Ene mene muh, bei Null bist Du – Was steckt noch in Bernankes Hut ?

by markusgaertner on 12/09/2012 · 6 comments

IKONE_BÖRSE

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Das Urteil der Karlsruher Richter wird heute Europa in Atem halten. Diese befinden darüber, ob der Europäische Stabilitätsmechanismus mit dem Grundgesetz vereinbar ist. Ein Njet aus Karlsruhe würde Druckwellen bis nach New York erzeugen. In New York hat man diese Angelegenheit aber trotzdem auf dem Radarschirm ganz an die Seite geschoben.

Der Grund dafür ist schlicht: An der Wall Street haben die höchsten deutschen Richter nicht den Ruf, Stöcke in die Speichen der Krisenpolitik – und damit der Aktienkurse – zu werfen.

“Ich denke, wir sehen eine Zustimmung der Richter, vielleicht mit gewissen Auflagen, an die sich die Politik halten muss”, erklärt der Investment-Stratege Mark Luschini beim Vermögensberater Janney  Montgomery Scott.

Also, abgehakt das ganze? Nein, nicht ganz. – Wie gesagt, auf dem Radar bleibt Karlsruhe natürlich. Auch wenn kaum ein Händler in New York sofort auf einer Landkarte zeigen könnte, wo die Fächerstadt im Südwesten der Bundesrepublik überhaupt liegt.

Karlsruh … was ? – New York schaut bereits auf die Fed am Donnerstag

Energie und Aufmerksamkeit werden in New York dagegen bereits auf morgen verwendet. Da erwartet die Mehrzahl von Anlegern und Investoren an der Wall Street einen neuen Schluck aus der Geld-Pulle der Fed. Deren Offenmarkt-Ausschuss tagt heute und morgen. Danach soll angekündigt werden, ob – und wie – die US-Geldhüter jetzt wieder verstärkt auf das Gaspedal treten.

Im Gespräch ist aber nicht nur eine dritte Runde massiver Anleihekäufe (QE3), sondern auch andere Optionen: Denkbar ist zum Beispiel, dass die rekordniedrigen Leitzinsen bis 2015 verlängert werden, also noch 12 Monate mehr als bisher angenommen. Denkbar wäre auch, sagen Beobachter, dass eine zielorientierte Prognose abgegeben wird: Zum Beispiel die Beibehaltung der Niedrigzinsen, bis die Arbeitslosenrate einen bestimmten Prozentsatz unterschreitet.

Irgend etwas werden die Geldhüter in Washington schon tun. Das scheint die Stimmung auf dem Parkett in New York zu sein. Logisch daher, dass gestern die Aktienkurse stiegen, der Dollar dagegen sank. Denn wenn noch mehr Geld in das Finanzsystem gespült wird, um Konjunktur und Börsen zu stützen, dann weicht das den Greenback auf. Der DOW legte gestern leicht um 0,3% zu. Damit erreichte er wieder das höchste Niveau seit dem Dezember 2007.

Mehr dazu in meinem heutigen Vorbericht für die Wall Street auf  G E V E S T O R

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TSTM September 12, 2012 at 07:01

Selbst jetzt, wo viele realwirtschaftliche Daten in Richtung Süd preschen wird nichts unternommen.

Hätte man anstatt den “nervösen” Markt zu “stützen” diese zig-Billionen in die Realwirtschaft gepumpt ginge es UNS BÜRGERN dieser WELT besser.

EU-Verträge, Gesellschaftssatzungen von Zentralbanken, Grundgesetz; alles hat anscheinend nur noch Materialwert. Wer hätte das vor 5 Jahren gedacht?

Und unser Gold(-man-Sachs)junge der EZB ist nach leuchtendem Vorbild Heli-Ben völlig außer Rand und Band geraten. Und der EZB-Rat ist weder nach Einwohnerzahl des jeweiligen Mitgliedslandes noch nach Kapitalanteil der Mitgliedsländer stimmgewichtet. Gibt es sonst nirgends: Bei keiner AG, GmbH, OHG, KG oder demokratischen Land……. .
Oh, falsch: Gibt es doch; in Diktaturen.

