Apple streift die 700 – Und die Bernanke-Rally schon wieder zu Ende ?

by markusgaertner on 18/09/2012 · 11 comments

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Ist es nur eine Pause von der Notenbank-Rally ? Oder kehrt nach der Party zur dritten großen Geldschwemme in den USA überraschend früh die Normalität zurück ? Die Frage ist zu früh gestellt. Wir wissen es nicht. – Sicher ist nur: Der Wochenauftakt war am New Yorker Aktienmarkt ohne Schwung.

Der Dow Jones Index gab 0,3% ab.  Der Nasdaq 100 büßte 0,17% ein. Der marktbreite S&P 500 sinkt 0,31%. Es gibt jedoch viele Anzeichen dafür, dass die Notenbanken in Frankfurt und Washington – die EZB und die Fed – mit all dem Geld, das sie nun künstlich schaffen, nicht den Blick vom Kalender und von der Konjunktur abwenden können.

Und dort werden neue Gefahren signalisiert. In Spanien kletterten am Montag die Renditen der 10jährigen Anleihe zum ersten Mal seit einer Woche wieder über die Marke von 6%. Mehr noch: Die Finanzminister der EU konnten sich am Wochenende nicht auf einen Fahrplan für die Bankenunion einigen.

Und in New York berichtet die lokale Zweigstelle der Fed den stärksten Rückgang der Industrieproduktion seit dem Krisenjahr 2009. Bei Rohstoff- und Energiewerten wurde zu Wochenbeginn der Rückwärtsgang eingelegt. Das reicht vom Rohöl bis zum Gold. Auch die Banken mussten gestern Federn lassen. Der KBW Bank Index beendete die Rally der vergangenen zwei Wochen mit einem Rückgang von fast 1% (GRAFIK).

Wenigstens konnte der Euro seinen Wechselkurs von über 1,31 zum US-Dollar verteidigen und damit den Eindruck einer Erosion vermeiden. Das bedeutet aus New Yorker Sicht, dass sich die Nervosität über die erneut aufflackernden Warnzeichen in Europa noch in Grenzen hält.

Das hat aber im schlimmsten Fall nur damit etwas zu tun, dass die Notenbanken gerade erst ihre Artillerie für die nächste Runde ultra-lockerer Geldpolitik in Stellung gebracht haben.

Netflix fiel zum Wochenauftakt 5,8%. Der weltweit größte Online-Verleiher von Videos wurde von den Analysten bei Macquarie Capital in den USA auf “underperform” abgestuft. Boeing musste mit einem Minus von 1,9% Federn lassen, weil es bei einem Testflug mit dem neuen Dreamliner Triebwerksprobleme gab.

Apple setzt dagegen seinen Gipfelsturm unentwegt fort. Der Grund hier: Die Vor-Oders für das iPhone 5 haben an einem Tag zwei Millionen übertroffen. Das war mehr als zwei Mal so viel wie beim Umsatzrekord des Vorgänger-Modells.

Gestern haben serienweise führende Analysten und Ökonomen vor den Problemen gewarnt, die jetzt – trotz der neuen Geldflut – auf die Weltwirtschaft zukommen. Der Rückgang der Exporte von Singapur – wegen der Schwäche in Europa – um 10% gegenüber dem Vorjahr im jüngsten Berichtsmonat ist ein Warnzeichen.

Mehr dazu in meinem Vorbericht zur heutigen Börsensitzung an der Wall Street bei  G E V E S T O R

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Andreas Ludwig September 18, 2012 at 06:56

@Tom
Geh mal auf die Seite des Zoll Deutscheland. Dann schau mal dort was die so anbieten zum Verkauf oder Versteigerung. Der Deutsche Zoll treibt das Geld ein von den Schuldnern die beim Staat Schulden haben. Für die Krankenkassen, Arbeits-und Sozialamt usw.
Schuldner sind Unternehmer die für ihre Mitarbeiter die Sozialversicherungsbeitrage nicht bezahlt haben, Harz 4 ler die viel bekommen haben usw.
Da sind de Flats und de Audös ganz oben an erster Stelle. Und da geht es um Beträge von stellenweise 80 oder 200 Euro. Natürlich auch mehr. Der Staat geht rigoros gegen diese Schuldner vor. Merke. Zahle beim Staat deine Schulden und denke nicht, für die Beträge machen die kein Fass auf. Die Zöllner haben heute keine Aufgabe mehr an der Grenze. Deshalb machen die das. Und die haben Zeit. Übrigens hilft da auch keine Eidesstattliche Versicherung. Die pfänden sogar Wein.Gruss

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Tom September 18, 2012 at 17:00

Andi, noch liegt die Wirtschaft auch nicht am Boden, noch können die Zöllner und der Rest der Handlangerschar bezahlt werden. Wir sprachen aber davon, was passiert, wenn das nicht mehr der Fall ist. Wenn der Staat so arm dran ist, dass er seine Beamten nicht mehr bezahlen kann, dann ist beim Malocher ausm Ruhrgebiet schon lange nix mehr da zum auspressen. Dann ist für Murksel der Zeitpunkt gekommen, die allgemeine Sklaverei zu proklamieren.

