Retail-Pacman in den USA – Friss Amazon, sonst frisst Dich Romney

by markusgaertner on 08/10/2012 · 15 comments

IKONE_AMERIKA

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Als der amerikanische Bürobedarf-Marktführer Staples in der vergangenen Woche die Schließung von 60 Läden ankündigte – darunter 45 im rezessionsgeplagten Europa – hatten Analysten teilweise sogar Mitleid.

Das Unternehmen wurde Ziel von Witzen. “Die einzige Hoffnung für Staples”, so kalauerte der Market Watch-Analyst Cody Willard, “ist dass Mitt Romney die Wahl verliert, dann zum Finanz-Investor Bain zurückgeht und anschließend Staples aufkauft, um es wieder flott zu machen.”

In ersten Analysen beurteilten Beobachter die angekündigte Sparmaßnahme von Staples als das frühzeitige Ergeben in ein unvermeidliches Schicksal: Weil Firmen immer mehr in die Cloud ausweichen und Tablets unaufhaltsam auf dem Vormarsch sind, werden immer weniger Papier, Kopierer oder Textmarker gebraucht. So die oberflächliche Logik.

Doch Staples, so dämmert es Beobachtern des Unternehmens zunehmend, ist keineswegs auf dem Rückzug. Im Gegenteil. Es bereitet einen vehementen Gegenangriff vor. Das Ziel sind die aufstrebenden Online-Retailer – allen voran der weltweit größte Internet-Einzelhändler Amazon – die traditionellen Läden mit ihren hohen Immobilien- und Lohnkosten das Wasser abgraben.

Das Online-Shopping macht in den USA bisher etwa 10 Prozent vom gesamten Umsatz im Einzelhandel aus, aber es wächst rasant. “Staples ist immer noch der König des Bürobedarfs und genießt auch gesunde Margen”, bestätigen Analysten auf der Finanzwebseite Seeking Alpha, “doch die Firma restrukturiert, bevor der aufziehende Sturm sie umwerfen kann, nicht erst, wenn es zu spät ist.”

Staples will 250 Millionen Dollar sparen – und Online-Präsenz ausbauen

Staples will mit der Schließung von 60 Läden bis 2015 rund 250 Millionen Dollar sparen. Nachdem es bereits kräftig in seine Lieferketten und in die IT-Infrastruktur investiert hat, will es nun die Online-Präsenz ausbauen und dem e-Commerce-Geschäft intern dieselbe strategische Priorität geben, wie dem traditionellen Ladenbetrieb.

Vordergründig hat dieses Umsteuern mit der schwachen Konjunktur in Europa und den USA zu tun. Schließlich knabbern die US-Konsumenten derzeit wieder verstärkt die Ersparnisse an, um ihre Einkäufe aufrecht zu erhalten. Im August steigerten die Amerikaner zwar ihre Einkäufe um 0,5 Prozent, so viel wie seit dem Februar nicht mehr. Doch inflationsbereinigt hatten sie 0,3 Prozent weniger im Portemonnaie als vor einem Jahr.

Und das bereitet dem Handel in den USA Sorge. Doch viel mehr Sorge bereitet großen Retailern herkömmlicher Art, wie rasend schnell sich das Online-Shopping ausbreitet. Während die Malls dümpelnde Verkäufe melden, wächst das Online-Geschäft im Einzelhandel seit 10 Quartalen, zuletzt – im ersten Quartal 2012 – um 17 Prozent.

Mehr dazu in meinem heutigen Bericht im Manager Magazin

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Joker October 8, 2012 at 08:02

Leider kein Link….

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Victor October 8, 2012 at 08:15

http://www.sueddeutsche.de/politik/spendenrekord-fuer-obama-millionen-dollar-hoffnung-1.1489300
Dass die Zahl der Beschäftigten in der US-Wirtschaft im September um 114.000 gestiegen ist, dürfte für Obama deshalb wichtiger sein als viele Wahlkampf-Dollar. Entsprechend siegessicher gab er sich bei einem Wahlkampfauftritt im Bundesstaat Virginia.: “Ich glaube, dass wir als Nation wieder vorankommen”.
Mitt Romney antwortete prompt. So sehe “keine echte Erholung aus”, so der Republikaner. Es seien weniger neue Jobs entstanden als im Vormonat. Der Grund für die gesunkenen Zahlen sei, dass “immer mehr Menschen einfach aufgehört haben, nach Arbeit zu suchen”.

Gibt es Informationen in welchen Bereichen diese Jobs entstehen?
Wohl nicht in den Malls, im e-Commerce?
Die Gehaltsstruktur dürfte dabei weiter sinken und der Trend geht zum 4. / 5.-Job?

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Tom October 8, 2012 at 14:55

Hatte ich schon bei einem vorherigen Artikel geschrieben: Bei Handel und Logistik beginnt bereits im September die Vorbereitung auf die “Holiday”-Saison, Thanksgiving im November, Weihnachten im Dezember.
Ergämzung von Herrn Gärtner dazu war: Wiedereinstellung von Lehrern nach der Sommerpause.
Der “Zauber” ist im Januar wieder vorbei….

Gruss
Tom

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Till October 9, 2012 at 06:06

Normalerweise ist doch die Saison-Korrektur der Zahlen dafür da, das auszugleichen??!

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Tom October 9, 2012 at 14:36

Warum dies tun, wenn die Zahlen doch so schön klingen, so kurz vor der Wahl ?

