies die Frage auf, wie weit die 320 Mio. Amerikaner zu gehen bereit sind, um auf ihre Einkäufe für Lebensmittel zu sparen. Für mich wirft das die Frage auf, wieviel noch fehlt, bis – wie bereits in Spanien geschehen – Gewerkschaften (oder Mitglieder anderer Organisationen) Supermärkte stürmen und in der Manier von Robin Hood die Regale leer räumen, um Nachschub für die Armen im Land zu besorgen.

Anders herum gesagt: Jetzt, wo die die Notenbanken mit offiziellem Segen dauerhaft die Zinsen manipulieren – und der Markt für billige Refinanzierungen der Regierungen nur offen gehalten wird, wenn Ausgaben und Löhne weiter gedrückt werden – ist die Dampfwalze über der Mittelklasse endgültig aufgefahren – und die Machtergreifung der Geldhüter praktisch abgeschlossen.

Währenddessen ziehen sich diejenigen, die ihnen den Weg geebnet haben – zum Beispiel Timothy Geithner (zum Beispiel durch Duldung der LIBOR-Manipulation, oder Drehtüren-Politik in der Obama-Administration) – in die Arme ihrer Auftraggeber zurück. Der US-Finanzminister soll bereits einen Vertrag mit Goldman Sachs unterschrieben haben.

Wir erinnern uns: Am 11. August hat das US-Justizministerium nach einem Jahr Ermittlungen von einer Klage gegen Goldman Sachs abgesehen. In einem brisanten Bericht des “Permanent Subcommittee on Investigations” im US-Senat war im April 2011 auf 635 Seiten im Detail aufgezeigt worden, wie die USA in die Finanzkrise gerieten.

Hier ein Auszug von der Webseite des Untersuchungs-Ausschusses, der vieles sagt:

Today’s report presents new facts, new findings and recommendations, with more than 700 new documents totaling over 5,800 pages. It recounts how Washington Mutual aggressively issued and sold high-risk mortgages to Wall Street, Fannie Mae, and Freddie Mac, even as its executives predicted a housing bubble that would burst, and offers new detail about how its regulator deferred to the bank’s management. New documents show how Goldman used net short positions to benefit from the downturn in the mortgage market, and designed, marketed, and sold CDOs in ways that created conflicts of interest with the firm’s clients and at times led to the bank’s profiting from the same products that caused substantial losses for its clients.

Draghi ist ein ehemaliger “Goldman.” Und er hat von Angela Merkel das Ruder übernommen.

Sparer in Deutschland retten sich derweil in Immobilien. Italiener, die noch über Erspartes verfügen, schieben es nach Deutschland oder in die Schweiz. Reiche Chinesen bringen es nach Sydney, Vancouver, New York oder London, bevor der fünften Führungsgeneration die Zügel entgleiten. Und der verratene Mittelstand Obamas ersteigert Lebensmittel am Verfallsdatum.

Guten Appetit allerseits. – Das Grande Finale lässt vielleicht doch nicht mehr so lange auf sich warten.

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Joker September 8, 2012 at 09:07

In UK beherrscht – bis morgen abend – noch die “Spiele” Pille zum Ruhigstellen das Land. Das Land taumelt seit dem Beginn der “Brot und Spiele” Saison, including Diamond Jubilee, also seit Fruehling – jenseits der Realitaet. Ob und wie zuverlaessig die Zahlen sind, vermag ich nicht zu beurteilen.

Dafuer rumort es ganz gewaltig, in der Koalition, weil die Polls fuer Tories und Liberaldemokraten schlecht sind – Labour liegt momentan vorne, obwohl die auch nichts zu sagen haben (und deswegen geschickterweise auch nichts sagen).
Der rechte (langsam marginalisierte) Fluegel der Tories dreht langsam durch, und hat in diesem Prozess das letzte “Pet” project der Lib – die Reform des Oberhauses – verhindert. (Nun hat sich die Regierung auch daemlich angestellt, es war in der Sache nicht ganz unverdient).
Und, offensichtlich gehen Osborne &Co langsam die Muffensausen, dass die “Recovery” nicht mehr rechtzeitig zu den Wiederwahlen 2015 einsetzt. Was im Moment gerade hilft, die Stimmung ein bisschen zu retten, ist der merkliche Wiederanstieg des Pfundes gegen den Euro – hilft waehrend der Urlaubssaison. Nur es hilft natuerlich nicht bei Exporten.

Schaun wir mal, wie das erwachen aussieht…

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dank September 8, 2012 at 11:39

Es ist Zeit.

Zeit für eine neue Boston Tea Party.