Über die Verwendung der deutschen Steuermittel entscheidet der Bürger Deutschlands (und Europas) schon lange nicht mehr, egal was da nachher aus Karlsruhe kommen mag. Und da kommt was, auch wenn man an der Wallstreet dieses schon verniedlicht hat: Einige “Auflägelchens”. Budgethoheit der BRDe tangiert, wenn ja, ESM in der jetzigen Form k.o., nichts anderes.
Aber macht nichts, denn zum

1. hat der EZB-Goldjunge jetzt die alleinige Autorität über unser Geld, und für die EZB-Verträge ist das BVerfG m.E. nicht zuständig. Still und heimlich ist da das Demokratieprinzip über die Klinge gesprungen worden. MannMannnMann……

2. kommt man dem BVerfG saublöd, wenn es einem blöd kommt: Die Rettungsgelder für die spanischen Banken, immerhin 100 mrd €, 26,7 mrd aus deutscher Kasse, (und auch für die italienischen) wurden mit einer dem GG entsprechenden ungeheuerlichen Mehrheit vom Bundestag (ich glaube über 80%!!!!!!) genehmigt. Grundgesetzkonform. Und das lässt sich beliebig oft wiederholen.

Erstaunlich ist nur, dass die deutsche Bevölkerung, vertreten durch ihre Parlamentarier, so geschlossen Bargeld an Großbanken im Ausland ohne Sicherheiten verteilt. Wenn man nur mal die bisherigen 400 mrd durch die Anzahl der Erwerbstätigen in Deutschland teilt sind bisher 10.300 € p. P. aufgelaufen. Tja, dann mal bitte dauerhaft, unbegrenzt einzahlen. “zum Wohle des deutschen Volkes”, versteht sich von selbst.
Es ist zum verzweifeln.

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TSTM September 12, 2012 at 09:16

Nachtrag:
Das BVerfG hat soeben den ESM als Grundgesetzkonform erklärt, insofern 190 mrd. EURO Haftungsanteil der BRD nicht überschritten werden.
Info kommt aus dem Mainstream, prüfe ich also noch, ebenso warte ich noch mal die Urteilsbegründung ab, aber falls die Meldung so richtig ist:

Die letzte Bastion ist gefallen, man schaut m.E. nicht mehr auf die NICHT einzelfallbezogne Gesetzeslage, sondern wie im Common Law auf die Rechts- und Wirtschalftsfolgen. GUTE NACHT allerseits.

Da ich Rechtswissenschaften studiert habe, sind mir soeben alle Zacken aus der Krone gefallen. Eine Totalumkehrung der bis Dato zum Thema erfolgten Rechtssprechung. Auf die Begründung, dass Art. 38 GG nicht verletzt ist, bin ich mal so wirlich gespannt; ich wüsste nicht wie man das herleiten kann, es sei denn, der parlamentarische Kontrollverlust von 190 mrd. € sei unerheblich und im Rahmen des Üblichen.

Und es passt zur Überschrift: Ene mene muh, bei Null Rechten bist Du, Deutsches Volk.

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tomtom September 12, 2012 at 12:53

Nachdem nun eine DDäR 2.0 im Aufbau begriffen ist, müssen wir nun auch die damaligen Mittel wieder einführen: “Abstimmung mit den Füssen” zuerst, ich denk da an die ClubMed Länder die ja den BRD Wohlstand transferiert bekommen.
Alternativ dazu ein “Wir sind das Volk”. Aber dazu sind die Michels noch nicht fähig, vielleicht in 5 Jahren wenn der Euro endgültig, und für jeden sichtbar, zur Lira geworden ist.

Ich hab mich schon bei meinen Kindern entschuldigt, es wird ein erheblich schwieriges Leben für sie werden. Eine gute Ausbildung wird keine Garantie für Sicherheit mehr sein.

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tomtom September 12, 2012 at 12:58

Noch ein Gedanke: Wie wollen die nächstes Jahr überhaupt Wählen lassen ? Es gibt doch gar kein gültiges Wahlgesetz.
Wird Merkel dann kommisarisch Vorsitzende einer grossen Koalition ? Dann haben wir ja endlich ein Politbüro, da kennt Sie sich ja bestens aus…..

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Tom September 12, 2012 at 19:05

Das ist denen doch völlig egal. Gesetze und Verträge wurden inzwischen hundertfach gebrochen, wen interessiert da denn ein Wahlgesetz? Sollte der Michel aufmucken, stehen die Bundeswehr und die EUROGENDFOR-Truppen bereit, klarzumachen, was Recht ist und was nicht….

Gruss
Tom

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Ralf R. September 12, 2012 at 20:16

Der Euro ist unser 911, die Parallelen und deren Folgen sind unübersehbar.

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