Das System Bernanke – Mit quietschenden Reifen an der grünen Ampel

by markusgaertner on 02/10/2012 · 22 comments

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Eine bescheidene Zahl sorgte gestern an der Wall Street für einen gelungenen Start ins vierte Quartal. – 51,5

Das ist der Zählerstand auf dem Fieber-Thermometer, das am Montag vom Institute for Supply Management (ISM) für die US-Konjunktur vorgezeigt wurde. Eine Zahl über 50 signalisiert eine wachsende Industrie.

Der Rest ist simple Übersetzung ins Börsianer-Deutsch: ISM-Index über 50 heißt Expansion, das heißt bessere Gewinnaussichten. Genau sieben Handelstage vor dem offiziellen Startschuss der neuen Bilanzrunde in New York am Dienstag kommender Woche ist das wie Doping für die Kurse.

Denn die Zahl weckt Hoffnungen, dass die Gewinnberichte der Börsengesellschaften über das dritte Quartal bis September vielleicht doch nicht so ernüchternd ausfallen werden. Der DOW ließ sich von dieser behaglichen Aussicht weit über 1% ins Plus tragen bevor er am Nachmittag wieder die Hälfte von seinem Zuwachs verlor und den Tag mit einem eher mageren Plus von 0,6% beschloss. Was war passiert ?

Antwort: Verkehrte Welt an der Wall Street. Denn normalerweise sind es ja die Geldhüter der US-Notenbank (Fed), die Kurs-Rallys auslösen und für gute Laune sorgen. Meist tun sie das mit Gaspedal-Vorführungen in der Geldpolitik, oder mit Versprechen wie im Sommer der Präsident der Europäischen Zentralbank, Mario Draghi: “Wir tun alles, was in unserer Macht steht …”

Doch Fed-Chairman Bernanke klang gestern ungewohnt kleinlaut. Und das war das Problem. “Die Wirtschaft ist in jüngster Zeit schlicht nicht schnell genug gewachsen, um die Arbeitslosigkeit zu senken”, sagte Bernanke.

Ins Autofahrer-Deutsch übersetzt heißt das: Bernanke, der Mann mit dem Bleifuß auf dem Gaspedal, gibt zu, dass er an der grünen Ampel nicht vom Fleck kommt.

Und was jetzt ? Wieder Prinzip Hoffnung ? Ja.

Und das funktioniert so: Spanien will angeblich doch ein Rettungspaket beantragen, aber Berlin zögert, zuzustimmen. Das bedeutet stilles Ringen hinter der Bühne. Folge: Keine schlechten Nachrichten aus Europa für ein paar Tage – möglicherweise.

Gleichzeitig wissen wir, dass es eine Woche dauert, bevor die neue Bilanzrunde losgeht. Erst dann wird die – im schlimmsten Fall bittere – Wahrheit über die Ertrags-Situation der Wall Street-Firmen bekannt. Das könnten Tage der Ruhe werden, bevor die Schwerkraft der Realität die hochfliegenden Aktienkurse wieder zu Boden zwingt.

Dass der DOW und die anderen führenden Aktien-Indizes solche Gelegenheiten umgehend nutzen, das haben sie am Montag bewiesen – zumindest bis sich Ben Bernanke als Störenfried bei dieser Party zum Quartalsauftakt einmischte.

Mehr dazu in meinem Vorbericht für die Wall Street am heutigen Dienstag bei   G E V E S T O R

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