Nur die Strasse wird nichts ändern – das fühlen, denken und wissen alle, die sich näher mit dem Thema beschäftigen.

Es braucht Zeichen.

Eindeutige Zeichen…

>>New Boston Tea Party<<

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Super September 8, 2012 at 12:48

Wie immer mit Vergnügen zu lesen. Vielen Dank für Ihren Blog.

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arjuna_de September 8, 2012 at 14:00

»Sparer in Deutschland retten sich derweil in Immobilien« … bis auf die wenigen Weitsichtigen, die am Horizont schon den Komplett-Reset des Finanzsystzems erkennen oder/und eine Zeit vollkommener (sic!) Unsicherheit und Unbestimmtheit auf uns zukommen sehen. Diese wenigen Klugen investieren jetzt erst einmal GAR nicht, sondern tauschen nur:
(1) so viele Vermögenswerte wie nur irgendmöglich in Euro, und von dort
(2) peu à peu (weil anonym) die Euro-Guthaben in Silber und Gold.
Ihr Gewinn, strategisch: Sie fallen keiner Immobilienblase zum Opfer, sondern schützen ihr Vermögen einfach, punktum.
Ihr Gewinn, finanziell: unabsehbar. Vielleicht nur paar Prozent, was immer noch besser wäre als bei Festgeld und Sparbuch. Vielleicht aber auch eine Vervielfachung: weil beide Metalle massiv unterbewertet sind, die Manipulatoren dem Nachfragedruck aber langsam nicht mehr standhalten. (Erst gestern, 7. September, gaben die Ingerventionen die 1700-$-Marke auf, gegen 14:20: Der Goldpreis schoss daraufhin genauso senkrecht in die Höhe, wie er seit Jahrzehnten fast wöchentlich unbegründet und in Sekunden immer wieder nach unten geschossen war, als Ausdruck beharrlicher Manipulation.)

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Zwingmann September 8, 2012 at 18:02

Es war nicht allein Draghi, sondern auch Schäuble. Das Buch über die zwei Leben von Schäuble zeigt, dass in Schäuble
unbändige Wut (oder auch Hass) gegenüber Kohl und Merkel vorhanden ist. Merkel hat verhindert, dass Schäuble
Bundespräsident wurde. Er rächt sich jetzt, indem er auf EU-Ebene Gouverneur des ESM werden will, und ihm damit
Merkel unterstellt ist. Das Dreieck Kohl, Schäuble und Merkel wäre interessanter Stoff für jeden Psychiater,
drei eiskalte und skrupellose Soziopathen und Egomanen, die da aufeinandergestoßen sind. Was interessiert da schon
das Leiden von Millionen Deutschen.
Das ist die reine Wahrheit.

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Marco September 9, 2012 at 10:08
Bernd September 9, 2012 at 13:17

Unfaßbar, 180 Grad Wendung der Kanzlerin, Merkel maßregelt Bundesbankpräsident. Diese Frau führt die Deutschen in die nächste Katastrophe. Das wird für die Deutschen der 6. Totalschaden in 100 Jahren.

“Kanzlerin Merkel stellt sich gegen Bundesbank

In der Eurokrise unterstützt die Bundeskanzlerin plötzlich den Kurs der EZB, die den Ankauf von Anleihen aus Schuldenstaaten angekündigt hat. Und sie selbst erhält dabei immer mehr Unterstützung.”
http://www.welt.de/wirtschaft/article109105831/Kanzlerin-Merkel-stellt-sich-gegen-Bundesbank.html

Wieso macht sie das? Mal sehen was sie nach ihrer Kanzlerschaft macht, vielleicht wissen wir dann mehr. Schröder/Fischer wurden Gaslobbyisten (Danke an die Zwei für die hohen Gaspreise), wird Merkel womöglich Beraterin von Goldmann Sachs?

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peterb September 9, 2012 at 13:47

@Bernd
“Wieso macht sie das?”

Wieso sie das macht? Sie tut nur, was sie schon immer getan hat, wenn der Gegenwind kräftiger wurde.
Sie fällt um.
Ohne Bedenken, ohne Gewissensbisse, ohne rot zu werden.
Weil sie an nichts und niemandem interessiert ist, außer an sich selbst und der Macht.

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vlk September 9, 2012 at 20:12

Armes Deutschland – ahnungslos ins Abseits

Ich frag mich immer wieder wie Sie so nüchterne Artikel hinbekommen bei all der Sauerei in der Welt Herr Gärtner. Respekt !

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markusgaertner September 11, 2012 at 06:50

… bisher unbestätigt …

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