Hyper-Ben Bernanke – Wenn der Diskus bis aus dem Stadion fliegt

by markusgaertner on 14/09/2012 · 33 comments

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Die US-Notenbank (Fed) tritt mit dem sofortigen Start ihrer dritten Runde massiver Wertpapierkäufe stärker auf das geldpolitische Gaspedal, als viele Beobachter erwartet hatten. Jeden Monat werden von den Geldhütern in Washington jetzt für 40 Mrd. Dollar Hypothekenpapiere gekauft, bis sich der Arbeitsmarkt sichtbar erholt.

Die laufende Operation Twist, mit der die Fed ihren Anleihebestand stärker in länger laufende Schuldtitel umschichtet, wird trotzdem bis Jahresende fortgeführt.

Auch das soll helfen, die Hypothekenzinsen zu senken. Operation Twist und der zusätzliche Kauf von Hypothekenpapieren werden für monatliche Interventionen der Fed im Umfang von insgesamt 85 Mrd. Dollar sorgen. Mehr noch: Die rekordniedrige Fed Funds Rate, der Leitzins der Notenbank, wird bis Mitte 2015 fortgesetzt. Das ist ein halbes Jahr länger als bisher geplant.

“Von allen Ankündigungen, die gestern von der Fed erwartet wurden, war das der größte mögliche Schluck aus der Pulle”, sagt der Chefstratege beim Brokerhaus BTIG in New York, Dan Greenhaus. “Die legen definitiv noch einen Zahn zu”, sagt auch Anthony Valeri – Anleihestratege bei LOP Financial in San Diego – über die neue QE-Runde der Fed. “Das Problem”, fügt er hinzu, “ist aber die nachlassende Wirkung der Geldpolitik. Wenn Hypotheken jetzt 0,2% billiger verzinst werden, dreht das den Spieß am Immobilienmarkt nicht gleich um.”

Der geldpolitische Kraftakt der US-Notenbank trägt zum ersten Mal kein verbindliches Preisschild. Das ist ein wichtiger strategischer Schwenk der Fed. Sie will so lange anschieben, bis es dem Arbeitsmarkt besser geht. Dort hatte die private Wirtschaft im August lediglich 96.000 neue Jobs geschaffen. Und das nach durchschnittlich 252.000 neuen Arbeitsplätzen je Monat von Dezember bis Februar. Und gestern meldete das US-Arbeitsministerium einen Anstieg der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe in der vergangenen Woche um 4% auf 382.000. Das ist der höchste Wert in zwei Monaten.

“Das muss nicht unbedingt eine rasante Verbesserung sein”, erklärte Fed-Chairman Ben Bernanke gestern in der Pressekonferenz die interne Zielsetzung der Notenbank, “wir wollen aber sehen, dass es anhaltende Verbesserungen gibt.” Der Offenmarktausschuss der Fed gab nach seiner zweitägigen Sitzung gestern in einem Statement zu Protokoll, er sei “besorgt, dass ohne zusätzliche Lockerung der Geldpolitik die US-Wirtschaft nicht schnell genug wachsen kann, um zu anhaltenden Verbesserungen am Arbeitsmarkt zu führen.”

Der Zuwachs beim Bruttoinlandsprodukt betrug im zweiten Quartal lediglich 1,7%. Und die Arbeitslosenrate verharrt seit 43 Monaten über 8%. Derzeit liegt sie bei 8,1%.

Die Fed löst mit ihrer Ankündigung eine heftige Kontorverse im US-Präsidentschaftswahlkampf aus. Und sie ruft Kritiker auf den Plan, die erhebliche Bedenken anmelden, ob die dritte Runde des Quantitative Easing (QE3) wirklich der Wirtschaft helfen kann. “Die Fed versucht, eine fehlgeschlagene Fiskalpolitik wett zu machen”, polterte gestern der Republikanische Abgeordnete Paul Ryan.

Er zieht seit zwei Wochen als Kandidat für das Amt des Vizepräsidenten mit Obamas Herausforderer Mitt Romney in den Wahlkampf. “Die Fed versucht zu vertuschen”, sagte Ryan, “dass der Präsident führungsschwach ist und dass wir dank miserabler Regulierung und Steuerpolitik eine erschreckende Wirtschaftspolitik sehen.”

Mehr dazu in meinem heutigen Bericht zur Fed-Entscheidung im Manager Magazin

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