Zins = Angebot + Nachfrage + Massage – Die Mär vom freien Markt

by markusgaertner on 20/09/2012 · 7 comments

2012-09-19_2136

Share

Zum Standard-Repertoire der Wall Street gehört der Verweis auf die Überlegenheit freier Märkte. Meist wird dieses Mantra wie eine kugelsichere Weste vor die Unschuldsmiene gehalten, wenn es um die Abwehr von Marktaufsicht geht, die diesen Namen verdient.

Wie ? Uns soll jemand kontrollieren ? Seid Ihr verrückt geworden ? Das lenkt doch nur scheues Angebot und Nachfrage ab (die sowieso von der Fed manipuliert werden).

Ganz richtig, möchte ich jedoch hinzufügen: Freie Märkte sind mir auch lieber. Aber sie müssen Gesetzen zuverlässig unterliegen. Und Gesetzesbrecher müssen ebenso zuverlässig mit den bekannten Strafen rechnen.

Mehr noch: Die soziale Verantwortung wirtschaftlichen Handelns soll nicht wie Sondermüll in den nächsten Fluss gekippt werden.

Doch genau diejenigen, die das Mantra freier Märkte so hoch halten, nehmen es im Tagesbetrieb so wenig ernst.

Dafür liefert uns heute Bloomberg ein weiteres Beispiel. Bloomberg hat sich eine interne Studie der International Organization of Securities Commissions besorgt, derzufolge über die Hälfte aller für Referenz-Zwecke verwendeten Zinssätze (LIBOR z. Bsp.) mittels Verfahren gebildet wird, die “undurchsichtig sind und selten regulatorischen Standards unterliegen.”

Das gilt für Europa, Asien und die USA gleichermaßen. Weniger als die Hälfte der Zinssätze wird dagegen vom “Markt” gebildet. Die Studie dürfte Ausfluss davon sein, dass seit dem Bekanntwerden des LIBOR-Skandals von den Marktaufsehern (hoffentlich) genauer hingeschaut wird.

Zahlreiche internationale Großbanken werden derzeit wegen des LIBOR-Debakels durchleuchtet. ABER: Ist es darum nicht schon wieder auffällig ruhig geworden ?

Share

Previous post:

Next post: