Europas Krisen-Malfunction und ein Busencrash bei den Emmy Awards

by markusgaertner on 24/09/2012 · 7 comments

IKONE_KONJUNKTUR

Share

Der Business Insider hat die Lage am Wochenende gut auf den Punkt gebracht: Es gibt im Cockpit und in der First Class unseres trudelnden Fliegers eine intensive Debatte über die einzuschlagende Richtung.

Wir in der Bretterklasse haben daruf keinen Einfluss. Aber uns interessiert es kein bißchen weniger, welches Ziel wir ansteuern. Dabei macht es – ökonomisch gesprochen – fast keinen Unterschied mehr, ob im Cockpit Jihaddisten sitzen, die einen Selbstmord-Anschlag verüben, oder von der Finanzwirtschaft kontrollierte Politiker.

Zu Wochenbeginn ist für mich das Beunruhigendste, dass die meisten schwer verdaulichen Meldungen nach kurzer Pause jetzt wieder aus Europa kommen.

So rückt in Portugal die Regierung nach den landesweiten Protesten von einem Teil ihrer umstrittenen neuen Sparmaßnahmen ab. Der Druck der Straße wird so groß, dass der Druck „der Märkte“ zumindest vorübergehend nicht mehr ausreicht, um das Spardiktat komplett aufrecht zu erhalten.

Und im griechischen Budget ist das Defizit deutlich größer als bislang angenommen. Die Troika aus EZB, IWF und EU-Kommission kommt nach SPIEGEL-Informationen zu dem vorläufigen Schluss, dass der Regierung derzeit 20 Mrd. Euro fehlen, „fast doppelt so viel wie zuletzt eingestanden.“ Damit ist die nächste Tranche aus dem laufenden Hilfspaket fraglich.

Doch das ist noch nicht alles. Der Telegraph wertete am Wochenende ein Papier von Morgan Stanley-Analysten aus. Demnach kann das britische Etatdefizit im Finanzjahr 2013/14 satte 126 Mrd. Pfund erreichen. Das wären 7,8% des BIP. Damit würden die Briten sogar noch Griechenland überflügeln.

Denn Griechenlands Etatloch dürfte bei etwa 6,3% herauskommen, das spanische etwa bei 6%. Das britische Office for Budget Responsibility sagt selbst für das kommende Haushaltsjahr eine Lücke von 98 Mrd. Pfund vorher, also 5,9% des BIP. Offiziellen Zahlen in Großbritannien zufolge liegt die Neuverschuldung im Haushalt nach den ersten 5 Monaten des laufenden Fiskaljahres 25% über dem angepeilten Ziel.

Und während die Portugiesen ihren Zeitplan teilweise verlassen, versucht Spanien sich mit möglichst geringen Auflagen unter den Schutzschirm der europäischen Gläubiger zu winden. Auch wenn Wolfgang Schäuble das nicht so sieht: Es führt kein Weg an einem Rettungspaket für die Spanier vorbei.

Seit die Notenbanken in Frankfurt, Washington und Tokyo in den vergangenen 14 Tagen in die ekstatische Phase ihres Geld-Tanzes übergegangen sind, scheint aber selbst diese Aussicht keinen Börsianer mehr sonderlich zu beunruhigen. Der S&P 500 kratzte in der vergangenen Woche am 4-Jahreshoch und liegt etwa 10% unter seinem Allzeithoch.

Und während der Präsident der Dallas-Fed, Richard Fisher, vor den Gefahren einer herauf ziehenden Inflation warnt, denkt der Präsident der Fed in Atlanta, Dennis Lockhart, schon einmal laut über die mögliche vierte Geldschwemme nach. Das tut der Mann lediglich sechs Handelstage nach der Ankündigung von QE3.

Sein QE-Versuchsballon deckt sich zeitlich mit einem Bericht der Huffington Post, wonach sich immer mehr College-Studenten in den USA unkonventionell verdingen, um ihre Studiengebühren noch bezahlen zu können, damit sie sich optimal auf die rapide verschlechterten Jobaussichten vorbereiten, und natürlich auf steigende Zinsen, die irgendwann ab 2020 ihre Uni-Schulden so explodieren lassen werden, wie es Ben bernanke heute schon mit der Geldmenge vorexerziert.

Dabei zeigt sich, dass Studentinnen sich bei horrenden Zuwachsraten immer öfter auf Partnerseiten im Internet „Sugar Daddies“ suchen, erfahrene und reiche Männer, die gegen intensives Schmusen die Studiengebühren subventionieren, oder – bei guter Befriedigung – gleich ganz übernehmen. Die männlichen Studenten spenden derweil bei der Samenbank, oder lassen sich – so oft es geht – Blut abzapfen.

Willkommen im Land der unbegrenzten Möglichkeiten, wo Prostitution heutzutage fast alles möglich macht, von guten Job-Perspektiven einmal abgesehen.

Und während die führende Online-Zeitung des Landes an prominenter Stelle darüber spekuliert, ob Kat Dennings mit ihren kaum verhüllten Vorzügen bei den Emmy Awards eine „Wardrobe Malfunction“ (inszenierte Blöße an brisanter Stelle) droht, schlittert das Land dem fiskalischen Kliff entgegen. Die möglichen Folgen: Siehe heutige Börsenvorschau.

Fazit: Man muss eben nur die richtigen Prioritäten haben. Europa steht bei dieser Entscheidungs-Malfunction gar nicht so alleine da, wie weithin angenommen.

Ein Trost ? Eher ein Rezept für das beschleunigte Erreichen des Grande Finale.

Dort angekommen, werden die Emmy Awards allerdings nicht mehr so im Vordergrund stehen.

Share

{ 7 comments… read them below or add one }

Leave a Comment

*

Previous post:

Next post: