Die Krise verbindet sie alle – Politbüros, Russen-Punker, PMIs und Pele

by markusgaertner on 01/10/2012 · 17 comments

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Glaubt man den meistgelesenen Nachrichten des Wochenendes, dann haben wir seit Freitag Abend nicht viel verpasst. Justin Bieber hat beim Auftakt-Konzert zur „Believe“-Tournee in Arizona auf die Bühne gekotzt.

Die Punkerinnen von Pussy Riot bekommen heute einen Berufungstermin vor Gericht. Und Pele hält die Spanier für das beste Fußball-Team der Welt. Ansonsten kreist der Mond immer noch um die Erde. Und von Youtube kommen ständig neue Gangnam-Videos, die mir grenzenlos auf den Keks gehen.

Aber lieber ein paar koreanische Tanz-Kapaden, als die immer gleichen Nachrichten aus den selben uralten Brandzonen. Zum Beispiel, dass Spanien seine Budgetziele nicht einhalten kann. Oder dass China im zweiten Monat hintereinander einen PMI-Index unter 50 meldet. Die Pappnasen im Politbüro werden am Ende trotzdem eine neue Führungsgeneration einsetzen.

Außerdem: Die KP-Statistiker in Peking kalkulieren nicht mit Taschenrechnern von Texas Instruments, sondern mit dem Parteibuch. Deshalb werden sie ganz zuverlässig eine wenig alarmierende BIP-Zahl für das dritte Quartal melden.

Und nicht solche Schätzungs-Blindgänger wie die US-Administration, die den BIP-Zuwachs für das 2. Quartal erst bei 2% sah, dann auf 1,7% korrigierte, um schließlich in einem Anfall von Ökonomen-Bulimie 1,3% auszurufen.

Das ist, wie wenn man bei Miss Universe zuerst Jennifer Aniston die Krone aufsetzt, dann die Wahl widerruft und Kirstie Alley auf den Thron hievt, um schließlich in einer totalen Kehrtwende Woody Allen zur schönsten Frau zu küren.

Der Taiwan-PMI ist im jüngsten Monat sogar auf 45,6 abgestürzt, das war der schärfste Rückgang in 10 Monaten. Warum ist das hier wichtig ? Weil die Elektronik-Insel uns ahnen lässt, wie es im Techsektor aussieht.

Wer die jüngsten Kursabschläge bei Intel und Konsorten gesehen hat, weiß, was auf uns zukommt.

Die großen Firmen machen bei Ausrüstungsinvestitionen die Taschen zu. Das ist ein zuverlässigerer Hinweis als jede Umfrage. Hier kommt der Link für eine aktuelle Liste der ganzen PMIs, die heute am Montag auflaufen …

Aus Tokyo hören wir derweil, dass der neue Tankan-Bericht der Bank of Japan schwache Nachfrage im Inland und für die Exportwirtschaft meldet, und dass der Index von -1 auf -3 gesunken ist. Das sind nun vier Quartale im Minus. Die Schuldenkrise in Europa und weniger Käufe aus China sind die kaum überraschenden Gründe. Kein Wunder, dass die Pessimisten auf der fernöstlichen Insel jetzt in der Mehrzahl sind.

Desweiteren lesen wir in der Nacht auf Montag, dass dem griechischen Parlament heute ein Budgetentwurf vorgelegt wird, demzufolge die Hellenen-Wirtschaft 2013 stärker als bislang angenommen schrumpfen wird, nämlich 3,8%. – Ist das alles ein Wunder ?

Wir lesen in der Nacht auf heute auch, dass der Welthandel zuletzt nicht nur zum Stehen gekommen ist, sondern seit dem Sommer auch den Rückwärtsgang eingelegt hat. Die WTO hat gerade ihre Prognose für den Volumenzuwachs im globalen Warenhandel im laufenden Jahr auf 2,5% nach unten korrigiert. 2011 waren die grenzüberschreitenden Warenströme noch um 5% angeschwollen, 2010 um fast 14%. Das ist allerdings mehr als Vollbremsung, das ist „Beam me Back, Scotty.“

Und in Europa ? Da müssen wir uns heute eigentlich nur vor Augen halten, was es bedeutet, dass Austeritäts-Demonstranten den Touristen am Wochenende das Colosseum streitig gemacht haben.

Von Raubtieren und Gladiatoren zu chinesischen Touristen und dann zu Troika-Spar-Opfern. Das klingt, als würde das Leiden immer harmloser. Aber die eskalierende Menge macht es.

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