Gruss
Tom

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HaPennyBacon October 8, 2012 at 09:41

Staples kommt etwa 12 Jahre zu spät. Das Selbe ist in Deutschland gerade Mediamarkt/Saturn passiert.
Übrigens, in China brennt der Baum:
http://german.china.org.cn/business/txt/2012-10/08/content_26724891.htm
COSCO ist die Firma, welche in Griechenland große Teile des Hafens von Piräus geschluckt hat und dort eigentlich noch weiter investieren wollte/sollte.

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Andreas Ludwig October 8, 2012 at 13:29

Hi Tom

könntest du mal für mich herausfinden was ein 1 er BMW 118i in den Staaten kostet. Damit es übersichtlich wird, nehmen wir einfach die Grundausstattung. Wenn es überhaupt die Kiste da drüben gibt. Wenn nicht, nehme den neuen Golf. Oder irgendein deutsches Auto was es hier wie drüben gibt. Audi, Mercedes,völlig egal…
Danke und Gruss

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Tom October 8, 2012 at 15:14

Das ist ziemlich schwierig! :-D
Beim BMW gehts schon los. Den 1er gibts nur als 128i und dann auch nur als Limousine.Fahrzeuge in Grundausstattung gibt es kaum.
Der Autohandel läuft hier ein wening anders! Hier stehen beim Händler teilweise hunderte Autos eines Modells aif dem Hof, in verschiedenen Ausstattungsvarianten, der Kunde sucht sich eines aus und nimmt es gleich mit. In DLand gehts man hin, konfiguriert sich sein Auto und wartet dann einige Monate. Das gibt es hier nicht….
Man müsste es zum Preisvergleich also genau andersrum machen: Man sucht sich ein Auto, was hier beim Händler steht, und konfiguriert es sich genauso auf der deutschen Webseite nach.
Wenn man sich die amerikanischen Preise hernimmt, muss man die Umsatzsteuer noch oben drauf rechnen. Hier wird die Umsatzsteuer nämlich generell NICHT mit verpreist auf den Etiketten, die kommt erst an der Kasse dazu! Bein uns neträgt die Sales Tax 8.125%.

Gruss
Tom

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Tom October 8, 2012 at 15:19
die Simpsons October 8, 2012 at 14:42

Übrigens heute nimmt der ESM offiziell seine Arbeit auf. Die Betonung liegt auf offiziell.

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Tom October 8, 2012 at 15:44

“Doch viel mehr Sorge bereitet großen Retailern herkömmlicher Art, wie rasend schnell sich das Online-Shopping ausbreitet. Während die Malls dümpelnde Verkäufe melden, wächst das Online-Geschäft im Einzelhandel seit 10 Quartalen, zuletzt – im ersten Quartal 2012 – um 17 Prozent”

Es wäre mal echt interessant, welche Warengruppen das betrifft. Bei Klamotten ist das nur schwer vorstellbar. Da wollen die Kunden i.d.R. anprobieren, da man sich auf die angegebenen Grössen nicht verlassen kann! Die sind von Hersteller zu Hersteller verschieden, bei Levi’s z.B. stimmen die Grössen noch nichtmal beim gleichen Modell überein! Auch lässt sich die Qualität des Stoffes nicht beurteilen. Dazu kommt noch eins: Die Ami’s sind ziemlich faul, was das Zurückschicken angeht…

Teilweise sind die Online-Preise auch höher als die im Laden.

Manche grossen Retailer bieten darüber hinaus selbst ein Online-Portal zum shoppen an, verbunden mit der Option für den Kunden, die Ware bei Problemen welcher Art auch immer, im lokalen Shop umzutauschen! Das gibts selbst bei Walmart.
Einen solchen Service kann der reine Online-Shop nicht anbieten.

Wir gehen als Laden einen völlig neuen Weg des “Online-Verkaufs”. Zum einen haben wir in unserem Online-Shop nur Sachen, die wir “Just-in-Time” herstellen. Damit vermeiden wir Lager-Haltung.
Zum anderen bieten wir den Kunden an (genutzt wird es vorwiegend von denen, die von 2ausserhalb” kommen und die Sachen, die wir verkaufen, nirgendwo anders herbekommen!).
Und der geht so:
1. Der Kunde trägt sich in den Newsletter unseres Blogs ein oder verbindet sich mit uns im Fratzenbuch.
2. Wir posten jeden Wareneingang incl. Bilder im Blog und publizieren den Link auf FB
3. Will der Kunde einen Artikel haben, schreibt er uns eine kurze Nachricht.
4. Wir knallen den Artikel auf eine Seite unserer HP und der Kunde bekommt seinen eigenen Link mit Passwort per Email.

Vorteil für uns: Keine zusätzliche Lagerhaltung, wesentlich geringerer Aufwand als bei einem regulären Online-Shop.
Der Kunde fühlt sich “wichtig”, weil er seine “eigene” Bestellseite bekommt!

Gruss
Tom

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wolfswurt October 8, 2012 at 20:10

Der Zauber vor der Wahl, ist so selbstverständlich wie das Erwachen vor der Wahl.

Unverständlich ist das wiederholteVerdrängen dieser Tatsache durch die Wähler.

Ursache könnte beschädigter Geisteszustand sein.

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wolfswurt October 8, 2012 at 20:12

Edit: natürlich “nach der Wahl”

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Andreas Ludwig October 8, 2012 at 21:42

hi Tom,
vielen Dank. Hast du auch noch einen Link für Mustangs?-))

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Tom October 8, 2012 at 22:23

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