Die Brandbeschleuniger der Fed

by markusgaertner on 11/09/2012 · 8 comments

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Noch einmal schlafen, dann ist B-Day. Ben Bernanke wird – da sind sich die meisten Beobachter sicher (ich nicht ganz) – morgen dem geldpolitischen Gaspedal wieder einen ordentlichen Tritt verpassen. Die Notenbank kauft dann wieder mehr Anleihen – oder auch zusätzlich Hypothekenpapiere – um die Zinsen weiter zu drücken.

Und wieder wird sie nicht viel erreichen. Aber nur, was die erwünschten Effekte angeht. Bei den unerwünschten – und skrupellos von den Geldhütern geduldeten Nebeneffekten – sieht das ganz anders aus. Gleich mehr dazu.

Erst einmal das Aktuelle, Nachrichten und Zahlen die erklären, warum eine Bazooka nicht viel hilft, wenn man sie in die leere Wüste schießt, anstatt auf ein lohnendes Ziel. Aber das fehlt ja der Fed, wie wir gleich sehen werden.

Von der Fed selbst hörten wir am Montag, dass die Konsumentenkredite in den USA im Juli zum ersten Mal in fast einem Jahr wieder schrumpften. Der schwache Jobmarkt, die wieder anziehenden Benzinpreise und die stagnierenden Reallöhne setzen selbst amerikanischen Konsum-Stopfgänsen enge Grenzen.

Im Detail: Die Kredite der US-Verbraucher nahmen im Juli 3,28 Mrd. Dollar ab. Das war sehr deutlich unterhalb jener 9,1 Mrd. Dollar Zunahme, die die schlauen Köpfe der Wall Street erwartet hatten. Im Klartext: Die US-Verbraucher gehen wieder in einen vorsichtigeren Modus über, sie bauen Schulden ab.

Sie haben auch allen Grund dazu.

Die Konsumenten sind aber mit ihrer Abneigung gegen Kredite nicht alleine. Vor allem größere Firmen haben immense Cashbestände aufgebaut, sie haben sich im Grunde in ihre eigene Bank verwandelt. Geld aufnehmen ? Das wäre das kleinste Problem. Einige haben Probleme, es loszuwerden.

Microsoft, so lesen wir heute, wird nach Einschätzung von Bloomberg Ende des Monats seine Dividende um 15% anheben. Üblicherweise um diese Zeit des Jahres segnet das Unternehmen die Ausschüttung ab. In beiden Vorjahren wurde die Dividende angehoben, einschließlich eine 25%-Steigerung 2011.

Wir erinnern uns: Apple sitzt auf mehr als 100 Mrd. Dollar Cash, Cisco auf fast 50 Mrd. Kostenmaßnahmen, Gewinne in den Schwellenländern, Schlupflöcher in der Steuergesetzgebung und nicht getätigte Investitionen blähen die Barbestände auf. Noch mehr Geld von Herrn Bernanke ? Wozu ?

Die einzigen, die sich gerne bedienen, sind hoch verschuldete Regierungen, die geringe Kosten für die Refinanzierung schätzen.

Der Umlauf an US-Treasuries hat sich in den vergangenen drei Jahren um 63% ausgedehnt. Das war fünf Mal mehr als der Zuwachs beim BIP. Das Angebot – und der Umlauf an Treasuries – nehmen in alarmierendem Maße zu. Angetrieben wird die Kurs-Rally, die die Zinsen für 10jährige Papiere auf 1% zutreibt, von der Fed und von internationalen Anlegern, die nicht wissen, wo sie das Geld sonst parken sollen.

Diese Anleger springen – wenn ich dieses schräge Bild einmal gebrauchen darf – auf den springenden Zug auf, aber schon bevor dieser Zug ankommt. Im amerikanischen nent man dies „frontrunning.“

Ich will auf diesen Punkt hier nicht hinaus, aber er ist sehr wichtig: Einer der wichtigen Effekte der Geldpolitik in den USA – und bald auch Europa – ist, dass die Laufzeiten der Anleihen immer kürzer werden und sich deshalb das Schuldenrad (wegen der häufiger getakteten Refinanzierung) immer schneller dreht.

Hier aber der eigentliche Punkt. Während Regierungen profitieren, werden Sparer zwei Mal bestraft. Einmal, weil sie auf Sparkonten Zinsen unterhalb der Inflationsrate bekommen. Das zweite Mal, weil Regierungen die Banken anhalten, die Ersparnisse ihrer Kunden – die nicht auf dem Sparbuch landen, sondern in Fonds – in noch mehr Anleihen anzulegen.

Währenddessen treiben die niedrigen Zinsen Banken, Fonds und andere Großinvestoren in riskantere Anlageformen. Entstehen dabei Verluste oder für die Geldhäuser lebensbedrohliche Schieflagen, ereilt die Sparer in ihrer Identität als Steuerzahler der dritte Schlag über den Kopf.

Die NYT beschreibt heute schön, wie man in verschiedenen Ländern die Sparer obendrein noch in Finanz-Handschellen gelegt hat, damit sie nicht in höher verzinste Gefilde außerhalb des Landes ausweichen. In Spanien wird das mit Limits auf Abhebungen erreicht. In China wird das mit Kapitalkontrollen sicher gestellt. In Irland und Frankreich hat die Regierung den Pensionsfonds die Arme verbogen.

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