Alte Krise in neuem Gewand – Rückkehr aus dem Parallel-Universum des Quantitative Easing

by markusgaertner on 19/09/2012 · 18 comments

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In China mobilisiert die KP den Mob gegen Japaner und US-Einrichtungen. In Australien warnt Rohstoff-Minister Martin Ferguson vor dem Ausfall von Bergbau-Projekten für 230 Mrd. Aussie-Dollar. In Spanien schrammt die Rendite der 10jährigen Anleihe mit 5,98% wieder an eine psychologisch brisante Marke.

Mehr noch: In Großbritannien räumt Manchester United ganz plötzlich 4,7 Mill. Pfund Vorsteuerverlust für das erste Halbjahr 2012 ein, nur einen Monat nach dem IPO. Erinnert uns das an etwas ? Ich nenne mal vorsichtshalber die ersten vier Buchstaben des Unternehmens, nur falls die von der Wall Street-Propaganda verklebten Gehirne den Namen vom Gedächtnis gelöscht haben: Face….

Klingt das alles irgendwie, als seien wir nach wenigen Tagen schon wieder zurück aus dem Parallel-Universum der QE-Eskapaden ? Das tut es. Weil es so ist.

An den Aktienmärkten scheint die Euphorie weitgehend verflogen, wenn man einmal von der dauer-gedopten Apple-Aktie absieht. Da ich kaum noch in einer Straße wandeln – oder in einem Kaffee sitzen kann – ohne dass meine Mitmenschen wie wandelnde Gespenster in ihre Smartphones vertieft sind, müsste aber bald auch die iPhone-Super-Rally ihren Höhepunkt erreicht haben.

Spätestens, wenn meine Frau mir aus der Küche eine BlackBerry-SMS schickt, ob ich noch einen Kaffe in meinem Heimbüro ein Stockwerk darüber haben will, dann ist es Zeit, diese Aktie zu shorten. Aber bis jetzt redet sie noch direkt mit mir …

Worauf ich hinauswill ? Wir sind zurück im verrückten Ausgangs-Universum, das wir in den vergangenen 10 Tagen vorübergehend verlassen hatten. In der QE-Galaxie ist es jetzt nach kurzer – aber ekstatischer – Party wieder ruhig. Die leeren Flaschen – und die Träume ewig beglückender Geldfluten – sind dort geblieben.

Jetzt müssen wir uns wieder mit mehr (nein, mit DER) Realität beschäftigen: Wahlen in den USA. Das fiskalische Kliff mit einem möglichen Absturz für die US-Konjunktur. Die Kriegsspiele am Golf mit der Rhetorik gegen den Iran. Die nationalistischen Wogen, die zwischen Japan und China aufschäumen. Die nicht endende Schlacht des Regimes in Syrien gegen das eigene Volk.

Dass es aus Nordkorea im Augenblick weniger Zombie-News gibt, und dass Japans Kabinett der Atomwirtschaft in Nippon die Lichter ausknipsen will, das sind dagegen schon gute Mega-Nachrichten. Aber sie gehen fast unter.

Wir sind in einer zweispurigen Welt – in der eine Dauerkrise im Finanzsystem (so darf man sie ja inzwischen nennen) mit Geldpolitik UND mit Fiskalpolitik bekämpft werden kann, auf einer Schiene gegen die Wand gefahren. Das ist die Schiene der Geldpolitik. Mehr Schleusen haben die Zentralbanker vielleicht noch, aber viel mehr Wasser kommt da nicht mehr zum Löschen (oder besser duschen) raus.

Jetzt bleibt nur noch die HaushaltsPOLITIK. Doch die hat bekanntlich allerorten Rohrkrepierer, vor allem in den USA. Also: Eine Hälfte des Dummies klebt schon an der Wand, die andere saust noch dagegen, wenn auch scheinbar in Zeitlupe.

Doch das ist eine optische Täuschung. Die „Ruhe“, die wir noch am amerikanischen Anleihemarkt sehen – vor dem fiskalischen Orkan – könnte bald vorbei sein. Sie ist trügerisch. Sie wird durch massive Fed-Käufe aufrecht erhalten.

Und dadurch, dass die Rolle des Greenbacks als langsam abdankende Welt-Leitwährung den Rest der Welt im US-Bondmarkt gefangen setzt.

Wo sollen denn die vielen Anlagemittel aus dem Rest der Welt hinströmen ? In den schwindsüchtigen Shanghai Composite ? In den wankenden Euro ? In den marginalen Yen ? Ins schmächtige Pfund ?

Die Amerikaner haben geschafft, was sie immer wollten. Wir sitzen gelähmt und gefesselt in ihrem Bond-Orbit. Wer rauswill, muss in Bares gehen, oder in vergleichsweise schlechtere Alternativen. Das aber will die Rendite-geile Welt nach so langer Zeit der globalen Yield-Orgien nicht mehr.

Wir wollen vermeintlich „sichere Häfen.“ Die Amerikaner wollen unser Geld. Zwei Parteien, eine Gewinn-Kombination. Bis die Lichter ausgehen.

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