Alte Krise in neuem Gewand – Rückkehr aus dem Parallel-Universum des Quantitative Easing

by markusgaertner on 19/09/2012 · 18 comments

2012-01-31_0943

Share

In China mobilisiert die KP den Mob gegen Japaner und US-Einrichtungen. In Australien warnt Rohstoff-Minister Martin Ferguson vor dem Ausfall von Bergbau-Projekten für 230 Mrd. Aussie-Dollar. In Spanien schrammt die Rendite der 10jährigen Anleihe mit 5,98% wieder an eine psychologisch brisante Marke.

Mehr noch: In Großbritannien räumt Manchester United ganz plötzlich 4,7 Mill. Pfund Vorsteuerverlust für das erste Halbjahr 2012 ein, nur einen Monat nach dem IPO. Erinnert uns das an etwas ? Ich nenne mal vorsichtshalber die ersten vier Buchstaben des Unternehmens, nur falls die von der Wall Street-Propaganda verklebten Gehirne den Namen vom Gedächtnis gelöscht haben: Face….

Klingt das alles irgendwie, als seien wir nach wenigen Tagen schon wieder zurück aus dem Parallel-Universum der QE-Eskapaden ? Das tut es. Weil es so ist.

An den Aktienmärkten scheint die Euphorie weitgehend verflogen, wenn man einmal von der dauer-gedopten Apple-Aktie absieht. Da ich kaum noch in einer Straße wandeln – oder in einem Kaffee sitzen kann – ohne dass meine Mitmenschen wie wandelnde Gespenster in ihre Smartphones vertieft sind, müsste aber bald auch die iPhone-Super-Rally ihren Höhepunkt erreicht haben.

Spätestens, wenn meine Frau mir aus der Küche eine BlackBerry-SMS schickt, ob ich noch einen Kaffe in meinem Heimbüro ein Stockwerk darüber haben will, dann ist es Zeit, diese Aktie zu shorten. Aber bis jetzt redet sie noch direkt mit mir …

Worauf ich hinauswill ? Wir sind zurück im verrückten Ausgangs-Universum, das wir in den vergangenen 10 Tagen vorübergehend verlassen hatten. In der QE-Galaxie ist es jetzt nach kurzer – aber ekstatischer – Party wieder ruhig. Die leeren Flaschen – und die Träume ewig beglückender Geldfluten – sind dort geblieben.

Jetzt müssen wir uns wieder mit mehr (nein, mit DER) Realität beschäftigen: Wahlen in den USA. Das fiskalische Kliff mit einem möglichen Absturz für die US-Konjunktur. Die Kriegsspiele am Golf mit der Rhetorik gegen den Iran. Die nationalistischen Wogen, die zwischen Japan und China aufschäumen. Die nicht endende Schlacht des Regimes in Syrien gegen das eigene Volk.

Dass es aus Nordkorea im Augenblick weniger Zombie-News gibt, und dass Japans Kabinett der Atomwirtschaft in Nippon die Lichter ausknipsen will, das sind dagegen schon gute Mega-Nachrichten. Aber sie gehen fast unter.

Wir sind in einer zweispurigen Welt – in der eine Dauerkrise im Finanzsystem (so darf man sie ja inzwischen nennen) mit Geldpolitik UND mit Fiskalpolitik bekämpft werden kann, auf einer Schiene gegen die Wand gefahren. Das ist die Schiene der Geldpolitik. Mehr Schleusen haben die Zentralbanker vielleicht noch, aber viel mehr Wasser kommt da nicht mehr zum Löschen (oder besser duschen) raus.

Jetzt bleibt nur noch die HaushaltsPOLITIK. Doch die hat bekanntlich allerorten Rohrkrepierer, vor allem in den USA. Also: Eine Hälfte des Dummies klebt schon an der Wand, die andere saust noch dagegen, wenn auch scheinbar in Zeitlupe.

Doch das ist eine optische Täuschung. Die “Ruhe”, die wir noch am amerikanischen Anleihemarkt sehen – vor dem fiskalischen Orkan – könnte bald vorbei sein. Sie ist trügerisch. Sie wird durch massive Fed-Käufe aufrecht erhalten.

Und dadurch, dass die Rolle des Greenbacks als langsam abdankende Welt-Leitwährung den Rest der Welt im US-Bondmarkt gefangen setzt.

Wo sollen denn die vielen Anlagemittel aus dem Rest der Welt hinströmen ? In den schwindsüchtigen Shanghai Composite ? In den wankenden Euro ? In den marginalen Yen ? Ins schmächtige Pfund ?

Die Amerikaner haben geschafft, was sie immer wollten. Wir sitzen gelähmt und gefesselt in ihrem Bond-Orbit. Wer rauswill, muss in Bares gehen, oder in vergleichsweise schlechtere Alternativen. Das aber will die Rendite-geile Welt nach so langer Zeit der globalen Yield-Orgien nicht mehr.

Wir wollen vermeintlich “sichere Häfen.” Die Amerikaner wollen unser Geld. Zwei Parteien, eine Gewinn-Kombination. Bis die Lichter ausgehen.

Share

{ 16 comments… read them below or add one }

HaPennyBacon September 19, 2012 at 06:54

Die vielen Vermögen weltweit wollen verzinst werden und das natürlich schön hoch. Leider ist die Realwirtschaft überhaupt nicht mehr in der Lage den Lebensunterhalt der Bevölkerung UND den Zinsdienst gleichzeitig zu liefern. Hinzu kommen dann noch die kleinen Extra-Leckerlies wie z.B. QE oder diverse andere “Rettungen” des Finanzsektors. Die wollen ja auch noch irgend wann bezahlt werde. Da das nicht funktionieren kann gibt es eigentlich nur zwei Lösungen. Lustig ist nur, das man nicht einmal selber wählen kann, welche der beiden Seuchen man lieber haben will. Herr Jain hätte ja gerne die Inflation, sagt er.
http://www.wallstreet-online.de/nachricht/5004548-deutsche-bank-chef-jain-inflation-preis-europa

Reply

Grinario September 19, 2012 at 09:26

Herrn Jains “Rente” wird vermutlich auch bei einem Kaufkraftverlust von 50 bis 70 Prozent noch immer ziemlich auskömmlich sein, isn’t it? Dass die Inflation, die “wir” ja alle für die Rettung des Euros hinnehmen müssen, so sagt Herr Jain, in der Gespensterdiskussion über eine kommende Alterarmut noch gar nicht so recht wahrgenommen wird, spricht nicht gerade für die aktuellen Politiker. Oder wollen die das gerade lieber nicht ansprechen?

Reply

Joker September 19, 2012 at 07:35

Nationaler Schulterschluss in China – warum gerade jetzt?

Vielleicht, weil die Wirtschaft stagniert oder den Bach……. und da hat sich Nationalismus immer gut gemacht…….

Und das Trommeln gegen Iran…..

Geschichte wiederholt sich… immer, immer wieder….

Reply

HaPennyBacon September 19, 2012 at 08:33

“…warum gerade jetzt?”
Da scheint bei der Inventur so einiges zum Vorschein zu kommen. Ein wenig Ablenkung kommt da nicht ungelegen.
http://www.heise.de/tp/blogs/8/152805

Reply

Johannes Tanne September 19, 2012 at 09:47

Salve HaPennyBacon,
was die Comex mit Edelmetallen, ist der Stahl in China. ;)

Überraschend ist das für mich jedenfalls nicht.

Reply

alma5 September 23, 2012 at 20:23

//Geschichte wiederholt sich… immer, immer wieder….