Der Zoll hat übrigens schon vor zig Jahren derartige Aufgaben wahrgenommen, nicht erst seit dem Schengen-Abkommen.

Gruss
Tom

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Marco September 18, 2012 at 18:31

“noch liegt die Wirtschaft nicht am Boden”.

Aber die ersten erwischt es schon eiskalt. Bei mir im Betrieb gibt es Abteilungen, die haben im Oktober NEUNZEHN Tage Kurzarbeit (von 22 Arbeitstagen). Wir haben mal weltweit geliefert. Jetzt haben wir Fabriken in Rumänien und China, die die Schwellenländer beliefern. Für unsere deutschen Werke bleibt nur noch Euroland, Großbritannien und Nordamerika als Abnehmer übrig. Und da kommt einfach nix mehr so richtig an Aufträgen rein. Und von den Aufträgen, die wir kriegen, liefern wir aktuell 4 Prozent (bisheriger Höchststand 2009 waren es 2 – 3 Prozent) nicht aus, weil unsere Finanzabteilung wegen mangelnder Solvenz der Kunden ihr Veto einlegt.

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Tom September 18, 2012 at 18:59

Klar gibts diese ersten Anzeichen für den Niedergang. Mit “am Boden liegen” meinte ich eine Situation, in der es zu Massenentlassungen kommt und somit zu riesigen Einkommensverlusten, in deren Folge auch der Staat beim Otto N. nix mehr eintreiben kann. Und die Politik mit ihrer unsäglichen Sucht, die Abgabenlast beständig zu erhöhen, trägt natürlich zu dieser Gesamtentwicklung bei. Jetzt trifft es die Exporteure, demnächst ist der Binnenmarkt dran! Der Einzelhandel dümpelt doch ohnehin schon seit geraumer Zeit so vor sich hin.
Ach ja, und wohin exportieren die Schwellenländer zukünftig ihren Kram hin, wenn der europäische und amerikanische Verbraucher in die Knie geht? Vermutlich geht dann der chinesische Reisbauer mit Puma-Schuhen und Designer-Klamotten bekleidet ins Reisfeld und postet stündlich seine Ernteerfolge mit seinem schönen neuen Ei-Fon via Fratzenbuch um die Welt…

Gruss
Tom

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Marco September 19, 2012 at 09:25

“Und die Politik mit ihrer unsäglichen Sucht, die Abgabenlast beständig zu erhöhen, trägt natürlich zu dieser Gesamtentwicklung bei.”

Ja, so ist es. Und die Gewerkschaften gehören da auch mit dazu. Auf meiner letzten Betriebsversammlung hat der IGM-Vertreter gefordert, die Rentenversicherungsbeiträge auf 24 Prozent zu erhöhen. Dann wird alles wieder gut…

Schöne Grüße

Marco

Grinario September 18, 2012 at 09:55

“Mehr noch: Die Finanzminister der EU konnten sich am Wochenende nicht auf einen Fahrplan für die Bankenunion einigen.”

Dazu müsste man sich mal grundsätzlich einig werden, dass die deutsche Einlagensicherung auch z.B. zur Deckung von Einlagen in spanischen Pleitebanken mit haften soll. Hier scheinen selbst Frau Merkel und Herr Schäuble zu zögern.

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HaPennyBacon September 18, 2012 at 10:16

So schlecht sieht es für die Eurozone ja nicht aus. Immerhin hatte man im Juli laut Eurostat ein Handelsüberschuss gegenüber anderen Ländern von 15,6 Milliarden Euro aufzuweisen. Wenn man bedenkt das die USA ein Nehmerland wie Griechenland sind, dann spucken die doch immer noch ganz schön freche Töne. In den letzten 15 Jahren haben die immerhin ein Außenhandelsdefizit in Höhe von über 9 Billionen(in deren Schreibweise natürlich Trillions) Dollar aufgebaut. Alles natürlich “bezahlt” mit Papierschnipseln anstatt mit echten Produkten.

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et September 18, 2012 at 10:25

…das sieht nur so aus. Mutti will noch immer Kaiserin Europas werden und Demokratie ist dabei bloss ein Hindernis!

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Andreas Ludwig September 18, 2012 at 15:57

@ et
Mutti wird nicht Kaiserin in Europa. Mutti dankt ab. Vielleicht hat eher der Maya Kalender recht? Wer weiss das schon. Aber vielleicht wissen es die Sterne :-)

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Tom September 18, 2012 at 19:03

Mensch Andi, gönn doch der Mutti auch mal was! Schliesslich hat sie doch DLand so schön alternativlos in die Krise und in die EU-Sklaverei geführt!
Aber wenn Mutti geht (gehen muss), dann wird es wohl eher ein Abtauchen werden, als ein AbDANKEN….

Gruss
Tom

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