„Verrückt ist, wenn man immer wieder das Gleiche tut und dabei andere Ergebnisse erwartet.” Albert Einstein

Reply

vlk September 19, 2012 at 11:31

Klingt das alles irgendwie, als seien wir nach wenigen Tagen schon wieder zurück aus dem Parallel-Universum der QE-Eskapaden ?

Damit wir nicht zurückkehren können legt die BoJ gleich nach…

Reply

Joker September 19, 2012 at 11:44

Fuer die – nicht mehr existierende Leseliste – aehm…

http://www.bloomberg.com/news/2012-09-18/deposit-flight-from-europe-banks-eroding-common-currency.html

Wir gucken alle nur auf die ruhige Oberflaeche……aber im Getriebe faengt der Sand an zu reiben..

Die ECB kann die Illusion nicht mehr lange aufrechterhalten…

Reply

Joker September 19, 2012 at 11:54

Berliner Universum….

http://www.reuters.com/article/2012/09/19/us-germany-nation-idUSBRE88I07W20120919

so schaut das von draussen aus….

Reply

Joker September 19, 2012 at 13:33
HaPennyBacon September 19, 2012 at 14:56

Hatten die nicht noch bis vor kurzem Lieferzeiten wegen der “riesigen” Nachfrage bis hin zu Anno Dünnemals?
http://www.n-tv.de/wirtschaft/Krise-kommt-bei-Porsche-an-article7265136.html

Reply

HaPennyBacon September 19, 2012 at 18:17

Hmm Rohstoffspekulationen? Schaut euch mal den aktuellen Ölpreis an. Vielleicht stimmt ja diese Erklärung hier:
http://www.zerohedge.com/news/spot-odd-commodity-out

Reply

Marco September 19, 2012 at 19:19

Ja, wer hätte das gedacht. Die gestrige Erklärung des Bundesbankpräsidenten, was denn eigentlich Geld ist:

“In Kurzform: Heutiges Geld ist durch keinerlei Sachwerte mehr gedeckt. Banknoten sind bedrucktes Papier – die Kenner unter Ihnen wissen, dass es sich im Fall des Euro eigentlich um Baumwolle handelt –, Münzen sind geprägtes Metall.”

http://www.bundesbank.de/Redaktion/DE/Reden/2012/2012_09_18_weidmann_begruessungsrede.html

Dem ist nichts mehr hinzuzufügen.

Reply

dank September 19, 2012 at 22:41

Die teilweise Lösung zur Reduktion der Menschenmasse:

http://www.n-tv.de/politik/Genmais-verursacht-Tumore-article7267191.html

Nett, oder?

Reply

Seemann September 20, 2012 at 12:33

Kleine Frage, woher hast du die Info, dass es die KP ist, die die Leute in China gegen die Leute hetzt? Auf diesem Blog wird nämlich darüber gemutmasst, und auch wenn mir das durchaus wahrscheinlich erscheint, wüßte ich noch nichts über Hinweise darauf, wer da tatsächlich die Mobs antreibt.
Auf jeden Fall echt übel was da abgeht.

Reply

markusgaertner September 20, 2012 at 20:58

Ich habe in Peking sechs Jahre gelebt. Wenn man regelmäßig die Zeitungen liest, ist gut sichtbar, wie die KP die Erinnerung an die japanische Besetzung – und die Erniedrigungen der Kolonialzeit – wachhält. Und wer solche Proteste besucht – dazu gibt es ja regelmäßig Anlass (den hatte ich damals zum Beispiel nach der Bombardierung der chinesischen Botschaft in Belgrad durch die Amerikaner, oder andere Konfrontationen mit Japan, wie 2010) dann sieht man im Frühstadium der Proteste die vielen Polizisten in Zivil. Nach der Botschafts-Bombardierung sah man, wie das Militär selbst Demonstranten zum Ort der Proteste karrte und auslud … Viele Grüße

Reply

Leave a Comment

*

{ 2 trackbacks }

Previous post:

Next post: